{"id":4253,"date":"2009-11-14T05:32:50","date_gmt":"2009-11-14T04:32:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/?p=4253"},"modified":"2012-01-10T05:35:23","modified_gmt":"2012-01-10T03:35:23","slug":"koniglich-versorgt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/2009\/11\/14\/koniglich-versorgt\/","title":{"rendered":"K\u00f6niglich versorgt"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt von meiner Seite aus nat\u00fcrlich nicht nur gerichtliches aus Stuttgart. Auch mit Gerichten zu tun hat zwar folgende Geschichte, dennoch handelt sie vom Dienstleistungsgewerbe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor dem besagten Gerichtstermin waren Ozie und ich schon drei Stunden zu fr\u00fch vor Ort. Mit Grund. Schlie\u00dflich wollten wir uns noch wegen der Beistands-Geschichte erkundigen. Au\u00dferdem war es eine M\u00f6glichkeit, noch schnell zu checken, ob sich Termin oder Ort ver\u00e4ndert haben und zu sehen, wo der Saal \u00fcberhaupt ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das haben wir hinter uns gebracht, und nun wollten wir bis zur Verhandlung noch &#8222;Mittagessen und nochmal alles durchsprechen&#8220;. Wo wir genau hingehen, wussten wir nicht, aber da sich ums Gericht in einem Kilometer Umkreis sicher mindestens 15 Restaurants befinden, waren wir frohen Mutes, etwas zu finden, das uns zusagt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unsere Anspr\u00fcche waren nicht hoch, wir wollten nur irgendwas essen &#8211; nat\u00fcrlich m\u00f6glichst nicht f\u00fcr 200 \u20ac &#8211; und einen Platz f\u00fcr 3 Stunden Planung haben. Den haben wir gefunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwei Pizzerien lagen zuerst auf dem Weg, und bei der Zweiten waren wir eigentlich schon kurz vor dem Reingehen. Wir haben aber beschlossen, dass wir noch einen Blick auf das Lokal nebenan werfen. Gl\u00fccklicherweise! Sonst h\u00e4ttet ihr jetzt nichts zu lesen \ud83d\ude42<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Karte, die an der Gastst\u00e4tte &#8222;Kronprinz&#8220; aushing, war nicht \u00fcberw\u00e4ltigend, aber immerhin preiswert. Ozie indes entdeckte den Hinweis, der unser Leben bereichern sollte:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Separater Raucher-Bereich&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Danke! Entscheidung gef\u00e4llt. Bei rund 3 Stunden Zeit, die wir dort zu verbringen gedachten, gilt das als Killer-Argument. Auf der Karte befanden sich gutb\u00fcrgerliche deutsche K\u00fcche und Angebote aus dem Balkan-Gebiet &#8211; was mir als Anh\u00e4nger einfachen Essens sehr entgegenkam. Wir sind also rein, und ich hab gleich ganz frech nach dem Raucherbereich gefragt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Kellner wurde etwas verlegen und meinte:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Ist aber nicht beheizt!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Wir schauen einfach mal!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also sind wir dorthin und es war tats\u00e4chlich ein paar Grad k\u00fchler, aber bei weitem nicht Au\u00dfentemperatur. Also haben wir beschlossen, zu bleiben. Nachdem wir Cola bestellt hatten, hab ich Ozie bereits meine Meinung zum Kellner kundgetan:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Hier hat aber auch irgendwer seinem bosnischen Onkel einen Job verschafft!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Kerl war nett und h\u00f6flich, aber er sprach nur gebrochen Deutsch und war ein wenig steif und erweckte ein wenig den Eindruck, er s\u00e4he gerade das erste Mal ein Restaurant von innen. Und im Gegensatz zu dem ziemlich heruntergekommenen Geb\u00e4ude trug er Anzug und Krawatte, was irgendwie v\u00f6llig deplaziert wirkte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Raucherraum war noch um einiges liebloser gestaltet als der Rest des Restaurants. S\u00e4mtliche Tischdekorationen fehlten hier &#8211; mal abgesehen von Wachsdecken, die um die Jugendzeit meiner Eltern mal modern waren. Uns war das allerdings v\u00f6llig egal.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir haben dann Essen bestellen wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe mich f\u00fcr eine Gulaschsuppe als Vorspeise und\u00a0 als Hauptgang Leber mit Reis, Zwiebeln und Rauchfleisch (f\u00fcr fantastische 5,80 \u20ac) entschieden und Ozie \u00fcberlegte, ob sie Spinat und Spiegelei im Tagesangebot nehmen sollte. Da hierzu eine Tagessuppe aufgef\u00fchrt wurde, wollte sie wissen, um was f\u00fcr eine Suppe es sich handele.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Ich frag mal nach!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">sagte der Kellner und verschwand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Minute sp\u00e4ter tauchte er mit einer Suppe wieder auf und hielt sie Ozie unter die Nase:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Griessuppe mit M\u00f6hren!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ozie war angetan davon und behielt die Suppe. Wir sind allerdings davon \u00fcberzeugt, dass er sie bei Nichtgefallen auch wieder mitgenommen h\u00e4tte. Kurios war es dennoch. Dann das Geschirr&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was sicher jeder kennt, sind diese wei\u00dfen Porzellan-Teller, die in einem h\u00e4sslichen Rosa-Rot-Ton mit Ornamenten und Landschaftsbildern versehen sind. Sowas gab es als Untersetzer. Die Suppe selbst befand sich in einem Blechnapf. Ich hab nichts gegen Metallgeschirr einzuwenden, aber die Kombination war ein bisschen fragw\u00fcrdig. Man packt ja auch in einen giftgr\u00fcnen Fiat Punto keine Edelholz-Armaturen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber das Essen hat geschmeckt!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Preis-Leistungs-Verh\u00e4ltnis war blendend, und ich bin auch niemand, der sich bei einem Hauptgang f\u00fcr unter 6 Euro dar\u00fcber Gedanken macht, ob TK- oder Fertig-Ware zum Einsatz kommt. Wenn es so war, dann haben sie es gut gemacht, und witzig war&#8217;s ja auch noch \ud83d\ude42<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dem Essen haben wir je einen Tee mit Zitrone bestellt. War ja k\u00fchl \ud83d\ude09<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er nahm die Bestellung so auf und verschwand. Ein paar Sekunden sp\u00e4ter stand er wieder in der T\u00fcr und fragte, was wir denn f\u00fcr einen Tee w\u00fcnschten. Sie h\u00e4tten Hagebutte, Pfefferminz, Fr\u00fcchte&#8230;<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Fr\u00fcchte!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">haben wir geantwortet. Eigentlich war es uns egal. Was warmes mit Geschmack!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwei Minuten sp\u00e4ter stellte er uns zwei schwarze Tee auf den Tisch. Ich ging zur Toilette und am\u00fcsierte mich bereits dar\u00fcber, dass an der Wand Auszeichnungen aus den Jahren 1985 bis 1993 hingen, da ich davon ausging, dass es damals in dem Laden noch ganz anders aussah.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Dessert hatte ich einen Eisbecher bestellt und Ozie Vanilleeis mit hei\u00dfen Himbeeren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend meiner Abwesenheit hat er das Eis serviert und nachdem er es hingestellt hat, zu Ozie gemeint:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Vanilleeis war aus, ich hab ihnen eine Kugel Walnu\u00dfeis gegeben.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und ich hab mich bei meiner Wiederkehr schon gewundert, warum in einem stinknormalen Eisbecher ausgerechnet Erdbeer- Schokolade- und Walnu\u00dfeis drin ist&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Genaugenommen war es also eine Katastrophe. Aber es war der beste Laden, den wir zu diesem Zeitpunkt h\u00e4tten finden k\u00f6nnen. Es war lecker, g\u00fcnstig, die Bedienung war immerhin nett und mir ist es lieber, es wird dilettantisch auf Kundenw\u00fcnsche eingegangen als gar nicht. Uns war es egal, was wir nun genau bekommen haben und insofern denke ich, dass es auch v\u00f6llig ok war, dass ich dennoch ein Trinkgeld von 10% gegeben habe &#8211; was im \u00dcbrigen bei einem Rechnungsbetrag von nicht einmal 30 \u20ac keinesfalls die Reisekasse gesprengt hat. Wir hatten in dem Raum unsere Ruhe f\u00fcr die Vorbereitung und haben lecker gegessen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr alternative Abenteuerurlauber, die noch was im Gericht zu erledigen haben, kann ich den Laden also empfehlen. Sonst sollte man es sich vielleicht \u00fcberlegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beim Rausgehen ist Ozie dann noch aufgefallen, dass auf jedem Tisch im regul\u00e4ren Bereich Werbeaufsteller f\u00fcr Vanilleeis mit Erdbeeren standen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt von meiner Seite aus nat\u00fcrlich nicht nur gerichtliches aus Stuttgart. Auch mit Gerichten zu tun hat zwar folgende Geschichte, dennoch handelt sie vom Dienstleistungsgewerbe. 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