{"id":5918,"date":"2010-05-31T06:01:54","date_gmt":"2010-05-31T04:01:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/?p=5918"},"modified":"2011-09-05T04:02:33","modified_gmt":"2011-09-05T02:02:33","slug":"nachtsparen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/2010\/05\/31\/nachtsparen\/","title":{"rendered":"Nachtsparen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Es kriselt weiter fleissig da draussen im Lande, auf dem Kontinent und sogar weltweit. Auch die Regierung hierzulande sucht gerade krampfhaft nach M\u00f6glichkeiten, in Zukunft sparen zu k\u00f6nnen. In meinen Augen bedenklich oft wird dieser Tage auch dar\u00fcber nachgedacht, bei Nacht- und Feiertagsarbeit k\u00fcnftig die Steuerfreiheit der entsprechenden Zuschl\u00e4ge zu streichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist nun ein Thema, das erste sch\u00e4tze ich, das mich politisch auch meiner eigenen Situation wegen interessiert. Ich bin bisher soweit ich mich erinnern kann, kein einziges Mal auf die Stra\u00dfe oder ins Wahllokal gegangen, um mir selbst das Leben leichter zu machen. Ich pers\u00f6nlich lebe ja in einem erstaunlich konfliktfreien Vakuum innerhalb fast aller politischen Entscheidungen. Ich verdiene zwar wenig Geld, bin aber zufrieden damit. Ich hab passable Arbeitszeiten mit Luft nach oben und unten und entscheide das ohnehin selbst. Ich bevorzuge ein schon ziemlich spie\u00dfiges Leben ohne teure Hobbies. Ich kann mir vorstellen, weniger zu heizen, langsamer zu fahren und unges\u00fcnder zu essen. Ich passe dank meiner Herkunft nicht ins Beuteschema meiner politischen Gegner, habe Spa\u00df an meiner Lohnarbeit und als abschreckend gro\u00dfer wei\u00dfer Mann muss ich mir fast \u00fcberall auf dem Planeten keine Sorgen um Ausgrenzung, Rassismus oder \u00dcberf\u00e4lle machen. Von Sexismus w\u00fcrde ich auch noch profitieren. Im Zweifelsfall bin ich mit einem ausreichenden sozialen Netzwerk ausgestattet, dass es mir erlauben w\u00fcrde, eine gewisse Zeit ohne Geld zu \u00fcberleben, und moralische Skrupel, im Ernstfall kriminell zu werden, traue ich mir zu abzulegen. Ja selbst im Falle einer Hungersnot habe ich mehr Fettreserven als 90% der Menschheit und kann daher mit Fug und Recht behaupten, dass ich einfach keinen Grund habe, mich zu beschweren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Grunde auch nicht \u00fcber eine Streichung einiger Steuerverg\u00fcnstigungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das heisst aber nicht, dass ich daf\u00fcr w\u00e4re! Aber, und das ist komischerweise wirklich meine ehrliche Meinung, geht es mir auch hier eigentlich nicht um meine paar Euro. Klar, mir w\u00fcrde am Monatsende was im Geldbeutel fehlen. Wenn es ganz dumm l\u00e4uft, dann bedeutet das, dass ich einen Tag mehr arbeiten muss, oder &#8211; um es ein wenig deutlicher zu machen &#8211; eine Viertelstunde mehr pro Tag. Das ist nicht wirklich ein Grund zum Jubeln, aber in meinen Augen ein vertretbarer Aufwand. Insbesondere, wenn wir mal so d\u00fcmmlich und blau\u00e4ugig wie all die CDU- und FDP-W\u00e4hler sind, die glauben, dass die Regierung weiss was sie tut und dieses finanzielle Mehraufkommen in irgendeiner Form tats\u00e4chlich sinnvoll verwendet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber ich finde es unfair vielen Menschen gegen\u00fcber. Denn auch wenn ich selbst mit meiner Situation grinsend zufrieden bin, ist nicht abzustreiten, dass Nacht- und Feiertagsarbeit eine Mehrbelastung darstellen. Ob die gesundheitlichen Studien haltbar sind, weiss ich nicht. Aber alleine der soziale Faktor. Wie kann ich im selben Land Laden\u00f6ffnungszeiten einschr\u00e4nken, um die armen Besch\u00e4ftigten vor Ausbeutung zu sch\u00fctzen, und andererseits die Arbeit derer, die dennoch Nachts arbeiten m\u00fcssen, als gleichwertig abstempeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hab vor einiger Zeit schon einmal geschrieben, dass es nunmal eine Menge Leute gibt, die Nachts arbeiten m\u00fcssen. Die \u00c4rzte und die Feuerwehr f\u00fchre ich gerne an erster Stelle, aber selbst die von mir vielgescholtenen Polizisten widmen sich ja bisweilen Nachts sinnvollen T\u00e4tigkeiten, die keiner missen m\u00f6chte. Was es f\u00fcr unser modernes Leben bedeuten w\u00fcrde, wenn auch Mitarbeiter von E-Werken, Kneipiers, U-Bahn- und Taxifahrer nachts einfach alle frei h\u00e4tten, das kann man mal versuchen, sich auszumalen. Wir leben zwar inzwischen in einer Welt, in der ich beim Versandhandel nachts um ein Uhr ein Kissen mit Katzenmotiven kaufen kann, aber dennoch sind viele Dinge dieser Welt auf das Leben tags\u00fcber zugeschnitten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn meine Nachbarn bohren ihre D\u00fcbell\u00f6cher zu meiner Schlafenszeit. Wenn ich am Montag um 3 Uhr von der Arbeit komme, hat kein Laden mehr offen, in dem ich mir schnell was zu essen kaufen kann. Mein Arzt \u00f6ffnet zu einer Tageszeit, die bei normalen Menschen etwa 1 Uhr Nachts bedeutet und wenn ich wegen irgendwas zu einem Amt muss, dann kann es schon mal sein, dass ich meinen Tagesrhytmus v\u00f6llig umschmeissen muss. Dazu kommen Vertreter, Werbeanrufe und Nachfragen von Unternehmen, mit denen ich eine Gesch\u00e4ftsbeziehung unterhalte, die sich allesamt melden, wenn ich gerade meine zweite oder dritte Tiefschlafphase habe. Sicher ist auch mein Stromverbrauch h\u00f6her, da ich zu freien Zeiten nachts das Licht anhaben muss.<br \/>\nAndere haben es noch schlimmer erwischt: Sie haben eine Frau, die einen Job macht, den sie nur tags\u00fcber machen kann\/darf oder gar so kleine wuselige Viecher, die tags\u00fcber in die Schule m\u00fcssen und den Rest der hellen Tageszeit kreischend in der Wohnung verbringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von der seelischen Belastung, die einen bef\u00e4llt, wenn man am Wochenende abends nicht mit den Freunden einen trinken gehen kann, mal ganz abgesehen: Es sind nach wie vor eine Menge Nachteile, die einem die Nachtschicht verleiden k\u00f6nnen. Ganz im Ernst: Ich sch\u00e4me mich nicht, daf\u00fcr irgendwas zwischen 5 und 50 \u20ac monatlich an Steuergeschenken zu bekommen. Ich halte das schon in meinem Fall f\u00fcr eine gerechtfertigte Gegenleistung f\u00fcr den Gefallen, den ich betrunkenen Sp\u00e4theimkehrern damit mache, morgens um 4 Uhr im Auto auf sie zu warten. Und die Bezuschussung f\u00fcr den Arzt, der mich dann um 5 Uhr aufnimmt, wenn der Betrunkene mir ins Lenkrad gefasst und damit einen Unfall provoziert hat, die kann in meinen Augen gar nicht hoch genug sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin grunds\u00e4tzlich ein Vetreter libert\u00e4rer Ans\u00e4tze, und w\u00fcrde mir in erster Linie nat\u00fcrlich eine Angleichung des Nacht- an das Tagleben w\u00fcnschen. Aber im Wissen darum, dass eine gewisse Ruhe dem Menschen definitiv gut tut (ist ja z.B. sch\u00f6n zu wissen, dass die Anrufe nachts um 4 Uhr wirklich dringend sind) und andererseits auch Party und Bohren in den eigenen vier W\u00e4nden wenigstens tags\u00fcber ok sein m\u00fcssen, bin ich eben daf\u00fcr, wenigstens einen kleinen finanziellen Ausgleich f\u00fcr uns Nacht- und Feiertagsarbeiter zu erhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Davon, dass die Nacht die sch\u00f6nere Tageszeit ist, k\u00f6nnen wir leider auch nicht alleine leben \ud83d\ude09<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es kriselt weiter fleissig da draussen im Lande, auf dem Kontinent und sogar weltweit. Auch die Regierung hierzulande sucht gerade krampfhaft nach M\u00f6glichkeiten, in Zukunft sparen zu k\u00f6nnen. 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