{"id":13555,"date":"2014-03-11T08:17:27","date_gmt":"2014-03-11T06:17:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/?p=13555"},"modified":"2014-03-11T08:18:25","modified_gmt":"2014-03-11T06:18:25","slug":"salate-und-regionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/2014\/03\/11\/salate-und-regionen\/","title":{"rendered":"Salate und Regionen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Insbesondere von meiner Kundschaft im Taxi werde ich gerne gefragt, ob ich es denn bereut h\u00e4tte, nach Berlin zu ziehen. Und immer wieder muss ich sagen:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Nein! Nat\u00fcrlich nicht!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Grund daf\u00fcr ist aber weit weniger Berlin, als man gemeinhin annehmen sollte. Das soll jetzt nicht negativ klingen, denn ich habe die Stadt sehr zu sch\u00e4tzen gelernt. Mehr aber mag ich es eigentlich, dass ich nun zwei sehr unterschiedliche St\u00e4dte mehr oder minder gut kenne. Die H\u00e4user werden zwar hier wie dort aus Holz, Steinen und Beton gebaut; aber es gibt viele interessante Unterschiede. Und diese Unterschiede sind oft besser als die ein oder andere regionale Begebenheit an sich. Die Sprache ist anders, teilweise die Menschen. Aber auch Dinge wie die K\u00fcche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um ehrlich zu sein: Ich habe die schw\u00e4bische K\u00fcche nie als sonderlich aufregend empfunden. Wie auch? Ich bin ja Schwabe. F\u00fcr mich war das alles bestenfalls normal. Aber dann komm&#8216; mal nach Berlin \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich m\u00f6chte <a title=\"Wikipedia \u2013 Berliner K\u00fcche\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Berliner_K%C3%BCche\" target=\"_blank\">der Berliner K\u00fcche<\/a> nicht Unrecht tun, aber so sonderlich toll ist sie nicht. Das allerdings h\u00e4tte ich eigentlich auch \u00fcber die schw\u00e4bische gesagt. Ich bin zwar ein Freund deftiger Speisen und lege auch mehr Wert aufs Sattwerden als auf die letzte ausgefeilte Thymiannote am Salat, aber seit wir in einer globalisierten Welt leben, zeigt sich doch, dass die Einfl\u00fcsse aus anderen L\u00e4ndern oft eher hilfreich als sch\u00e4dlich sind.<br \/>\nVermutlich ist das wie immer die Sicht des Insiders. Ich hab ja auch bis zu meiner Reise nach New York gebraucht um festzustellen, dass deutsches Bier echt ein Segen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und so stellte sich im Laufe der letzten Jahre meiner durchaus als interkulturell zu bezeichnenden Beziehung mit Ozie (Hey, Nord-S\u00fcd, Ost-West, alles auf einmal!) heraus, dass sie \u2013 mehr als ich fast noch \u2013 der schw\u00e4bischen K\u00fcche zugeneigt ist. Das betrifft zwar nicht das auch in Berlin allerorten anzutreffende Laugengeb\u00e4ck, aber zumindest doch mal Maultaschen (<a title=\"Sashs Blog \u2013 Back to L\u00e4ndle\" href=\"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/2010\/08\/04\/back-to-landle\/\" target=\"_blank\">auch selbstgemachte<\/a>) oder neuerdings Linsen und Sp\u00e4tzle. Nun hat mich das nat\u00fcrlich stets gefreut und sogar auf diese diffuse abzulehnende Art stolz gemacht, die Nazis nachvollziehen k\u00f6nnen m\u00fcssten, die ja stets stolz auf etwas sind, das sie gar nicht zu verantworten haben und noch nicht einmal einen Plan davon.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und dann das: Kartoffelsalat!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kartoffelsalat ist ja nun in Deutschland fast \u00fcberall zu Hause, \u00e4hnlich wie die ihm zugrunde liegenden Erd\u00e4pfel selbst. Aber jeder hat eine andere Vorstellung davon. Noch schlimmer ist es eigentlich nur mit Wurstsalat.<br \/>\nIch pers\u00f6nlich mag Kartoffelsalat in eigentlich allen Variationen, mal den einen, mal den anderen. Er darf Essig und \u00d6l oder Mayo enthalten, Speck oder Hering, Gurken oder Ei. Und fast keine Kombination davon ist so schlimm, dass ich sie mir nicht vorstellen kann. Mag daran liegen, dass ich die genannten Zutaten alle mag, auch wenn sie gelegentlich meinem Vorsatz, den Verbrauch tierischer Produkte zu minimieren, entgegenlaufen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber nun stand Ozie da und konnte oder wollte nicht begreifen, dass man Kartoffelsalat auch warm essen kann. Darauf gekommen waren wir nur zuf\u00e4llig, aber dieser Unter-Unter-Unter-Punkt der Ern\u00e4hrungsphilosophie war v\u00f6llig jenseits allen Vorstellbaren. F\u00fcr mich war das im Gegenzug normal. Und zwar so richtig. So habe ich als Kind Kartoffelsalat kennengelernt. Sicher durfte er immer schon auch kalt sein, aber der richtig gute, von meinem Vater gemachte, war halt noch warm, wenn man ihn frisch a\u00df. Wayne? So war das halt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da ich kein Rezept hatte und ohnehin nur selten alleine f\u00fcr uns beide kochte, kam ich erst neulich dazu, mal aus Lust und Laune einen dilettantischen Versuch zu wagen. Und das Ergebnis war, ganz ehrlich, eher so lala. Und &#8222;lala&#8220; nicht im euphemistisch-kindlichen Sinne von &#8222;Musik&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber, o Schreck!, Ozie schmeckte es. Und sie warf auch diese Bedenken \u00fcber Bord.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun bin ich nicht nur stets darum bem\u00fcht, meine F\u00e4higkeiten auszubauen, sondern auch darum, zumindest mal in Form kleiner Gesten den Leuten etwas zur\u00fcckzugeben, die viel f\u00fcr mich getan haben. Wie meinem Vater. Obwohl wir eher ein pragmatisch-sch\u00f6nes als ein liebevoll-herzliches Verh\u00e4ltnis zueinander haben, wusste ich, er w\u00fcrde sich freuen, wenn ich ihn nach seinem Rezept fragen w\u00fcrde. Wie immer hat er das nicht gesagt, aber das geh\u00f6rt wohl zu unserem Deal. \ud83d\ude09<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann haben Ozie und ich gestern das erste Mal richtig echten schw\u00e4bischen Kartoffelsalat gemacht. Gut, selbst das nicht ohne Abwandlungen, aber so sind wir halt. Und es bewies sich einmal mehr, dass interkulturelles Leben voller Bereicherungen ist. Denn es stellte sich heraus, dass Ozie als im besten Sinne in Berlin sozialisiert wesentlich schneller und besser Kartoffeln pellen kann als ich. Auch wenn sie das eigentlich als Kind gelernt hatte, um die eher hier verbreiteten Pellkartoffeln mit Quark und Lein\u00f6l schnell zu sich zu nehmen, ebnete das nun den Weg zum schw\u00e4bischen, noch warmen Kartoffelsalat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wenn es irgendwas gibt, das kulinarische Gen\u00fcsse noch verfeinert, dann ist das Ironie. Dicht gefolgt von Chilis, klar. \ud83d\ude09<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und weil das jetzt schon wieder eine Menge Text war, ist hier der kl\u00e4gliche Rest der anfangs rund zwei Kilo Salat bildlich festgehalten:<\/p>\n<div id=\"attachment_13556\" style=\"width: 505px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-13556\" class=\"size-full wp-image-13556\" alt=\"Omnomnom. Quelle: Sash\" src=\"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/2014-03-salat.jpg\" width=\"495\" height=\"371\" srcset=\"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/2014-03-salat.jpg 495w, https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/2014-03-salat-300x224.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 495px) 100vw, 495px\" \/><p id=\"caption-attachment-13556\" class=\"wp-caption-text\">Omnomnom. Quelle: Sash<\/p><\/div>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/4871bfb93df94cb696dbb3ccc70f3be0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Insbesondere von meiner Kundschaft im Taxi werde ich gerne gefragt, ob ich es denn bereut h\u00e4tte, nach Berlin zu ziehen. Und immer wieder muss ich sagen: &#8222;Nein! Nat\u00fcrlich nicht!&#8220; Der Grund daf\u00fcr ist aber weit weniger Berlin, als man gemeinhin &hellip; <a href=\"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/2014\/03\/11\/salate-und-regionen\/\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":0,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","footnotes":""},"categories":[12,1],"tags":[],"class_list":["post-13555","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-haushalt","category-vermischtes"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13555","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13555"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13555\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13562,"href":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13555\/revisions\/13562"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13555"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13555"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13555"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}