{"id":4364,"date":"2009-11-28T06:00:19","date_gmt":"2009-11-28T05:00:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/?p=4364"},"modified":"2012-01-10T05:09:13","modified_gmt":"2012-01-10T03:09:13","slug":"ruckblick-sashs-tollste-kbv-tour","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/2009\/11\/28\/ruckblick-sashs-tollste-kbv-tour\/","title":{"rendered":"R\u00fcckblick: Sashs tollste KBV-Tour"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Der Krankentransportblog von Ingmar hat gerade so eine <a href=\"http:\/\/krankentransport-blog.de\/?p=389\" target=\"_blank\">nette Geschichte<\/a> \u00fcber einen dementen Fahrgast online, dass ich da in nichts nachstehen will. Und wenn es gerade keine Taxi-Geschichte gibt, die ich zum Besten geben will, dann kann ich doch mal wieder Vergangenheitsbew\u00e4ltigung betreiben. Die beste KBV-Tour ever&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weihnachten. Vor 5 oder 6 Jahren&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weihnachten war beim Behindertenfahrdienst das, was Silvester im Taxigewerbe ist &#8211; nur ohne Stress! Die Bezahlung war an Heiligabend nat\u00fcrlich dieselbe wie sonst auch, aber die Trinkgelder stiegen in astronomische H\u00f6hen. Erst einmal sind nat\u00fcrlich so oder so alle entspannt und freuen sich aufs Fest, und zudem hat jeder Mitleid, dass es Leute gibt, die zu dieser Zeit arbeiten m\u00fcssen&#8230; dabei hab ich nat\u00fcrlich genau deswegen sehr gerne an Heiligabend gearbeitet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hatte Abends eine Tour sowohl hin als auch zur\u00fcck &#8211; was bei Familienbesuchen ja auch sinnig ist. Der Verein hat mir die Adresse der Leute wie \u00fcblich schon ein paar Tage vorher gegeben und so hatte ich eine Menge Zeit, mich zu informieren, wie ich am besten fahren k\u00f6nnte. Das war auch \u00fcberhaupt kein Kunstst\u00fcck, denn ich sollte eine alte Frau zu ihrer Tochter bringen, und wie mir map24 verriet, musste ich sie aus dem Altersheim bei mir zuhause ums Eck in den Stuttgarter Westen bringen. Eine Sache von vielleicht 15 Minuten mit Ein- und Ausladen. Die Stra\u00dfe im Westen kannte ich zwar nicht, aber sie ging von einer Hauptstra\u00dfe ab und war gerade mal 50 Meter lang. Und im Gegensatz zu Berlin gibt es in Stuttgart auch keine doppelten Stra\u00dfennamen. Wie schwer soll es also sein?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin \u00fcberp\u00fcnktlich im Heim aufgeschlagen, hatte nicht einmal das schlechteste Auto dabei und ich war hocherfreut, dass mir die Pflegekr\u00e4fte die alte Dame schon fix und fertig gerichtet hinstellten. Sie warnten mich vor, dass sie dement sei und ich nicht auf ihr Geplapper h\u00f6ren sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin also in den Westen gegurkt, hab die Stra\u00dfe auf Anhieb gefunden und hab mich auf Trinkgeld gefreut. Klingt vielleicht makaber, aber es war ja Heiligabend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also stand ich dann Sekunden sp\u00e4ter vor dem Haus und hab nach der Klingel gesucht. Das hat sich als etwas schwierig erwiesen, denn es befand sich dort kein Name, der auch nur ann\u00e4hernd etwas mit dem auf meinem Zettel zu tun hatte. Das ist ein ungutes Zeichen&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun hatte ich damals ja noch nicht einmal ein Handy, und dabei hatte ich schon gar keins. Also musste ich irgendwie das R\u00e4tsel auf eigene Faust l\u00f6sen. Zun\u00e4chst dachte ich: Hausnummer falsch. Statt 21 vielleicht 27. Oder 12? 27 gab es gar nicht, bei 12 tauchte der Name auch nicht auf. Mist!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also hab ich an andere L\u00f6sungen gedacht. Also es ist die Adresse des Freundes der Tochter&#8230; vielleicht steht der Name da ja gar nicht auf der Klingel. Dabei hatte ich zwar einen Hinweis &#8222;klingeln bei&#8230;&#8220;, aber man kann sich vor Aufregung, im Stress oder sonstwie auch vertun und den eigenen Namen angeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also hab ich an einer beliebigen Klingel geklingelt und den d\u00fcmmsten Fehler gemacht, den man machen kann: Ich hab mich gemeldet mit:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Hallo, ich bin vom K\u00f6rperbehindertenverein&#8230;&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Danke, kein Interesse!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Haben die gedacht, ich sammele Spenden. An Heiligabend! In Stuttgart! Aber ich hab tats\u00e4chlich Leute gefunden, die sich mein Problem angeh\u00f6rt haben. Ich hab gefragt, ob sie den Namen schon mal geh\u00f6rt haben, ob die Leute vielleicht bei einer anderen Hausnummer zu finden w\u00e4ren. Keiner hatte eine Ahnung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwischendrin musste ich nat\u00fcrlich immer mal wieder zu meiner Kundin zur\u00fcck, die langsam auch den Aufstand probte und in mir nicht nur zahllose Verwandte vermutete, sondern teils auch absurde Vorstellungen von unserem Ziel hatte. Sie fragte mich, ob die Post denn schon zu h\u00e4tte und ob ihr Mann gleich kommt &#8211; all sowas.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ich ihr erz\u00e4hlt habe, dass wir zur Tochter fahren, war sie auch sofort begeistert und sie wollte mir immer den Weg beschreiben, was aber kaum was brachte, da sie immer nur meinte, ich solle nach der Apotheke rechts abbiegen, es aber nicht verstehen wollte, dass ich gar nicht wusste, um welche Apotheke es sich handelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und da stand ich nun: Ohne Handy in einer kalten Winternacht mit einer dementen Seniorin im Schlepptau, die an der Apotheke rechts abbiegen wollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also hab ich beschlossen, ins Heim zur\u00fcckzufahren. Was sollte ich tun? OK, Telefonzelle w\u00e4re vielleicht eine L\u00f6sung gewesen, aber ich wusste auch nicht so recht, welchen Angaben ich noch trauen sollte und wollte lieber das Personal befragen. Zumal der R\u00fcckweg ja auch nur Minuten dauerte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ich im Heim angekommen bin, bin ich nicht mehr sonderlich herzlich empfangen worden. Die Tochter war n\u00e4mlich schon am Telefon und beschwerte sich lautstark \u00fcber die Unversch\u00e4mtheit, dass ich noch nicht da sei. Ihre arme Mutter und \u00fcberhaupt und sowieso.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Immerhin kamen wir dann auf die L\u00f6sung des R\u00e4tsels. Mein Zettel enthielt keine falsche Adresse. N\u00f6. Nur etwas&#8230; unvollst\u00e4ndig. Sprich: Irgendein Idiot im B\u00fcro hat vergessen, die Kleinigkeit zu erw\u00e4hnen, dass ich gar nicht nach Stuttgart muss, sondern in eines der umliegenden K\u00e4ffer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun hatte ich das Problem, dass ich nur rudiment\u00e4re Kenntnisse dar\u00fcber besa\u00df, wie ich \u00fcberhaupt in dieses Kaff komme. Von der Lage der Stra\u00dfe mal ganz abgesehen. Also hab ich mir das Ganze von einer ziemlich aufgeregten Frau am Telefon erkl\u00e4ren lassen und mich abermals auf den Weg gemacht. Bis zur Ortsgrenze ist das ganz gut gelaufen, aber im Ort hab ich mich hemmungslos verfranzt. Letztlich kam mir besagter Freund der Tochter mit dem Auto entgegen und lotste mich zu ihrem Haus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass mir das alles furchtbar unangenehm war &#8211; nach so viel Trubel, mit zweieinhalb Stunden Versp\u00e4tung&#8230; das kann man sich sicher denken. Immerhin hatten die Leute Erbarmen und waren mehr als nur nett. Sie haben sich entschuldigt, befanden, dass es ja nicht meine Schuld gewesen sei und entlie\u00dfen mich mit stattlichen 5 \u20ac Trinkgeld. Was f\u00fcr mich den Peinlichkeitsfaktor nat\u00fcrlich noch enorm erh\u00f6hte. Ich konnte im Ausgleich nur anbieten, die R\u00fccktour nach hinten zu verlegen, damit wenigstens noch etwas aus dem vergurkten Abend f\u00fcr sie werden k\u00f6nne. Ich glaube, eine halbe Stunde haben wir die R\u00fcckfahrt nach hinten verschoben. Nicht gerade ein guter Ausgleich, aber wer will die Verwandtschaft auch bis 2 Uhr Nachts an der Backe haben?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf der R\u00fcckfahrt war ich wirklich sauer! Die ganze Geschichte hat mich wahnsinnig angekotzt, und fast noch mehr die Tatsache, dass ich in den folgenden 2 Tagen auch keine Sau erreichen w\u00fcrde, der ich mal meine Meinung sagen k\u00f6nnte. Hatten ja alle frei bis auf die paar Fahrer, die das Weihnachtsgesch\u00e4ft schmissen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dieser gl\u00e4nzenden Laune, bewaffnet mit lauter Musik und wilden Mordfantasien bin ich in einen mir eigentlich wohlbekannten Blitzer gerauscht, und mein Tacho zeigte mir an, dass ich gute 20 km\/h zu schnell war. Super! Vielleicht Punkte!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein Tag war sowas von gelaufen, das k\u00f6nnt ihr mir glauben!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die R\u00fccktour hat das Ganze dann wirklich wieder wettgemacht. Ich war p\u00fcnktlich da, und die Gastgeber haben mir noch einen Tee aufgedr\u00e4ngt. Sie haben sich ehrlich gefreut, dass ich die Arbeit an dem Tag mache und wir haben gemeinsam verabschiedet, dass wir uns beim Verein deswegen beschweren. Es gab nochmal 5 \u20ac und zudem eine kleine Flasche hausgemachten Ouzo von ihrer letzten Griechenlandreise f\u00fcr mich und allgemein viele nette Weihnachtsw\u00fcnsche. Die Frau kam zufrieden wieder im Heim an, und ich hatte nur eine halbe Stunde sp\u00e4ter Feierabend als geplant.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Beschwerde beim Verein fiel recht glimpflich aus, aber mein Stundenzettel f\u00fcr den Monat ist dennoch ein paar virtuelle Stunden umfangreicher ausgefallen, die ich definitiv an Lebenszeit verloren habe. Und von dem Blitzer kam nie etwas&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Krankentransportblog von Ingmar hat gerade so eine nette Geschichte \u00fcber einen dementen Fahrgast online, dass ich da in nichts nachstehen will. 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