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Besuch, Besuch!

Guten Morgen, liebe Fangemeinde. Inzwischen wissen es wahrscheinlich alle: Wir hatten heute sehr früh bereits Besuch: Um exakt 6.23 Uhr klingelte es bei uns, seltsamerweise nur an einer Klingel. Hmmm!? Mein Wecker stand auf 6.25 Uhr, irgendwie seltsames Timing. Ich suchte erst meinen Schlüssel, das Klingeln entwickelte sich so langsam zu einem Sturm-Klingeln, und als ich da halbnackt gen Tür gewatschelt bin, kam mir der Gedanke: Das könnten die Cops sein. Ich öffnete nach kurzem Klopfen die Wohnungstüre, und da stand eine halbe Armee (so 10 bis 15 Leute) – leider nicht betrunkene Spätheimkehrer, wie ich gehofft hatte, sondern tatsächlich die Cops.

„Ich möchte mit ihnen reden, sie sind doch der Sash!? Wir haben hier einen Durchsuchungsbeschluss für ihr Zimmer…“

Na klasse, hab ich mir so gedacht. Es ist nix aufgeräumt, ich muss in 30 Minuten zur Arbeit, und dann das! Sie haben mir erstmal den Beschluss gezeigt, mich gefragt wo mein Zimmer ist, und dann wollten sie auch schon loslegen. Ich bat darum, meiner Freundin doch noch sagen zu können, sie solle sich was anziehen, was mir mit offener Tür auch gestattet wurde. Nichts desto trotz stand gleich einer neben mir im Zimmer und meinte (enttäuscht?)

„Sie haben ja schon ein T-Shirt an.“

Im Allgemeinen kann ich mich nicht über zu grobe Vorgehensweise beschweren, es war allerdings unverschämt, dass sie ohne anzuklopfen in alle Zimmer reingeschaut haben, um festzustellen, wer sich noch in der Wohnung befindet. Damit erschöpfte sich ihr Interesse an den anderen Zimmern allerdings, zumal sie mich gefragt hatten, ob ich denn noch weitere Zimmer hier besitze. So wurde die gesamte WG unsanft geweckt, teilweise einer Ausweiskontrolle („aber nur auf freiwilliger Basis!“) unterzogen, das war’s aber auch schon. Ich war zunächst mal alleine mit 3 Cops in meinem Zimmer, ein Zustand, den ich nicht so sonderlich prickelnd finde, aber sie haben sich Mühe gegeben, nett zu sein und Provokationen zu vermeiden. Der Einsatzleiter zeigte mir ungefragt seinen Ausweis, fragte mich jedes Mal, ob er sich etwas anschauen dürfe, etc. Kann mich nicht beklagen. Man hat deutlich gemerkt, dass sie da waren, um einen Zeugen zu durchsuchen, nicht einen Angeklagten. Dann fragte der äußerst reizende H.P. (Hans Peter?), ob er mal meinen Rechner anschauen dürfe. Ich bejahte mit dem Hintergrund, dass sie ihn besser hier durchschauen als ihn mitzunehmen, und mir so die Möglichkeit bleibt, zu kommentieren, was sie finden. Ich weiss, dass man normalerweise jede auch noch so freundliche Koversation mit den Cops vermeidet, die Details, die ich preisgegeben habe (wo ich arbeite, ob mein Bruder auch mein Bruder ist…) dürften kaum relevante Infos enthalten haben. Ich gab mehrmals an, dass ich die Kamera nicht habe, dass die Bilder nicht auf meinem PC sind, was sie offenbar auch geglaubt haben.

Der gutgelaunte (um 6.30 Uhr morgens!) H.P. durchsuchte meinen Rechner mehr halblebig als ernsthaft, hat aber nichts verwertbares gefunden. Obwohl: Er hat Pornos gefunden, von denen ich selbst nichts mehr wusste – das war wiederum das einzige, was er laut verkündete. Vielleicht ein stichelnder Seitenhieb wegen Ozies Anwesenheit? Egal, wenn es so war, dann lief der ins Leere. Er verlor ein paar Scherze darüber, dass man die bei jedem finde, sogar bei den radikalen Islamisten („Weiss’sch noch, der wo wir neulich waren, der ganz harte: Der hatte extrem viele: Lauter Blonde!“). Mit Erschrecken stellte er fest, dass ich 51.300 Bilddateien auf meinem Rechner habe (da rockt die alte WG-Page mit 23.000 Bildern enorm rein!), und beliess es dabei, sich ein paar davon eher stichprobenartig herauszusuchen und sie sich anzeigen zu lassen. Ich hatte bisweilen das Gefühl, er war mehr an Comedy als an Krawall interessiert. Er hatte noch einen Satz parat, der mich dann ernstlich überraschte: Er meinte, dass bei „Mollis und Bengalos“ der Spass aufhört, und dass er „dachte, wir sind doch bisher immer so gut miteinander ausgekommen“. Hallo? Wohnst Du auf meinem Planeten? Der andere hat inzwischen brav den Durchsuchungsbericht ausgefüllt, und bereits nach 20 Minuten hat er gemeint, sie könnten langsam Schluss machen. Auf die Frage, ob er was hätte, antwortete H.P.:

„Nichts interessantes, es sei denn, sie sind gut versteckt.“

Kurz hatte ich noch Schiss, dass sie meinen Rechner mitnehmen würden (H.P. hat in 20 Minuten nicht ganz 51.300 Bilder geschafft) – was mir sehr unangenehm gewesen wäre, da ich ihn zum Arbeiten am Shop brauche. Aber Fehlanzeige, sie verzogen sich ähnlich schnell wie sie gekommen waren, einer der letzten Sätze, die ich gehört habe, war „wir haben ja nichts kaputt gemacht!“

Nun möchte ich kurz auf ein paar extrem unsinnige Fehler hinweisen, die die Beamten gemacht haben, über die ich nicht schweigen kann, weil sie zu peinlich sind. Nein, ich will keine schärferen Hausdurchsuchungen provozieren, aber das heute war einfach zu schräg. Sollte der ein oder andere Staatsdiener sich den Schrott hier echt geben: Ich habe keine Kamera, ich habe keine Bilder, und ich werde auch in Zukunft keine haben. Sicher! Es lohnt nicht, den Scheiss zu wiederholen. Schlaft lieber aus, die meisten Krawalle finden nachts statt 😉

Die Fahrlässigkeiten bei der polizeilichen Durchsuchung am 27.10.2006 in der Teichstraße:

  1. 1. Sie dürfen mein Zimmer, Wohn- und Nebengeschäftsräume durchsuchen. Ich habe einen Nebenerwerb, nach dem ich nicht gefragt wurde, ich habe einen Nebenerwerbsraum der nicht durchsucht wurde.
  2. Sie wussten, dass ich als Fahrer arbeite. Vielleicht interessiert es sie ja, dass ich einen Dienstwagen habe, der zu jeder Zeit bei mir steht und in dem sich einiges an privaten Dingen befindet.
  3. Sie haben nach einer Kamera, bzw. einem Datenträger für Film(?)- und Fotoaufnahmen gesucht. Inzwischen sind diese Datenträger und die Kameras recht klein. Eine kleine Aufzählung von Orten, an denen sie definitiv nicht gesucht haben: Unter meinem Schreibtisch, unter dem danebenstehenden Tisch, in der mit Elektroschrott gefüllten Schublade meiner Kommode, in den obersten Regalbrettern, in etlichen Kartons im Zimmer, auf dem Regal, hinter der Matratze, hinter meinem Monitor, hinter meiner Anlage, in meinen Klamotten, in meiner Kleiderkommode… und mein Zimmer hat gerade mal 12m² und sie waren zu dritt!
  4. Die Windows-Suche ist ein ungeeignetes Werkzeug für eine professionelle Suche. Auch ich weiss, wie man Dateiendungen ändert oder das Erstellungsdatum. Bei einer Suche von vielleicht 10 (?) Bildern unter 51.300 reichen ca. 20 Stichproben kaum aus.
  5. Das Poster in der Küche mit den bekifften Polizisten ist recht witzig, und vielleicht auch die übrigen Fischstäbchen von gestern Abend. Vielleicht hätten sie bei ihrer Aufgabe der Digitalkamera auf der Mikrowelle mehr Beachtung schenken sollen…
  6. In meinem Regal befinden sich eine Menge CD’s. Sogar hinter ein paar abschirmende A4-Blätter haben sie gelugt. 20 cm davon entfernt lagen offensichtlich 2 Videokassetten einer kleinen Digitalkamera (mit nutzlosem Zeug drauf, aber das konnten sie schwer feststellen)

Ich glaube, das war’s dann schon 😉 Nichts für ungut, es war früh am Morgen und ich hatte wirklich nicht, was sie suchten.

Wen es interessiert: Hier sind die Durchsuchungsanordnung und der Bericht: (Link entfernt)

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