Ärzte-Marathon

Mit zunehmendem Alter steigt ja bekanntermaßen die Zahl der Zipperlein. Nun würde ich mich nicht zwingend alt nennen, aber die goldenen Zwanziger hab ich im Gegensatz zu diesem meinem zweiten Jahrhundert ja doch schon etwas hinter mir.

(Wobei mir übrigens kaum etwas seltsamer erscheint, als dass ich meine Eltern in dem Alter gekannt habe, in dem ich jetzt bin und davon ausgegangen bin, dass die alles wissen, was man so wissen muss.)

Nun will ich mich nicht beschweren. Ich hab einige Jahre mehr als nur gut gelebt und schon damals haben alle Ärzte gesagt, dass man das nicht auf Dauer machen kann. Dafür geht’s mir recht gut. Ich kann also jetzt hier nicht mit irgendeiner Killerdiagnose aufwarten. Wobei wir da eigentlich schon beim Problem sind: Ich kann mit gar keiner Diagnose aufwarten. Was daran liegen mag, dass das Symptom „Fuß tut weh“ nicht sehr spezifisch ist.

Arg viel genauer konnte ich es meinem inzwischen neu rekrutierten Hausarzt allerdings auch nicht sagen, denn es betrifft mal Stellen rechts hinten, mal welche links oben. Es wird schlimmer, wenn ich den Fuß belaste, zum Beispiel durch Arbeit, es wird ohne Belastung besser, kommt aber schnell wieder. Hier mal ein Kilometer Kinderwagenschieben – bäm, Fickerei!

Wir reden hier nicht über die Hölle, auf einer Skala von 1 – 10 würde ich dem Maximum eine stabile 6 geben, aber ich gehe auch davon aus, trotz Pleuraerguß und Schienbeinbruch bisher nie eine 10 erlebt zu haben, sondern allenfalls eine 8. Ich kann mir also noch eine deutliche Steigerung vorstellen, ohne Humpeln geht’s im Maximum aber auch nicht.

Mein neuer Arzt hatte nicht so wirklich eine Idee, also hat er mich zum Orthopäden geschickt. Der hatte auch keine Idee und hat mich röntgen lassen. Das Bild hat er dann mitsamt mir einem Chirurgen weitergeleitet, der allerdings auch keine Idee hatte. Nur eine gewisse Skepsis bezüglich einiger seltsamer Knochenstrukturen im Unterschenkel. Es war klar, dass das mit meinem Schmerz nix zu tun hatte, aber vielleicht halt trotzdem überprüfenswert wegen sonstiger potenzieller Todesursachen. Und für mich als Schwaben sind Fuß und Bein ja eh eine einzelne Sache.

Zum Röntgenbild kam dann binnen dreier Wochen noch ein CT und sogar ein MRT. Man gönnt sich ja sonst nix. Meine Krankenkasse wird sich freuen! Danach dann Entwarnung: Sind wohl nur Überbleibsel eines alten Traumas, nix relevantes.

Was mich natürlich nach drei Wochen Terz um mein Bein beruhigt hat, aber nix daran ändert, dass ich Schmerzen im Fuß hab. Sichtlich uninspiriert hat der Chirurg mir nun eine Schiene und Krankengymnastik verschrieben.

Schiene trage ich schon manchmal, Physio ist erst in drei Wochen dran. Währenddessen versuche ich es nochmal mit Arbeit. Aber ich bin skeptisch, dass das mittelfristig klappt.

Naja.

Was ich nicht verschweigen will, ist, was mein Gehirn mit mir macht in Anbetracht der Umstände. Ich fände ein wenig Verzweiflung und Ärger durchaus angemessen, aber stattdessen herrscht so ein Wayne-Gefühl vor:

Im schlimmsten Fall ist das chronisch, bleibt jetzt also so. Nicht mehr rennen können, Schmerzen bei jedem Fußweg, ziemliche Scheiße also. Aber da ist ein sehr gelassenes „Na, wenn es so ist, dann ist es so und ich werde damit schon klarkommen, bin ich ja bisher auch“-Gefühl vor.

Trotzdem bitte ich um alle Daumendrückerei, die gerade verfügbar ist.

4 Comments

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4 Responses to Ärzte-Marathon

  1. Bard jun.

    Sind deine Entzündungsparameter mal auf Gicht hin untersucht worden? Lange sitzende Tätigkeit und bestimmt nicht sehr gesunde Ernährung würden dafür sprechen.

  2. @Bard jun.:
    Ungewöhnliche Idee, aber sowas braucht’s ja vielleicht hier. 🙂

  3. Pascal

    Bezüglich der Haltung gegenüber chronischen Erkrankungen: Geht mir mit meinem Tinnitus ähnlich! Bin da genauso pragmatisch. „Kann ich nicht ändern“, „werde ich schon mit leben können“, etc. Glücklicherweise ist er mittlerweile nicht mehr so aufdringlich und es gibt wieder mehr „gute“ als „schlechte“ Tage. 🙂

  4. @Pascal:
    Na, das ist ja schon mal schön. 🙂
    Ich werde da sicher auch mal wegen irgendwas eines besseren belehrt/gefrustet sein, aberwarten wir’s ab.
    PS: Ich hab trotzdem vollstes Verständnis für Leute, die das einfach nicht können, ich bin da halt so rum gestrickt.

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