{"id":4248,"date":"2009-11-14T04:35:10","date_gmt":"2009-11-14T03:35:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/?p=4248"},"modified":"2011-06-29T04:19:24","modified_gmt":"2011-06-29T02:19:24","slug":"schon-ein-gottliches-ereignis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/2009\/11\/14\/schon-ein-gottliches-ereignis\/","title":{"rendered":"Schon ein g\u00f6ttliches Ereignis"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Zumindest das Licht soll Gott ja einfach aus dem Nichts erschaffen haben. Diese F\u00e4higkeit fehlt mir zwar grunds\u00e4tzlich, aber auch ich weiss inzwischen, wie es ist, etwas inexistentes zum Existieren zu bringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurzum: Bericht von der Front am Amtsgericht!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist wirklich sehr abenteuerlich gelaufen. Anders kann man es kaum sagen. Das lag zum Teil an mir, zum Teil an den Beklagten und zum Teil an der Richterin. Wie es in einer Verhandlung eigentlich auch sein sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Begonnen hat alles schonmal mit einem etwas irritierenden Paukenschlag. Meine Ex-Vermieter sind nach uns erst angekommen, und dass ihr Auftreten mir komisch (im Sinne von ungewohnt) vorkam, hat zwei Gr\u00fcnde. Zum einen waren sie recht schweigsam als Ehepaar unterwegs, zum anderen hatte ich das Gef\u00fchl, dass in meinem Fall die zwei Jahre spurloser vergangen sind. Aber was soll es. Gem\u00e4\u00df meiner festen \u00dcberzeugung von fairem Verhalten und einer nicht zu untersch\u00e4tzenden Portion Sadismus habe ich es mir nicht nehmen lassen, sie mit einem lockeren &#8222;Tach auch!&#8220; zu begr\u00fc\u00dfen, als w\u00e4re nichts passiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ozie und ich haben vor dem Saal zudem noch Daniel getroffen, der seine Ank\u00fcndigung wahr gemacht hat, und als Zuschauer den Verlauf verfolgen wollte &#8211; zumal es sch\u00f6n war, ihn nach \u00fcber zwei Jahren mal wieder zu sehen! Und das lockere Dreier-Gespr\u00e4ch hat meine Nervosit\u00e4t auch drastisch gesenkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieter hat den Gru\u00df tats\u00e4chlich erwidert, und das war genau genommen witzig, da er sp\u00e4ter grunds\u00e4tzlich versucht hat, mich vor Gericht zu siezen, was ich nicht getan habe. Und da ich es nicht getan habe, hat er es auch nur sp\u00e4rlich umsetzen k\u00f6nnen. Was soll das? Meinetwegen sollen sie mir das untersagen, aber wir haben 4 Jahre lang immer nur auf der Ebene kommuniziert. Zumal die sicher andere Dinge f\u00fcr \u00fcberlegenswert halten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Verhandlung selbst startete unsererseits etwas suboptimal. Ich hatte eigentlich vor, mit Ozie als Beistand aufzutreten, was ich allerdings nicht mehr vorher beantragen konnte, da ich das Gericht nicht mehr erreicht habe. Auf einen Vorschlag seitens des Typen am Info-Schalter wollten wir zu Beginn darum bitten. Nun war der gegnerische Anwalt ein bisschen schneller und hat darauf verwiesen, dass Ozie wohl eine Zeugin sein k\u00f6nnte. Daraufhin haben wir unseren Wunsch vorgebracht, was die Richterin erst einmal zu der Frage n\u00f6tigte, ob das m\u00f6glich sei. Daraufhin hat just wieder der Anwalt gemeint, dass das durchaus m\u00f6glich sei. Die Richterin wiederum legte uns nahe, Ozie lieber als Zeugin &#8222;aufzuheben&#8220;, sprich: sie draussen warten zu lassen. Aber eigentlich hatten wir unser Ansinnen beinahe durchgesetzt, als schon wieder der Anwalt es dann aber als nicht so toll verworfen hat. Ozie akzeptierte diese Bitte und sa\u00df fortan vor der T\u00fcr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob das gut oder schlecht war, l\u00e4sst sich nicht abschlie\u00dfend sagen, denn die Sache hat zwei Seiten:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einerseits h\u00e4tte ich sicher einmal weniger den Faden bei der Argumentation verloren, weil Ozie unsere Dokumente und das BGB besser kannte. Zum anderen habe ich sie jetzt noch als potenzielle Zeugin &#8211; die auch ihrer Anwesenheit bei den wichtigsten Eckpunkten der Streitsache wegen einen nicht zu untersch\u00e4tzenden Wert hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vom Prinzip her ging es mir ein wenig zu schnell los und mir fehlte ein bisschen der \u00dcberblick \u00fcber den formellen Ablauf der Geschichte. Genau genommen sind wir eigentlich nicht \u00fcber die G\u00fcteverhandlung rausgekommen, was \u00e4rgerlich ist, weil schlicht nicht erw\u00e4hnt wurde, dass die Geschichte noch unter diesem Stern l\u00e4uft. F\u00fcr uns ist die G\u00fcteverhandlung unn\u00f6tig, da wir nie einem Vergleich zustimmen werden. Unser Leitsatz war und ist:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Wir k\u00f6nnen nicht verlieren. Im Zweifelsfall gewinnen wir in der zweiten Instanz.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich kann man das nicht pauschal sagen, aber die Fakten sprechen daf\u00fcr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Naja, relativ bald zu Beginn hat die Richterin Dieter und Petra zurechtgestutzt bez\u00fcglich ihrer Auffassung, ich sei f\u00fcr die Sch\u00e4den verantwortlich, die die WG vor meinem Mietverh\u00e4ltnis verursacht hat und kombiniert mit ihrer Feststellung, dass die Schadensersatzanspr\u00fcche grunds\u00e4tzlich verj\u00e4hrt seien, ergab sich erstmal ein Bild, das sehr darauf hindeutete, dass die Geschichte tats\u00e4chlich nur 10 Minuten dauern w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der Verj\u00e4hrung sind wir alsbald aber an einen kritischen Punkt gelangt, bei dem ich mir mit der Richterin nicht so recht einig war. Das hab ich vorsorglich nicht allzu breit getreten, sondern nur meine andere Rechtsauffassung kundgetan, was sicher besser ist, als sich mit ihr anzulegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Letztlich geht es n\u00e4mlich um den Begriff der Forderung, und ja: Das ist ein Begriff, bei dem man als Laie seine Probleme hat. F\u00fcr eine Aufrechnung von Interesse ist n\u00e4mlich, ob Dieter mir gegen\u00fcber eine Forderung hat. Wir haben die Tatsache, dass er bis zur Klageerwiderung kein Geld gefordert hat, geschweige denn eine Summe genannt hat oder gar eine Summe wusste, so interpretiert, dass eine Forderung eigentlich nicht vorliegen kann. Die Richterin behauptet nun allerdings, schon durch das Vorhandensein der Sch\u00e4den existierte diese bereits vor Ablauf der Verj\u00e4hrungsfrist. Wenn mir da ein Jurist helfen will: Bitte! \ud83d\ude09<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber gut. Entscheidend war etwas ganz anderes: Der Anwalt der Gegenseite hat es irgendwie geschafft, den Fokus auf den Vertragswechsel zwischen mir und Sven zu legen und behauptete nun, ich h\u00e4tte das Mietverh\u00e4ltnis \u00fcbernommen, und damit auch die Pflichten an der Wohnung. Das ist ein Punkt, den wir in gewisser Weise irgendwo im Hinterkopf hatten, seine tats\u00e4chliche Bedeutung allerdings h\u00e4tten wir nicht erahnen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein kurzes Gespr\u00e4ch \u00fcber ein paar der Sch\u00e4den war ebenso interessant. Denn dass diese existieren, dagegen wehre ich mich nicht. Im Gegenteil. Ich bin willens und dazu in der Lage, zu beweisen, dass die Bude abbruchreif ist. Und vor allem eben: Dass sie es auch schon war, bevor ich Mieter wurde. Im Rahmen der lebhaften Diskussion kam es tats\u00e4chlich dazu, dass Dieter und Petra bei den angesprochenen Sch\u00e4den &#8211; was leider nicht alle waren &#8211; einger\u00e4umt haben, sie seien schon 2006 bei der Wohnungs\u00fcbernahme vorhanden gewesen. F\u00fcr mich also ein mehr als positiver Punkt &#8211; wenn nicht diese fixe Idee von der \u00dcbernahme des Mietverh\u00e4ltnisses seitens des Anwalts existieren w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Komischerweise ist die Richterin irgendwann zu 100% auf seine Argumentation eingestiegen und hat mir trotz meiner gegenteiligen Behauptungen eine Verantwortung zugesprochen, da das Mietverh\u00e4ltnis offenbar \u00fcbertragen &#8211; und nicht gek\u00fcndigt und dann neu begonnen wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieter, Petra und der Anwalt haben diese Auffassung konsequent vertreten, was sie offenbar derart verz\u00fcckt hat, dass der Anwalt sich einer sarkastischen Bemerkung nicht erwehren konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwischenzeitlich kam sogar die absurde Idee auf, eine zwischen Sven und Dieter getroffene Vereinbarung \u00fcber den Holzboden in seinem Zimmer w\u00e4re in Wirklichkeit eine Abmachung zwischen Sven und mir, sodass ich statt Dieter Sven verklagen k\u00f6nne. Da war es dann echt zu absurd, zumal diese Regelung so keinesfalls existiert hat. Dass ich kein Interesse daran habe, Sven zu verklagen, nur weil Dieter sich nicht bei ihm gemeldet hat, sollte sich von selbst erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend in der kurzen Zeit (1 Stunde war angesetzt) einige meiner rechtlichen Bedenken (z.B. die Einrede gegen die Forderung, die eine Aufrechnung ebenso unm\u00f6glich macht) gar nicht zur Sprache kamen, endete die Geschichte damit, dass die Richterin mir 14 Tage Zeit gab, nachzuweisen, dass Sven das Mietverh\u00e4ltnis gek\u00fcndigt hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Aufgabe ist eine etwas schwierige, da sich die K\u00fcndigung nat\u00fcrlich bei Dieter befinden m\u00fcsste. Der Gedanke, dass Dieter diesen Prozess gewinnt, weil er einen Zettel in seinem Ordner versteckt, hat beim Ende des m\u00fcndlichen Termins f\u00fcr handfeste Panikattacken gesorgt. Prinzipiell w\u00e4re es zwar m\u00f6glich, dass Sven eine Ausfertigung der K\u00fcndigung besitzt, aber ich tue Sven wahrscheinlich kein Unrecht, wenn ich ihn zu den unordentlichsten Personen auf diesem Planeten z\u00e4hle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Uns war zu diesem Zeitpunkt zwar klar, dass noch einiges ungekl\u00e4rt ist, und die Relevanz dieses Schriftst\u00fcckes zwar wieder sinken k\u00f6nnte &#8211; aber im Beisein von Dan haben Ozie und ich durchaus mit dem Gedanken gelieb\u00e4ugelt, vielleicht doch einen Hunni in eine anwaltliche Beratung zu investieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie der Zufall es so wollte, haben wir uns allerdings erst einmal mit Sven getroffen. Wir haben ihn zwar auf die Sache mit der K\u00fcndigung angesprochen, aber dass das aussichtslos ist, war klar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber falsch!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sven, dessen Ordnungssinn immerhin soweit reicht, dass wir hier noch alte Mietvertr\u00e4ge von ihm in Berlin rumliegen haben, hat tats\u00e4chlich eine von Dieter und Petra handschriftlich unterschriebene K\u00fcndigung gefunden. F\u00fcr den fraglichen Vertrag!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um es klarzustellen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich besitze nun ein Dokument, das von Beklagtenseite unisono als inexistent bezeichnet wurde. Ich besitze ein Dokument, das beweist, dass meine Ex-Vermieter (sehr wahrscheinlich vors\u00e4tzlich) gelogen haben. Vor Gericht! Zudem haben sie in der Verhandlung ja schon f\u00fcr einen Teil der Sch\u00e4den eingestanden, dass er bereits existierte, als ich Mieter wurde. Im besten Fall haben sie sich aus \u00dcberheblichkeit ihr eigenes Grab geschaufelt, was diesen Prozess angeht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und deswegen habe ich zwar noch nicht gewonnen, bin aber sehr guter Dinge&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zumindest das Licht soll Gott ja einfach aus dem Nichts erschaffen haben. Diese F\u00e4higkeit fehlt mir zwar grunds\u00e4tzlich, aber auch ich weiss inzwischen, wie es ist, etwas inexistentes zum Existieren zu bringen. Kurzum: Bericht von der Front am Amtsgericht! 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