{"id":7425,"date":"2011-06-29T01:00:05","date_gmt":"2011-06-29T00:00:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/?p=7425"},"modified":"2011-06-29T01:46:33","modified_gmt":"2011-06-29T00:46:33","slug":"prolls-in-marzahn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/2011\/06\/29\/prolls-in-marzahn\/","title":{"rendered":"Prolls in Marzahn"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Der Bezirk\/Stadtteil in dem ich wohne, hat seinen schlechten Ruf ja schon lange weg. Die ganz uninformierten vermuten hier eine \u00fcble Nazi-Brutst\u00e4tte, andere wiederum ein b\u00f6ses Ausl\u00e4nder-Ghetto. An beidem ist bedingt etwas dran. Nat\u00fcrlich gibt es sowohl Nazis als auch Ausl\u00e4nder in Marzahn. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass die Nazis meist dumme Mitl\u00e4ufer sind, deren Hauptlebenszweck es ist, billige Propaganda-Shirts zu tragen, tue ich mich schwer, das ernst zu nehmen.<br \/>\nDie hier ans\u00e4ssigen Russen, Vietnamesen und sonstige Nicht-Deutsche leben hier wie jeder andere auch ganz gem\u00fctlich vor sich hin. Im schlimmsten Fall versorgen sie die Bev\u00f6lkerung mit illegalen Kippen. Im \u00dcbrigen auch die Nazis&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Na gut, bisweilen wirken die russischen Prolls ein wenig gef\u00e4hrlich, dachte ich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Vermutung kann ich jetzt endg\u00fcltig \u00fcber den Haufen werfen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einer der zweifellos anstrengendsten Typen hier in der Umgebung ist ein Russe um die 30, der st\u00e4ndig besoffen ist und hier und da mal Leute anlabert. Dass er dabei in mir seinen Meister gefunden hat, \u00fcberrascht lediglich die anderen, mich nicht. Ich kann im Allgemeinen nicht allzu schlecht mit Menschen umgehen, zudem bin ich sehr geduldig. Das treibt allerdings manchmal auch seltsame Bl\u00fcten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unsere &#8222;Bekanntschaft&#8220; fing damit an, dass ich ihm irgendwann mal auf Nachfrage hin eine Zigarette gegeben habe. Entweder weil er es immer so macht &#8211; oder weil ich als einziger nicht weggelaufen bin &#8211; hat er mich deswegen zum Freund auf Lebenszeit ernannt. Er hat mir also ein paar Mal ein paar vermutlich nette Worte zugegr\u00f6hlt, so genau weiss ich es nicht, sein Deutsch wird locker von der durchschnittlichen Sprachkompetenz einer Kartoffel \u00fcbertroffen. So wie es bei mir ja auch mit Russisch ist \ud83d\ude42<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im letzten Jahr hab ich ihn so gut wie gar nicht gesehen, aber das kann daran liegen, dass ich zu anderen Zeiten einkaufen gehe, oder er sich jetzt sein Bier in anderen L\u00e4den holt. Wer weiss das schon?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber neulich habe ich ihn wieder mal getroffen. Ich bin zu meinem Stammd\u00f6ner gewatschelt, um mich vor dem Zur\u00fcckziehen ins Bett noch etwas zu st\u00e4rken. Dort sa\u00df mein russischer Freund deprimiert an einem Tisch im Au\u00dfenbereich und winkte mich heran. Er dr\u00fcckte mir ein Sternburg in die Hand und machte einen gro\u00dfen Aufstand, weil wir uns so ewig nicht gesehen haben. Er erz\u00e4hlte &#8211; soweit ich das beurteilen kann &#8211; dabei von 10 Jahren, was mich etwas erstaunt hinterlies, da ich hier ja noch nicht einmal 4 Jahre wohne.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Argument hat er das nicht gelten lassen und mich mehr oder weniger gezwungen, mit ihm zu trinken. Mein D\u00f6ner war schon in der Mache und mein neuer alter Freund f\u00fchlte sich nach irgendwas zwischen 8 und 15 Bier bem\u00fc\u00dfigt, mir von sich zu erz\u00e4hlen. Ich hab im Gro\u00dfen und Ganzen wirklich nicht den Hauch einer Ahnung, was genau er mir erz\u00e4hlt hat, aber zwischen dem Lallen und dem russischen Teil der Geschichte lie\u00df sich erkennen, dass er wohl um seinen toten Vater trauert und demn\u00e4chst das Land verlassen muss.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein knappes Bier lang hab ich also mit Mitleidsmiene und geistigem WTF im Kopf dem h\u00e4rtesten Proll der Umgebung beim Heulen zugesehen und war mehr als unsicher, wie ich mit der Situation umgehen sollte. Nein, angenehm war das nicht. Selbst der D\u00f6ner, den ich zum Mitnehmen habe einpacken lassen, war am Ende nat\u00fcrlich kalt. Aber geblieben ist am Ende die nicht allzu neue Erkenntnis, dass man Menschen besser nicht nach ihrem \u00c4u\u00dferen bewerten sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Keine Ahnung, ob ich ihn nochmal sehe. Aber ich ringe mit mir, ob ich ihm nicht vielleicht ein Bier ausgeben sollte. Hier, im kalten und herzlosen Marzahn, wo nur b\u00f6se Ausl\u00e4nder und Nazis wohnen&#8230;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/281187c5c2004886b8f78aea31db3cd1\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Bezirk\/Stadtteil in dem ich wohne, hat seinen schlechten Ruf ja schon lange weg. Die ganz uninformierten vermuten hier eine \u00fcble Nazi-Brutst\u00e4tte, andere wiederum ein b\u00f6ses Ausl\u00e4nder-Ghetto. An beidem ist bedingt etwas dran. 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