{"id":337,"date":"2008-12-02T17:46:54","date_gmt":"2008-12-02T16:46:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/?p=337"},"modified":"2012-03-19T01:21:51","modified_gmt":"2012-03-18T23:21:51","slug":"gedanken-ubers-geld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/2008\/12\/02\/gedanken-ubers-geld\/","title":{"rendered":"Gedanken \u00fcbers Geld&#8230;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">So lange es noch zeitnah ist, darf ich doch noch ein bisschen \u00fcber Ralf schreiben, oder?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin schlicht und ergreifend immer noch schockiert, was f\u00fcr ein krudes Weltbild der Beste zu haben scheint. Ich meine, wir haben hier in einer WG gelebt. Da ist es mit den Besitzstandsverh\u00e4ltnissen bisweilen nat\u00fcrlich kompliziert. Keine Frage. Sollte ich zum Beispiel ausziehen, dann w\u00e4re das ein fast undurchschaubarer Wust an Dingen, die mir manches Mal zum Teil, zum Gro\u00dfteil oder eben gar nicht geh\u00f6ren. Nicht einfach, weil es hier im Haushalt Dinge gibt, die ca. 10 Mitbewohner-Generationen vor heute gekauft wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit Ralf hat sich das &#8211; gl\u00fccklicherweise, muss man heute sagen &#8211; eigentlich immer schon ein wenig anders verhalten. Nicht v\u00f6llig, denn wir waren zu Beginn die selbe WG, auch wir haben nat\u00fcrlich Dinge gemeinsam angeschafft. Abgesehen von den Renovierungsmaterialien allerdings eher wenig: Einen Spaghettitopf (20 \u20ac), eine Leiter (20 \u20ac) und eine Arbeitsplatte f\u00fcr die K\u00fcche (7,50 \u20ac). Ich habe mehrmals \u00fcberlegt, aber das scheint es gewesen zu sein. Die meisten anderen Dinge haben Ozie und \/ oder ich privat gekauft, bzw. dann sp\u00e4ter zu einem Zeitpunkt, zu dem Ralf bereits kein &#8222;Essensgeld&#8220; mehr bezahlt hat &#8211; was in unserer WG-Finanzierung zugleich der offene Posten f\u00fcr Anschaffungen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dadurch gab es nat\u00fcrlich wenig Konfliktpotenzial. Dass nun allerdings Ralf meint, von den drei gekauften Dingen zwei mitzunehmen, ist nat\u00fcrlich schlicht und ergreifend eine Frechheit. Dass es mir nicht um die paar Euro geht, sollte den meisten hier klar sein. Wir haben uns lange \u00fcberlegt, ob wir ihm den Topf nicht einfach mitgeben. Dass er mich allerdings gestern noch auf die Brettchen angesprochen hat, gemeint hat, sonst h\u00e4tte er nichts, er sei gut ausgestattet, und im selben Atemzug den Topf und dazu noch meine Auflaufform mitnimmt, das ist schon arschlochig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber gut, das Witzige an der Geschichte ist ja wirklich das Zeug, das er dagelassen hat. Ich habe schon einmal geschrieben, dass Ralf bisweilen panisch agiert. Er hat Angst davor, Fehler zu machen. Und das in einer krankhaften Form. So kommt es also, dass er zum Beispiel den Kerzenst\u00e4nder stehen gelassen hat, wahrscheinlich weil er bef\u00fcrchtet, wir k\u00f6nnten ihm nachweisen, dass der fr\u00fcher in der WG stand. Aber wir wollten ihn schon in Stuttgart wegschmei\u00dfen, und er hat gesagt, er m\u00f6chte ihn mitnehmen. Das ist der Stand der Dinge. Im Prinzip \u00e4hnlich verh\u00e4lt es sich mit den anderen Dingen. Er hat sich offenbar nicht getraut, uns darauf anzusprechen, also hat er es lieber gelassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Gegenzug hat er ja davor versucht, Dinge heimlich zu entwenden. Die Telefone seien hier ganz oben auf der Liste erw\u00e4hnt. Dinge, von denen er meinte, es wisse so oder so keiner, wo sie sich befinden oder wer sie hat, die hat er sich getraut, einzustecken. Gl\u00fccklicherweise haben wir das rausgefunden, da wir mindestens einmal t\u00e4glich in seinem Zimmer nach dem aktuell benutzten Telefon fahnden mussten und so nat\u00fcrlich bald eine Art \u00dcberblick hatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie viel Angst muss ein Mensch vor Benachteiligung haben, wenn er heimlich einen Topf klaut, bei dem er auch noch weiss, dass er nur 20 \u20ac gekostet hat? Ich finde das wirklich erschreckend. Dahinter verschwindet in meinen Augen manch andere abartige Eigenschaft seinerseits vollkommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich selbst sehe Geld nur als Mittel zum Zweck und vielleicht sogar nur notwendiges \u00dcbel. Dass manch anderer eine andere Einstellung dazu hat, das kann ich schon nachvollziehen &#8211; so gest\u00f6rt wie bei Ralf muss das Verh\u00e4ltnis Mensch-Geld erst einmal sein. Da leiht er uns zum einen einen irrwitzig hohen Betrag und \u00fcbernimmt die Renovierung der Wohnung erst einmal alleine. Dann weigert er sich noch, das Geld schnellstm\u00f6glich zur\u00fcckzubekommen, jammert aber nat\u00fcrlich anderswo, wie viel Geld wir ihm schulden w\u00fcrden. An den beklopptesten Kleinigkeiten versucht er zu sparen, sein allgemeines Leben ist allerdings schon aus Faulheitsgr\u00fcnden verschwenderischer als das jeden anderen Bekannten meinerseits. Energiekosten gibt es f\u00fcr ihn nicht, und letztlich hat er sich mit dem Ausstieg aus der Essenskohle die M\u00f6glichkeit verschlossen, f\u00fcr 75 \u20ac im Monat jeden Tag alles essen zu k\u00f6nnen, was wir im Haushalt haben, und lie\u00df seitdem mindestens viermal im Monat f\u00fcr den insgesamt wahrscheinlich selben Betrag den Pizzaservice kommen. Ich habe ihm gestern f\u00fcr ein Buch von ihm &#8211; dass ich schlicht nicht mehr gefunden habe &#8211; 7 \u20ac gezahlt. Das ist v\u00f6llig ok. Wie er es f\u00fcr vertretbar h\u00e4lt, dass er mir im selben Moment 7 \u20ac (mein Anteil am Topf) geklaut hat, das versteht wohl nur er.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Letztlich gibt es in WG&#8217;s immer mal wieder Streit ums Geld &#8211; was ich f\u00fcr einen ernstlich bekloppten Grund halte, wenn es nicht richtig eng oder gar lebensbedrohend ist. Und im Normalfall kann ich auch sagen, dass es in meinem Umfeld selbst bei knappen Finanzen meistens recht gesittet zugeht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Ralfs Fall kann ich mit einem bescheidenen L\u00e4cheln auf meinen Lippen wenigstens sagen, dass seine galoppierende Bl\u00f6dheit wenigstens verhindern wird, dass seine diffus ausgelebte Geldgier hier keinen Schaden anrichtet. In diesem Punkt h\u00e4tte er vielleicht mal besser auf seine Furcht vor Fehlern geh\u00f6rt. Denn: Was er uns alles an M\u00f6glichkeiten bietet, Geld einzufordern, das entbehrt nicht einer gewissen Komik. F\u00fcr das Jahr mit einem Soziopathen w\u00fcrden zwar auch h\u00f6here Summen nicht entsch\u00e4digen &#8211; aber die Tatsache, dass es ihn wenigstens noch ein wenig \u00e4rgern wird, wenn er bei der Abrechnung nicht mehr so viel rausbekommt, die ist dann ja doch auch einiges wert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So lange es noch zeitnah ist, darf ich doch noch ein bisschen \u00fcber Ralf schreiben, oder? Ich bin schlicht und ergreifend immer noch schockiert, was f\u00fcr ein krudes Weltbild der Beste zu haben scheint. 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