{"id":4193,"date":"2009-11-04T09:46:13","date_gmt":"2009-11-04T08:46:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/?p=4193"},"modified":"2012-01-10T05:44:19","modified_gmt":"2012-01-10T03:44:19","slug":"ruckblick-sash-beim-kbv","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/2009\/11\/04\/ruckblick-sash-beim-kbv\/","title":{"rendered":"R\u00fcckblick: Sash beim KBV"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Insbesondere Marcus scheint ja sehr interessiert zu sein an meinen bisherigen Arbeitsverh\u00e4ltnissen. Aber auch sonst schreibe ich es gerne mal nieder &#8211; war schlie\u00dflich viel los. Der Text wird zu lang und zu kurz gleicherma\u00dfen werden, da ich zu wenig zu Einzelheiten schreiben kann, aber ein Gesamt\u00fcberblick dank der dort verbrachten Zeit von \u00fcber 4 Jahren recht lang wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie es dazu kam:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie kommt man zum Behindertenfahrdienst? Das ist eine gute Frage. In den meisten F\u00e4llen hat das was mit Zivildienst oder einer Ausbildung zum Sanit\u00e4ter, Pfleger oder so zu tun. Bei mir nat\u00fcrlich nicht.<br \/>\nWir schrieben das sch\u00f6ne Jahr 2003, ich wohnte noch bei meinem Vater und machte gem\u00fctlich meinen Zivi auf einem Abenteuerspielplatz. Seit der 11. Klasse etwa \u00fcberlegte ich, was ich zuk\u00fcnftig machen will und was nicht. Aus ersterem wurde aber leider immer zweiteres. Am plausibelsten erschien mir damals ein Studium, das mich irgendwie Richtung Journalismus bringt, und es sind nicht wenige Leute, die bis heute meinen, das w\u00e4re sicher nicht schlecht gewesen. Da ich aber nicht ausgerechnet mein liebstes Hobby zu einer gezwungenen Lohnarbeit umfunktionieren wollte, schied selbst dieser verhei\u00dfungsvollste Kandidat aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich war dann also pl\u00f6tzlich mit meinem Zivildienst fertig und hatte nicht den Hauch einer Ahnung, was ich mit diesem Leben anfangen sollte. Ich hab die ungesundeste Phase meines Lebens gestartet, denn dank der Aussteigerkohle hatte ich erstmal keine Geldsorgen. Ich hab ungelogen zwei Wochen am St\u00fcck gesoffen. Wachzeit war Bierzeit, und wenn das hiess, dass ich eben nach 4 Stunden wieder ins Bett fiel, dann war das so. Ich hatte ja nichts zu tun, ausser mir hin und wieder zu \u00fcberlegen, was ich tun k\u00f6nne.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So gesehen war es folgerichtig, dass ich ausgerechnet in meiner Stammkneipe angesprochen wurde. Mulu, ein damals eher entfernter Bekannter, hatte \u00fcber meine Mutter geh\u00f6rt, dass ich nicht weiss, was ich tun solle. Er w\u00fcrde beim KBV im Behindertenfahrdienst arbeiten und er k\u00f6nne einen neuen Beifahrer gebrauchen. Ob ich mir das zutrauen w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Naja, warum nicht. Ich meine, ich kannte Rollst\u00fchle zwar eher aus dem Fernsehen, Behinderte erst recht. Meinen F\u00fchrerschein hatte ich seit anderthalb Jahren und sonst hatte ich von nichts einen Plan &#8211; aber ok. Geld ist Geld!<br \/>\nEr gab mir die Nummer des Fahrdienstleiters und meinte, ich solle mal anrufen, die suchen Leute, und das w\u00fcrde schon klappen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich tat wie mir geheissen, und der freundliche Mann am anderen Ende der Leitung tat das einzig vern\u00fcnftige: Er lehnte ab. Ich hatte noch nie mit Behinderten zu tun, und einfach so &#8211; das ist vielleicht eine eher schlechte Idee.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Gl\u00fcck aber kam auf mich zur\u00fcck. Mulus bisher noch halblebig engagierter Beifahrer ist eines Tages einfach nicht mehr aufgekreuzt. Daraufhin bat Mulu mich, doch am n\u00e4chsten Morgen einfach mal mitzufahren. Ich hatte ja eh nichts zu tun und hab zugestimmt. Das erste Mal hab ich also&#8230; na eigentlich nix! Mulu ist gefahren, er hat die Rollst\u00fchle festgeschnallt, hat mir die Leute vorgestellt und ich hab zugesehen und mal einen von den Behis geschoben. Das war es. Danach sind wir zum Hauptquartier gefahren, Mulu ist zum Fahrdienstleiter und hat gesagt:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Das hier ist der Sascha, der ist jetzt mein neuer Beifahrer!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daraufhin hab ich einen lustigen Bogen mit pers\u00f6nlichen Angaben ausgef\u00fcllt, zugestimmt, dass ich einen 400\u20ac-Job machen w\u00fcrde und das war es dann. De\u00a0 facto hat mich ein Kollege eingestellt&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Arbeitgeber:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der KBV ist ein kleiner Verein. Er wurde vor etlichen Jahren aus einer Elterninitiative gegr\u00fcndet und bietet neben dem Fahrdienst auch noch Pflege, Tagesunterbringung, Schule, Freizeiten und Clubs an. Das Verh\u00e4ltnis ist &#8211; man ahnt es bei meiner Einstellung schon &#8211; eher famili\u00e4r als nur kollegial.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ich dort angefangen habe, war der Fuhrpark etliche Jahre alt und marode bis zum Abwinken. Ich bin mit Mulu einen alten Mercedes gefahren (den Vorg\u00e4nger vom Sprinter noch), der etwa so laut war, wie die etwa 20 Fahrzeuge umfassende Taxi-Flotte meines jetztigen Chefs unter Vollast.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Mitarbeiter dagegen sind alle hochmotiviert gewesen, immer im Kampf gegen das nat\u00fcrlich zu kleine Budget und etliche Einschr\u00e4nkungen von allen Seiten. Trotz der massiven Konkurrenz im Fahrdienst durch Malteser und Rotes Kreuz aber haben sie uns Fahrern beispielsweise dennoch einen vergleichsweise f\u00fcrstlichen Stundenlohn von 7,20 \u20ac gezahlt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Leider muss ich dazu sagen, dass vor allem als ich anfing, das Management eher bescheiden war, und man gut daran getan hat, seine Gehaltsabrechnungen zu \u00fcberpr\u00fcfen. Boshaftigkeit unterstelle ich niemandem, schlie\u00dflich wurde das Geld auch unb\u00fcrokratisch nachgezahlt und Vorsch\u00fcsse waren nie ein Thema. So Kleinigkeiten wie die Tatsache, dass man so lange kein Weihnachtsgeld bekam, bis man den Finanzchef danach gefragt hat, sprechen allerdings f\u00fcr sich.<br \/>\nDas ist kein Witz: Ich hab das erste Jahr kein Weihnachtsgeld bekommen. Dann bin ich zum Chef, hab gefragt:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Sagen sie mal, habe ich nicht Anrecht auf Weihnachtsgeld?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">und er antwortete:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Aber nat\u00fcrlich haben sie da ein Anrecht drauf!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">und ich hab ab da das Geld erhalten. Aber als der Finanzchef den Laden verlassen hat, ging es mit der Zeit besser. Im Grunde ein Arbeitsverh\u00e4ltnis, wie ich es bef\u00fcrworte: Unb\u00fcrokratisch, famili\u00e4r und nicht zu abgehoben um Fehler einzusehen. Das sollte auch so bleiben und ist es meiner Quellenlage nach immer noch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Geld:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Geld war immer knapp. Beim Verein, bei mir selbst und meist sogar bei den Kunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der 400\u20ac-Job zu Beginn bedeutete, dass ich 55 Stunden im Monat arbeiten musste. Da das einfach nicht reichte, wurde das irgendwann in einen Vollzeit-Job umgewandelt, und mit einer 35Std.-Woche kam ich auf 1050 brutto, also ca. 800 netto.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nichtt zu vergessen sei allerdings das Trinkgeld. Insbesondere die Tour, bei der ich eingestiegen bin, war ber\u00fcchtigt. Ich verdiente zwar nur 400 \u20ac, aber allein das Trinkgeld der einen Kundin betrug am Ende 80 \u20ac w\u00f6chentlich plus gelegentliche Zulagen. Diese Tour nicht mehr mit Mulu zusammen fahren zu k\u00f6nnen, war ein herber Schlag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich kam mehr schlecht als Recht \u00fcber die Runden, was aber vor allem daran lag, dass in diesem kleinen Verein keine ausgef\u00fcllten Tagespl\u00e4ne m\u00f6glich waren. Es gab eigentlich immer weniger Arbeit als ich wollte. Die Tour, die ich zuletzt gefahren habe, bestand aus drei Einzeltouren: Morgens von 7:30 &#8211; 9:30 Uhr, Mittags von 12:00 bis 13:30 und nachmittags von 16:00 bis 18:30 (so in etwa, die genauen Zeiten weiss ich nicht mehr).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heisst: Um 7 Uhr morgens aus dem Haus, um 19 Uhr Feierabend und trotzdem nur 43 \u20ac brutto. Eine Zeit lang hab ich das Freitags noch durch eine Tour erg\u00e4nzt, die dann von 19 &#8211; 21 und 23 &#8211; 1 Uhr ging&#8230; da muss man die Arbeit schon sehr m\u00f6gen. Aber zugegeben, die Zeiten wurden auch oft aufgerundet&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Einzige, was ich dem Verein \u00fcbelnehme, war die Gehaltsk\u00fcrzung ganz am Ende meiner Arbeitszeit. Der Fahrdienst rechnete sich nicht (20.000 \u20ac Minus im Jahr) und so sollte beim Gehalt gek\u00fcrzt werden. F\u00fcr die Rentner, die das nebenher machten, war das vielleicht akzeptabel &#8211; aber die Leute, die bisher mit 800 \u20ac m\u00fchsam ihr Leben finanzierten, war die Idee, auf 20% Gehalt zu verzichten, mehr als obsz\u00f6n. Deswegen hab ich dann auch als Nebenjob beim Sicherheitsdienst gearbeitet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Kunden:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Laufe der vier Jahre hab ich viele Stammkunden und einige Neukunden des Vereins kennengelernt. Die meisten waren aus \u00dcberzeugung bei uns, weil wir trotz bescheidener Mittel einen wesentlich besseren Service geboten haben als die Konkurrenz. Ich hatte wie eingangs erw\u00e4hnt keine Erfahrungen mit Behinderten, aber die Kundschaft hat es mir leicht gemacht und in all der Zeit w\u00fcsste ich nur eine einzige Kundin, die ich wirklich nicht leiden konnte. Dank einer Abmachung mit dem Chef konnte ich sie aber weitgehend vermeiden \ud83d\ude09<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hab w\u00e4hrend der Arbeit eigentlich erstmalig festgestellt, dass ich tats\u00e4chlich Vorurteile gegen\u00fcber Behinderten hatte und sie nach meiner pers\u00f6nlichen Einsch\u00e4tzung nahezu komplett abgebaut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und ich hab wirklich so unterschiedliche Charaktere kennengelernt, wie ich es jetzt auch im Taxi erlebe. Vom lebensfrohen, kaum zu kontrollierten Bewegungen f\u00e4higen 30-j\u00e4hrigen, der mit mir Scherze dar\u00fcber gemacht hat, dass er immer noch da ist, obwohl im der Arzt bei seiner Geburt keine 2 Wochen gegeben hat bis zur schwer depressiven Frau um die 60, die nie verwunden hat, dass sie seit einem Schlaganfall halbseitig gel\u00e4hmt ist &#8211; und damit im Verein noch zu den leichten F\u00e4llen z\u00e4hlt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und es waren einige Neukunden, die nach einer Tour mit mir und dem Schwob dauerhaft beim Verein geblieben sind &#8211; was sicher f\u00fcr beide Seiten eine gute Erfahrung war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Touren:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Touren bestanden zu einem gro\u00dfen Teil aus festen Touren zu Schulen, Tagesst\u00e4tten und \u00e4hnlichen Einrichtungen. Daneben gab es aber auch die so genannten &#8222;Taxi-Touren&#8220;, was im Endeffekt einfach private Touren waren. Also Leute am Sonntag zur Kirche fahren, am Wochenende zur Familie, zum Einkaufen oder zum Arzt. Wo man halt so hin muss.<br \/>\nAuch die Taxitouren mussten von den Kunden &#8211; nach M\u00f6glichkeit &#8211; 3 Tage vprher angemeldet werden, was eine eigentlich gute Tourenplanung erm\u00f6glichte. Was dem Chaos im Verein nat\u00fcrlich nur bedingt entgegenwirkte. Ein Telefonat, wie ich es zwar selten, aber eindeutig zu oft gef\u00fchrt habe:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Hallo, Fahrdienstleiter hier. Ich wollte mal fragen&#8230; k\u00f6nnten sie vielleicht vor der Mittagstour noch in Degerloch Frau Weisstenich abholen?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Naja, ich wollte gerade schlafen&#8230; wann denn?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Also eigentlich h\u00e4tten sie vor 5 Minuten dort sein m\u00fcssen, aber ich ruf gleich an, dass es sp\u00e4ter wird&#8230;&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die meisten Touren bestanden aus Hin- und R\u00fcckfahrt, und dazwischen war dann unbezahlt frei. Das tat bisweilen weh, aber da wir die Autos in aller Regel mit nach Hause nehmen konnten, war man wenigstens motorisiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein gro\u00dfer Teil der Kundschaft war Stammkundschaft und dank der nach wie vor unzureichenden Versorgung von Behinderten leiderprobt. Die meisten waren eigentlich anspruchslos und ich habe mehrmals geh\u00f6rt, dass es ja ein toller Service sei, dass wir uns bei Versp\u00e4tungen oder bei Verhinderung telefonisch melden.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Die vom ASB haben das nie gemacht&#8230;&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit der Zeit hatte man recht pers\u00f6nliche Bindungen zur Kundschaft, und nat\u00fcrlich geh\u00f6rte es in dem Job &#8211; ebenso wie meines Erachtens nach beim Taxifahren &#8211; dazu, nicht an der Haust\u00fcre kehrt zu machen. Manche Leute mussten noch 3 Stockwerke durchs Treppenhaus getragen oder in irgendeiner Form versorgt werden und es blieb auch nicht aus, dass man mal eine Flasche zum Reinpinkeln halten musste. Aber der Dank f\u00fcr diesen Service war einem gewiss. Mal in Form eines L\u00e4chelns und mal in Form von 150 \u20ac in bar zum Geburtstag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Fahrten gestalteten sich zwar manchmal abenteuerlich, aber Spa\u00df war eigentlich immer dabei. Im Gegensatz zu meinem heutigen Job war wesentlich weniger Etiquette angesagt. Mit zerissenen Hosen ist man auch bei Vorstandsvorsitzenden aufgetaucht &#8211; und es war klar, dass man mit guter Arbeit jeden Eindruck ins Positive kehren kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viele Fahrten hat man mit einem Beifahrer zusammen gemacht, was rechtliche Gr\u00fcnde hatte, und so hatte man oft auch bei v\u00f6llig abwesenden Kunden Unterhaltung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Autos:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Autos waren realistisch betrachtet meist ebenso eine Katastrophe wie meine damalige Wohnung &#8211; aber geil war es schon&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die meisten Fahrzeuge waren Sprinter oder Transits mit hinten eingebauter Hebeb\u00fchne, aber f\u00fcr Leute, die umsteigen konnten, gab es auch normale PKW&#8217;s. Besonders in Erinnerung bleiben mir folgende Kisten:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Enzian: Der einzige Automatik-Sprinter, den ich je gefahren hab. Noch dazu einer der besten und neuesten Wagen des Vereins. Wenn ich mich nicht t\u00e4usche, war es der, der von einem Zivi auf dem Wasen bei gerader Strecke in eine Wand gefahren wurde&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Florian: Ein altersschwaches Wrack von einem Transit. Schon, dass die Lautst\u00e4rkeregelung des Radios nicht mehr bedienbar war, und man somit immer nur dem Motor lauschen konnte, war mies. Dass die Gangschaltung die Benutzung einiger G\u00e4nge nur bei Vollmond erlauben wollte, und der Sitz nicht in eine mit meinem K\u00f6rper kompatible Haltung zu bringen war, tat sein \u00dcbriges dazu, dass ich dieses Auto nicht sonderlich mochte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Knut: Liebevoll auch Ikea-Bomber genannt. Ein alter Volvo Kombi ohne besondere Behindertenausstattung. Daf\u00fcr Automatik und flotter Motor. Mit diesem Schlachtschiff durch die City zu cruisen war das Beste an dem Arbeitsplatz \u00fcberhaupt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Leo: MEIN Auto. Hab ich 2006 f\u00fcr meine Tour bekommen und war ein (fast) neuer Sprinter. Ein Jahreswagen der Bundeswehr. An der Kiste hat mal echt alles funktioniert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pascal: Ein Peugeot 806 mit Rampe f\u00fcr einen Rolli: Mit Turbo v\u00f6llig \u00fcbermotorisiert, aber ein Fahrwerk wie ein Luftkissenboot. Zivis haben es geschafft, binnen 5000 km ein neues Getriebe zu zerlegen. Das Auto war nicht lange beim Verein&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Woodstock: Ein Uralt-Sprinter, der offensichtlich seinen Antrieb aus dem Scheibenwischer-Motor bezogen hat. Den hat man manche H\u00fcgel echt nur im ersten Gang hochbekommen. Zudem war die T\u00fcr zerdellt und hat gequietscht wie eine Kreiss\u00e4ge beim Metallschneiden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Yeti: Mein erster fahrbarer Untersatz im Verein. Der Vorg\u00e4nger vom Sprinter &#8211; uralt, schlecht gepflegt, aber mit Automatik und Sportsitzen (!). Fuhr sich eins a und hatte den Vorteil, dass die Kunden uns geh\u00f6rt haben, wenn wir am anderen Ende der Stadt losgefahren sind&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gab noch einige andere, aber mit den oben genannten hatte ich definitiv am meisten Spa\u00df \ud83d\ude42<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der P-Schein:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2006 ergab sich anscheinend eine bedeutsame Wende im Gesch\u00e4ft in Stuttgart: Man brauchte jetzt f\u00fcr alle Taxi-Touren einen P-Schein. Nicht der Ortskunde wegen, sondern einfach so.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also hab ich auf Vereinskosten den P-Schein gemacht, was mir letztlich auch hier in Berlin geholfen hat, da ich aufgrund der bis heute andauernden G\u00fcltigkeit des alten Scheins nur die Ortskunde-Pr\u00fcfung machen musste und auf die \u00e4rztlichen Tests verzichten konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war zwar ein ewiges Hickhack, ob ich jetzt die Ortskundepr\u00fcfung brauche oder nicht, aber letztlich hatte ich den Schein und inzwischen ist er f\u00fcr Taxen in beiden St\u00e4dten &#8211; Berlin und Stuttgart &#8211; zugelassen. War echt gut, dass ich das gemacht hab&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die eingeschleusten Kollegen:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da die H\u00fcrden, um beim KBV eingestellt zu werden, damals recht niedrig waren, sind im Laufe meiner Zeit dort einige Freunde (zumeist nur kurzzeitig) zu Kollegen geworden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Namentlich: Der Schwob, Sven, Alex und Nico. Und ich hab das Gef\u00fchl, ich h\u00e4tte noch wen vergessen&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Fazit:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie bei\u00a0 so ziemlich allem im Leben gab es hier gute und schlechte Seiten. Obwohl ich es mit dem Fahrdienstleiter nie zum Du geschafft habe, war die Atmosph\u00e4re super und die Bezahlung eigentlich ok. Die Organisation wies M\u00e4ngel auf, aber das hat so ziemlich meinem Lebensstil damals entsprochen, also will ich mal nicht im Nachhinein behaupten, ich h\u00e4tte es gehasst. So werde ich hoffentlich nie die morgendlichen Treffen mit Mulu in der Kneipe unseres Vertrauens vergessen, als wir uns gegenseitig unsere Gehaltsabrechnungen und die darin enthaltenen Fehler vorgelesen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kollegen &#8211; vom Zivi bis zum Finanzchef waren alles Originale, und zwar engagierte und lustige. Bis auf einen von seinem Vater eingeschleusten Nazi (der aber das verheerendste Arbeitszeugnis bekommen hat, das ich je gesehen hab), erinnere ich mich eigentlich an alle gerne.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch weniger allerdings m\u00f6chte ich die Erinnerung an die vielen Kunden missen. Noch heute werde ich manchmal gegr\u00fc\u00dft aus meiner Heimat, und ich denke, das sagt einiges&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Insbesondere Marcus scheint ja sehr interessiert zu sein an meinen bisherigen Arbeitsverh\u00e4ltnissen. 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