{"id":2771,"date":"2008-08-12T01:19:00","date_gmt":"2008-08-11T23:19:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/?p=2771"},"modified":"2012-08-21T22:29:30","modified_gmt":"2012-08-21T20:29:30","slug":"macht-der-spiegel-das-internet-dumm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/2008\/08\/12\/macht-der-spiegel-das-internet-dumm\/","title":{"rendered":"Macht der Spiegel das Internet dumm?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Macht das Internet doof?&#8220; So provokativ und ein bisschen boulevardesk titelt das Nachrichtenmagazin Spiegel diese Woche. Mit Erfolg: Es war seit sicher gut einem Jahr das erste Mal, dass ich im Spiegel die Titelgeschichte als erstes gelesen habe &#8211; vom Hohlspiegel mal abgesehen.<br \/>\nDementsprechend ist auch meine \u00dcberschrift (mit leichten Anleihen, zugegeben!) in diesem Format gehalten, denn es spricht offenbar Leute wie mich an \ud83d\ude09 Inhaltlich will ich diese Frage nicht wirklich er\u00f6rtern&#8230;<br \/>\nAngefangen wird die Story mit Schnipseln aus der Welt der Manager, die es sich nicht erlauben k\u00f6nnen, auch nur mal ein paar Stunden ihre Handys ruhen zu lassen, mit Menschen, die abh\u00e4ngig sind vom Internet. Eine dramatische Geschichte, und irgendwie passt die \u00dcberschrift im Heft auf Seite 80 (Die Daten-Sucht) auch besser hierzu als die plakative \u00dcberschrift auf dem Cover.<br \/>\nDas dort erw\u00e4hnte &#8222;Von-Link-zu-Link-Hasten&#8220; kann ich bei mir selbst bisweilen auch feststellen. Die wenigsten werden es glauben, aber ich verbringe durchschnittlich sicher 2 Stunden t\u00e4glich f\u00fcr diesen Blog am PC zu &#8211; und das Schreiben nimmt meist keine Viertelstunde in Anspruch.<br \/>\nNat\u00fcrlich ist &#8211; wie der Spiegel treffend bemerkt &#8211; die Informationsflut im Netz (zu) gewaltig. Das erkennen seri\u00f6ser Quellen ist schwer, da gibt es nichts daran zu r\u00fctteln. Ob man sich in der F\u00fclle an Daten verirrt, liegt aber meines Erachtens nach mehr denn je an einem selbst &#8211; nat\u00fcrlich unter Einbezug der Bildung, Vorbelastung und schlicht dem individuellen Grad der Verbl\u00f6dung.<br \/>\nSelbst betr\u00fcgen kann man mit dem Internet, stellt der Spiegel fest. Insgesamt eine komplette Doppelseite des 13-seitigen Titelthemas besch\u00e4ftigt sich mit runtergeladenen, bzw. kopierten Hausarbeiten und dergleichen, wichtige Dinge wie Phishing, Kreditkartenbetrug, Abzocke und das Erstellen von Pages, die wegen blinkender Smilies zu sofortiger Erblindung f\u00fchren, werden nat\u00fcrlich nicht angesprochen.<br \/>\nMeine Meinung zu diesem Thema ist recht klar: Nat\u00fcrlich macht das Internet das Kopieren fremder Inhalte einfacher, bequemer. Man muss nicht mehr in die Bibliothek, man kann von Zuhause aus klauen. Daf\u00fcr ist es &#8211; wenn die Lehrer und Professoren konsequent w\u00e4ren &#8211; auch viel viel leichter, dies zu erkennen.<br \/>\nDie billige Copy&amp;Paste-Variante sollte heute nicht mehr funktionieren d\u00fcrfen. Bei allen anderen Online-Beschaffungsma\u00dfnahmen verh\u00e4lt es sich doch wie mit klassischen Lehrb\u00fcchern und Diplomarbeiten, die man auswertet, um seine eigene Arbeit zu untermauern oder zu erg\u00e4nzen. Weswegen der Trubel?<br \/>\nDie leider thematisch nur angeschnittene Thematik mit der Selektivit\u00e4t der Suchmaschinen indes halte ich f\u00fcr ein erw\u00e4hnenswertes Diskussionsthema. F\u00fcr die meisten Normal-User h\u00f6rt das Netz jenseits der Google-Spitzenpl\u00e4tze auf &#8211; und das ist bedenklich.<br \/>\nIch (ganz der Daten-Junkie) w\u00fcrde mich \u00fcber alternative Suchmaschinen hermachen, die die Ergebnisse v\u00f6llig anders gewichten als Google und co, aber ich gebe zu, dass ich mich mit dem Thema nicht einmal auseinandergesetzt habe, weil man nat\u00fcrlich meisr die gr\u00f6\u00dften und damit vermeintlich glaubw\u00fcrdigsten Quellen zu Rate ziehen m\u00f6chte. Den meisten scheint aber dieses Schaudern fremd zu sein, das mich erfasst, wenn man zu einem Thema bei Google zun\u00e4chst nur Ergebnisse von Bild und Spiegel findet.<br \/>\nDann wird zur\u00fcckgegriffen auf Nicholas Carr, offenbar ein Kritiker, der seit seiner Zeit im Internet (wo man erstaunlich wenig von ihm findet) nicht mehr so ausschweifend lesen kann wie fr\u00fcher. Wahrscheinlich \u00e4ndert sich das Leseverhalten wirklich. Nat\u00fcrlich lese ich Blogs (meistens) anders als einen guten Roman, ich werte das aber eher als gute Anpassung meines Gehirns an die neue Darreichungsform der Information.<br \/>\nDer &#8222;E-Mail-Bankrott&#8220; wird kurz thematisiert. Spam \u00fcberflutet Postf\u00e4cher, und dank Zeitmangel wird dann lieber die Adresse als die einzelnen Mails gel\u00f6scht. Hey, Spam ist Mist! Der angesprochene Aspekt aber ist doch eigentlich eine famose Neuerung. Ich kann mit gutem Gewissen eine Mailadresse l\u00f6schen. Binnen Sekunden. Dann brauche ich ein paar wenige Minuten, um eine neue zu erstellen und allen Leuten mitzuteilen, dass sie mir die Nachrichten k\u00fcnftig woanders hinschicken sollen. Ist das nicht prinzipiell genial? Na gut, ich h\u00e4tte auch gerne die Wahl, ob ich Werbung bekomme oder nicht. Ist es nicht dennoch bezeichnend, dass sich hier bereits f\u00fcr das neue Problem eine bis dato g\u00e4nzlich unbekannte L\u00f6sung gefunden hat? Was zeigt mehr, dass der Mensch dabei ist, sich mit dem Netz anzufreunden, zu lernen, damit umzugehen?<br \/>\nEtwas absurd finde ich, dem Netz anzulasten, dass Filmregisseure inzwischen ihre Plots vielfach nicht mehr chronologisch zeigen. Der Film ist auch noch ein gestamtkulturell gesehen junges Medium, und derartige Einfl\u00fcsse sind mit Sicherheit auch der Verbreitung von Musikclips und der Suche nach Neuem beim Publikum, sowie &#8211; man mag es gar nicht aussprechen &#8211; der Kreativit\u00e4t einiger K\u00f6pfe zu verdanken. \u00dcberhaupt: Muss man noch kreativ und originell sein im Web 2.0? Kopiert man da nicht einfach nur voneinander?<br \/>\nVielfach ja. Das kann und muss man so sagen. Viele Online-Angebote, gerade Blogs, setzen auf die Verbreitung von Fremdinhalten. Aber eben nicht nur. W\u00e4re das, was im Internet gang und g\u00e4be ist &#8211; das Aufnehmen von Information, die dann weiterverarbeitet und als etwas neues ausgegeben wird &#8211; tats\u00e4chlich so unkreativ, dann sollte man sich in der Schule vom Erstellen von Collagen abwenden, denn hierum handelt es sich meistens. Das Niveau mag bisweilen erschreckend flach sein, aber das dem Medium zuzuschreiben, ist f\u00fcr mich ein wenig zu oberfl\u00e4chlich.<br \/>\nMark Bauerlein, ein offenbar aggressiver Englisch-Professor aus Atlanta offenbart dem Spiegel, dass die jetzt junge die d\u00fcmmste Generation ist. &#8222;Sie kennen Snoop Dogg und gucken verst\u00e4ndnislos, wenn man \u00fcber das Prinzip der Gewaltenteilung spricht.<br \/>\nMenschen konnten aber auch vor dem Internet schon &#8222;falsche&#8220; Priorit\u00e4ten setzen. Wurde die Karriere der Beatles beendet, weil sich die Kinder lieber ihren Schulb\u00fcchern zugewendet haben? Wohl kaum.<br \/>\nDer erheiterndste Absatz im Spiegel ist der \u00fcber die Vorw\u00fcrfe heute g\u00e4ngiger Medien zu ihrer Neueinf\u00fchrung. Ob es die Einf\u00fchrung von Schrift, Buchdruck, Postkarte, Radio, Fernsehen oder Video ging: Immer hing ein Hauch Weltuntergangsstimmung in der Luft, immer wurde bef\u00fcrchtet, dass sich vieles zum Schlechten wandelt &#8211; was sich nur teilweise (z.B. Neun Live) eingestellt hat.<br \/>\nEs ist schwer, einem so schnellen Wandel zu folgen. Das merke ich ja sogar mit meinen bescheidenen 27 Jahren schon. St\u00e4ndige Verf\u00fcgbarkeit ist bei mir ein Fremdwort. Ich f\u00fchre momentan etwa 0,3 Handygespr\u00e4che monatlich und ICQ mache ich nur an, wenn mir wirklich langweilig ist. Verfluche ich deswegen Handys? Nein. Denn ein wenig liegt es eben in der Verantwortung des Einzelnen, ob er die Angebote nutzt.<br \/>\nEs ist doch in Ordnung, dass B\u00f6rsenh\u00e4ndler gleichzeitig acht Monitore gleichzeitig \u00fcberwachen. Ich zwinge sie nicht dazu.<br \/>\nVerschnaufpausen braucht der Mensch sicher in Zeiten der digitalen Massenmedien. Auch hier halte ich allerdings mehr von Eigeninitiative als von gro\u00dfangelegten Projekten. Wer erst einen Versuchsaufbau braucht um zu merken, dass ihn das st\u00e4ndige Kommunizieren stresst, darf meinetwegen gerne weitertelefonieren. Zweifelsohne einer der gr\u00f6\u00dften vom Spiegel rezitierten Befunde ist die Tatsache, dass man sich weniger aufs Fahren konzentriert, wenn einem nebenher Fragen &#8222;\u00fcber den Kommunismus oder griechische Mythologie&#8220; gestellt werden.<br \/>\nIm Gegensatz zu solchen Brocken verflacht die Information im Netz aber, der Mensch scheint sich daran zu gew\u00f6hnen, nicht mehr komplex denken zu k\u00f6nnen, weil bei Powerpoint ja auch alle Fakten auf eine Folie passen. Ich erinnere mich vage daran, dass in meiner Schule &#8211; fern aller Vorw\u00fcrfe, es w\u00e4re schlecht f\u00fcr mich &#8211; Fakten mittels Overhead-Projektor an die Wand geworfen wurden.<br \/>\nNun machen auch noch Pornos und E-Mails s\u00fcchtig, aber selbst das war alles schon einmal da. All die Jugendlichen, die an Bravo schreiben, dass sie das Onanieren zu Tierfilmen nicht unterlassen k\u00f6nnen (ja, das gab es wirklich!) und all die Familien, deren erster Einkauf im Ausland 45 Postkarten mit dazugeh\u00f6rigen Marken war, um die Verwandtschaft zu informieren, dass nichts passiert. All das gab es schon, und gl\u00fccklicherweise kommt selbst der Spiegel zu diesem mehr oder minder vers\u00f6hnenden Schluss.<br \/>\nAber sch\u00f6n, dass all das gelesen wird, weil man eine tolle \u00dcberschrift gew\u00e4hlt hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">PS: Dieser Artikel ist nicht sachlich, da ich selbst Opfer bin.<br \/>\nIch arbeite nun weiter an meiner sicher irgendwann wegweisenden Idee, alle Anwendungen zu einer zusammenzufassen, sodass man nur 10 Mausklicks braucht, um sich bei WoW Pornos anzeigen zu lassen, das folgende Gerammel der Mitspieler bei youtube inklusiver der aktuellen B\u00f6rsenkurse hochzuladen, das Video mit myspace und StudiVZ zu verkn\u00fcpfen, eine E-Mail an potenzielle Interessenten abzuschicken und im Blog dar\u00fcber zu schreiben wie krank das gerade war. Ich bleibe am Ball \ud83d\ude09<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Macht das Internet doof?&#8220; So provokativ und ein bisschen boulevardesk titelt das Nachrichtenmagazin Spiegel diese Woche. Mit Erfolg: Es war seit sicher gut einem Jahr das erste Mal, dass ich im Spiegel die Titelgeschichte als erstes gelesen habe &#8211; vom &hellip; <a href=\"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/2008\/08\/12\/macht-der-spiegel-das-internet-dumm\/\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":0,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-2771","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-medien"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2771","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2771"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2771\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12172,"href":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2771\/revisions\/12172"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2771"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2771"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2771"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}