Behindert

Was Behindertenparkplätze angeht, bin ich beruflich vorbelastet. Ich hab jahrelang für den Körperbehindertenverein Stuttgart eine Menge Rollstuhlfahrer und sonstwie eingeschränkte Personen durch die Gegend gefahren und war somit manches Mal auf sie angewiesen. Die Erfahrungen, die man dabei macht, sind ziemlich genau das Gegenteil von dem, was man als Otto-Normal-Kraftfahrer vielleicht vermuten mag: Es gibt zu wenige!

Sicher, hier und da gibt es auch die Parkplätze, die nur in bestimmten Zeiten ausgelastet sind, aber es hat seinen Grund, weswegen diese oftmals priviligiert wirkenden Plätze freigehalten werden. Das Verständnis dafür scheint den Menschen in diesem Land allerdings gehörig abzugehen. Es ist zwar weitgehend Konsens, dass man sich um „die Behinderten“ schon irgendwie kümmern sollte – leider bewerten manche ihren Wunsch nach einem kurzen Fußweg beim Einkaufen regelmäßig höher. „Das mit den Spastis“ ist schon ok, so lange sie einem nur selbst nicht in die Quere kommen. Viele scheinen mehr oder minder sowieso zu befürworten, dass man „die“ sowieso besser irgendwo aufhebt, wo man als „normaler Mensch“ nicht damit belästigt wird. Im Alltag sieht das dann so aus wie im Krankentransport-Blog neulich so eindrucksvoll wie erschreckend beschrieben.

Was ich von den meisten Kunden gehört habe, war, dass sie kein geheucheltes Mitleid wollen. Im Übrigen auch nicht in Form irgendwelcher Bevorzugungen! Behindertenparkplätze erfüllen aber einen Zweck. Sicher, hier und da sind es nur besonders naheliegende Plätze. Mancherorts aber sind es auch ein paar von wenigen barrierefrei erreichbaren Plätzen – etwas, das man ohne darauf zu achten (als „normaler Mensch“), nie wahrnimmt.

Wie blöd ich mich schon mitten in den Verkehr stellen musste, um mit den Bussen mit Hebebühne einen vernünftigen Einstieg für meine Fahrgäste zu gewährleisten – das glaubt man kaum!

Einmal hatte ich eine Situation am Stuttgarter Schloßplatz. Da habe ich wirklich unfreiwillig – aber nicht anders machbar – einen Meter der Wendeplattform der Busse in Beschlag nehmen müssen. Sonst war nirgends Platz, Weihnachtsmarkt und so… Ich schwöre: Alle Busse konnten dort wenden! Der, der dann als Zweiter ankam, hat das aber ignoriert und weiter ausgeholt als die Kollegen davor. Er hat sich demonstrativ hinter mich gesetzt und gewartet (und wahrscheinlich den Fahrgästen noch erzählt, wie böse ich bin). Ich hab dann so schnell als möglich meine zwei Kundinnen eingeladen, was einfach dauert. Man muss die Rollstühle ordentlich festgurten und auch die Hebebühnen laufen nur in Zeitlupen-Geschwindigkeit. Irgendwann hat er dann gehupt. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich relativ erkennbar nichts machen, um die Prozedur zu beschleunigen. Aber inzwischen hatten sich eine Menge Schaulustige angesammelt, die mich und meine Fahrgäste begafft haben und ich durfte dann aus der Menge so wunderbare Sätze hören wie:

„Also um die beiden Frauen tut es mir ja leid, aber der Typ sollte ja wohl wissen, dass er hier nicht einfach so anhalten darf…“

Dass ich das sehr wohl durfte, wusste natürlich keiner. Dass der Busfahrer bloß zu ignorant war, hat keiner sehen wollen. Dass ich der „armen Frauen“ wegen dort stand, wurde ignoriert und hätte man dort einen Behindertenparkplatz eingerichtet, hätten diese Pisser zum Einkaufen darauf geparkt.

Mal im Ernst: Solche Idioten hatte ich oft genug, und ich hab sicher nicht halb so viel Missgunst mitbekommen wie jeder einzelne Rollstuhlfahrer in einem einzigen Monat. Wenn man selbst mit einem unwillkürlichen Schritt eine Stufe überwinden kann, lässt es sich leicht herausposaunen, wie sehr andere Menschen verhätschelt und übervorteilt werden.

Was ich eigentlich schreiben wollte, war dass ich neulich ein paar Idioten bei uns auf dem Kaiser’s-Parkplatz gesehen habe, die ihr Auto (ein schnuckeliger, kleiner Golf II) quer über sage und schreibe alle 3 extrabreiten Behindertenparkplätze gestellt haben, um einkaufen zu gehen. An diesem Abend war das sicher kein großes Problem, denn witzigerweise waren mindestens 2 ebenso gut zugängliche und noch näher am Kaiser’s gelegene (!) Parkplätze frei, aber es zeigt doch sehr gut, wie wenig sich manche Leute Gedanken darüber machen.

Ja, ich fand es auch mal cool, mich aus Prinzip über Regeln hinwegzusetzen! Und ich weiss, dass nicht alle Regeln hierzulande sinnvoll sind. Aber auch wenn einem persönlich mal ein Behindertenparkplatz „im Weg“ ist: Denkt mal drüber nach, in welchen Situationen Leute im Rollstuhl oder mit anderen Beeinträchtigungen hierzulande behindert werden.

Und wenn ihr euch fragt, ob nun wirklich die 3 Behindertenparkplätze sein müssen, wenn für das große Einkaufscenter überhaupt nur 100 zur Verfügung stehen, dann seht euch mal bitte an, wie viele Menschen in Deutschland einen Schwerbehinderten-Status haben:

8,7%!

7 Millionen Menschen!

Und das sind nur die, die offiziell schwerbehindert sind. Die Tatsache, dass man nur wenige davon auf der Straße sieht, beunruhigt mich wesentlich mehr als die Durchsetzung weiterer Behindertenparkplätze.

An dieser Stelle möchte ich gerne einen Blog verlinken: das-rollkommando.blogspot.com

Es ist der Blog eines meiner ehemaligen Chefs, selbst Rollstuhlfahrer. Er ist in seinen Beiträgen gerne mal zynisch und provokant, aber genau das schätze ich daran. Ich kann euch jedenfalls versichern, dass ihr mit ihm gut über solche Alltagsgeschichten diskutieren könnt. Ignoriert mal den ein oder anderen Tippfehler und lest die ersten Beiträge durch – und denkt drüber nach!

Ich habe meinen Job damals angetreten und festgestellt, dass ich durchaus Vorurteile hatte. Das verliert sich mit der Zeit. Man muss nicht pseudomitleidig durch die Gegend rennen, um Behinderten zu helfen. Ehrlicher Respekt und der Abbau von Berührungsängsten hilft viel mehr und lässt einen eine Menge Spaß mit den Leuten haben, die sonst oftmals leider nur ignoriert oder ausgegrenzt werden.

33 Comments

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33 Responses to Behindert

  1. Pingback: Behinderter Link » gestern-nacht-im-taxi.de

  2. Aro

    Danke für die Links.
    Das Über-die-Regeln-Hinwegsetzen hat schon seine Richtigkeit, wenn es unsinnige oder überflüssige Regeln sind. Aber wenn man damit Schwächere unterdrückt, ist das beschissen.
    Was den Umgang mit Behinderen betrifft, da gab es ja gerade Diskussionen, ob sie in den normalen Schulen unterrichtet werden dürfen, oder nicht. Ich finde das alles sehr verstörend.
    http://www.berlinstreet.de/4915

  3. Stefan B.

    Diese 7 Millionen dürfen allerdings nicht alle auf Behindertenparkplätzen parken. Nur solche, die “ aussergewöhnlich Gebehindet (aG)“ sind, haben dieses Recht. Und die Vergabe dieses Kennzeichens wird äußerst (und meiner Meinung nach zu) restriktiv gehandhabt.

  4. Es ist wirklich nicht so leicht, an einen Parkausweis für die Behindertenparkplätze zu kommen.
    In meiner engsten Familie habe ich eine gehbehinderte Person und hatte leider auch schon oft den Fall, dass ich – weil irgendwelche Idioten ohne enstprechenden Ausweis auf den Behindertenparkplätzen standen – auf einem normalen schmalen Parkplatz weit weg parken musste. Das erschwert zum einen Ein – und Aussteigen und auch der Weg zum eigentlichen Ziel kann dann durchaus ein Problem werden.
    Ich kann nur auch sagen, dass es aus meiner Sicht eigentlich zu wenig Behindertenparkplätze gibt und dass ich kein Verständnis habe, wenn Leute ohne Behinderung dort einfach so parken, nur weil sie zu faul sind, ein paar Meter mehr zu gehen oder weil sie ja „nur kurz“ irgendwas besorgt haben.

    @Aro: Körperbehinderte sollten aus meiner Sicht auf jeden Fall die Möglichkeit bekommen, in normalen Schulen unterrichtet zu werden. Sie sind ja geistig nicht langsamer oder „dümmer“ als andere. Meine nahe Verwandte mit Körperbehinderung war nach langem Kampf auf einem normalen Gymnasium und hat ihr Abi gemacht und anschließend studiert.

  5. gabi

    Im Prinzip ist jeder Mensch nur einen falschen Tritt von einer starken Behinderung entfernt. Einmal die Bordsteinkante nicht richtig getroffen, umgeknickt und hingefallen, mit dem Kopf aufgeschlagen… das kann es schon gewesen sein, und man sitzt für den Rest des Lebens mehr oder weniger bewegungsunfähig im Rollstuhl.

    Aber das wird von den „Gesunden“ gerne vergessen.

    Und den Volldeppen, die sich so gerne auf die wenigen Behindertenparkplätze stellen, kann man sehr schön mit Lippenstift auf die Scheiben schreiben: Behindert? Ja, im Kopf!!!

  6. Fastdäne

    Hallo,
    seitdem ich im engsten Familienkreis einen Rollifahrer habe, bin ich bei Missbrauch von Behindertenplätzen auf „Nulltoleranz“!. Da kriegt jeder sein Fett weg, den ich dabei sehe. Aus Frankreich habe ich mir einen Satz mitgenommen, der dort an Behindertenplätzen zu lesen war: “ Sie nehmen mir gerade den Platz weg, nehmen Sie mir dann doch auch gleich meine Behinderung ab!“ Ich nutze den etwas erweiter, indem ich den Leuten sage, dass Sie ja offenbar gerne auf derartigen Plätzen parken und ob sie sich dann nicht mal eben und spontan von beiden Unterschenkeln oder einen ganzen Bein trennen wollten. Dann dürften sie nämlich auch da parken! Manche reagieren betroffen, die meisten können aber richtig aggressiv werden. Am schönsten die Reaktion einer Mutter: …ja aber ich habe zwei Kinder dabei! Toll, seitdem weiss ich, dass Kinder eine Schwerbehinderung mit außergewöhnlicher Gehbehinderung bedeuten.
    Erfolgreich habe ich mal einen Polizisten mit stadtbekannten Zivilwagen angezeigt. Der parkte nämlich vorm Rathaus auf dem Rolliplatz. Ich sprach ihn an und hörte bin gleich weg. Später traf ich ihn im Wohngeldamt. Das Schreiben an den Inspektionsleiter hat dann richtig Spaß gemacht, kam auch eine freundliche Antwort mit der Ankündigung es habe für den Kollegen ernste Konsequenzen gehabt.

  7. Lutz

    Deinen Artikel sollten mal alle „Clever-Parker“ lesen und beherzigen. Was du schreibst ist aber nur die Spitze des Eisberges. Ich wohne in der Nähe eines Altersheimes mit vielen Gehbehinderten und Rollstuhlfahrern. Regelmäßig wird, um ja nicht 100m zu laufen, im Kurvenbereich geparkt. Behinderte haben da ein dickes Problem. Rollstuhfahrer kommen nicht mehr an die abgesenkten Bordsteinkanten. Morgens laufen Schüler um diese Wagen herum auf die Straße und tauchen für den fließenden Verkehr plötzlich auf der Straße auf.
    Selbst als Autofahrer musst du um abbiegen zu können im Blindflug auf die abzweigende Straße einfahren. Die Krönung sind dann die „Crafterfahrer“ die im Kreuzungsbereich parken und vorne und hinten noch über einen Meter in die Kreuzung ragen. Ich hatte selbst schon mehrere beinahe Einschläge wegen solchen Honks.

    Ich bin mir nicht sicher ob es Faulheit, Dummheit, Rücksichtslosigkeit oder Ignoranz ist. Auf alle Fälle werden es immer mehr.

    Teil 2: Ampel rot? Egal!
    Teil 3: 120 erlaubt, ich fahr 140 und bin trotzdem der langsamste?
    Teil 4: Parken, nicht rangieren und mit einem Auto 3 Plätze belegen
    Teil 4: Aggression im Straßenverkehr, blöd sind immer die Anderen

  8. Lifthrael

    Ich habe mit der Thematik auch schon positive, als auch negative Erfahrungen gemacht.
    Eine gute Freundin sitzt im Rollstuhl und wenn ich sie besuche und wir durch die Stadt bummeln, dann weiß sie zwar viele Wege, die barrierefrei sind, aber Bürgersteige beim Überqueren der Straße sind meist nicht umgehbar und darum ein Problem. Positiv überrascht war ich da einmal, als wir mit dem Rollstuhl am Bürgersteig in einem kleinen Schlagloch in der Straße hängengeblieben sind. Da meine Freundin kein Leichtgewicht ist und ich zwar Kraft in den Armen habe, aber eben mit diesen erschwerten Bedingungen zu kämpfen hatte… Wurde die Ampel dann irgendwann rot und wir standen noch quasi mitten auf der Straße und kamen weder vor noch zurück. Allerdings hat keiner der Fahrer, denen wir da so im Weg standen, gehubt, sondern der Herr aus dem ersten Wagen stieg einfach ganz gelassen aus und half mir den Rollstuhl aus dem Schlagloch zu befreien und auf den Bürgersteig zu bekommen. Danach stieg er seelenruhig wieder ein und alles war in Ordnung. Das war sehr nett.
    Allerdings kann solche Hilfe auch eher hinderlich sein, wenn die Leute, die einem helfen wollen, einfach nicht darauf hören, was man selber sagt und scheinbar einfach nur helfen wollen, damit sie mal dem armen behinderten Mädchen geholfen haben. So geschehen, als wir in ein Café wollten und ich beim ersten Versuch die kleine Stufe am Eingang nicht überwinden konnte. Kommt mal vor, alles kein Problem. Allerdings waren wir dann plötzlich von gleich drei Männern umringt, die uns helfen wollten und versuchten den Rollstuhl rückwärts die Stufe hoch zu ziehen. Alles gute Zureden, dass man das mit dem Rollstuhl nicht kann, weil die Bremse im Weg ist, war umsonst und so rödelten die drei Männer gleichzeitig an meiner Freundin rum und es war schon eine ziemlich unangenehme Situation.
    Und zur Barrierefreiheit allgemein fällt mir da meine Uni immer wieder negativ auf. Hier gibt es leider nur wenig und wenn, dann extrem versteckte Wege, die auch Rollstuhlfahrer nutzen können. Da muss man mit dem Rollstuhl schonmal durch Kellerähnliche Gänge um einen Hörsaal zu erreichen. Und braucht dann trotzdem eine Begleitperson, weil die schweren Feuerschutztüren meist nicht so einfach zu öffnen sind. Letztes Semester hat es ganze vier Wochen gedauert, bis eines meiner Seminare den Raum gewechselt hat, damit eine Kommilitonin im Rollstuhl daran teilnehmen konnte. Und selbst vom Dozenten kam immer der leicht genervte Hinweis, dass die Komillitonin ja einen rechtlichen Anspruch darauf hätte an dem Seminar teil zu nehmen.
    Das finde ich schon traurig. Und andere Unis zeigen, dass es eben auch ganz anders geht. Auch wenn meine Uni ziemlich alt (aus den 70ern?) ist, könnte man da sicher doch noch einiges machen um es vor allem Rollstuhlfahrern etwas leichter zu machen.

  9. Wie bereits erwähnt, bedeutet schwerbehindert nicht auch Parkberechtigung. Ein mir bekannter Einbeiniger bekommt z.B. keine, er ist nicht gehbehindert genug für das Merkmal aG. Die Voraussetzungen sind also sehr hoch angesetzt.

  10. Dazu passt der heutige Comic von totaberlustig.com: http://www.totaberlustig.com/?p=2123

  11. Was das parken (am liebsten quer) auf 1-5 Behindertenparkplätzen angeht, habe ich in meiner Zivizeit die Erfahrung gemacht, das einparken da noch den stärksten Lernfaktor hat. Nichtmal der letzte Idiot traut sich die Polizei zum abschleppen zu rufen, wenn er grundlos auf einem Behindertenparkplatz steht, und von einem Behindertentransport am fortfahren gehindert wird.

  12. Kommentator

    Es ist, das sagt Sash ja implizit, ein Thema für Mitdenker… OK, das mit dem Mitdenken ist wohl das wirkliche Problem :/

    Feuerwehranfahrtszonen (durch Schilder und „Bodenbemalung“ für _alle_ haltenden Fahrzeuge gesperrte Flächen an Einfahrten, Einmündungen und entlang größeren Gebäuden) für Rettungsfahrzeuge sind ein ähnliches Thema, dort parken viele „mal eben“ oder „nur kurz“ oder „nur nachts“ – und wenn es dann mal darauf ankommt (selten genug, zum Glück), dann sind Holland, das Haus, die Familie oder die Nachbarn in Not.

    Nein, ich will keinen Nebenschauplatz aufmachen – ich will einfach nur darauf hinweisen, dass jede und jeder Autofahrer einfach mal die zehn oder 20 Sekunden zum Mitdenken nutzen sollte, die er durch einen „Parkplatz vor der Tür“ möglicherweise „spart“ (mehr Zeitersparnis ist es selten). Egal, ob es um „Behindertenparkplätze“ oder um Rettungswege geht.

    Danke.

  13. Nihilistin

    NIEMALS würde sich in Amiland ein nichtbehinderter Autofahrer trauen, auf einem Behindertenparkplatz zu stehen. Und da hat jeder pipikleine Diner in der Provinz mindestens einen schönen breiten Behindiparkplatz gleich am Eingang. Und da steht NIEMALS was anderes als ein berechtigtes Fahrzeug. Soweit ich das damals (90er Jahre) mitbekommen habe, ist das das Ergebnis einer sehr restriktiven Polizeiarbeit: Wenn auch nur ein Polizist das sieht, gibt es ein richtig saftiges Knöllchen (ich meine, im dreistelligen Dollarbereich?), egal ob da rundrum noch 1000 andere Parkplätze frei sind oder nicht. In diesem einen Fall unterstütze ich die „Erziehung durch polizeiliche Nötigung“, die da wohl über Jahrzehnte stattgefunden (und gewirkt) hat.

  14. Ich möchte auf einiges hier ausführlich antworten, hab aber gerade kaum Zeit und bin hundemüde. Seht es mir nach, wenn ich das vielleicht erst morgen mache. Ich lese die Kommentare auf jeden Fall und fand sie sehr interessant. Danke!

  15. Ignoranz nimmt meiner Meinung nach immer mehr zu und das nicht nur in Deutschland… Ich bin selbst Rollstuhlfahrer und kenne das was Du da schreibst aus eigener Erfahrung….

    Die Leute die so ignorant sind sollte man mal einen Tag im Rolli los schicken und dann mal sehen was sie berichten.

  16. @Kommentator
    Ich gehe mit Dir da ganz konform. Erst heute wieder, auf meinem „Lieblings“-Schauplatz
    http://nachbarsgarten.blogspot.com/2011/08/gut-gedacht.html
    Diesmal waren es zwei etwa 20-jährige Blondinen im Mini-Cabrio, die nur „10 Minuten weg sein wollten“. (Auch wenn es sich wie Klischee liest, ist doch so passiert). Es hat letzendlich im Samstag-Einkaufstrubel 30 Minuten gedauert, bis die Damen wieder da waren.
    @Basti und Daniel
    Ich habe mal eine zeitlang Gutachten für ein Institut geschrieben, das für den MDK tätig war. Da muss man sich wundern, dass überhaupt noch jemand das „aG“ bekommt.
    Ganz toll sind aber die Parker mit Ommas Behindertenausweis, die sich berechtigt fühlen auf dem Behindertenparkplatz zu stehen, auch wenn die Oma gerade zu Hause vor dem Fernseher hockt.

  17. M-M-M-Monsterkommentar!
    (Kleine Hommage an Unreal Tournament, sorry 🙂 )

    @Aro:
    Wie du ja auch in deinem Blog verstört wahrnimmst: Es gibt diesen Ausschluss nach wie vor. Und wie peinlich man sein muss, um sich zu profilieren, indem man sinnige Regelungen (und damit vor allem Menschen, die sie leider brauchen!) lächerlich macht, kann man kaum in Worte fassen.

    @Stefan B.,Basti und Petra:
    Ich hab die aG-Regelung ehrlich gesagt nicht einmal gekannt. Danke für den Hinweis! Auf der anderen Seite bleibt immer noch, was ich geschrieben habe: Das ist nur die Zahl derer, die den Ausweis haben, nicht derer, die ihn beantragen könnten! So wird es auch ein paar mehr aG-ler geben als bisher offiziell.

    @Basti:
    Ich bin der Meinung, dass man auch geistig Behinderte in ganz normale Klassen integrieren kann. Es ist sicher ein Mehr-Aufwand, aber ich denke nicht, dass da wer drunter leiden muss. Es ist ja nicht so, dass die Unterschiede zwischen den Schülern nicht auch so enorm wären. Mehr individuelle Förderung wäre natürlich eine Voraussetzung. Andererseits wäre ja auch Personal von Behindertenschulen dafür frei.

    @gabi:
    Nicht nur einen falschen Schritt! Manchmal auch einfach ein paar gesunde Jahre. Ich würde auch nicht alle Parksünder über einen Kamm scheren, schließlich hab ich im Rahmen meines Jobs selbst schon illegal dort geparkt – immer im Hinblick auf die Kundschaft und sicher nicht unsinnig. Insofern sollte man den Lippenstift nicht gleich auspacken.
    Aber wenn sich 3 Jugendliche für einen Biereinkauf aus einem getunten Golf schälen, dann sollte man vielleicht drüber nachdenken 😉

    @Fastdäne:
    Glückwunsch zum erfolgreichen Gegenschlag. Aber es gilt in meinen Augen auch das, was ich auch gabi geschrieben habe. Nulltoleranz ist ok bei den wirklichen Idioten. Differenzierung schadet aber nie.

    @Lutz:
    Der Verkehr sehen leider viel zu viele als Krieg und sich selbst wichtiger als die ganze Welt. Und zugegeben: Man muss aufpassen, dass es einem selbst nicht passiert. Meines Erachtens nach wäre in einem so weit motorisierten Land wie Deutschland ohnehin eine ganz andere Verkehrserziehung angebracht…

    @Lifthrael:
    Sicher, die Leute die einen über die Straße bringen, obwohl man gar nicht rüber will, die gibt es auch. Aber wenigstens kann man ihnen unbeholfene Gutmütigkeit attestieren. Letzten Endes sind das alles Symtome der Tatsache, dass Behinderungen immer noch als total seltene Ausnahme gelten und man im Alltag oft nichts damit zu tun hat.

    @Morgis:
    Danke! Passt wie Faust aufs Auge! 😀

    @Hendrik Hoppe:
    Das Problem ist ja: Oftmals sind die Parkplätze ja tatsächlich nur Bedarfs-Plätze. Ergo: Die Leute werden einfach nicht erwischt. Aber wenn, dann macht es sicher Spaß 😀

    @Kommentator:
    Stimmt zweifelsohne. Und ich möchte zugeben, dass ich auch nicht immer 100%ig korrekt war in meinem Leben. Aber hier wie dort: Nachdenken hilft.
    Im Übrigen finde ich all das Genannte tatsächlich nicht schlimm, wenn man am Wagen bleibt und ggf. Platz macht. Wenn das so läuft, dann sollen die Leute meinetwegen auch auf Behinderten-, Taxi- oder sonstigen gesperrten Plätzen kurz halten dürfen. Mitdenken und Fluchtbereitschaft könnten hier allen Beteiligten helfen 😉

    @Nihilistin:
    Vielleicht ist da was dran. Ich bin aber immer skeptisch bezüglich solcher Maßnahmen. Auch wenn es ein guter Zwischenschritt ist: Letzten Endes geht es ja nicht um das pure Freihalten der Plätze. Es geht um die Akzeptanz. Die Leute sollten eigentlich realisieren, dass sie andere damit einschränken und nicht sofort schadenfroh hinfahren, nur weil der Sheriff gerade Schichtwechsel hat.

    @Rollkommando:
    Manchmal sollen solche Projekte ja helfen – wahrscheinlich aber doch eher bei denen, die ohnehin schon etwas mitdenken. Traurigerweise müssten die meisten wohl wirklich erst mal entsprechend eingeschränkt sein…

    @Petra:
    Bezüglich deines Blogeintrages:
    Ein großes Problem der Gesellschaft. Wir richten unser Leben an Idioten aus! An jedem Zebrastreifen muss ein Schild hängen, dass das jetzt ein Zebrastreifen ist und keine zufällig gleich aussehende Straßenbemalung. Ebenso muss auf Zigaretten stehen, dass sie krank machen und auf Verpackungen von Nüssen, dass sie Nüsse enthalten könnten…
    Ich will ehrlich sein: Das kotzt mich in fast allen Belangen an!

  18. Iceflame

    „Die Tatsache, dass man nur wenige davon auf der Straße sieht, beunruhigt mich wesentlich mehr als die Durchsetzung weiterer Behindertenparkplätze.“

    Nicht allen Schwerbehinderten sieht man ihre Behinderung an 🙂
    Mein Vater hat auch einen solchen „Status“, wegen MS und einem erblindeten Auge, nach aussen hin wirkt er aber völlig gesund.

  19. @Iceflame:
    Das ist mir schon bekannt 🙂

  20. Ich arbeite in einem Verein der sich sehr für Menschen mit Behinderungen einsetzt (ich finde den Begriff „Behiderte“ irgendwie diskrminierend). Bei uns arbeitet ein Rollifahrer der körperlich sehr eingeschränkt ist. Selten hab ich jemanden so ausdauernd und ehrlich Witze über seine eigenen Unzulänglichkeiten reisen hören. Neulich hatten wir ein Meeting in dem alle dabei waren. Jeder mußte sich kurz vorstellen und dabei sagen in welchem Haus er oder sie „sitzt“. Er kommt dran und sagt: “ Mein Name ist … und ich sitze immer!“ In solchen Situationen die anderen zu beobachten ist das eigentlich witzige daran. Es dauert immer ein bißchen bis sich die Leute sicher sind, ob man da jetzt wirklich lachen darf.
    sachma

  21. @sachma:
    Ich finde den Begriff nicht schlimm und ich denke auch nicht, dass wir gut daran tun, uns immer neue Worte einfallen zu lassen, bloß um das Problem an sich nicht angehen zu müssen.
    Was ich an „Behinderter“ so schön finde, ist die Tatsache, dass man es auch so lesen kann, dass derjenige behindert wird. Und mit dieser Doppeldeutigkeit finde ich den Begriff geradezu schön.
    Und was den Humor angeht: Manch einer kann mit seiner krummen Nase nicht so gut umgehen wie so einige Rollifahrer da draussen – das gibt einem echt zu denken!

  22. Ich finde den begriff deawegen nicht gut weil er die Betroffenen auf diesen einen Umstand reduziert. Aber vieleicht bin ich da mit meinem beruflichen hintergrund auch vorbelastet. Ich muß ja schon darum kämpfen nicht immer ein -Innen hinter jeden Schüler zu setzten, nur damit die Pädagogenwelt zufrieden ist.

  23. @sachma:
    Naja, wenn es aber um diese Eigenschaft im Kontext geht? „Schüler“ ist auch eine doofe Reduzierung auf ihren Bildungshintergrund. Im Zusammenhang mit Schule ist es sinnvoll, sie zu verwenden.

  24. Andii

    Wenn ich mit meine schwerbehindertem Vater (ja er hat aG im Ausweiß) einkaufen gehe parke ich zumeist auf den für Behinderte ausgwiesenen Parkplätzen. Dort kam es dann schon zu dem ein und anderen, am Ende für mich zumindest amüsanten Erlebniss. Vorweg trotz meines sehr schmalen Autos muss mein Vater zum Aussteigen immer die Beifahrer Tür zum Aus oder Einsteigen komplett Aufmachen um sich mit seinen versteiften Beinen ins bzw aus dem Auto zu „verenken“ und dieses ist oft auf normalen Parkplätzen nicht möglich. Natürlich zahlt er seine Einkäufe selber oder hält sich sonstwie länger im Geschäft auf während ich dann schon längst beim Wagen bin. Besonders lieb sind mir dann die „Gesunden Alten“ die auf den Parkplätzen für Familien (also die mit Kinderwagen oder so) parken und mich dann meinen besonders doof anblaffen zu müssen. Wie ich mich als junger gesunder Mann doch erdreisten könnte auf einem solchem Parkplatz zu parken. Ich gebe ihnen dann unumwunden zu das es dreißt und unverschämt ist das sich Junge Leute heutzutage alles herausnehmen. Leider höre ich gerade von diesen selten mal eine Entschuldigung mir gegenüber wenn sie denn meinen Vater beim Einsteigen in meinen Wagen sehen.

    So oder So Menschsein bedeutet aus ehrlichem Mitgefühl herraus Rücksicht nehmen zu können, und zu erkennen das wir, die Starken und Gesunden eine Größere Last tragen können und müssen als die schwachen und kranken, das fängt schon bei solchen Kleinigkeiten wie dem längeren weg zum eingang des Supermarktes an.

  25. @sachma:
    War auch eine gute Vorlage 😉

    @Andii:
    Etwas Verständnis hat noch keinem geschadet. Naja, so sind die Leute eben. Wobei es natürlich auch komisch aussieht, wenn einer alleine im Auto sitzt, der offensichtlich nicht behindert ist.

  26. Christian

    Ich habe selbst einen behinderten Freund, der aufgrund des Merkmals „G“ auch einen entsprechenden Parkausweis besitzt. Du glaubst gar nicht, wie oft die Parkplätze hier in SB durch andere Idioten blockiert werden (interessanterweise häufig Oberklasse-Karren wie BMWs…). Einmal saß eine Dame noch drin und immerhin muss man ihr zugute halten, dass sie total einsichtig war und sofort wegfahren ist.
    Ein anderes Mal standen auf gleich drei Parkplätzen etwa fünf Autos hintereinander (Seitenstreifen), von denen kein einziger einen Ausweis drinliegen hatte. Da es in der Umgebung dort sonst keine weiteren Berechtigtenparkplätze gibt und die normalen Parkplätze an einem Wochenendabend auch i. d. R. voll sind, habe ich dann erst mal die Trachtentruppe gerufen. Weil das alles etwas dauert, mussten wir letztlich in ein kostenpflichtiges Parkhaus ausweichen, aber wir spürten doch ein Gefühl der Gerechtigkeit als wir beim Abschleppen zuschauten. 🙂 Ich hoffe, dass diese unnachsichtigen Mitbürger zumindest aus den Kosten lernen werden.

    Ganz andere Erfahrungen haben wir in Spanien und Frankreich gemacht. Dort ist oft ein größerer Umfang von Maßnahmen zur Barrierefreiheit zu spüren und im Schnitt empfanden wir auch die Menschen verständnisvoller oder gar hilfsbereiter.

  27. Ben

    Toller Eintrag! Ich war in den USA, sowohl an der Ost- als auch an der Westküste. Der Umgang mit Behinderten dort ist grandios. Da muss hier noch einiges gelernt werden.

  28. @Christian und Ben:
    Wie das im Ausland ist, kann ich leider so überhaupt nicht einschätzen. Aber es ist einfach so: Es muss besser werden!
    Man darf allerdings nicht vergessen: Auch hier passiert einiges. Manche Dinge brauchen Zeit, das ist klar. Aber die Menschen sollten sich langsam mal an ein Mit-, statt ein Gegeneinander gewöhnen. Ganz besonders im Straßenverkehr!

  29. anonym

    Ich finde es einfach nur gut, daß Sie sich hier so dafür einsetzen. Denn Sie haben recht.
    In der Tat hat man in den USA, offenbar bereits seit den 70ern, viel für Behinderte getan. Wo findet man in D eine Straßenkreuzung, wo an allen vier Ecken der Bürgersteig abgesenkt ist (also insgesamt 8mal)? Das ist in den USA aber in Städten sehr oft die Regel, durchgängig an jeder Straßenkreuzung. (An dieser Stelle sehen wir mal darüber hinweg, daß manche amerikanische Straßen im Grunde gar nicht für Fußgänger zu passieren sind, weil Fußgänger einfach nicht vorgesehen sind.)

  30. @anonym:
    Irgendwann muss das ja mal was werden mit der vernünftigen Behandlung!

  31. asd

    Man sollte noch erwähnen, dass man, salopp ausgedrückt, „mindestens ein Bein verloren haben muss“, damit man überhaupt die Chance hat mal legal auf einem Behindertenparkplatz zu parken. Kriterium ist (wenn ich mich richtig erinnere), dass der Mensch, wenn er sich maximal verausgabt, höchstens eine Strecke von 150 bis 200 Metern zurücklegen kann. Und danach ist dann aber auch Ende im Gelände, dann ist erstmal Ausruhen angesagt. Und der Zeitraum, der für die 200 Meter benötigt wird, ist ab zehn, fünfzehn Minuten aufwärts…
    Das sind dann bspw. schwerst Herzkranke (die japsen bei Anstrengung und kriegen irgendwann keine Luft mehr – bei fortgeschrittener Erkrankung nicht nur beim Treppensteigen, sondern auch beim normalen Laufen), Dialysepatienten, schwer Gehbehinderte… kurz: Leute, die echt ein massives Problem haben. Von der verbleibenden Lebenserwartung bei solchen Diagnosen fangen wir gar nicht erst an…

    Solchen armen Schweinen den Parkplatz wegzunehmen ist das Allerletzte. Für die ist es unmöglich, „mal eben“ 50 Meter weiter entfernt zu parken, die schaffen die Strecke nicht mehr.

  32. @asd:
    Ich muss zugeben, dass ich mich mit den Bedingungen bisher nicht auseinandergesetzt habe. Aber ja, wenn die Kriterien so hart sind wie Du beschreibst, dann ist das wirklich ein Punkt, den man solchen Leuten vorhalten sollte.

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