{"id":6063,"date":"2010-06-14T02:37:00","date_gmt":"2010-06-14T00:37:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/?p=6063"},"modified":"2011-09-02T05:10:26","modified_gmt":"2011-09-02T03:10:26","slug":"innere-parteitage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/2010\/06\/14\/innere-parteitage\/","title":{"rendered":"Innere Parteitage"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Na das passt ja wie die Faust aufs Auge: Kaum zieht mal wieder eine Auswahl deutscher M\u00e4nner testosteronstrotzend im Kampf gegen andere Nationen durch fremde Kontinente, wird das an der Heimatfront gleich mit den Nazis verglichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seien wir f\u00fcr einen Moment ehrlich: Nat\u00fcrlich KANN man den obigen Satz so stehen und wirken lassen. Ob man das jedoch faire Berichterstattung \u00fcber die Fu\u00dfball-WM nennen kann, darf bezweifelt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ist passiert?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Katrin M\u00fcller-Hohenstein hat w\u00e4hrend der Halbzeit-Berichtserstattung des ersten WM-Spiels mit deutscher Beteiligung \u00fcber das zweite Tor <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=sXj2yddt0ro\" target=\"_blank\">gesagt<\/a>:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Und f\u00fcr Misoslav Klose ein innerer Reichsparteitag, jetzt mal ganz im Ernst. Das er heute hier trifft!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und nun ist er da, der Nazi-Skandal. Super.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ganz im Ernst: Ich finde es bekloppt!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die meisten d\u00fcrften inzwischen wissen, dass ich bei rechter Pr\u00e4senz gerne eine linksradikale Spa\u00dfbremse bin. Ich attestiere mir gerne die v\u00f6llige Befreiung von Nationalstolz, ein wachsames Geh\u00f6r bei rechten Tendenzen und Lust auf Diskussionen dar\u00fcber. Und noch viel schlimmer: Ich hoffe meist, dass eine andere Mannschaft als die Deutsche gewinnt, weil es oftmals wesentlich sympathischere oder engagiertere gegnerische Mannschaften gibt, denen ich einen Sieg g\u00f6nne. Von der gelegentlichen Befriedigung, noch nicht v\u00f6llig Mainstream zu sein, mal ganz abgesehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber aufzuspringen wegen dieser Bezeichnung? W\u00fcrde mir nicht einfallen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn es ist &#8211; so unbekannt sie einem im Einzelnen sein mag &#8211; eine Redensart. Klar, die geschichtlichen Hintergr\u00fcnde waren unsch\u00f6n, und wenn es hier tats\u00e4chlich um Nazi-Propaganda gehen w\u00fcrde, w\u00e4re meine Meinung eine andere. Aber Redensarten haben ihren Ursprung oftmals in den dunklen Zeiten der Geschichte. Und in Anbetracht der Tatsache, dass das &#8222;Dritte Reich&#8220; von einigen Leuten da draussen noch live erlebt wurde, also noch nicht ewig her ist, ist es wenig verwunderlich, dass sich sprachliche Artefakte noch weit verbreitet wiederfinden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mir pers\u00f6nlich w\u00fcrde es zwar nie in den Sinn kommen, diese Redewendung zu benutzen, aber unbekannt war sie mir deswegen nicht. Ich selbst hab sie soweit ich weiss, haupts\u00e4chlich von meiner Mutter gekannt, aber alleine die Tatsache, dass sie innerhalb der Familie bereit war, die Arbeit ihrer Kinder in der Antifa mit den Worten &#8222;Ist doch gut, dass mal jemand was macht gegen Nazis&#8220; zu verteidigen, sollte Beweis genug sein, dass nicht nur harte Rechtsau\u00dfen-Schaumschl\u00e4ger sich dieser Wortwahl bedienen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ganz ehrlich: Vielleicht w\u00e4re es angenehmer, wenn man Alternativausdr\u00fccke verwenden w\u00fcrde. Aber Sprache funktioniert nicht mit Verboten.\u00a0 Ebensowenig wie politische \u00dcberzeugung.<br \/>\nIch bin auch nicht immun gegen &#8222;political correctness&#8220;, aber ich finde insbesondere im sprachlichen Bereich sollte man sich nicht irgendwelchen Tabus unterordnen. Ich denke, es schadet der Sprache und ihrer so verdammt spannenden Fortentwicklung. Es ist doch traurig, nun zu sehen, dass hunderte Blogger in teilweise wahrscheinlich absurder Wortklauberei nach der b\u00f6sen Intention der Frau M\u00fcller-Hohenstein suchen, und dabei v\u00f6llig vergessen, dass es nicht um Politik ging und auch nicht um einen Vergleich mit Politik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich kenne ja auch die Gegenargumente. Nat\u00fcrlich kann Sprache herabw\u00fcrdigen, beleidigen und verletzen. Aber gerade im Wissen, dass ein Totschweigen der deutschen Geschichte fatale Folgen haben k\u00f6nnte, sollte man sich nicht aufregen, wenn das ein oder andere Bonmot auch fern der eigentlichen Bedeutung als geschichtlich interessantes und \u00fcberpr\u00fcfbares Mahnmal in die aktuelle und vielleicht zuk\u00fcnftige Sprache Einzug h\u00e4lt.<br \/>\nNat\u00fcrlich ist es schade, dass damit das ein oder andere Mal das Wort &#8222;Reichsparteitag&#8220; in positiven Zusammenh\u00e4ngen verwendet wird. Aber je weiter sich hier das Subjekt des Anstosses von der Intention des Benutzers entfernt, desto spannender werden die Aha-Erlebnisse derer sein, die der Verbindung auf den Grund zu gehen gedenken. Die, die z.B. diese Redewendung mit heimlicher Genugtuung verwenden, mal was B\u00f6ses gesagt zu haben, das nicht unter einen Paragrafen gegen Volksverhetzung f\u00e4llt, werden sich ohnehin Ersatzbefriedigungen suchen, bis man ihnen das Reden komplett verbietet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl &#8211; oder gerade weil? &#8211; ich einfach nur locker aus dem Handgelenk schreibe, tut es mir weh, gelebte Sprache denen zu \u00fcberlassen, die sie dann wirklich missbrauchen f\u00fcr ihre Instrumentalisierungen. Nat\u00fcrlich wurden Worte oft geschaffen, um Grenzen zu ziehen und Menschen auszuschlie\u00dfen. Aber wie sch\u00f6n ist es im Gegenzug zu sehen, dass die Sprache alleine auch wieder den Weg zur\u00fcckfindet. Ist es nicht ein Erfolg der Auss\u00f6hnung, dass das b\u00f6se Wort &#8222;Nigger&#8220; in Amerika zun\u00e4chst auch von den Schwarzen untereinander verwendet wurde, und sich inzwischen auch wei\u00dfe Mittelstandkiddies mit HipHop-Ambitionen gegenseitig mit &#8222;Hey Nigger&#8220; begr\u00fc\u00dfen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Reflexe sitzen bei uns Linken tief. Verst\u00e4ndlich, wollen wir doch eigentlich alles \u00dcbel im Ansatz bek\u00e4mpfen. Wie oft hab ich hier im Blog schon ein &#8222;Gott sei Dank&#8220; in &#8222;Gl\u00fccklicherweise&#8220; umgeschrieben, weil ich als \u00fcberzeugter Atheist nicht mit Fanatikern um Worte streiten wollte. Aber es ist doch albern! Worte sind nur schlecht, weil sie in der Vergangenheit eine bestimmte Bedeutung haben. Was also n\u00fctzt es, an dieser festzuhalten, und den Worten die Chance zu nehmen, auch positives zu vermitteln? Wie sch\u00f6n w\u00e4re es, eine unendliche Sprachf\u00fclle f\u00fcr positive Erlebnisse zu besitzen und eine vergleichsweise eingeschr\u00e4nkte f\u00fcr Negatives &#8211; anstatt umgekehrt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und bevor wir hier v\u00f6llig vergessen, worum es ging: Es war wirklich ein grandioser Auftritt der deutschen Elf! Es hat Spa\u00df gemacht, zuzusehen, und auch wenn mein Weltmeister-Favorit Uruguay bliebt, w\u00fcnsche ich den Deutschen dennoch viel Erfolg, wenn sie so weiterspielen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">via <a href=\"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/ein-innerer-reichsparteitag\/\" target=\"_blank\">Stefan Niggemeier<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Na das passt ja wie die Faust aufs Auge: Kaum zieht mal wieder eine Auswahl deutscher M\u00e4nner testosteronstrotzend im Kampf gegen andere Nationen durch fremde Kontinente, wird das an der Heimatfront gleich mit den Nazis verglichen. 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