{"id":23433,"date":"2025-01-14T10:52:55","date_gmt":"2025-01-14T08:52:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/?p=23433"},"modified":"2025-01-14T10:52:55","modified_gmt":"2025-01-14T08:52:55","slug":"heldentod","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/2025\/01\/14\/heldentod\/","title":{"rendered":"Heldentod"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Ich wei\u00df gar nicht, wie ich beschreiben kann, wie best\u00fcrzt ich gerade \u00fcber die <a href=\"https:\/\/www.vulture.com\/article\/neil-gaiman-allegations-controversy-amanda-palmer-sandman-madoc.html\">sehr ausf\u00fchrlichen und ziemlich plausibel klingenden Anschuldigungen<\/a> wegen sexuellem Missbrauch gegen Neil Gaiman bin. Nat\u00fcrlich kommen in den letzten Jahren von immer mehr Leuten h\u00e4ssliche Dinge ans Licht und nichts daran ist schlimm; es ist ja wichtig, dass das passiert. Ich bin nicht mal ein begeisterter Leser von Gaiman, ich habe ehrlich gesagt bisher von seinem fiktiven Werk nichts gelesen. Meine einzige Verbindung zu ihm war seine &#8222;Make good Art&#8220;-Commencement Speech von 2012, aber das Schlimme f\u00fcr mich pers\u00f6nlich ist, dass die mich fast ein Jahrzehnt durch meine aktive Bloggerzeit getragen hat. Sie ist hier ganz tief im Urschleim des Blogs eingebunden und ich werde den Artikel jetzt gleich nach dem Schreiben l\u00f6schen oder zumindest auf privat setzen. Das Schwierige ist, dass diese etwas unkonventionelle Wertsch\u00e4tzung des Autors nochmal wesentlich pers\u00f6nlicher erscheint als durch ein fiktives Werk &#8211; auch wenn das nat\u00fcrlich enger sein kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Kurzer Einschub: Bitte, das ist ein privater Blog! Ich will hier gerade nicht \u00fcber alles an dieser Geschichte reden, sondern nur \u00fcber meinen pers\u00f6nlichen Bezug und meine Gedanken. Dass die im Vergleich zu den Opfern nat\u00fcrlich l\u00e4cherlich und irrelevant sind, wei\u00df ich und ich glaube und hoffe, dass diese das auch nicht lesen werden.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr mich so unertr\u00e4glich ist das, weil Gaiman f\u00fcr mich nicht einfach irgendein Star war, sondern durch das, was ich von ihm jenseits seines Werkes mitbekommen habe, einer von den Guten. Ich bin bei vielen da drau\u00dfen nicht sicher, was noch alles rauskommt, bei ihm habe ich geglaubt, dass er auf der richtigen Seite der Geschichte steht und so albern das von au\u00dfen ist, es f\u00fchlt sich wirklich sehr nach Verrat an. Selbst damit ist er nicht alleine in letzter Zeit, aber seine Rede hab ich vor einigen Wochen noch einem Kollegen empfohlen, weil ich sie wirklich f\u00fcr eine der besten halte, die je gegeben wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In solchen Momenten kommt ziemlich sicher irgendwoher die alte Geschichte mit der Trennung von K\u00fcnstler und Werk und ich bin dagegen. Das war nicht immer so, zumindest nicht so eindeutig, aber ich bin mir ziemlich sicher, da so langsam zu einem Entschluss f\u00fcr mich gekommen zu sein, der vielleicht dauerhaft ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und auch wenn ich beispielsweise Gl\u00fcck hatte und nie Harry-Potter-Fan war, habe ich im Gegenzug sehr gerne Rammstein geh\u00f6rt und Kevin Spacey als Schauspieler unfassbar bewundert. Nat\u00fcrlich geh\u00f6rt das sehr zu meinem Leben, ich bereue und verleugne das nicht, aber zwei Gedanken dazu:<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>Es verleidet mir wirklich die Kunst, wenn ich einem K\u00fcnstler dabei viel Raum in meinen Emotionen einr\u00e4ume, die er da seiner Taten wegen nicht haben sollte. Ich will nicht mitleiden mit jemandem, der ganz reales Leid \u00fcber andere gebracht hat. Der Kunst selbst kann ich wesentlich mehr verzeihen, weil die in einem fiktiven Raum stattfindet. Da sind Grenz\u00fcberschreitungen mitunter sogar angenehm oder horizonterweiternd, ich finde es nicht schlimm, sich fiktiv z.B. in grausame Charaktere einzudenken, selbst wenn es mit Ambivalenz und ohne Moral passiert; das sollte Kunst tun d\u00fcrfen und auch als Rezipient ist das M\u00f6gen solcher Kunst v\u00f6llig in Ordnung. Im besten Fall nat\u00fcrlich mit Benefits f\u00fcr die eigene Reflektion. Aber in American Beauty Kevin Spacey beim Anbiedern an eine Minderj\u00e4hrige zuzuschauen bereitet mir inzwischen eben Unbehagen und nicht mehr diese Spannung zwischen moralischer Fragw\u00fcrdigkeit und Sympathie f\u00fcr die Befreiung des Charakters aus seinen Ketten.<\/li>\n<li>Ich habe Kinder. Und obwohl ich wie jedes Elternteil kaum abwarten kann, meinen Kindern meine Kultur, die Kunst, mit der ich aufgewachsen bin, nahezubringen; sehe ich nicht, warum ich ihnen Dinge zum Anhimmeln &#8211; denn das wollen wir Eltern ja eigentlich &#8211; geben will, bei denen ich dann sagen muss: &#8222;Jaja, ganz nett, gell? Aber toll finden darfste den Schauspieler nur ironisch, weil eigentlich war der gar nicht so gut.&#8220;. Da kommt dann auch der \u00dcbergang zu<\/li>\n<li>Es gibt doch so viele andere! Gerade heute! Ich hab doch nicht mehr nur die 30 durchschnittlichen LPs eines Haushaltes aus den 80ern rumstehen, aus denen ich meinen Kindern was aussuchen muss. Warum sollte ich K\u00fcnstler, deren Tun ich f\u00fcr nicht entschuldbar halte, mitschleifen und ausgerechnet das weitergeben? Ist doch eigentlich schade um die Anderen, die an dieser Stelle stehen k\u00f6nnten.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lange Rede, kurzer Sinn: Ich hab gerade erstaunlich viel Bauchgrummeln wegen Neil Gaiman und es \u00e4rgert mich, dass das das letzte Gef\u00fchl ist, das ich mit ihm verbinden werde. Denn eigentlich war da mal viel mehr und viel sch\u00f6neres.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich wei\u00df gar nicht, wie ich beschreiben kann, wie best\u00fcrzt ich gerade \u00fcber die sehr ausf\u00fchrlichen und ziemlich plausibel klingenden Anschuldigungen wegen sexuellem Missbrauch gegen Neil Gaiman bin. 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