{"id":6030,"date":"2010-06-12T00:28:42","date_gmt":"2010-06-11T22:28:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/?p=6030"},"modified":"2011-06-29T04:19:23","modified_gmt":"2011-06-29T02:19:23","slug":"wehmutiger-ruckblick-grundsatzgedanken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/2010\/06\/12\/wehmutiger-ruckblick-grundsatzgedanken\/","title":{"rendered":"Wehm\u00fctiger R\u00fcckblick \/ Grundsatzgedanken"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Keine Sorge, irgendwann lasse ich euch in Ruhe mit dem Gerichtsmist&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber es ist tats\u00e4chlich ein seltsames Gef\u00fchl, wenn sich sowas so ewig hinzieht und dann pl\u00f6tzlich vorbei ist. Bei Ozie und mir sind Erinnerungen wachgeworden ans Abi, ich hab auch an die Taxipr\u00fcfung oder an den F\u00fchrerschein denken m\u00fcssen. Man strengt sich bei etwas bestimmten extra an, es dauert ewig, bestimmt regelm\u00e4\u00dfig einen Gro\u00dfteil der Gedanken und irgendwann findet man sich damit ab, dass es so wohl irgendwie immer weitergeht. Ein Schuljahr folgte aufs n\u00e4chste, eine vergurkte Ortskundepr\u00fcfung auf die andere, ebenso wie die Briefe vom Gericht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und dann auf einmal heisst es: Das war es! Fertig! Erfolgreich!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die wichtigsten Zwischenschritte im Leben erfolgen manchmal mit der k\u00fchlsten Emotionslosigkeit. Meine F\u00fchrerscheinpr\u00fcfung habe ich nach ewigem Zittern und zwei kapitalen Fehlern zu Beginn nach einer Dreiviertelstunde (ich bin der Einzige in meinem Bekanntenkreis, bei dem die die Zeit ausgenutzt haben) mit dem Abstellen des Wagens beendet und der Pr\u00fcfer meinte lapidar:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Unterschreiben sie bitte hier, dass sie ihren F\u00fchrerschein erhalten haben.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der Ortskundepr\u00fcfung klang das \u00e4hnlich. Das Wort &#8222;bestanden&#8220; fiel nie. Mein Abi war eine Ausnahme, da waren die letzten Worte eines Pr\u00fcfers:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Mir scheint, sie waren sich nicht bewusst, dass sie sich vor einem Pr\u00fcfungsausschuss des Abiturs befunden haben!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber sei es drum. Vor Gericht &#8211; auch wenn das Verfahren nat\u00fcrlich nicht wirklich so wichtig wie Abi oder Taxischein war &#8211; das Gleiche: Es wurde zu Protokoll gegeben, dass die Gegenseite die Klage anerkennt. Blablabla. Kein Wort von Recht, von Gerechtigkeit, von Sieg oder Niederlage. Ein paar S\u00e4tze, ein paar Zahlen, der n\u00e4chste bitte!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es dauert eine Weile, bis man begreift, dass es das wirklich war. Klar, ein bisschen was haben wir noch vor uns. Wir werden uns wahrscheinlich noch im Kostenfestsetzungsverfahren ein wenig kabbeln, wie viele meiner au\u00dfergerichtlichen Auslagen Dieter tragen muss. Aber da geht es nachher um 100 \u20ac hin oder her, nicht ernstlich um Recht und Gerechtigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber sonst ist es vorbei. Ich bin auch gefasst genug, um heute schon wieder zu meckern \u00fcber das Ergebnis. Denn wenn ich die Wahl gehabt h\u00e4tte, dann h\u00e4tte ich gerne ein Urteil mit Begr\u00fcndung gehabt, eines, bei dem den beiden mal der Kopf gewaschen wird und bei dem ihnen klar wird, dass sie wirklich im Unrecht sind. Ein wenig frustrierend ist es schon, dass sie als arme Opfer einer total fiesen destruktiven WG aus dem Gerichtssaal gewatschelt sind und ja blo\u00df angenommen haben, um den Schaden zu begrenzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Prozess an sich war ja nicht nur ein Streit ums Geld. Klar, vorrangig, und wirklich unzufrieden bin ich nicht. Die nicht erfolgte Dem\u00fctigung der beiden ist mit den vorl\u00e4ufig grob gesch\u00e4tzten 1800 \u20ac, die irgendwann ihren Weg zu uns finden werden, ganz gut zu ertragen. Aber das Weltbild der beiden&#8230; da sieht es wirklich nicht gut aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jetzt standen wir am Ende da und haben uns unter anderem dar\u00fcber unterhalten, dass eine Duscht\u00fcre besch\u00e4digt war und der Schaden mit 76,16 \u20ac zu beziffern ist. Schon dreist eigentlich, zu erwarten, dass ich das ernst nehme. Ich habe diese Dusche mit der kaputten T\u00fcre dreieinhalb Jahre in diesem Zustand benutzt. Wie hoch ist der Geldwert daf\u00fcr, ein halbes Jahr lang mit einer Taschenlampe durchs Treppenhaus zu gehen, weil das Licht abgeschaltet ist?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob die gesch\u00e4tzten 2000 bis 3000 \u20ac, die meinen Ex-Vermietern jetzt auf dem Konto fehlen werden, nachdem sie alle Rechnungen bezahlt haben, sie wirklich treffen, weiss ich nicht. Sie besitzen 2 H\u00e4user, etliche Autos, aber sind wahrscheinlich auch hoch verschuldet. Keine Ahnung, wie sich dieser Prozess da auswirkt. Auf unser WG-Konto jedoch&#8230; holla die Waldfee!<br \/>\nNat\u00fcrlich hab ich in all der Zeit auch viel \u00fcber unsere Verfehlungen in der ganzen Sache nachgedacht. Nat\u00fcrlich haben wir als WG dort eine Menge Sch\u00e4den angerichtet. Manches f\u00e4llt unter die Kategorie &#8222;Normaler Verschleiss&#8220;, andere Dinge h\u00e4tten wir sicher pfleglicher behandeln k\u00f6nnen. Das ist die Seite, die unsere Vermieter sehen. Dem gegen\u00fcber stehen nach meiner Rechnung 55.670 \u20ac, die wir im Laufe der Jahre gezahlt haben. Davon sind runde 10.000 \u20ac Nebenkosten gewesen, bleiben etwa 45.000 \u20ac Miete und eine Reparatur der Haust\u00fcre. Mir ist klar, dass da Unsummen an Steuern und sonstigen Abgaben, R\u00fcckzahlungen etc. abgeht, die nicht bei den beiden verblieben sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber was an Geld davon in die Wohnung zur\u00fcckgeflossen ist, w\u00fcrde ich mit maximal 500 \u20ac an Materialwert beziffern und vielleicht nochmal 500 \u20ac an Arbeitszeit. Wenn man Dieters Arbeit (wie er es bei der Rechnung f\u00fcr die kaputte T\u00fcre gemacht hat) wie die seines Vaters mit 25 \u20ac pro Stunde berechnet und die seiner S\u00f6hne mit 15 \u20ac. Das war es! Davon abgesehen, dass ein paar von uns als Mieter bei der Renovierung zu Beginn wochenlang mitgearbeitet haben, und so Kleinigkeiten wie den Anstrich, das Verlegen des K\u00fcchenbodens und das Abschleifen von Holzb\u00f6den gegen eine Verminderung der Kaution (also de facto f\u00fcr umme) unter der Anleitung der Vermieter zumindest teilweise selbst \u00fcbernommen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Vermieter-Interessenvertretungen schimpfen oftmals (es gab z.B. vor einem Jahr einen miesen Artikel im Spiegel \u00fcber Mietnomaden), dass die Gesetze zu mieterfreundlich, bzw. vermieterfeindlich w\u00e4ren. Wir hatten hier nat\u00fcrlich auch Gl\u00fcck bez\u00fcglich der Verj\u00e4hrungsfristen und h\u00e4tten es auch bez\u00fcglich der Sch\u00f6nheitsreparaturen gehabt. Aber ist das ungerecht? Ich meine, wir m\u00f6gen keine vorbildlichen Mieter gewesen sein. Auch bei uns kam die Miete mal versp\u00e4tet und zu laut waren wir auch oft. Aber unsere Vermieter waren definitiv die mit den revolution\u00e4reren Rechtsauslegungen. Was sind die Rechte und Pflichten im Mieter- und Vermieter-Rechtsverh\u00e4ltnis? Und wer leidet im Streitfall am meisten. In erster Linie muss man als Mieter zahlen und darf als Vermieter kassieren. Das kann man jetzt toll finden oder nicht, Tatsache ist aber, dass der Vermieter zun\u00e4chst einmal Wohnraum zur Verf\u00fcgung stellen muss, der eine Bezahlung rechtfertigt. Miete ist doch keine gottgegebene Einnahmequelle mit null Gegenwert. Und als Mieter bezahle ich meinen Vermieter doch nicht daf\u00fcr, dass einer seiner Vorfahren im Mittelalter mal ein Haus gebaut hat &#8211; sondern daf\u00fcr, dass das Haus in dem Moment, f\u00fcr den ich Miete zahle, bewohnbar ist. Dass der Vermieter dabei seinen Gewinn absch\u00f6pft, das k\u00f6nnen wir gegenw\u00e4rtig mal v\u00f6llig in Ordnung finden &#8211; aber ohne Gegenleistung ist das eben nicht drin.<br \/>\nUnd was die Bevorteilung angeht: Als Mieter insbesondere mit begrenztem Budget hat man nicht immer die Freiheit, mal eben zu sagen: Dann nicht! Wo h\u00e4tten wir in Stuttgart mit 5 Leuten eine Bude gekriegt, die pro Person nur rund 200 \u20ac kostet?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir haben Dieter Geld geschenkt. Und zwar nicht zu knapp. Die Miete bewegte sich trotz minimaler Gegenleistung in einem Bereich, der im deutschen Gesetz die Grenze zwischen Mietpreis\u00fcberh\u00f6hung und Mietwucher markiert. Das ist der \u00dcbergang zwischen Ordnungswidrigkeit und Straftat. Nicht zwischen &#8222;Noch ok&#8220; und &#8222;Vielleicht nicht so nett&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alleine weil ich das hier schreibe, k\u00f6nnte jeder auf Verdacht Dieter verklagen! Vielleicht mit m\u00e4\u00dfiger Aussicht auf Erfolg, weil es wirklich grenzwertig war, aber ich h\u00e4tte ihm diese Klage gleich noch mit an den Hals h\u00e4ngen k\u00f6nnen. Aus purer Lust an der Freude! Ein Gutachter in diesen Wohnungen? Ey, sowas hat man selbst bei RTL bisher in den Assi-Dokus nicht gesehen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und ich habe es nicht getan. Teils aus Faulheit, teils weil ich mich nicht \u00fcber stillschweigende Vereinbarungen hinwegsetzen m\u00f6chte. Wir hatten unseren Spa\u00df in der WG, und ja, wir hatten ihn auch mit Dieter und all seinen Unzul\u00e4nglichkeiten! Ich weiss nicht, welche der beiden Geschichten ich irgendwann meinen Kindern erz\u00e4hlen werde. Die vom netten Vermieter, der nichts auf den Plan gekriegt hat &#8211; oder die von dem Assi, der uns ausgezogen hat, und dann mit Falschaussagen vor Gericht auch noch unsere letzten paar Cent haben wollte. Das werden wohl die n\u00e4chsten Jahre zeigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einen Dank muss ich allerdings an meine Ex-Vermieter richten:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe sehr viel gelernt bei diesem Verfahren und es tut meinem Ego so richtig gut, mich gegen einen professionellen Juristen alleine (also nat\u00fcrlich mit rund 80% Beteiligung von Ozie) durchgesetzt zu haben. Das Wissen, dass auch die gro\u00dfe Justiz nur mit Wasser kocht und man bisweilen tats\u00e4chlich Recht kriegt, nur weil das Gesetz es will und nicht, weil man den besseren Anwalt hat (obwohl Ozie hier definitiv besser als der Profi der Gegenseite war), das ist wahrscheinlich unersetzlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Gegenzug ist es aber auch bedenklich, wie viele L\u00fcgen vor\u00a0 Gericht m\u00f6glich sind, ohne dass das geahndet wird. Traurig, ehrlich! Und so gesehen auch eine Lehre. Na gut, viel Geschwurbel um nichts. Abschlie\u00dfendes Fazit?<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Ooooooch, mein aaaaaarmer Vermieter!&#8220; <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\ud83d\ude09<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Keine Sorge, irgendwann lasse ich euch in Ruhe mit dem Gerichtsmist&#8230; Aber es ist tats\u00e4chlich ein seltsames Gef\u00fchl, wenn sich sowas so ewig hinzieht und dann pl\u00f6tzlich vorbei ist. 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