{"id":3082,"date":"2008-09-10T17:47:46","date_gmt":"2008-09-10T15:47:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/?p=3082"},"modified":"2012-08-21T19:45:39","modified_gmt":"2012-08-21T17:45:39","slug":"gott-sei-dank","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/2008\/09\/10\/gott-sei-dank\/","title":{"rendered":"Gott sei Dank!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Nein, leider war der Ausruf nur ironisch gemeint. Nicht nur, dass ich mich seit mehreren Jahren erfolgreich durchs Leben schlage, ohne ernstlich einem Gott daf\u00fcr dankbar zu sein, nein auch der Grund ist ein eher mieser.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Gott sei Dank, es gibt sie noch!&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">sollte der Ausspruch in aller L\u00e4nge lauten, und es geht einmal mehr ums Arbeiten. Die HartzIV-Abzocker hat bild.de nun hinter sich gelassen und konzentriert sich nun auf Menschen, &#8222;die sich lieber abrackern, als HartzIV zu kassieren&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun, ich m\u00f6chte meine Meinung zum Thema mal kurz zusammenfassen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>Die meisten HartzIV-Empf\u00e4nger haben nicht die Wahl, ob sie\u00a0 arbeiten wollen oder nicht.<\/li>\n<li>Sich in einem selbst gew\u00e4hlten Beruf zu verwirklichen, ist mitunter eine sch\u00f6ne Sache. Von Agenturen mehr oder minder aufgezwungene Jobs k\u00f6nnen so etwas eher selten leisten.<\/li>\n<li>Wie bitte, soll jemand &#8222;den Wert der Arbeit&#8220; kennen lernen, wenn er sich f\u00fcr 7 Euro brutto pro Stunde den Tag ruiniert?<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier verf\u00e4hrt bild.de wieder nach dem selben Motto wie in der Vorg\u00e4nger-Serie (auf die auch ausgiebig verlinkt wird): Es wird suggeriert, jeder Arbeitslose k\u00f6nne was finden, wenn er nur will. Hier sogar noch schlimmer: Er findet sogar was tolles: Eine Arbeit, die ihn fordert, Spa\u00df macht und bei der am Ende Geld \u00fcbrig bleibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es mag die allgemeine Sozialromantik befl\u00fcgeln, wenn muskelgest\u00e4hlte Endvierziger f\u00fcr 1500 Euro brutto klempnern und stolz darauf sind. Dass\u00a0 aber auch dies nur ein kleiner Ausschnitt aus einem mehr als vielschichtigen Bild ist, wird nat\u00fcrlich nur beil\u00e4ufig erw\u00e4hnt. Wenn \u00fcberhaupt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die vorgestellten Arbeitnehmer finden ihr totales Gl\u00fcck in ihrer Familie, haben vielleicht ein Haus gebaut, das sie begeistert abzahlen, und das&#8230; ja, das war es dann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich g\u00f6nne diesen Menschen ihr Gl\u00fcck und ich will es nicht in Frage stellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass das aber nicht zwingend der Lebensentwurf aller Menschen ist, sollte klar sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber eigentlich waren wir bei HartzIV.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bild und ihr Online-Ableger versuchen stets kampagnenartig die Solidarit\u00e4t zwischen den Menschen zu zerschlagen, wenn es um gesellschaftliche Unterschiede geht. Wenn man Bild liest &#8211; und das tue ich online nun schon mit einer gewissen Regelm\u00e4\u00dfigkeit, dann erf\u00e4hrt man &#8211; mitunter durch die Blume &#8211; dass Deutschland aus vier Gruppen besteht:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>HartzIV-Empf\u00e4nger, die dem Rest der Gesellschaft auf der Tasche liegen und dabei meistens noch kriminell oder wenigstens unsympathisch sind. Ach ja: Au\u00dferdem fast alles Ausl\u00e4nder!!!<\/li>\n<li>Eine hart arbeitende, fast grundweg ehrliche Normalbev\u00f6lkerung mit Durchschnittsverdienst, bei denen es nur gelegentlich und eigentlich v\u00f6llig gerechtfertigt zu kriminellen Handlungen kommt, weil sie unfair behandelt werden.<\/li>\n<li>Firmenbosse mit Einkommen weit jenseits der Millionengrenze, die je nach politischer Einstellung ihr Geld mal hochverdient bekommen und mal alles nur ergaunert haben.<\/li>\n<li>Politiker, die all das kein bisschen interessiert, die die Normalbev\u00f6lkerung schr\u00f6pfen, den HartzIVlern Geld in den Arsch schieben und ausgerechnet die b\u00f6sen Firmenbosse hofieren.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nebenbei gibt es nat\u00fcrlich noch die aktuellen oder ehemaligen Stars, die entweder neu verliebt oder krebskrank und pleite sind. Eine Randgruppe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Die meisten Bild-Serien (will heissen: Kampagnen) versuchen eigentlich immer, dieses Weltbild irgendwie zu festigen und zu untermauern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist in meinen Augen erb\u00e4rmlich, immer nur danach zu schielen, wer wen jetzt irgendwie Geld kostet, wer Geber oder Nehmer ist. Eine heterogene Gesellschaft wird nie einen absoluten Gleichstand monet\u00e4rer Art zwischen den einzelnen Menschen erreichen. Ich bin zwar nicht der Meinung, dass das kapitalistische Grundgesetz &#8222;Es braucht einen Anreiz, mehr zu erreichen&#8220; bedingungslos stimmt, aber es wird immer Menschen geben, die sich auch mit wenig zufrieden geben (Ich bin selbst einer davon, ich weiss, wovon ich rede!) und andere, die gerne mehr als der Durchschnitt h\u00e4tten. Mit etwas Gl\u00fcck pendelt sich das ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oben erw\u00e4hnte Publikationen sorgen nun aber daf\u00fcr, dass der ohnehin besser stehende Teil der Meinung ist, er leide wahnsinnig, weil andere weniger f\u00fcr ihn tun. Das finde ich pers\u00f6nlich absurd, denn wieso sollte jemand, der selbst nicht mal eine Fiat besitzt, jemand anders seinen dritten Ferrari erm\u00f6glichen, indem er Verzicht \u00fcbt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn wir diese Neid-Diskussion \u00e0 la &#8222;Aber ich arbeite viel h\u00e4rter als der da!&#8220; mal beiseite lassen, dann muss man doch feststellen, dass jeder auf seine Art von der Gemeinschaft profitiert. W\u00e4hrend Hugo Habnichtviel sich seine Miete vom Staat zahlen l\u00e4sst, freut sich Bernhard Bremsnichtgern dar\u00fcber, dass die Autobahnen stetig erneuert werden, und ihm somit ein Ausfahren seines Sportwagens erlauben. Oma Liebegras erg\u00f6tzt sich am neuen Stadtpark, der nun endlich aus Steuergeldern finanziert wurde und auch Mama Mittelverdiener kann dank Kindergeld mehr neue Klamotten f\u00fcr den Sohn kaufen. Und alle beteiligen sich nach ihren M\u00f6glichkeiten daran, dass dem jeweils anderen das erm\u00f6glicht wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Witzigerweise w\u00e4re das &#8211; und das sage ich irritiert sogar aus meiner Sicht als Linker &#8211; tats\u00e4chlich schon mit dem Recht von heute m\u00f6glich. Stattdessen aber wird von &#8211; meiner Meinung nach &#8211; gesellschaftsfeindlichen Bl\u00e4ttern wie der Bild der Hass zwischen den Gruppen gesch\u00fcrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und der Mensch mit seinem ihm innewohnenden peinlichen Egoismus nimmt das nat\u00fcrlich gierig auf. Vielleicht versteht der ein oder andere langsam, was mich an Bl\u00e4ttern wie der Bild wirklich st\u00f6rt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Anmerkung: Ich bekomme gerade ALG I, liege also auch dem Staat und allen arbeitenden Lesern auf der Tasche. Ich m\u00f6chte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ich versuche, das nicht in die Bewertung einflie\u00dfen zu lassen. Davor habe ich f\u00fcr 7,20 \u20ac brutto die Stunde gearbeitet, und habe immer gesagt, dass ich meinen Steueranteil gerne f\u00fcr all die Arbeitslosen zahle. Und wenn ich (hoffentlich) Ende des Jahres wieder arbeite, dann werde ich von dieser Meinung nicht einen Milimeter Abstand nehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ich mit allen anderen Steuerzahlern monatlich je 100 \u20ac daf\u00fcr zahle, dass auch ein paar Leute ohne Arbeit leben k\u00f6nnen &#8211; dann ist es mir das nicht nur wert, sondern dann begr\u00fc\u00dfe ich das. Denn: Besser, als Menschen das Leben lebenswert zu gestalten, kann man Geld nun wirklich nicht einsetzen! Und dabei interessiert es mich sowas von gar nicht, ob die Leute arbeiten wollen oder nicht. So lange ich mit meiner Arbeit zufrieden bin, sollen andere es (meinetwegen auch mit meinem Geld) auch sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Danke f\u00fcrs Lesen, ich konnte diese Gedanken einfach nicht bei mir behalten&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nein, leider war der Ausruf nur ironisch gemeint. 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