{"id":6019,"date":"2010-06-09T15:46:51","date_gmt":"2010-06-09T13:46:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/?p=6019"},"modified":"2011-06-29T04:19:23","modified_gmt":"2011-06-29T02:19:23","slug":"ahnliche-erfahrung-machen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/2010\/06\/09\/ahnliche-erfahrung-machen\/","title":{"rendered":"\u00c4hnliche Erfahrung machen&#8230;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Gerichtsverfahren sind eine komische Geschichte. Seit etlichen Eintr\u00e4gen hangele ich mich durch ein mir noch vor einem Jahr unbekannt gewesenes Thema und gebe Prognosen ab, wie es enden k\u00f6nnte, kotze Gift und Galle in Form scheinbar liebensw\u00fcrdiger Anekdoten gegen Richter, Anw\u00e4lte und mindestens das Justizsystem im Allgemeinen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und irgendwie kommt doch immer alles anders. Naja, fast.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beim heutigen Termin, der Zeugenvernehmung, waren die M\u00f6glichkeiten eines Ausganges der Geschichte bereits von Anfang an eingegrenzt. Ren\u00e9, seines Zeichens Sohn der beiden Beklagten, sollte mit seiner Aussage beweisen, dass zu meinem Einzug die Sch\u00e4den, die mir zur Last gelegt werden, noch nicht existierten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So gab es nur ent oder weder. Gelingt es, ist mit einer n\u00e4chsten Runde in alle Bereiche zu rechnen, dem Auseinanderpfl\u00fccken der Schadensh\u00f6he z.B.. Im anderen Falle k\u00f6nnte es sogar das sofortige Ende sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber im Endeffekt wussten wir nicht einmal, ob Ren\u00e9 kommen w\u00fcrde, und wenn, ob er aussagt, und wenn, wie. Denn soweit wir wussten, wohnt er noch bei den Beklagten, ist mit ihnen verwandt, von ihnen wirtschaftlich abh\u00e4ngig&#8230; das macht vielleicht nicht so schnell glaubw\u00fcrdig, birgt aber nat\u00fcrlich gewisse Risiken f\u00fcr die Wahrheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vorbereitet waren wir f\u00fcr die Verh\u00e4ltnisse gut. Wir haben uns Erkundigungen von unseren Zeugen eingeholt, woran sie sich erinnern konnten, und haben eine kleine Auswahl fieser Fang- und offensichtlicher Lull-und-Lall-Fragen vorbereitet, um jede L\u00fcge in bester Staranwalt-Manier in ein enger werdendes Netz purer Ausweglosigkeit zu lotsen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erschreckend war es f\u00fcr einen Moment, als ich beim Betreten des Gerichtsgeb\u00e4udes ausgerechnet Ren\u00e9 und Petra sah, denn das Worst-Case-Szenario bestand aus der Kombination von einer Anwesenheit Ren\u00e9s und Beeinflussung seitens seiner Mutter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber auch Dieter und der Anwalt lie\u00dfen nicht ewig auf sich warten. Unsere beiden Zeugen waren auch da, sodass eine gewisse Ausgeglichenheit durch die Anzahl wenigstens gegeben war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Direkt meinen Ex-Vermietern gegen\u00fcberzustehen hat mich zwar einmal mehr nerv\u00f6s gemacht, aber schon die Tatsache, dass der Anwalt vom umnachteten Moment, in dem er mir die T\u00fcr vor der Nase zumachte, abgesehen, wenig kampfeslustig gab, lies mich aufatmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im winzigen Saal wunderte ich mich nur, dass eine mir unbekannte Frau das Geschehen verfolgte, aber so ist das bei \u00f6ffentlichen Verhandlungen. Man kann sich dennoch mal ziemlich alleine f\u00fchlen. Am Kopf des Raumes die Richterin, mir gegen\u00fcber Dieter und sein Anwalt. Petra nahm wie die Unbekannte im Zuschauerraum Platz.<br \/>\nMeine Zeugen mussten den Raum zun\u00e4chst verlassen, und Ozie sowieso, weil der gegnerische Anwalt sie ja bereits letztes Mal als &#8222;potenzielle&#8220; Zeugin aus dem Raum entfernen lies.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man f\u00fchlt sich so ein bisschen umzingelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um mich selbst zu beruhigen, habe ich mir die vorbereiteten Fragen auf den Tisch gelegt und nach einem Blick zum gegnerischen Anwalt ebenso wie dieser meinen Unterlagenordner aufgeschlagen. Dazu gab es keinen ersichtlichen Grund, aber ich hatte nicht vor, dieses Mal in Punkto stoischer Gelassenheit oder professioneller Arroganz den K\u00fcrzeren zu ziehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Binnen drei Minuten lag ich in F\u00fchrung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe mir mein s\u00fcffisantes L\u00e4cheln nicht permanent verkneifen k\u00f6nnen, als mir klar wurde, dass Ren\u00e9 wahrheitsgem\u00e4\u00df aussagt. Nach wenigen S\u00e4tzen seinerseits war klar, dass er zum fraglichen Zeitpunkt nie in der Wohnung war und lediglich bezeugen kann, dass die Sch\u00e4den nach meinem Auszug existierten. Bei meinen Fragen musste ich pl\u00f6tzlich erfinderisch sein, denn ich hatte eigentlich keine passenden. Er sagte ohnehin nichts gegen uns aus, und so habe ich die Zeit genutzt, um ihn den Umfang der Sch\u00e4den schildern zu lassen, was ggf. bei weiteren Beweisaufnahmen oder einer zweiten Instanz von Belang sein k\u00f6nnte. Selbst das nicht ohne Erfolg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der dritte Schaden (die Duscht\u00fcr, bei der ein unbeteiligter Freund gestern beim gem\u00fctlichen Beisammensein spontan rief &#8222;Die war doch ewig schon kaputt!&#8220;) wurde nur noch oberfl\u00e4chlich angegangen, da Ren\u00e9 bereits gesagt hatte, er war zur fraglichen Zeit nie im Bad, aber ich muss es eben erw\u00e4hnen, weil Ren\u00e9s O-Ton zum Zustand beim Auszug<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Komplett deformiert&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">schlicht in diesen Eintrag geh\u00f6rt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Richterin deutete ihre Entt\u00e4uschung bez\u00fcglich der Beweiskraft an, und so tat der Anwalt, was er tun musste: Kurze Unterbrechung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich war eigentlich gelassen genug, um diese zum Pinkeln zu nutzen, aber um der Gegenseite nicht den Eindruck zu vermitteln, sie seien der einzige gackernde Haufen im Gericht, bin ich festen Schrittes raus, hab Ozie, die sich den Tisch im Flur inzwischen mit den drei Zeugen beider Parteien in trauter Eintracht teilte, mit einer hoffentlich professionell anmutenden Geste zu mir gewunken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf dem Weg ins Abseits vernahm ich die Stimme des gegnerischen Anwaltes:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Also, jetzt bleibt nur noch eine M\u00f6glichkeit&#8230;&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich lauschte, immer noch festen Schrittes durchs Haus marschierend, angestrengt.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Anerkenntnis&#8230;&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Yes!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Etwa 5 Minuten sp\u00e4ter war bereits zu Protokoll gegeben, dass die Beklagten die Klage anerkennen. Die volle Kaution, die Zinsen, die Gerichtskosten&#8230; all das geht zu Lasten Dieters! So wie ich es immer gesagt habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wir haben gewonnen! <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein paar halblebige Jammereien hatte ich noch anzuh\u00f6ren, wie sehr sie belogen wurden und dass ihre Lehre daraus sei, keine WG&#8217;s und &#8222;Studenten&#8220; (ca. 3 Leute von 13 in der gesamten WG-Zeit) mehr aufzunehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ich nach einem unspektakul\u00e4ren Ende ohne gro\u00dfe Emotionen oder Worte den Saal mit professionell anmutender N\u00fcchternheit verlassen habe, fauchte mir Petra noch zu:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Dir w\u00fcnsch ich nur, dass du mal \u00e4hnliche Erfahrungen mch&#8217;sch, weil des jetzt&#8230;&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ohne mich umzudrehen, erwiderte ich ein dahingehauchtes<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Hach&#8230;!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von Ren\u00e9 habe ich mich mit einem Handschlag verabschiedet und mich f\u00fcr die Unannehmlichkeiten entschuldigt, was er mit einem L\u00e4cheln entgegennahm. Mit Ozie und meinen beiden Zeugen habe ich mich dann davongemacht, um mir das Elend nicht l\u00e4nger anzusehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die haben nicht im Geringsten verstanden, warum sie den Prozess verloren haben, mal abgesehen davon, dass eine ganze Menge themenbezogener Ignoranz n\u00f6tig ist, um sich von einem wahrheitsgem\u00e4\u00dfen Gest\u00e4ndnis des eigenen Sohnes \u00fcberaschen zu lassen. Wir sind die b\u00f6sen und das Recht ist eben mal wieder ungerecht. Wahrscheinlich glaubt das selbst die Richterin noch, was ich schade finde. Aber ich hab ja jetzt, was ich will.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\ud83d\ude00<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So, es gibt noch mehr zur Fahrt, ich k\u00f6nnte stundenlang schreiben. Aber ich hab in den letzten 60 Stunden nur 2 x 4 davon geschlafen und mein K\u00f6rper braucht noch Kraft f\u00fcr die zweistellige Anzahl an gro\u00dfen Bier, die heute Abend vernichtet werden will.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich melde mich aus Berlin live wieder und beantworte auch die Kommentare erst wieder zu Hause. Morgen kommt nur ein kurzer Taxitext, aber glaubt mir: Der Alltag kommt schnell genug wieder&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und jetzt wird gefeiert!!!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerichtsverfahren sind eine komische Geschichte. 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