Monthly Archives: März 2008

Die Menschen

Vorher eine sehr interessante Impression aus der Bahn mitgenommen: Zwei Anzugträger mit Bier und Fertigpizza diskutieren, wessen Abi beschissener war…

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Filed under Menschliche Idiotie

Post an Wagner

Lieber Franz Josef Wagner,

herzlichen Glückwunsch zu ihrer neuen Kolumne „Lieber Udo Lindenberg“. Samstag hatten sie frei, heute sind sie in meinem Blog. Sie sind hier, weil sie ein Nationalrätsel sind. Sie sind für mich nach ihrem Chefredakteur der zweite Erfinder einer sinnlosen Sprache, dem „Bild-Deutsch“.

Als sie irgendwann das „Bild-Deutsch“ erfanden (spätestens um den Jahrtausendwechsel) veränderte sich die bundesrepublikanische Welt. Ihre Worte legten die Beine auf den Tisch.

Sie, Franz Josef Wagner, und ich sind nicht gleich alt, ich bin kein Trümmerkind der 40er. Sie sind 43 geboren, ich 81. Ihre Kindheit kenne ich jetzt, meine war wohl besser. Kein nahtloser Aufbau nach den Nazis, aber auch kein Rasenmähen, kein Wirtschaftswunder. Heute gibt es Leute wie Kai Diekmann, die „langweilig wie ein Kirchentag“ sind. Manche Jusos tragen aber noch immer Rollkragenpullover.

Und dann kamen sie. Sie kamen mit einer neuen „Sprache“. Ihnen verdanke ich, dass ich schreibe, was ich heute schreibe. Ich lege meine Worte wie meine Füße auf den Tisch.

Das haben sie bewirkt.

Sie haben Deutsch zu „Bild-Deutsch“ gemacht. Vergleiche erübrigen sich.

Nein, keinen Dank dafür,

Sash

Ich verstehe, wenn sich jetzt Leute fragen, was ich da für einen Scheiß geschrieben habe. Ist wirklich kein toller Text geworden. Lesen wir doch lieber, was Wagner heute schreibt:

„Lieber Udo Lindenberg,

herzlichen Glückwunsch zu Ihrer neuen CD „Stark wie 2“. Samstag waren Sie bei „Wetten, dass ..?“, heute sind Sie in meiner Kolumne, weil Sie ein Nationalschatz Deutschlands sind. Sie sind für mich nach den Gebrüdern Grimm der zweite Erfinder der deutschen Sprache, des „Easy-Deutsch“.

Als Sie in den 70er-Jahren das „Easy-Deutsch“ erfanden („alles klar auf der Andrea Doria“), veränderte sich die bundesrepublikanische Welt. Ihre Worte legten die Beine auf den Tisch.

Sie, Udo Lindenberg, und ich sind gleich alt, wir sind Trümmerkinder der 40er. Sie sind 46 geboren, ich 43. Unsere Kindheit waren Neusiedlungen mit Rasenmähern, nahtloser Aufbau nach den Nazis, das Wirtschaftswunder. Es gab Menschen wie Heinrich Böll, aufregend wie ein Kirchentag. Die Jusos trugen Rollkragenpullover.

Und dann kamen Sie. Sie kamen mit einer neuen Sprache. Ihnen verdanke ich, dass ich schreibe, wie ich heute schreibe. Ich lege meine Worte wie meine Füße auf den Tisch.

Das haben Sie bewirkt.

Sie haben den Rock ’n’ Roll ins Deutsche übersetzt – wie Luther die Bibel.

Herzlichen Dank dafür

Ihr F. J. Wagner

Was soll ich dazu sagen?

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Ostern noch nicht vorbei

Es ist immer wieder schön, wenn man Geschenke bekommt. Ich hab heute mein (vermutlich) letztes Ostergeschenk bekommen. Eine Tasse, einen Schlüsselanhänger, einen Lutscher und 10 €. Ich gebe zu, auf diese Kombination wäre ich selbst nicht gekommen – aber ich freue mich!

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Sonntag (1)

Eigentlich mag ich Sonntage nicht so sonderlich. Wer kennt noch das gute alte Lied „Sonntag“ von Fettes Brot? Ich liebe diesen Song, weil ich ihn irgendwie in den meisten Fällen sehr treffend finde. Der Sonntag ist immer der Tag, an dem man wieder früh in Bett muss, weil man am nächsten Tag nicht mehr frei hat. Das ist zweifelsohne eine etwas pessimistische Einstellung. Eigentlich bin ich da gar nicht so, aber Sonntage waren für mich immer schon komisch.
Naja, ich wollte eigentlich nur schreiben, dass ich den heutigen als nicht schlimm empfunden habe. Ich habe ausgeschlafen (das kann man nach 9 Stunden um 14.30 Uhr schon sagen) und war danach noch recht produktiv. Die meiste Zeit aber habe ich mit Lesen verbracht, was aber leider auch keinen Stoff für großartige Einträge liefert, da ich mich an den alten Einträgen von Stefan Niggemeier gütlich getan habe, und nach einem Jahr einen Blog in einem Blog zu kommentieren – insbesondere, wenn man dem Original schwerlich das Wasser reichen kann? Nein!
Von Ozie habe ich heute ein ganz besonderes Geschenk erhalten, das… äh… nicht jeder hat. Einen selbstgehäkelten Colaflaschendeckelüberzug.
Ich erwarte jetzt keine Begeisterungsstürme. Ozie sicher schon. 🙂
Leider kann ich das noch nicht fotografisch dokumentieren, da meine Kamera seit nunmehr einer Woche nachtblind ist. Der Blitz will nicht mehr, und Kunstlicht reicht ihr nicht. Es ist seltsam, aber das sind ja die meisten technischen Geräte, die man nicht so genau versteht.
Etwas verwunderlich ist auch das Verhalten meines PCs. Ich hatte ja erwähnt, dass ich eine neue (alte) Tastatur angeschlossen habe. Das Schreiben klappt also wieder. Irgendwie unverständlich ist für mich, dass seit diesem Moment auch meine offenbar leicht lädierte Maus wieder tut wie eine Eins. Und: Ja, ich habe daran gedacht, dass vielleicht das Kabel locker gewesen sein könnte, und nun nach dem Umstöpseln wieder tut etc.
Ich habe die seltsame Befürchtung, dass mein PC das nur wieder auf die Reihe kriegt, weil er jetzt zwei Tastaturen hat. Ist nicht logisch, aber man redet sich ja immer wieder gerne falsche Kausalzusammenhänge ein, damit das Leben leichter wird. Wollte ich auch mal machen.

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Das Wochenende

Das Wochenende wird zwar mit Sicherheit nicht als eines der langweiligsten in die Geschichte eingehen, aber man kann auch nicht behaupten, dass so sonderlich viel in und um die WG herum passiert. Meine Tastatur hat nach wenigen Monaten bereits den Geist aufgegeben. Bei dem Preis, den ich für das Teil gezahlt habe, ist das eine akzeptable Haltbarkeit. Ich will gar nicht wissen, wie viele Kinder bei der Produktion derselben ihr Leben ließen. Jetzt schreibe ich wieder mit der alten (der alten meines Bruders), deren Tasten doppelt so hoch sind, und deren Geräuschpegel mich daran erinnert, warum ich in letzter Zeit weniger Musik höre als früher.
Mein Mitbewohner klärt mich gerade über sein Interesse am Boxen auf und ansonsten? Naja, hab ein paar Zielfahrten gemacht heute, morgen müssen es auch noch ein paar werden. Am nachhaltigsten war heute aber sicher das stete Lesen im Blog von Stefan Niggemeier.

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Bild am Freitag: Ein Rundumschlag

Sorry, wenn das hier etwas verspätet kommt, aber ich hatte heute einiges zu tun. Dennoch habe ich mir aus einer Laune heraus morgens mit Ozie zusammen die Bild gekauft. Ich weiß, das ist ein schwerwiegendes Verbrechen an der Welt, aber ich hab es nur getan, um diesen einen Blogeintrag zu schreiben. In der Hoffung, er ist mehr als nur 50 Cent wert.

Über den Titel der Bild braucht man sich keinen großen Kopf machen. Wie alle Wochen wieder geht es um die Rente, bzw. im Vergleich dazu um die Politiker-Pensionen. Welch unglaubliche Tatsache: „Sie haben es selbst beschlossen“ Wie ist das denn möglich? Muss ja eine große Neuerung in Deutschland sein. Stand zwar erst geschätzte 800000 mal in der Bild, aber bis es auch der blödeste Kerl geschnallt hat, wird munter wiederholt, dass die Politiker böse sind und uns alles Geld wegnehmen. Man kann sicher die ein oder andere Ungerechtigkeit anprangern, aber wie würde es denn aussehen, wenn die Rentner ihre Rente „selbst bestimmen“ könnten? (Mal davon abgesehen, dass man mit der Berufswahl und dergleichen schon ein gewisses Maß Eigenverantwortung hat). Dann würden die Renten steigen. Ist doch klar! Würde Bild sich dann über die Rentner aufregen, die den Staat ausnehmen? Sicher. Deswegen: Sei es drum!
Ach ja, prozentual ist die Erhöhung bei den Abgeordneten-Pensionen in etwa gleich hoch. Hab mich nicht informiert, das legen die Zahlen aber nahe.

Die Nackte von Seite 1 ist heute eine Ex von Matthäus, was sie auf die obere Seite neben der Titelschlagzeile drängt. Ich frage mich nur, wer bitte einen Überblick über all die Ex-Frauen, Ex-Freunde, Ex-Stars und Ex-Stars-Ex-Freundins-Ex-Freunde behält.

Wenn die Größe den Wert des Inhaltes bestimmt, dann ist die nackte Ex-Freundin eines Ex-Fußballspielers etwas wichtiger als der „schrägste Hund“ Deutschlands und damit immerhin dreimal so wichtig wie drei verletzte deutsche Soldaten in Afghanistan. Ganz meine Reihenfolge…

Ähnlich wichtig wie die toten Deutschen (Was ja immerhin grundsätzlich wichtiger ist als tote Ausländer) ist die Entdeckung der Grundlagen für Leben auf einem Saturnmond. Grundsätzlich scheint der Mond (Enceladus) tatsächlich recht interessant zu sein. Was die Bild aber genötigt hat, das heute zu veröffentlichen? Ich weiß es nicht. Die Nasa-Vorbeiflüge an diesem Mond starteten 2005 und bis auf eine erhöhte Dichte der abgestoßenen Partikel waren alle anderen Infos schon länger bekannt. Das mit dem Wasser beispielsweise seit März 2006 und das Vorkommen von „Energie“ mindestens seit der Entdeckung des Mondes, weil es keinen gottverdammten Materieklumpen im All gibt, der null Energie hat, verdammt nochmal. Wenn man schon wissenschaftliche Details verkünden muss, dann sollte man das auch richtig machen. Die vulkanische Aktivität dieses Mondes ist wohl recht beeindruckend. Aber diese halbe Zeile würde natürlich der Dogge Fenja die Aufmerksamkeit stehlen.
Die ist im Übrigen deswegen der schrägste Hund, weil sie sich schüttelt und dabei ganz (hässlich?) „schräg“ aussieht. Sowas hab ich ja noch nieeee gesehen!

Der Kommentar auf Seite 2 mahnt dann ver.di, sie sollten doch so vernünftig sein, und die acht Prozent mehr Lohn annehmen anstatt zu streiken. Dass es keine acht Prozent sind, die der durchschnittliche Angestellte kriegen würde, wird ignoriert, und die Beschäftigten werden einmal mehr auf ihre wichtige Rolle in der Wirtschaft hingewiesen. „8 Prozent sind echt viel – gerade heute!“ Gerade heute, soso…
Vor drei Jahren hieß es noch, unsere Wirtschaft wäre marode, mehr Lohn gibt es nicht. Dann kam der Aufschwung, und es hieß, er müsse sich stabilisieren, bis auch die Arbeitnehmer etwas davon abhaben könnten. Jetzt wird erzählt, der Aufschwung lässt nach, man kann das Bisschen jetzt nicht auch noch mit höheren Löhnen gefährden. Wie es dann in ein paar Jahren wieder aussieht. Ich weiß es, ich weiß es!!!
In Anbetracht der nicht einmal inflationsausgleichenden Tarifabschlüsse der letzten Jahre ist es nur zu verständlich, dass jetzt etwas leicht darüber gefordert wird. Und wenn man das „wenig Mehrarbeit“ von den „satten 8 Prozent“ abzieht und die enthaltenen Einmalzahlungen als solche behandelt, dann hat man wieder kaum die Inflation ausgeglichen. Es ist schon schön, dass die Bild all diesen Gegenargumenten so viel Platz einräumt: Keinen!

Wagner avanciert zum dritten Mal in Folge zum heißesten Anwärter auf den Oscar made in Absurdistan, indem er seinen täglichen Brief dieses Mal an Viagra richtet.
Was wollte er uns mit dem grammatikalischen Sonderfall „Viagra ist die Pille, die den Penis des Blutes und die eheliche Trägheit wieder belebt.“ sagen?
Es verwundert einen, dass sich Wagner um die Frauen von „Viagra-Ehemännern“ sorgt, und der Abschluss kann nur wieder ungekürzt wiedergegeben werden:
Wen macht Viagra glücklicher? Ich weiß es nicht. Ich glaube, dass der Sex die größte Macht ist. Und das Kuscheln danach. Herzlichst, ihr Franz Josef Wagner
Wie immer wechselt die Anrede im Brief vom Produkt zum Leser, und ich glaube, dass Wagners Frau die größte Macht ist. Bis zum Kuscheln danach. Oder so. Kann es sein, dass Wagner Angst hatte, Sex zur größten Macht zu machen? „Kann man ja nicht machen. Wegen den Frauen. Denen ist doch Kuscheln wichtiger. Und eine Zielgruppe sind sie auch noch…“
Ich sage es immer wieder gerne: Am Ende einer Wagner-Kolumne steht man da und fragt sich: „Was war das denn eben?“

Seite 3 wartet dann mit einer Berichtigung auf. Berichtigung? Au weh, ein schlimmes Malheur, arme Zeitung, was ist denn passiert? Ach so, der Termin für den Reisemarkt am Ostbahnhof war falsch angegeben. Das ist aber auch ein schlimmer Fehler.

Schön ist, dass die – sicherlich unangenehme – Preiserhöhung bei der BVG gleich in der Überschrift mit dem Streik in Verbindung gebracht wird („So saftig erhöht die Streik-BVG ihre Ticket-Preise“). OK, zugegeben: Im Text steht dann (als Hinweis, warum das so ist?) noch: „Ob Bahnen und Busse kommende Woche fahren, ist ungewiss. Fest steht nur: Die Tickets werden teurer.“ Sonst hat der Streik gar nichts mit der Preiserhöhung zu tun. Das sollte insbesondere klar sein, seit die BVG-Führung zur Streik-Hochzeit süffisant bemerkte, dass jeder Tag Streik dem Unternehmen Geld spart.

Dann ist da die arme Frau, die 888 Tage im Knast saß – unschuldig. Das ist ein schlimmer Fehler, aber wie man es erwartet, saß sie keine 888 Tage. Das ist aber auch eine ein bisschen unglaubwürdige Zahl, liebe Bild-Schreiberlinge. Ach so, ja, so genau war ja nicht angegeben, wann sie rauskam, das heißt: Monika de M. kann tatsächlich 888 Tage im Knast gewesen sein. Und zwar, wenn der Januar 2006 mindestens 74 Tage hatte. Da wusste ich aber nicht, wo ich das hätte recherchieren können. Dass der Januar 2006 allerdings mit dem in der Überschrift angekündigten „jetzt“ zu tun hat, wage ich zu bezweifeln.

Auf Seite 4 wird mal wieder erklärt, warum ein Bier am Tag gesund ist. Das sind mit Sicherheit keine neuen Erkenntnisse, Bild selbst erwähnt „immerhin 50 Studien!“. Was allerdings die „Herzschutzstoffe“ im Bier sind, würde wahrscheinlich nicht nur den Leser, sondern auch die ein oder andere Brauerei interessieren.

Auf Seite 5 ist es Bild dann eine halbe Seite wert, zu verkünden: „Bushido lässt Villa leerstehen“. „Der Berliner Rapper hat sich für 1,2 Mio. Euro ein Traumhaus gekauft. Jetzt hat er keine Lust auf den Umzug“. Klingt ja nicht uninteressant. Was also ist der Grund? Im Artikel selbst liest man dann, dass Bushido das Haus hat umbauen – genauer: pimpen – lassen. Es wird die Frage aufgeworfen, ob er jetzt Angst hat, als Spießer zu gelten – oder sind gar seine Depressionen schuld? (Depressionen wegen zwei Monaten Fahrverbot offenbar)
Bushido meint dazu, dass er erst seine CD fertig machen will und dann Urlaub in Italien. Den Sommer will er aber bereits im neuen Haus verbringen… Leer stehen lassen? Ein paar Monate? Eine halbe Seite in der Bild dafür? Geht’s noch? Putzig obendrein die Quellenangabe: Ein Interview aus der BRAVO. Grandios!

Direkt drunter wird Ben Becker beim Bier in einer Berliner Kneipe gezeigt. Nachdenklich. Laut Bild dürfte er das eher nicht sein, ist doch sein neues Theaterstück bis Ende März ausverkauft. Ach so, wir haben schon den 28. März, naja…

Sonst finden wir Titten, ein paar versteigerte Mauerstücke und die erschreckendste Zahl des Tages: Jede Schule in Berlin hat im letzten Schuljahr 1,8 mal ein Gewaltdelikt gemeldet. Respekt! Fast so viel los, wie in einer durchschnittlichen fünften Klasse! Wenn schon Panikmache, dann doch bitte mit Zahlen, die das auch hergeben! Ich bin auch der Meinung, dass jeder dieser Vorfälle einer zu viel ist, aber man muss es nicht übertreiben.

Die halbe sechste Seite findet Bild die eigene Werbung am Axel-Springer-Hochhaus toll und fordert Leser auf, sie zu fotografieren und damit Geld zu verdienen. Man kann also davon ausgehen, dass man die Werbung in eigener Sache noch ein paar Wochen zu ertragen hat. Vor allem jetzt, da sie die Plakate mit dem Schriftzug „Bild liebt Berlin!“ länger hängenlassen wollen. Grund: „Von manchen Liebeserklärungen kann man doch nicht genug kriegen, oder?
Äh, doch!

Dann sehen wir einmal mehr ein nicht unkenntlich gemachtes Foto eines Verdächtigen in einem Mordfall, was ein Verstoß gegen den Pressekodex ist, aber bei Bild noch nie interessiert hat. Beachtenswert hier die Überschrift: „Blutbad unter Freunden in einer Schöneberger Wohnung“ Geil, oder?

Dann kommt auf Seite 7 die Frage „Warum haben wir immer weniger Geld in der Tasche?
Mit einem kurzen Verweis auf Seite 2 hier meine Antwort: Weil irgendwelche Arschlöcher von der Bild dafür sorgen, dass die Bevölkerung Lohnsteigerungen als schlecht für die Wirtschaft betrachtet.

Der Knüller auf Seite 7 ist aber (wieder eine halbe Seite), dass der Koma-Wirt Busfahrer werden wird (will?). Koma-Wirt ist die Umschreibung von Bild für einen Wirt, der einen Jugendlichen angeblich zum Saufen animiert hat, wonach dieser dann im Koma und schließlich im Sarg landete. OK, dieser Mensch scheint nicht das Verantwortungsbewusstsein in Person zu sein, aber wenn die BVG ihn will. Immerhin hat er bei der Sauforgie nur Wasser getrunken. Sorry, aber die Panikmache ist übertrieben. Wenn der Typ ein guter Fahrer ist, dann ist er es. Und das festzustellen ist Aufgabe der BVG und nicht die der Bild.

Mit der Zeit vergeht einem die Lust, alles weitere auch noch zu kommentieren. Die Nackt-Fotos besagter Ex von Matthäus, der Tod Ulrich Wickerts Vater, Satanische Verse im Theater (Natürlich mit Islamisten-Drohungen), nochmal Brüste, Fett-Killer… man kennt das alles ja eigentlich schon.

Dann taucht auf Seite 12 Roger Kusch auf, der angeblich eine „Selbstmord-Maschine“ entwickelt hat. „Pervers!“ schreibt Bild noch in der Überschrift. Der Artikel wird moderater und sagt sogar, dass das gesetzlich ok ist. Dass es sich bei der von Kusch entwickelten Maschine im Text selber nur noch um eine Maschine handelt, an der Kusch seit Monaten basteln ließ, wird kaum jemanden interessieren. Interessanter ist da noch, dass das Foto einen Perfusor der Marke M.Braun Melsungen AG zeigt, eine Firma übrigens, die auf dem Gebiet der Spritzenpumpen so sehr Marktführer ist, dass Perfusor inzwischen als Name die Spritzenpumpe fast ersetzt hat. Es ist wenig glaubwürdig, dass Kusch das Produkt dieser Firma „entwickelt“ hat. War er vielleicht der, der auf die Idee kam, nicht nur heilende Medikamente einzufüllen. Hat er die Idee nur vorgestellt? Wer weiß? Der Bild-Leser sicherlich nicht!

Im Sport kenne ich mich leider nicht aus, dazu möchte ich nur sagen, dass ich es bezweifle, dass das von Bild im Internet entdeckte Hertha-Trikot ein Geheimentwurf ist.

Die letzte Seite zeigt uns angeblich, wie ein Elefant die Welt sieht und wie Jack Nicholson oben ohne aussieht. Klasse! Themen, die die Welt bewegen! Ein Mädchen soll angeblich aus Angst vor dem Zahnarzt verhungert sein und die Eltern wollen Ärzte verklagen – nee, is klar!
Zu guter Letzt gibt es noch eine kleine Portion Titten, bei denen sich aber – wie bildblog.de berichtet – einige Fehler eingeschlichen haben.

So, das war es erstmal. Ich werde mir im nächsten halben Jahr sicher keine Bild mehr kaufen, da kommt man ja aus dem Schreiben nicht mehr raus. Und ich hoffe, dass das auch ein paar andere machen (Sowohl darüber schreiben, als auch sie nicht zu kaufen!)
So denn, CU!

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Des Wagners Wagnis im Nackt-Business

Eine völlig sinnentleerte Überschrift. Musste aber sein. Der letzte Eintrag handelte von der perversen Rachegelüsten eines Franz Josef W. So zumindest hätte die Bild ihn wohl anonymisiert…
Man hat bei Wagner immer die Hoffnung, dass er irgendwann mal DIE Kolumne schreibt, nach deren Vollendung er in seiner eigenen Extase das irdische Dasein hinter sich lässt. Aber dann sieht man am nächsten Tag auf bild.de oder in der Zeitung selber nach, und – zack! – da schreibt der schon wieder. So ging es mir heute auch mal wieder, und dann stelle ich fest, dass er nur einen Tag nach der letzten – echt beängstigenden – Kolumne diesen Schrott produziert.
Die Presse insgesamt hat sich eingeschossen auf das Ex-Model Carla Bruni, das nun mit dem französischen Staatspräsidenten liiert ist. Sie ist jung, sie sieht gut aus, es gibt Nacktfotos von ihr, und zusammen mit der Ex-Frau ist es ein ganz schönes Häppchen, von dem man dem Präsidenten immer mal wieder was vorhalten kann.
Ich persönlich bin der Meinung, dass man jemandem in so einem Amt seine Politik vorhalten sollte, aber das ist ja nicht so das Metier der Bild.
Also packt man die Frau aus, und das am liebsten bis auf die Unterwäsche. Gerade kursieren „neue“, kaum 15 Jahre alte Aufnahmen der Frau Bruni, und nun vergeht sich Wagner an ihnen. Er schwadroniert, dass Bruni „zweifach auf Staatsbesuch in Großbritannien“ sei, „als vollständig bekleidete Frau des französischen Präsidenten und als Nacktfoto“.
Hier (und das ist der Einleitungssatz) läuten bereits alle Wagner-Glocken, und man weiss, dass da nur noch Schrott kommt.
Wagner kommt nicht umhin, das Foto genau zu beschreiben:
„Ihre linke Brust ist höher aufgerichtet, Ihre rechte Brust fällt. Ihre Oberschenkel sind schmal hinunterlaufend, Ihre Hände beschützen Ihre Scham.“
Diese enorm erotisierende Beschreibung beendet er wie folgt:
„Seltsam ist die Beinstellung. Sie kneifen Ihre Beine zusammen, als müssten Sie aufs Klo.“
Dann sinniert er noch ein bisschen darüber, dass Frau Bruni niemals eine echte Präsidentengattin sein wird, sondern… Sondern?
„Sie wird immer die nackte Frau sein. Die Frau der einsamen Männer.“
Und mit diesem Satz – natürlich nicht ohne das obligatorische „Herzlichst“ – entlässt Wagner unser Gehirn wieder in die Freiheit. Wie so oft nach einer Wagner-Kolumne sitze ich da, und frage mich: „Was war das gerade?“.

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