Category Archives: Politik

Die Welt am ersten Mai

Ich wollte – möglichst im Vorfeld irgendwelcher Probleme – darauf hinweisen, dass die einseitige Berichterstattung durchaus schon lange im Gange ist. Dabei ist der Mai erst fünf Stunden alt. Ein wenig irritiert hat mich zum Beispiel dieser Artikel der Welt Online.

Gut, wenn die Polizei davon ausgeht, dass es dieses Jahr keine Krawalle geben wird. Skeptisch bin ich aber beim Ton des Artikels. Wir erfahren hier, dass dieses Jahr viele „gewaltbereite Linksautonome“ nach Hamburg anstatt wie sonst üblich nach Berlin fahren würden. Ich teile diese Einschätzung, aber mehr als dass „einige Störer“ dort schon Polizisten angegriffen haben sollen, könnte vielleicht interessieren, warum denn die bösen Autonomen dort sind. Dort findet nämlich dieses Jahr ein bundesweiter Nazi-Aufmarsch statt, zu dessen Verhinderung einige linke Gruppen aufgerufen haben. Bin ich der einzige, der hier vermutet, dass den „Randalierern“ bloß keine sinnigen Motive unterstellt werden sollen? Das mit dem Nazi-Aufmarsch ist nunmal keine Rand-Info, sondern laut dem Artikel der Hauptgrund für das Ausbleiben der Krawalle (und Existenzberichtigung für den Artikel).

Aber gut, was erwarte ich eigentlich? Und als Zusatzinfo wollte ich noch geben, dass – nach allen Quellen, die ich dazu finden konnte (so einseitig sie auch sind) – berichtet wurde, dass die Flaschensammler aus HartzIV-lern rekrutiert werden sollen und dabei nicht einmal das in jedem Supermarkt übliche Pfand von 8 Cent pro Flasche bekommen sollen. Nur so nebenbei zum sozialen Charakter des Ganzen. Ich bin trotzdem gespannt auf die Demo heute Abend.

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Irgendwie seltsam

Ich hatte ja bereits geschrieben, dass ich gespannt bin auf den ersten ersten Mai in Berlin meiner Wenigkeit. Ich bin gefasst auf schönes, nicht so schönes und schlimmes. Aber seit eben weiss ich, dass es nichts gibt, was mich irgendwie ernstlich auf morgen vorbereiten kann.
Denn ich habe das hier gelesen.
Wie soll ich mir denn bitte ein Polizei-Rockkonzert am ersten Mai in Berlin-Kreuzberg vorstellen? Na gut, sollen sie nach Dienstschluss machen, was sie wollen. Aber damit Gewalt einzudämmen? Ich bin ein wenig skeptisch. Sollten sie – das hab ich auf irgendeiner anderen Seite gelesen – aber tatsächlich den Extrabreit-Klassiker „Polizei“ spielen, dann finde ich, sollten sie sich nicht wundern, wenn sie nicht ernst genommen werden.
Demnächst kommt dann die CD „Polizei SA/SS – Dr. Schäuble covert das Beste von Slime“, oder wie?
Ja, ich finde das albern.

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Zu Amstetten

Wie viel perverser kann eine Meldung noch werden?
Da sperrt jemand seine Tochter im Keller ein, vergewaltigt sie und zeugt mir ihr noch ein paar Enkel/Kinder. Das Ganze im Verlauf von 24 Jahren. Das mag der Gipfel menschlicher Entgleisungen sein, aber ich frage mich immer noch, weswegen die Medien das so gezielt ausschlachten. Versteht mich nicht falsch, es ist ein recht einzigartiges Verbrechen, und natürlich hat die Öffentlichkeit ein Recht darauf, über alles informiert zu werden, was so in der Welt passiert.
Aber trägt es der Informationsgewinnung wirklich bei, überall den Täter (auch noch unzensiert) zu zeigen? Fälle wie dieser zeichnen sich – auch das frei nach den Berichterstattern – dadurch aus, dass sie eben nicht so leicht entdeckt werden.
Ermittlungspannen mögen geschehen sein, und das ist natürlich traurig. Aber irgendwie stellt sich scheinbar niemand die Frage, ob das Verließ auch gefunden worden wäre, wenn es eine Durchsuchung bei dem Mann gegeben hätte.
Ist das wieder eine jener Vorbereitungen für einen erneuten Angriff von Schäuble, der uns versichert, dass so etwas nie wieder geschehe, wenn man nur zulässt, dass Kameras in den Wohnungen hängen?
Wenngleich ich klarstellen möchte, dass ich keinerlei Verständnis – oder noch absurder: Sympathie – für den Täter habe, so frage ich mich dennoch, was die breit mobilisierte Öffentlichkeit jetzt davon hat. „Besser einmal zu viel als einmal zu wenig eine Meldung machen“ wird da im Fernsehen empfohlen. Und das, wenn „Abweichungen vom Normalen“ erkenntlich sind. Geht’s eigentlich noch?
Stehen in den nächsten Monaten wieder irgendwann mal die Cops in meinem Zimmer, nur weil ich öfter auf der Straße stehe und eine rauche (statt es in meinem Zimmer zu tun), und wir als drei erwachsene Menschen zusammen wohnen? Ich meine, das ist auch eine „Abweichung vom Normalen“.
Wann wird die Welt endlich verstehen, dass es eine absolute Sicherheit nicht gibt? Jedes noch so perfide Überwachungssystem hat bisher versagt, wenn es darum ging, alles zu verhindern, was ihm nicht gepasst hat. Menschen sind nun einmal intelligent und finden Lösungen, Restriktionen zu umgehen. Und sollten wir je in einem Staat leben, der selbst derart perfide organisierte Grausamkeiten wie die hier vorliegende verhindern kann, dann glaube ich, dass das  so sehr in die Privatsphäre aller Menschen eingreifen müsste, dass ich da ums Verrecken nicht leben wollte.
Ich denke, ich kann es nicht einmal in Worte fassen, was ich den Opfern dieser Tragödie alles gutes wünsche, damit sie mit dem Erlebten wenigstens klarkommen. Dass Berichte mit Klarnamen und Belagerungen des Hauses von der Presse wenig dazu beitragen, das kann ich aber mit Sicherheit sagen!

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Wir hätten es wissen müssen!

OK, ich mag da ein wenig hinterher sein – wie so oft. Aber gute Meldungen sind nunmal zeitlos. Diese betrifft einen Bundespolitiker, der direkt neben dem Abion Hotel Spreebogen (oder wie immer das Ding inzwischen heißt) residiert und uns Bürgern damit auf die Nerven geht, dass er zusätzlich zu all unseren Blogeinträgen auch noch unsere Festplatten lesen will: Dr. Wolfgang Schäuble. Nun ist eine meiner Lieblingsbeschäftigungen das Wortspiel. Insbesondere habe ich einen Spaß daran, Anagramme zu finden…

Das einzige deutsche Wort, dass sich genau aus den Buchstaben für „schaeuble“ bilden lässt, ist:

BELAUSCHE!

Was soll ich mehr dazu schreiben? Wir hätten es wissen müssen!

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Main erstes Mal…

Die Zeit rast voran, und so steht bald der erste Mai einmal mehr vor der Türe. Der erste Mai. Der Tag der Arbeit, an dem um der Arbeit zu huldigen pflichtbewusst alles gemacht wird, nur nicht gearbeitet. Herrlich. Zudem Berlin! Erster Mai! Randale! Action! Was man halt so hört.
Nun, es wird mein erster erster Mai in Berlin sein. Was erwarte ich? Ich erwarte einen Haufen Menschen, der auf die Straße geht zum Demonstrieren. Wesentlich mehr als in Stuttgart, prozentual aber ähnlich viele Leute, die nur deswegen hingehen, weil der Herr Maier von der Gewerkschaft nebenan das so will und weil man es ja eigentlich immer gemacht hat.
Daneben erwarte ich eine radikal linke Demo, deren Veranstaltern und Teilnehmern es nicht nur um eine weitere Nullrunde bei den Löhnen geht, sondern um grundsätzliche Kritik an der Gesellschaft selbst. Und da wir in Berlin sind, erwarte ich auch Kravalle, wahrscheinlich ein paar brennende Autos und etliche Verletzte. Ich werde dennoch hingehen. Das mag jetzt der ein oder andere als Kravalltourismus bezeichnen, aber das ist es nicht. Ich hab schon brennende Autos gesehen, und ich hab schon Schläge von Polizisten einstecken dürfen. Entgegen aller Vermutungen muss ich aber gestehen, dass ich beim Austeilen eine echte Niete bin. Ich habe noch niemanden verletzt bei einer Demo, habe es nicht einmal ernsthaft versucht, und gedenke eigentlich auch nicht, daran was zu ändern. Notwehr vielleicht präventiv ausgenommen.
Mir ist klar, dass die Kravalle in Berlin längst auch nur noch Schaukämpfe sind, vorprogrammiertes Kräftemessen zwischen zwei Gruppen. Nein, wahrscheinlich kann man das nicht mal mehr als militante Politik bezeichnen, was an diesem Tag so passiert. Aber ich will wenigstens die Chance haben, davon zu berichten, NACHDEM ich da war.
Denn spätestens beim G8-Gipfel 2007 ist mir endgültig klargeworden, dass man nun wirklich nicht auf das vertrauen sollte, was einem erzählt wird. Ich habe dort Erfahrungen gemacht, die konträr zu denen sind, die manch Reporter (angeblich?) gemacht hat.
Deswegen möchte ich mich vorerst auf eine möglichst große Demo freuen und hoffen, dass sie eine Menge Spaß macht und lautstark ist. Ich bin nämlich mit vielem hier nicht einverstanden. Und nein: Es geht nicht nur um die Bild!
Ich werde hier mit Sicherheit nach meinem ersten ersten Mai in Berlin bloggen und mitteilen, wie ich das alles sehe. Bis dahin gilt es, abzuwarten und zu hoffen, dass nicht alles so schauderhaft dämlich ist, wie es uns die Medien verkaufen wollen.
Ich bin gespannt.

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Wagner über Fischer

Fangen wir doch gleich pünktlich an, die neue Kolumne von Wagner in der Bild zu kommentieren:
Wagner beschwert sich heute darüber, dass Fischer seinen 60. Geburtstag im „Grill Royal“ feiert. Und ich will nicht mal behaupten, dass er im Unrecht ist, wenn er es eine Frechheit findet, dass Menschen da „mehr in einer Nacht“ saufen „als ein Hartz-IV-Mensch im Jahr kriegt“. Ja, vielleicht ist Fischer ein Verräter. Warum aber schafft Wagner mal wieder nicht, das an einer Politik festzumachen, die falsch ist? Warum muss der private Wohlstand Fischers herhalten? Warum schreibt Wagner das nicht über Helmut Kohl? Wieso ist es immer noch von Interesse, wenn Fischer vor etlichen Jahren Polizisten verprügelt hat, wenn Wagner auch niemand vorhält, dass er in seinen Jahren bei der B.Z. anscheinend einer der bescheuertsten Chefs dieses Planeten war, dessen Mitarbeiter sich genötigt sahen, anonym eine Schmähseite ins Internet zu stellen? Was übrigens beileibe nicht so lange her ist wie die Entgleisungen des Joschka F.
Aber Wagner schreibt das ja auch nur „für Geschichtsschreiber“. Warum er sich von Fischer verraten fühlt – wo er offensichtlich immer eine andere Politik gutgeheißen hat – muss man wohl auch nicht verstehen.
Ich möchte hier klarstellen, dass ich den Werdegang von Joschka Fischer nicht begrüße. Ich mag seine Art der Politik nicht, und schon gar nicht seinen Personenkult, den er um sich geschaffen hat. Auch ich bin der Meinung, dass er die Menge Geld, die er für seine Arbeit kriegt, nicht verdient hat – aber ob er an seinem sechzigsten Geburtstag eine dicke oder nur eine halbdicke Fete feiert, das kann mir echt egal sein.

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Kein Veganer, dennoch nett!

Seit jeher bin ich ein Fleischfresser gewesen. Das mögen mir meine Eltern eingeredet haben oder die sicher mehr als nur fehlerbehaftete Gesellschaft. Vor einigen Tagen sah ich durch einen sehr absurden Zufall auf youtube ein Video über eine Schweineschlachtung. Der einleitende Kommentar war wieder einer von der Sorte „Das ist an alle, die immer noch Fleisch essen…“
Nun bin ich trotz meiner Vorliebe für Fleisch ein Freund von Veganern, manchmal sogar Vegetariern (wenngleich ich sie für inkonsequent halte). Ich selber habe mir bisweilen die Vorwürfe zu Herzen genommen, und mich selbst gefragt, wie ich es eigentlich verantworten kann, dass ich Fleisch esse. Denn natürlich will ich keinem Tier etwas Böses, und ich denke, dass ich diese Einstellung grundsätzlich mit einer Menge Fleischfresser teile. Über dieses Video, das eine eigentlich humane Schlachtung – wenngleich anders kommentiert – zeigte, habe ich mit meiner Freundin eine Weile diskutiert. Und dieses Gespräch hat mich zu einer Einsicht gebracht, die ich bis dato nicht so wahrgenommen hatte:
Es ist nicht das Gleiche, das Leid von Tieren zu ignorieren und die Tötung zu unterstützen!
Denn: Ein plötzlicher Tod ist de facto kein schlimmes Erlebnis. Das möchte ich hier auch gerne mit Bezug auf mich selbst betrachten. Wenn ich jetzt plötzlich tot umfalle, dann kann ich nicht behaupten, dass das schlimm für mich ist. Meine Verwandten und Bekannte mögen das als Verlust auffassen, aber für mich wäre es de facto egal. Ich wäre tot.
Warum sollte das bei Tieren anders sein? Insbesondere bei Tieren, die keine Selbsterkenntnis haben? Die Diskussionen darüber, ob Tiere Leid empfinden, erübrigen sich bei einer Schlachtung, die einen Elektroschock vorwegnimmt. Noch einmal zwischenrein: Ich respektiere keinerlei Tierquälerei und keine Massentierhaltung. Dass hier auch der derzeitige Standard bei weitem nicht in Ordnung ist, das finde ich auch. Eine Reformierung halte ich für unumgänglich. Wenn das dazu führt, dass Fleisch nahezu unbezahlbar wird, oder man sich sein Essen wieder selber jagen muss, dann finde ich das ok. Aber ob das Tier nun einem Herzschlag des Alters wegen oder einem Herzschlag eines Stromstoßes wegen erliegt, macht keinen Unterschied.
Man kann es für falsch halten, dass Menschen Tiere töten. Und es ist mir relativ egal, ob der Mensch ein Allesfresser ist. Ich halte es allerdings für absurd, mit diesbezüglich falschen Tatsachen gegen den Fleischkonsum zu wettern. Der Mensch hat noch nicht ewig die Wahl, sich gleichermaßen gesund und pflanzlich zu ernähren. Aber inzwischen kann er es.
Dennoch glaube ich nicht, dass es grundsätzlich schlimm ist, Tiere zu töten. In der freien Natur haben fast alle Tiere Fressfeinde, und der Mensch ist eben ein besonders erfolgreicher. Wenn er sich mehr darum kümmern würde, dass sein Raubzug ökologisch vertretbar ist, sollte dem eigentlich nichts entgegenstehen.
Hat jedes Tier ein Recht auf Leben? Auf ein langes Leben? Auf ein gesundes Leben?
Wenn ja: Warum nicht auch jede Pflanze? Ein Tier ohne Selbsterkenntnis kennt nicht den Wert eines Lebens. Natürlich versucht es, seines zu verteidigen, aber dem ein menschliches Antlitz zu geben, indem man von „Furcht, Beängstigung“ und dergleichen redet, ist in meinen Augen reichlich verlogen.
Wenn ein Tier ungequält zu Tode kommt, welche Argumente bleiben, es nicht auch zu essen? Wieviele Argumente gibt es gegen den Konsum von glücklichen, niedlichen Kartoffeln? Und warum kann man nicht auch mal sachlich drüber sprechen? Weder sind Vegetarier und Veganer zu schwach und körperlich marode, noch sind Fleischfresser alle skrupellose Mörder und am Unrecht dieser Welt schuld.
Das wollte ich nur mal gesagt haben.

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