{"id":3354,"date":"2008-11-17T13:24:16","date_gmt":"2008-11-17T11:24:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/?p=3354"},"modified":"2012-03-19T01:56:53","modified_gmt":"2012-03-18T23:56:53","slug":"der-heil-wikipedia-mann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/2008\/11\/17\/der-heil-wikipedia-mann\/","title":{"rendered":"Der Heil-Wikipedia-Mann"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">So, nachdem die Sache im Laufe des heutigen Tages wohl ausgestanden sein d\u00fcrfte, meldet auch der Sash sich zur Heil-wikipedia-Mann-Geschichte (oder so \u00e4hnlich) zu Wort.<br \/>\nF\u00fcr alle, die dieses Abenteuer verpasst haben: Am 13. November hat Lutz Heilmann, Abgeordneter der Linken, mit einer einstweiligen Verf\u00fcgung daf\u00fcr gesorgt, dass die Seite <a href=\"http:\/\/www.wikipedia.de\/\">www.wikipedia.de<\/a> nicht mehr auf die Inhalte von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/\">de.wikipedia.org<\/a> verlinken darf. Die Begr\u00fcndung ist, dass in seinem Lebenslauf einige Details nicht stimmen, oder er sie nicht gerne dort lesen will. Was genau der Fall ist, weiss ich nicht, die Medien meiner Wahl schweigen aus rechtlichen Gr\u00fcnden beharrlich \u00fcber die genauen Textpassagen. Ob es jetzt um die Stasi-Vergangenheit Heilmanns oder einem (angeblichen?) Mitwirken an einem Sexshop geht, weiss ich also nicht sicher zu sagen, im Grunde ist mir das auch egal. Die Sexshop-Geschichte finde ich pers\u00f6nlich weniger spannend als die Stasi-Stationen Heilmanns, aber aus der linken Ecke d\u00fcrfte dem Mann selbst diesbez\u00fcglich manchmal ein eisiger Wind umwehen.<br \/>\nViel interessanter an dieser Geschichte ist, dass Heilmann sich in einen Kampf geschmissen hat, der gleicherma\u00dfen wenig nachvollziehbar, als auch hochgradig bekloppt war.<br \/>\nWenig nachvollziehbar ist er in meinen Augen, weil wikipedia ein grunds\u00e4tzlich demokratisches Medium ist, bei dem man es sicher bisweilen als einzelner schwer hat, falsche Aussagen zu \u00e4ndern, ich aber vermute, dass Heilmann als Betroffener selbst mit entsprechenden Gegenbeweisen ein leichtes Spiel gehabt h\u00e4tte, unwahre Sachverhalte endg\u00fcltig zu kl\u00e4ren.<br \/>\nHochgradig bekloppt war es zudem, weil eine Sperre der wikipedia.de-Adresse etwa so viele praktische Auswirkungen hat, wie wenn man in K\u00fcnzelsau ein Tempo-100-Schild aufstellt, um das Rasen auf deutschen Autobahnen zu verhindern. Wie erw\u00e4hnt: Die Inhalte, an denen sich Heilmann (ich hab mich gerade vertippt, und Heulmann geschrieben) st\u00f6rt, liegen unter de.wikipedia.org. Nicht nur, dass das die meisten Nutzer von wikipedia wissen &#8211; nein, es stand auch auf der zum Zeitpunkt der Sperre vorgeschalteten Seite bei wikipedia.de. Nat\u00fcrlich ohne Link \ud83d\ude09<br \/>\n\u00dcber Suchmaschinen wie google konnte der entsprechende Eintrag also jederzeit aufgerufen werden, ebenso wie durch die Eingabe de.wikipedia.org statt der .de-Adresse.<br \/>\nInzwischen sind wohl Passagen aus dem Artikel gel\u00f6scht worden, Heilmann bedauert inzwischen seine Verf\u00fcgung, weil sich die Dinge (Oh Wunder!) zu seinen Ungunsten entwickelten. Die Internet-Welt schrie auf: &#8222;Zensur!&#8220; Mit diesem Vorwurf kann man sich als Ex-Stasi-Angeh\u00f6riger sicher auch im politisch eher lethargischen Deutschland schnell selbst von der Tagesordnung streichen. Dazu \u00fcberrollte den wikimedia e.V., der die technisch gesehen v\u00f6llig unbedeutende gesperrte Seite betreibt, eine massive Spendenflut (laut <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/web\/0,1518,590747,00.html\">spiegel.de<\/a> stieg das Aufkommen von ca. 3500\u20ac\/d auf 16000\u20ac\/d), teilweise mit der Begr\u00fcndung seitens der Spender , Heilmanns Attacke f\u00fcr ungerecht zu halten.<br \/>\nDa die gesch\u00e4ftliche Weisheit &#8222;Any promotion is good promotion&#8220; nur eingeschr\u00e4nkt auf das politische Tagesgeschehen zu \u00fcbertragen ist, wird Heilmann es inzwischen wohl bedauern, pl\u00f6tzlich einer der bekanntesten Politiker Deutschlands zu sein.<br \/>\nDer Fairness wegen muss man sich nat\u00fcrlich ungeachtet der vielleicht nicht sympathischen Gestalt Heilmanns fragen, inwiefern sein Anliegen (&#8222;Wahre Tatsachendarstellung&#8220;) gerechtfertigt war. Selbstverst\u00e4ndlich ist es nicht in Ordnung, wenn L\u00fcgen \u00fcber Menschen verbreitet werden &#8211; insbesondere bei einem Portal wie wikipedia, das eine hohe Popularit\u00e4t und auch Glaubw\u00fcrdigkeit genie\u00dft. Genau genommen ist dies f\u00fcr beide Seiten eher sch\u00e4dlich. Die Keule mit der Staatsanwaltschaft muss meines Erachtens nach dennoch nicht gleich als Begr\u00fc\u00dfungswerkzeug ausgepackt werden. Zumal im Falle der Richtigkeit der Daten der Versuch einer forcierten Manipulation durchaus als Zensur gewertet werden kann.<br \/>\nIch gewichte den Schutz der Privatsph\u00e4re hoch &#8211; auch wenn das nicht immer erkennbar ist. Dass aber bei Politikern &#8211; ob zu Recht oder zu Unrecht, das sei mal dahingestellt &#8211; auch der pers\u00f6nliche Werdegang in eine Wahlentscheidung einflie\u00dft, das ist so neu nun auch nicht. Insofern kann man schlecht argumentieren, dass diese Infos irrelevant sind.<br \/>\nDer Ausgang der Geschichte scheint klar zu sein. Im Laufe dieses Tages werden die Anw\u00e4lte Heilmanns wohl ihre Ma\u00dfnahmen zur\u00fcckziehen, alles wird wieder wie fr\u00fcher. Ich k\u00f6nnte mir zudem vorstellen, dass ich dieses Wochenende gleicherma\u00dfen das erste, wie auch das letzte Mal von einem gewissen Lutz Heilmann geh\u00f6rt haben werde, einem Politiker der Linken, der einst bei der Stasi war und vielleicht sogar mit Sexspielzeug Gesch\u00e4fte gemacht hat. W\u00fcrde mir nichts ausmachen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So, nachdem die Sache im Laufe des heutigen Tages wohl ausgestanden sein d\u00fcrfte, meldet auch der Sash sich zur Heil-wikipedia-Mann-Geschichte (oder so \u00e4hnlich) zu Wort. F\u00fcr alle, die dieses Abenteuer verpasst haben: Am 13. 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