{"id":3598,"date":"2009-09-17T11:58:59","date_gmt":"2009-09-17T09:58:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/?p=3598"},"modified":"2011-06-29T05:22:26","modified_gmt":"2011-06-29T03:22:26","slug":"vermieter-gedons-ganz-aufgerollt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/2009\/09\/17\/vermieter-gedons-ganz-aufgerollt\/","title":{"rendered":"Kaution reloaded"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Das Gerichtsverfahren um die Kaution der alten Wohnung schl\u00e4gt so langsam Wellen hier im Blog und es besch\u00e4ftigt mich gerade ziemlich. Ich habe mir die alten Eintr\u00e4ge zum Thema eben noch einmal durchgelesen und bin zu dem Schluss gekommen, dass diese ein nur sehr unvollst\u00e4ndiges Bild auf die ganze Geschichte werfen. In manchen Ecken fehlen Begr\u00fcndungen, Erkl\u00e4rungen und der Blick aufs gro\u00dfe Ganze &#8211; und nat\u00fcrlich ist das Ganze ein wenig einseitig, weil ich eigentlich immer nur geschrieben habe, wenn mich die Sache gerade genervt hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich m\u00f6chte hier versuchen, das komplette Mietverh\u00e4ltnis mit all seinen Kuriosit\u00e4ten auseinanderzunehmen, sodass abschlie\u00dfend eine Meinungsbildung dar\u00fcber m\u00f6glich wird &#8211; auch wenn sie vielleicht zu meinen Ungunsten ausf\u00e4llt. Was ich allerdings nicht erwarte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die Erkl\u00e4rung des Mietverh\u00e4ltnisses meiner Wenigkeit muss ich auch das der WG noch einmal aufrollen. Das heisst: Der Part, der derzeit vor Gericht verhandelt wird, beschreibt den Zeitraum vom 1.1.2007 bis zum 15.10.2007. Alles davor dient dem besseren Verst\u00e4ndnis dieses besonderen &#8211; und nicht immer nur schlechten &#8211; Verh\u00e4ltnisses.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Begonnen hat alles im Herbst 2002. Damals sind J\u00f6rg und Sven, zwei enge Freunde meinerseits, \u00fcber pers\u00f6nliche Kontakte zu einer Wohnung gekommen. Die Wohnung lag im obersten Stockwerk eines 200 Jahre alten Hauses im Stuttgarter Osten. Sie kannten Ren\u00e9, den Sohn des Vermieter-Ehepaars, und so ergab es sich, dass sie in diese Wohnung einziehen konnten. Die Wohnung hatte 34 m\u00b2, 2 Zimmer plus K\u00fcche und Dusche und war in einem fragw\u00fcrdigen Zustand &#8211; aber hey! &#8211; erste Wohnung nicht mehr bei Mami! Die Miete betrug 340 \u20ac warm.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Herbst 2003 kam erstmals ich mit ins Gespr\u00e4ch. In der Wohnung neben den beiden wohnte &#8222;der Alte&#8220; &#8211; der Vater des Vermieters. Aus Altersgr\u00fcnden zog er ins Erdgeschoss des selben Hauses. Sven und J\u00f6rg haben mit dem Vermieter geredet und beschlossen, mit Steffi, einer Bekannten, in diese &#8211; wesentlich gr\u00f6\u00dfere Wohnung umzuziehen. Nun boten sie mir und Felix &#8211; einem Freund von Sven &#8211; die kleine Wohnung an. So sollte es dann kommen. Die neue Wohnung kostete bei unklarer Gr\u00f6\u00dfe (etliches war baulich ver\u00e4ndert, \u00fcberall Schr\u00e4gen, kein Grundriss) 720 \u20ac warm.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun bewohnten ab Herbst Felix und ich die kleine Wohnung im 2. OG, Sven J\u00f6rg und Steffi die gro\u00dfe (die sich sogar noch aufs Dachgeschoss dar\u00fcber erstreckte). Unter uns wohnten die S\u00f6hne des Vermieters und im Erdgeschoss der Vater. Der Vermieter selbst bewohnte mit seiner Frau das Nachbarhaus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Interessant an dieser &#8222;Gr\u00fcndung der gro\u00dfen WG&#8220; war vor allem, dass die gro\u00dfe Wohnung komplett zu renovieren war. Und komplett bedeutet komplett. Die K\u00fcche &#8211; der mit Abstand gr\u00f6\u00dfte Raum in der Wohnung (K\u00fcche, Esszimmer, Wohnzimmer und Flur in einem) hatte noch keinen Boden, es musste hier und da gestrichen und tapeziert werden, etc. pp. Insbesondere beim Einbau des K\u00fcchenbodens halfen J\u00f6rg und Sven etliche Wochen mit und wurden damit belohnt, dass sie nur eine geringere Kaution zu bezahlen hatten. Zudem wurde im Mietvertrag nat\u00fcrlich angemerkt, dass die Wohnung unrenoviert \u00fcbergeben wurde, und so auch wieder abzugeben sei. Desweiteren k\u00fcndigte Dieter f\u00fcr die n\u00e4chsten Monate bauliche Ver\u00e4nderungen an, insbesondere den Einbau dreier Dachfenster im obersten Geschoss.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Laufe der Zeit wuchsen die beiden Wohnungen zu einer WG zusammen, was aber im Mietvertrag nicht ber\u00fccksichtigt war. Lange Zeit gab es zwei Mietvertr\u00e4ge, und alle Bewohner hatten den jeweiligen unterzeichnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bereits im ersten Jahr ging der in Eigenarbeit verlegte K\u00fcchenboden zu Bruch. Der Untergrund war uneben, weswegen die uneingelassenen Terracotta-Fliesen wackelten und an den R\u00e4ndern splitterten. Unser Ansprechpartner in Wohnungsdingen war Dieter &#8211; seine Frau Petra hatte mit den Reparaturen nie was am Hut und Dieter war \u00f6fter da. Er wurde dar\u00fcber informiert, er \u00e4rgerte sich auch, erkannte aber, dass es sicher am Verlegen des Bodens lag und die Worte &#8222;Schei\u00dfe, i hen dengt, des h\u00e4lt&#8220; gingen in die WG-Geschichte ein. Die weiteren gravierenden M\u00e4ngel der Wohnung kamen auch zur Sprache, letztlich wurde das aber mit einem &#8222;I mach des, wenn i mit meine Modore ferdig ben!&#8220; seitens Dieter gekl\u00e4rt. Also so in etwa. Er hatte nie Zeit, aber auch unser Interesse war eher unzureichend. Die Bude bezog auch ihren Charme aus der Verratztheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Winter 2004\/2005 kam dann ein wichtiger Schritt. Die WG war menschlich zusammengewachsen, aber baulich trennten uns zwei Wohnungst\u00fcren. Da wir den obersten Stock bewohnten &#8211; also au\u00dfer uns niemand dort vorbeikam &#8211; fragten wir bei Dieter ein wenig unschuldig an, ob wir eine Wand ins Treppenhaus ziehen k\u00f6nnten, um die Wohnungen zu verbinden. Es folgte der Satz von Dieter, f\u00fcr den ich ihm bis heute sehr dankbar bin:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Machte, was&#8217;r wollet, i stell euch&#8217;s Maddrial!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das beschreibt das Mieter\/Vermieter-Verh\u00e4ltnis ganz gut. Wenn es irgendwas gab, dann fragte man nach, man kl\u00e4rte Dinge per verbalem Handschlag und mit Materialunterst\u00fctzung eines Werkstattinhabers. Ebenso locker ging es eigentlich bei der Miete zu. Nat\u00fcrlich verzichtete Dieter nicht auf sein Geld, aber wenn es mal knapp war, dann kam die Miete mit 2 Wochen Versp\u00e4tung bar gegen Quittung. Eigentlich ein sehr w\u00fcnschenswerter Zustand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Uns war klar, dass die Wohnung \u00fcber dem Stuttgarter Mietspiegel liegt &#8211; und das bei miserabler Ausstattung &#8211; aber es war WG-Konsens, dass wir 100 bis 200 \u20ac im Monat daf\u00fcr zahlten, alle Freiheiten der Welt zu haben. Dies wurde insbesondere dadurch beg\u00fcnstigt, dass die S\u00f6hne unter uns im gleichen Alter waren, der &#8222;Alte&#8220; schwerh\u00f6rig und unser Vermieter-Ehepaar nicht ohne Stolz verk\u00fcndet hat, sie h\u00e4tten ihr Schlafzimmer nicht ohne Grund nicht zu unserem Haus hin ausgerichtet&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Sch\u00e4den in unserer Wohnung wurden eigentlich nie behoben. F\u00fcr Kleinigkeiten erhielten wir Unterst\u00fctzung in Form von Werkzeugen, aber eigentlich war es das schon. Wenn mal eine Heizung leckte, wurde der Alte hochgeschickt, der dann ein bisschen gewerkelt hat, aber die gro\u00dfen Dinge blieben ungekl\u00e4rt. Z.B. der K\u00fcchenboden. Aber wir waren jung und bescheuert und f\u00fcr uns war es damals noch ein Grund f\u00fcr eine Party, als wir festgestellt haben, dass die Kabel, die in der K\u00fcche aus der Wand hingen, tats\u00e4chlich Strom f\u00fchrten. Wir haben zur Warnung einen Lampion hingeh\u00e4ngt und Dieter Bescheid gesagt. Und der&#8230; der wollte das &#8222;demmn\u00e4chscht amol&#8220; machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Sommer 2005 gab es einen neuen Mietvertrag. Die Fluktuation in der WG war so hoch, dass es einfach nervig wurde, neue Mitbewohner immer wieder bei Dieter vorzustellen und auf einen Termin zu hoffen. Zumal bei Vertragsunterzeichnungen ja auch Petra dabei sein musste. Sven \u00fcbernahm die Wohnung als Hauptmieter und bei Bedarf stellte er Untermietvertr\u00e4ge aus. Wir durften nun also auch noch ein- und ausziehen lassen, wen wir wollten, alles war perfekt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gab einmal \u00c4rger wegen Beamtenbesuch bei einer Party, was allerdings eher so eine Kleinstadtgeschichte war. Dieter, Petra, die S\u00f6hne und der Alte haben gar nix ernstlich mitbekommen. Aber Petra hatte Angst um ihr Ansehen in der Nachbarschaft, sodass es tats\u00e4chlich zu sowas wie einer Abmahnung gegen Sven kam, was allerdings ein bedauerlicher Einzelfall bleiben sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Oktober 2005 kam es zu einem Zwischenfall, der das Verh\u00e4ltnis sogar zwischen uns und Dieter nachhaltig sch\u00e4digte. Bei einer (fantastischen \ud83d\ude09 ) Party wurde die Haust\u00fcr mitsamt Scharnieren aus der Wand gebrochen. Die Schuldigen wurden nie zweifelsfrei benannt, aber wir gehen immer noch davon aus, dass es die Freunde von Freunden von unseren Freunden waren &#8211; kein Stammbesucher der WG hat jemals derartigen Mist gebaut. Dieter stellte uns eine recht saftige Rechnung aus. De facto haben er und sein Sohn in einer halben Stunde das Scharnier ausgetauscht, auf unserer Rechnung fanden wir nachher 4 Meister- und 2 Lehrlings-Stunden, was uns zuz\u00fcglich Material fast 200 \u20ac kosten sollte, obwohl nie zur Debatte stand, dass wir als Mieter ernstlich was mit dem Schaden zu tun hatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der Gelegenheit bekamen wir auch eine neue Haust\u00fcre &#8211; was seit Monaten schon im Gespr\u00e4ch war &#8211; wobei es sich allerdings um die alte von Dieters Haus nebenan gehandelt hat, der sich eine &#8211; h\u00fcbsche, wohlgemerkt &#8211; neue hat einbauen lassen. Dass die T\u00fcr nicht passte, und in der Hauswand von da an ein Loch von vielleicht 80 x 30 cm geklafft hat, das erst Monate sp\u00e4ter geschlossen wurde&#8230; das war irgendwie schon normal.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Sven dann im Juli 2006 seinen Auszug verk\u00fcndete, war das Verh\u00e4ltnis auf der einen Seite zwar schon wieder in Ordnung, auf der anderen Seite waren die beiden Vermieter froh darum, dass ich den Part des Hauptmieters zu \u00fcbernehmen gedachte. Ich habe bis dahin schon meist die Gespr\u00e4che mit Dieter \u00fcbernommen und zudem mochte Petra &#8211; die immer nur als aufbrausender Part bei Problemen in Erscheinung trat &#8211; mich offensichtlich mehr als Sven. Das war jedenfalls kein schlechter Schritt. Wenngleich es sicher auch daran lag, dass die beide nicht so recht dran glaubten, dass wir als WG immer gemeinschaftlich entschieden haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Svens Auszug im Raum stand, erw\u00e4hnte Dieter, dass er vorhat, die Heizkosten wegen der Energiepreise anzupassen, was ernstlich unseren Widerstand auf den Plan rief. In der Erwartung, dass er dies im neuen Mietvertrag mit mir umsetzen wolle, haben wir uns erstmals kundig gemacht, einen Mietspiegel besorgt und uns vorbereitet. Dieter behauptete zwar nach wie vor, dass die Wohnung &#8222;eher zu billig&#8220; sei, aber unsere Vermutungen best\u00e4tigten sich. Was gar nicht verwunderlich war, da Dieter ja zum Beispiel &#8211; und das ist kein Witz &#8211; wirklich nicht wusste, wie gro\u00df die gro\u00dfe Wohnung eigentlich ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei unseren Berechnungen haben wir die Wohnungsgr\u00f6\u00dfe sowie die Ausstattung zu Dieters Gunsten aufgerundet und kamen auf das Ergebnis, dass die Wohnung mit ihren 860 \u20ac Kaltmiete exakt 50% \u00fcber dem Stuttgarter Mietspiegel lag. Das ist exakt die Grenze zwischen Mietpreis\u00fcberh\u00f6hung und Mietwucher, die Grenze zwischen (eventuell) Ordnungswidrigkeit und Straftat. Diesen Mietpreis haben wir immer akzeptiert, gedachten auch nicht, daran was zu \u00e4ndern &#8211; aber der geneigte Leser versteht vielleicht, weswegen wir als finanziell st\u00e4ndig klamme WG Einw\u00e4nde gegen eine Erh\u00f6hung unter den gegebenen Umst\u00e4nden hatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Derart bewaffnet haben wir dem neuen Mietvertrag aber gelassen entgegengesehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sven zog bereits im August aus, der Vertrag lief allerdings noch bis Dezember 2006 auf ihn. Das stellte kein Problem f\u00fcr uns dar, da Sven zum einen in der Nachbarschaft eine neue Bleibe hatte, zum anderen auch nicht zu bef\u00fcrchten war, dass wir in seinem Namen irgendwelchen Mist bauen. Im Laufe der Monate kam es dann zur ersten Wohnungsbesichtigung seitens Dieter und Petra. Die beiden f\u00fchrten sich auf wie Feuer und Wasser, und es war geradezu niedlich, wie sie sich wiedersprachen. So zeigten wir den beiden beispielsweise den demolierten K\u00fcchenboden (ja, der war da immer noch kaputt!) und Petra fing an zu fauchen, dass das ja nicht verwunderlich sei, so oft wie wir hier Party gefeiert h\u00e4tten etc. Dann kam Dieter und meinte lapidar: &#8222;Naja, aber laut&#8217;m Herschdeller solltet da LKW dr\u00fcber fahre k\u00f6nne&#8230;&#8220; Kurzum: W\u00e4hrend uns ein zwei kleinere M\u00e4ngel angelastet wurden, ging Dieter mit einer dicken Liste nach Hause, auf der stand, was er alles in den n\u00e4chsten Monaten in den Wohnungen zu beheben hatte. Zum Beispiel den Austausch eines K\u00fcchenbodens, das Fliesen eines Klos, die Befreiung einer Dusche von Schimmel, Feuchtigkeit im Dach etc.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurios war, dass wir hier das erste Mal erfahren haben, warum in einem der drei Klos die Heizung nicht funktioniert:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\"><em>&#8222;Die hen i amol abklemmt, weil d&#8217;r Druck net g&#8217;reicht hat&#8230;&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von seit 3 Jahren versprochenen Dachfenstern war da schon nicht mehr die Rede&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So langsam kommen wir also an den Punkt, an dem ich die Wohnung \u00fcbernommen habe. Es gab eines der ber\u00fcchtigten Treffen im Nachbarhaus unter einem kleinen angebauten Dach, das den \u00f6rtlichen Beh\u00f6rden wegen schon lange abgerissen h\u00e4tte werden m\u00fcssen. Petra palaverte locker \u00fcber die Schulden ihrer S\u00f6hne und den aktuellen Fuhrpark (diese Familie besitzt ja 54 motorisierte Sitzpl\u00e4tze f\u00fcr h\u00f6chstens 8 Leute) und so wurde bei Kerzenschein Svens Mietvertrag gek\u00fcndigt und gekl\u00e4rt, dass die Kaution auf mich \u00fcberschrieben wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Mietvertrag f\u00fcr mich kam damals noch nicht zustande, weil &#8211; soweit ich mich erinnere &#8211; gerade keine Vordrucke zur Hand waren. Das war nicht weiter schlimm, schlie\u00dflich war es bis zum Jahreswechsel noch zwei oder drei Monate hin, und bis dahin w\u00fcrde man das schon kl\u00e4ren. Alles war wieder wie fr\u00fcher! Planlosigkeit, Freundlichkeit und keine \u00fcberbordende Genauigkeit. Eigentlich nicht schlecht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann aber kam die Terminnot. Dieter und Petra schafften es trotz mehrmaliger Anfrage nach einem Termin nicht, sich mal f\u00fcr eine halbe Stunde mit mir zusammenzusetzen, um den Vertrag klarzumachen. Zum einen waren wir froh darum, weil sich damit nat\u00fcrlich auch die Frage nach der Erh\u00f6hung der Nebenkosten aufschob und keiner von uns Bock hatte, gleich zum wiederholten Einstand einen Streit vom Zaun zu brechen. Zum anderen waren wir vielleicht ein wenig naiv und zu gut f\u00fcr diese Welt &#8211; aber dass eine rechtliche Handhabe nie schlecht ist, war uns ja durchaus auch bewusst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und es wurde 2007&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend alle WG-Bewohner sich irgendwo ins neue Jahr soffen, erlosch quasi der Mietvertrag f\u00fcr unsere Wohnung. Unter den gegebenen Umst\u00e4nden f\u00fcrchteten wir zwar nicht gerade eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch oder etwas \u00e4hnlich fieses, aber nat\u00fcrlich hatten wir Bedenken. In der Folgezeit (unter mehrmaligem Nachfragen nach einem Termin f\u00fcr die Vertragsunterzeichnung) haben wir durchaus recht genau darauf geachtet, dass die Miete p\u00fcnktlich war und die Parties nicht allzu sehr aus dem Ruder liefen. Mit Erfolg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nebenbei muss ich aber anmerken, dass wir die Situation aufgrund ihrer Absurdit\u00e4t durchaus als tierisch komisch empfanden. Witze dar\u00fcber waren an der Tagesordnung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bereits im Fr\u00fchjahr standen dann alle Zeichen auf Auszug. W\u00e4hrend davor noch die Option bestanden h\u00e4tte, dass nur ich mit Ozie nach Berlin ziehe, zeichnete sich schnell ab, dass alle bisherigen Bewohner die WG verlassen w\u00fcrden. Irgendwann gegen Semesterende bei Ozie. Wir haben Dieter vielleicht 5 Monate vorher informiert, und obwohl wir von ihm die Zusage hatten, dass das so in Ordnung w\u00e4re, haben wir das Mietverh\u00e4ltnis ordnungsgem\u00e4\u00df mit einer K\u00fcndigungsfrist von 3 Monaten schriftlich gek\u00fcndigt. Der Mietvertrag war damit mehr oder minder in \u00dcbereinkunft mit beiden Seiten gestorben. F\u00fcr die paar Wochen noch?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unsererseits begann jetzt das gro\u00dfe Betteln. Da es dieses Mal einen endg\u00fcltigen Auszug geben sollte &#8211; zudem einen, bei dem man nur schwerlich im Nachhinein noch mal kurz zum Renovieren vorbeikommen kann, beharrte ich auf einer erneuten Wohnungsbesichtigung, um zu wissen, um was wir uns noch k\u00fcmmern m\u00fcssten. Auch dies geschah sicher 5 Monate vor dem Auszug. Dazu dauerte es Wochen, bis er uns f\u00fcr unsere neue Wohnungsbaugesellschaft eine Mietschuldenfreiheit mit einer Unterschrift best\u00e4tigte. Und ja: Ich meine wirklich Wochen! Und dennoch ist die Unterschrift seitens Petra ausgeblieben &#8211; ohne \u00fcbrigens dass es Fragen zur Tatsache der Mietschuldenfreiheit gegeben h\u00e4tte. Es war eine Formalie, mehr nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ebenso wie zuvor die Vertragsunterzeichnung gestaltete sich nun die Wohnungsbegehung als schwierig &#8211; nein, als unm\u00f6glich. Wir haben mehrmals erw\u00e4hnt, dass wir weit weg ziehen, und eventuelle Renovierungsarbeiten zwingend vorher erledigen m\u00fcssten. Irgendwann (wahrscheinlich von meinen Anfragen genervt) meinte Dieter:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Alles, was ihr heh g&#8217;macht hen, m\u00fcsset&#8217;r richde!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Danke! Naja, immerhin hatten wir ein Jahr zuvor eine Wohnungsbesichtigung, also lie\u00dfen sich einige der zweifelsohne zahlreichen Sch\u00e4den ausschlie\u00dfen. Das bitterste war, die ins Treppenhaus eingezogene Wand wieder einzureissen. Ein paar Tage sp\u00e4ter kam dann von Dieters Seite (offenbar auf Petras Anweisung hin) noch der Wunsch dazu, die Wohnung sei besenrein zu \u00fcbergeben, Bad und Klo geputzt. Wow! \u00dcberraschung!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Gegenzug sei erw\u00e4hnt, dass Dieter von den sicher 7 oder 8 M\u00e4ngeln, die er beheben sollte und wollte, keinen behoben hatte. Einmal kam sein Sohn zu uns hoch und hat angefangen, die Dusche vom Schimmel zu befreien. Wohlgemerkt: Angefangen. Die Situation blieb offen mit einem &#8222;Haltet die Dusche frei, ich mach des demn\u00e4chst!&#8220;, was wir zwei Monate sp\u00e4ter \u00fcbergingen und dort unser Pfand einlagerten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Umzug gestaltete sich schwer, da wir letztlich\u00a0 zu dritt eine vollgestellte Wohnung mit 120 m\u00b2 Bodenfl\u00e4che aufl\u00f6sen mussten. Die Anzahl der Helfer war \u00fcberschaubar, wenn auch deren Engagement gro\u00df! Unsere Zeitpl\u00e4ne gerieten t\u00e4glich durcheinander, und dennoch schafften wir es am Ende. Selbst ein paar Kleinigkeiten richteten wir, und seit der Alte die Bude bewohnt hatte, war sie nie so sauber.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Schl\u00fcssel\u00fcbergabe war nat\u00fcrlich f\u00fcr den allerletzten Nachmittag geplant. Das war eigentlich nicht n\u00f6tig, da es sich sowieso nur um eine symbolische Geschichte handelte, da ich die Nacht danach noch alleine in der Wohnung verbracht habe. Aber damit enden die Kuriosit\u00e4ten nat\u00fcrlich nicht. Im Laufe des Nachmittags &#8211; den wir noch schwer am Putzen waren &#8211; erfuhren wir dann, dass Petra einen Autounfall hatte. Nicht, dass ich ihr da eine Absicht unterstelle, aber es war bezeichnend, dass sie &#8211; die sich nur einmal pro Schaltjahr mit der Wohnung besch\u00e4ftigt, nun der Grund war, dass die \u00dcbergabe\/Besichtigung nach hinten verschoben werden musste.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies ist keine l\u00e4cherliche Nebens\u00e4chlichkeit, da uns in der Wohnung selbst die Malerfassungen geh\u00f6rten, und wir die artig verpackt und im Bus verstaut hatten. Der Abend bot einfach recht wenig Licht f\u00fcr eine Besichtigung&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es kam zun\u00e4chst wie es kommen musste. Petra hatte noch beschissenere Laune als sonst und tobte sich von einem Zimmer ins n\u00e4chste und bem\u00e4ngelte, dass wir nicht gestrichen h\u00e4tten, die D\u00fcbell\u00f6cher m\u00fcssten wir auch noch zuspachteln etc. Die Kr\u00f6nung des ganzen war ein kurzer Dialog von solch primitiver Einfachheit, dass ich ihn bis heute nur schwer vergessen kann:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\">Sash: <em>&#8222;Sorry Petra, aber dass wir das machen, war nicht ausgemacht.&#8220;<\/em><br \/>\nPetra: <em>&#8222;Ach, des steht alles im Mietvertrag!!!&#8220;<\/em><br \/>\nSash: <em>&#8222;Wir haben keinen&#8230;&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Danach war es ruhig, bald ist Petra auch verschwunden, und wir haben mit Dieter alles weitere in Ruhe bequatschen k\u00f6nnen. Zwei Dinge hatte er zu bem\u00e4ngeln, und zwar ein Spiegel an einer T\u00fcr &#8211; der wirklich nicht mehr abging. Da m\u00fcsste er das T\u00fcrblatt ersetzen &#8211; aber das w\u00fcrde 50 \u20ac kosten. Dann fehlte an der wegen des Schimmels nicht mehr genutzten Dusche eine Plastikklinke &#8211; wahrscheinlich nicht mal im zweistelligen Bereich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieter bekam Adresse, Kontonummer, bla keks. Alles nett und friedlich. Die Z\u00e4hlerst\u00e4nde wurden f\u00fcr Unklarheiten notiert und nach ein paar schweren Stunden des Abschieds, ein paar Bierchen in meiner Stammkneipe, einmal Verschlafen, einem Versp\u00e4teten Auftauchen des Fahrers und vielen vielen Gedanken, die alle nichts mit einer Kaution zu tun hatten, bin ich nach Berlin aufgebrochen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">7 Tage sp\u00e4ter sind die Nachmieter in die kleine Wohnung eingezogen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, und dann folgten 5 und 6 Monate sp\u00e4ter unsere Anfragen per Brief. Beantwortet wurde nur die zweite, wesentlich aggressivere mit der Bitte um &#8222;ca. 4 Wochen&#8220; Geduld, bis dahin h\u00e4tten sie die Endabrechnung &#8211; die wegen der &#8222;doch zahlreichen Sch\u00e4den und Hinterlassenschaft&#8220; so lange angedauert hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ziemlich exakt ein Jahr nach diesem Brief haben wir den Mahnbescheid beantragt. Mehr Geduld ist nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Gerichtsverfahren um die Kaution der alten Wohnung schl\u00e4gt so langsam Wellen hier im Blog und es besch\u00e4ftigt mich gerade ziemlich. Ich habe mir die alten Eintr\u00e4ge zum Thema eben noch einmal durchgelesen und bin zu dem Schluss gekommen, dass &hellip; <a href=\"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/2009\/09\/17\/vermieter-gedons-ganz-aufgerollt\/\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":0,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","footnotes":""},"categories":[12,1],"tags":[],"class_list":["post-3598","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-haushalt","category-vermischtes"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3598","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3598"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3598\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9974,"href":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3598\/revisions\/9974"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3598"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3598"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3598"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}