{"id":3864,"date":"2009-10-16T13:51:56","date_gmt":"2009-10-16T11:51:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/?p=3864"},"modified":"2012-01-10T18:02:27","modified_gmt":"2012-01-10T16:02:27","slug":"die-sache-mit-dem-gelben-schein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/2009\/10\/16\/die-sache-mit-dem-gelben-schein\/","title":{"rendered":"Die Sache mit dem gelben Schein&#8230;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">So, nun ist es amtlich: Ich bin noch krank. Sch\u00f6ne Schei\u00dfe!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ehrlich gesagt war mir das nat\u00fcrlich &#8211; woher nur? &#8211; durchaus schon vorher bewusst. Bis n\u00e4chsten Mittwoch bin ich krankgeschrieben, und soweit ich das derzeit absch\u00e4tzen kann, ist es auch gerechtfertigt. Ich bin immer noch verdammt platt, und ich w\u00fcrde mich sogar privat h\u00fcten, ein Auto in dem Zustand zu lenken. Also hat das auch im Namen des Geldes wenig Sinn. Von &#8211; gesch\u00e4ftlich unbedeutenden &#8211; humanit\u00e4ren Kleinstverbrechen wie angesteckten Kunden mal ganz zu schweigen&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also war ich vorher wieder beim Onkel Doktor, und es war deprimierend zu sehen, dass ich f\u00fcr die simple Verl\u00e4ngerung der Krankschreibung wesentlich l\u00e4nger warten musste als zur Diagnose.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich mag Arztpraxen nicht. Das hat nicht einmal mit den \u00c4rzten zu tun, schlie\u00dflich hatte ich bisher bei meiner &#8211; oft durch den Zufall bestimmten &#8211; Wahl immer Gl\u00fcck. Nein, mir sind Wartezimmer ein Graus! Ich geh\u00f6re zu den Menschen, die im Krankheitsfall eines am besten vertragen k\u00f6nnen: Ruhe. Und Ruhe meint hier weniger die Abwesenheit von T\u00e4tigkeiten oder gar L\u00e4rm. Ruhe meint insbesondere die Abwesenheit anderer Menschen. Wenn ich mich unwohl in meinem K\u00f6rper f\u00fchle, mag ich es nicht, irgendwo auf dem Pr\u00e4sentierteller zu sitzen. Wenn ich Schmerzen habe, ist das letzte was mir fehlt, jemand der mich komisch anschaut, weil ich mein Gesicht verziehe. Im Gegenzug zu meiner sonst recht ausgepr\u00e4gten exhibitionistischen Ader f\u00e4llt Leid bei mir definitiv ziemlich weit in den Bereich, der gemeinhin Privatsph\u00e4re genannt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und heute musste ich also fast 2 Stunden in einem Zimmer verbringen, in dem 10 Leute vor mir an der Reihe waren. Wenn es n\u00f6tig w\u00e4re, Schw\u00e4chen meines Arztes zu benennen, so w\u00fcrde ich wohl als erstes die Zeitschriftenauswahl im Wartezimmer kritisieren. Es schmerzt schon genug, dass die meisten \u00c4rzte dieser Republik im Focus offenbar einen ad\u00e4quaten Ersatz f\u00fcr seri\u00f6se Nachrichtenquellen sehen &#8211; das g\u00e4nzliche Fehlen solcher Schriften schmerzt dann noch mehr. Ich bin durchaus bereit, mich ein wenig vom klischeehaften m\u00e4nnlichen Rollenbild zu l\u00f6sen, aber was h\u00e4tte ich in diesen 2 Stunden f\u00fcr ein hirnrissiges Schundblatt wie die Auto-BILD gegeben. Wohlwissend, dass ich alles, was darin geschrieben steht, wieder vergessen kann, h\u00e4tte ich doch gerne ein wenig \u00fcber Themen gelesen, die mich interessieren. Die Auswahl im Wartezimmer allerdings reichte wirklich nur von Gesundheitszeitungen bis zu sogenannten &#8222;Frauenzeitschriften&#8220;. Und obwohl ich mir nun in den zwei Stunden ziemlich hirnrissige als Artikel getarnte Werbeanzeigen \u00fcber Rheuma, Fu\u00dfpilz und Sonnenbrand durchgelesen habe, weiss ich wirklich nicht, welch fatale Notlage mich dazu bewegen sollte, das &#8222;goldene Blatt&#8220;, &#8222;Freundin&#8220;, &#8222;Brigitte&#8220; oder dergleichen zu lesen. So habe ich mich neben dem L\u00f6sen sinnloser gedanklicher Rechenspielchen (Wie gro\u00df ist eigentlich die Wahrscheinlichkeit, dass gerade im Wartezimmer wirklich erst alle Frauen und dann erst die M\u00e4nner aufgerufen werden?) auch noch mit einer \u00e4u\u00dferst seri\u00f6s anmutenden Brosch\u00fcre besch\u00e4ftigt, die zum Ergebnis kam, dass Kaffee ausschlie\u00dflich positive Wirkungen auf die Gesundheit hat. Nur so, falls es meine Kollegen interessieren sollte&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Letztlich hat es sich wirklich als gut herausgestellt, dass ich nochmal da war, und das vor allem aus einem Grund: Die letzte Krankschreibung hatte mein Arzt nicht wie ausgemacht auf den 10.10., sondern nur auf den 11.10. r\u00fcckdatiert. Kleiner Fehler, aber f\u00fcr mich bares Geld&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hab zu Krankenscheinen &#8211; euphemisierend Arbeitsunf\u00e4hifgkeitsbescheinigungen genannt &#8211; ein zwiegespaltenes Verh\u00e4ltnis. Ganz ehrlich! Im Grunde sind sie ja nichts weiter als Unterdr\u00fcckungswerkzeuge. Nat\u00fcrlich verschaffen sie einem Arbeitnehmer Schutz vor dem Chef &#8211; aber das ist auch nur deswegen so, weil eigentlich niemand niemandem vertraut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ganz ehrlich: Ich hab w\u00e4hrend meiner Schulzeit des\u00f6fteren blau gemacht. Das hat ziemlich extreme Maxima in der 11. Klasse gehabt, wo ich irgendwann festgestellt habe, dass ich jeden 5. Tag gefehlt habe. Nichts, weswegen ich heute ger\u00fchmt zu werden gedenke &#8211; aber eigentlich zeigt es die Verlogenheit solcher Ma\u00dfnahmen. Mein Gott, mein Arzt hat selbst zu wenig Schlaf als Argument f\u00fcr eine Arbeitsunf\u00e4higkeit erachtet. 2 Tage lang&#8230; und jetzt stellt euch mal vor, was der mir gegeben hat, wenn noch ein bisschen &#8222;pers\u00f6nlicher Stress&#8220; dazu kam. Was sagt den der gelbe Schein da noch aus?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber ich denke, in der heutigen Gesellschaft ist es wichtig, dass es solche \u00c4rzte gibt. Wirklich! Denn Stress kann wahnsinnig enervierend sein, und es gibt Arbeiten, die enorm drunter leiden, wenn man nicht wirklich fit ist. Und ganz ehrlich: Auch wenn es t\u00e4glich zigtausendfach gut geht: Ich z\u00e4hle das Autofahren dazu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun m\u00f6chte ich aber noch was anderes klarstellen: Ich bin kein unfairer Arbeitnehmer! So schw\u00fclstig es klingt: Ich bin froh, gerade meine Chefs als Chefs zu haben, und nur weil ich mal ein bisschen gestresst von meiner Umwelt bin und Kopfschmerzen deswegen habe, renne ich nicht zum Arzt. Dann mache ich unentgeltlich frei und in aller Regel kriegt nicht einmal jemand mit, dass ich &#8222;krank&#8220; bin. Wenn ich zum Arzt gehe, dann hat das per se schon etwas zu sagen. Denn den Stress gebe ich mir nicht f\u00fcr ein paar Euro.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und da sind wir einmal mehr bei dem Punkt, an den ich seit einem Jahr immer wieder komme: Ich bin verdammt froh dar\u00fcber, dass ich genau den Job mache, den ich mache. Im Falle einer ernsten Krankheit &#8211; wie jetzt &#8211; ist es zwar mit finanziellen Einbu\u00dfen sehr stressig, wenn man mal krank ist. Aber f\u00fcr mich z\u00e4hlt die Freiheit wesentlich mehr. Die Freiheit, mal nicht zu arbeiten, auch wenn es mir nur &#8222;ein bisschen&#8220; schlecht geht &#8211; ohne dass ich deswegen einem Arzt das Wartezimmer vollhusten muss.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wahrscheinlich ist das alles sehr zu meinen Ungunsten so wie es ist. Aber die gelben Scheine sind doch eigentlich nichts anderes als die roten und die gr\u00fcnen und die&#8230; es ist eigentlich nur Geld. Und eine subtile Form von Misstrauen&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ach so: Eigentlich wollte mich mein Doc gleich bis \u00fcbern\u00e4chsten Montag krankschreiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So, nun ist es amtlich: Ich bin noch krank. Sch\u00f6ne Schei\u00dfe! Ehrlich gesagt war mir das nat\u00fcrlich &#8211; woher nur? &#8211; durchaus schon vorher bewusst. 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