{"id":13809,"date":"2014-09-25T07:35:43","date_gmt":"2014-09-25T05:35:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/?p=13809"},"modified":"2014-09-25T07:35:43","modified_gmt":"2014-09-25T05:35:43","slug":"ideale","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/2014\/09\/25\/ideale\/","title":{"rendered":"Ideale"},"content":{"rendered":"<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Ihr k\u00f6nnt mich biegen, Ihr k\u00f6nnt versuchen mich zu brechen. Ihr k\u00f6nnt mir alles nehmen, doch eines kann ich Euch versprechen: Niemals, niemals, passe ich in Eure Form, Eure Norm, und bleibe der Dorn in Eurem Auge!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\">\u2013 Such a Surge, Ideale (Agoraphobic Notes, 1996)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was die von mir gesch\u00e4tzte Band Such a Surge in obigem Zitat k\u00e4mpferisch als Beispiel f\u00fcr Widerstand besingt, ist eigentlich eine ganz allt\u00e4gliche Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Idealen zu entsprechen, kann nicht funktionieren. Verweigern l\u00e4sst sich allenfalls der Versuch, es zu tun. Ideale sind eben, nun ja, Ideale eben, unerreichbare Ziele.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hatte in letzter Zeit wieder mal vermehrt Besuch. Nicht nur <a title=\"Sashs Blog \u2013 R\u00fcckspiel\" href=\"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/2014\/09\/20\/rueckspiel\/\" target=\"_blank\">den derletzt angek\u00fcndigten<\/a>, ausnahmsweise war mein Social-Life-Level mal wieder weitgehend voll. Und dank einmal mehr unterschiedlichster Leute in meiner Bude oder meiner Gesellschaft habe ich mich mal wieder mit den Anforderungen des modernen Lebens besch\u00e4ftigt. Und \u2013 ich mag da eine eingeschr\u00e4nkte Sichtweise haben, ich trage vergessenes gerne nach \u2013 es scheint so zu sein, dass sich unsere hierzulande ge\u00e4u\u00dferten Anspr\u00fcche (nat\u00fcrlich ungeachtet einiger Ausnahmen) ans eigene Leben auf ein paar grundlegende Punkte verk\u00fcrzen lassen:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Beruflicher Erfolg<br \/>\nWir wollen Arbeit. Und zwar nicht nur irgendeine, sondern eine, die uns Spa\u00df macht und viel Geld bringt.<\/li>\n<li>Eine Beziehung<br \/>\nWir wollen (mindestens) einen Partner, mit dem wir seelisch und sexuell auf einer Ebene sind und zufrieden unseren Alltag bestreiten k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Ein funktionierendes Sozialleben<br \/>\nWir wollen viele und dennoch m\u00f6glichst gute und aufrichtige Freunde, mit denen wir regelm\u00e4\u00dfig etwas unternehmen und die allerorten f\u00fcr quasi jeden Spa\u00df zu haben sind. Dasselbe gilt nat\u00fcrlich f\u00fcr die Familie.<\/li>\n<li>Freiheit<br \/>\nWir wollen im Grunde tun k\u00f6nnen, was wir wollen \u2013 und das m\u00f6glichst oft.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist nat\u00fcrlich nicht alles. Aber wir leben nun mal in einer Gesellschaft, in der zumindest weitgehend daf\u00fcr gesorgt ist, dass wir nicht Hunger leiden m\u00fcssen oder \u00e4rztliche Versorgung versagt bekommen. Weitgehend stehen uns zumindest irgendeine Behausung und flie\u00dfend Wasser zur Verf\u00fcgung. Wie gesagt: Ich wei\u00df, dass es bei alldem auch Ausnahmen gibt, aber in gro\u00dfer Mehrheit sind die W\u00fcnsche jene, die oben aufgez\u00e4hlt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und ich w\u00fcrde sagen: das ist unrealistisch und wir sollten uns damit abfinden!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ideale sind nicht unn\u00fctz, sie befl\u00fcgeln die Menschheit seit jeher \u2013 in mal mehr, mal weniger sch\u00f6ner Auspr\u00e4gung \u2013 Dinge zu erreichen, die zuvor unm\u00f6glich erschienen. Dennoch sind wohl schon die oben genannten Punkte f\u00fcr die meisten Menschen nicht erreichbar. Also nicht in Kombination. Ich hoffe wie viele andere darauf, dass das irgendwann mal klappt \u2013 aber ich rate davon ab, sich in diesen Wunschtraum reinzusteigern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einen guten Beruf nach oben genannter Definition zu ergattern ist sicher f\u00fcr viele m\u00f6glich. Nebenbei eine Beziehung \u2026 naja, immerhin f\u00fcr die meisten der vielen vielleicht. Zus\u00e4tzlich zum guten Job und einer funktionierenden Beziehung ein aktives Sozialleben zu betreiben, wird f\u00fcr die meisten schon schwierig, ohne nicht wenigstens bei einem der beiden anderen Punkte ein paar Abstriche machen zu m\u00fcssen. Dann aber noch die Freiheit zu haben, zu tun was man will \u2026 mal ganz ehrlich: kann mir irgendwer auch nur einen Menschen nennen, auf den das zutrifft?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ist es wirklich Zufall, dass die nach eigenen Aussagen gl\u00fccklichen K\u00fcnstler alle kein Geld haben, und Hollywoodstars auf der anderen Seite schneller geschieden werden als besagte K\u00fcnstler ihre Klamotten wechseln?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich vermute: nein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ideale sind Ideale, weil sie unerreichbar sind. Um die oben genannten Punkte halbwegs miteinander in Einklang zu bringen, br\u00e4uchte man einen zeitunabh\u00e4ngigen Job mit weniger als z.B. drei Arbeitsstunden (wochen-)t\u00e4glich, der 100 \u20ac pro Stunde bringt. Dar\u00fcber hinaus tolerante Partner und einen Freundeskreis, bei dem einen nicht ein einziger neidet, dass man so viel verdient. Und verprellen k\u00f6nnen m\u00fcsste man sowohl den Chef, als auch Partner und Freunde \u2013 um wenigstens halbwegs frei zu sein. Daf\u00fcr m\u00fcsste Kollege Zufall schon einen ganzen K\u00fcbel Gl\u00fcck \u00fcber einem aussch\u00fctten. Und zwar dauerhaft und auf Kosten anderer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sich auf dem ein oder anderen Gebiet mal freizuschaufeln ist gut. Tut gut. St\u00e4rkt das Selbstbewusstsein und gibt neue Kraft. Aber die oben genannten Ziele sollten nicht verwechselt werden mit dem, was jeder braucht, um gl\u00fccklich oder zumindest zufrieden zu sein. Diese Anspr\u00fcche sollte man getrost ignorieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und da ich ja immer schreibe, wie absolut gut es mir geht, will ich hier auch den Anfang machen:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Beruflicher Erfolg<br \/>\nJa, ich bin Taxifahrer und inzwischen Autor. Das ist volle Kanne geil und macht beides einen H\u00f6llenspa\u00df! Aber mein Arbeitsaufwand steht in keinem Verh\u00e4ltnis zum Verdienst. Den ein oder anderen Luxus habe ich, sicher, aber wenn ich beide Jobs zusammenrechne, dann w\u00fcrde ich mich wundern, wenn ich auf \u00fcber 3 \u20ac Verdienst pro Stunde komme.<\/li>\n<li>Beziehung<br \/>\nDa liegt zweifelsohne mein Gl\u00fcck. Ich f\u00fcrchte zwar immer, dass ich mich mehr darauf konzentrieren m\u00fcsste, aber ich w\u00fcrde meiner Beziehung 10 Punkte von 10 erreichbaren geben. Und wenn Ozie nur 8 von 10 geben sollte, l\u00e4gen wir vermutlich immer noch weit \u00fcber dem Durchschnitt.<\/li>\n<li>Sozialleben<br \/>\nMeine Schw\u00e4che. Ich komme nicht dazu, mich bei Freunden zu melden und hab viel zu selten Besuch. Obwohl ich ein geselliger Mensch bin. Mal kommt mir die Arbeit\u00a0 \u2013 und damit das Geld \u2013 in die Quere, mal verpeile ich es einfach. Ich hab einige gute Freunde, aber die haben es entsprechend nicht leicht mit mir.<\/li>\n<li>Freiheit<br \/>\nMit der sieht es ganz gut aus, ich hab da mehr M\u00f6glichkeiten als der Durchschnitt. Trotzdem muss ich viele Einladungen absagen, weil das Geld nie reichen w\u00fcrde oder eben mal abwinken, weil mir meine Beziehung wichtiger ist.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und ich hab&#8217;s dabei echt noch leicht. W\u00fcrde meine Arbeit pl\u00f6tzlich doppelt oder dreifach so viel Geld abwerfen wie bisher, dann k\u00f6nnte ich das alles unter einen Hut bringen, nahe den oben genannten Idealen leben. Aber mal ehrlich: &#8222;nur&#8220; das Gehalt verdreifachen \u2026 arg viel besser kann man als halbwegs bodenst\u00e4ndiger Mensch doch nicht mehr definieren, was Utopie ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und das ist auch der \u2013 mit diesem Eintrag wohl sachlich erkl\u00e4rte \u2013 Grund, weswegen ich kaum Neid versp\u00fcre, wenn ich h\u00f6re, dass andere Menschen z.B. besser verdienen. Denn das alleine sagt gar nichts aus. Die entsprechenden Leute haben sp\u00e4testens beim Punkt &#8222;Freiheit&#8220; Einschnitte hinzunehmen, die ich nicht akzeptieren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unzufrieden sind wir alle, zumindest irgendwie ein bisschen. Ob wir zu wenig Geld haben oder unsere Freunde nur unser Geld wollen. Ob wir Single sind oder dank unseres Partners eingeschr\u00e4nkt werden, unsere Freiheit auszuleben. Ob wir dank Arbeitslosigkeit viele Leute treffen k\u00f6nnen oder die Leute nicht mehr zu uns kommen, weil wir wegen der Arbeit keine Zeit mehr haben \u2026 irgendwas ist immer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich will mit diesem Eintrag gewiss nicht zur Lethargie aufrufen. Die meisten Verbesserungen m\u00fcssen nach wie vor erk\u00e4mpft werden. Aber ich rate dazu, gelassen zu bleiben, wenn wir mal wieder nur unseren eigenen (meist: den kapitalistisch vordefinierten) Anspr\u00fcchen nicht gen\u00fcgen. Dieses &#8222;irgendwas&#8220;, das immer ist, sind n\u00e4mlich eigentlich wir selbst. Wir als Menschen und die Menschen um uns herum. Und wir sollten uns davor h\u00fcten, uns selbst als Fehler in einer sonst theoretisch perfekten Welt zu sehen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/329b935ec1f148e5b20e9da7de2894e2\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Ihr k\u00f6nnt mich biegen, Ihr k\u00f6nnt versuchen mich zu brechen. 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