{"id":12956,"date":"2013-05-06T04:08:09","date_gmt":"2013-05-06T02:08:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/?p=12956"},"modified":"2013-05-06T04:08:09","modified_gmt":"2013-05-06T02:08:09","slug":"urlaub-im-alltag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/2013\/05\/06\/urlaub-im-alltag\/","title":{"rendered":"Urlaub im Alltag"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Es ist jetzt 4:00 Uhr morgens und ich hatte gerade Lust darauf, mir beim D\u00f6ner ein paar Bier zu holen. Hab ich dann auch gemacht. Sch\u00f6n, dass der Laden immer offen hat und dass die Mitarbeiter dort zu Stammg\u00e4sten au\u00dferordentlich freundlich sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Wobei ich eigentlich nur noch sehr selten dort vorbeischaue, um mehr als eine Schachtel Zigaretten zu kaufen.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Temperaturen gehen langsam ins Fr\u00fchlingshafte, mehr als ein d\u00fcnnes kurz\u00e4rmeliges Hemd musste ich nicht anziehen. Also gut, Hose und Schuhe nat\u00fcrlich auch \u2013 aber Ihr wisst, was ich meine.<br \/>\nAls ich so auf die Baumgruppe zulaufe, die uns hier von Kaiser&#8217;s und Konsorten trennt, streift mich ein wohliger Schauer. F\u00fcr manch einen m\u00f6gen die B\u00e4ume hier in der Dunkelheit bedrohlich emporragen, ich mag sie. Aber nicht einmal, weil es B\u00e4ume sind. Der Parkplatz, der Weg zwischen den B\u00e4umen durch \u2013 auch die geschlossenen T\u00fcren der Superm\u00e4rkte, die ich tagt\u00e4glich besuche: All das hat sich auch nach f\u00fcnf Jahren in dieser Gegend f\u00fcr mich noch nicht g\u00e4nzlich als Heimat etabliert. Vielleicht ist das der Tatsache geschuldet, dass meine Heimat wohl auf ewig Stuttgart sein wird, wer wei\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gelegentlich sp\u00fcre ich jedenfalls dieses leichte Kribbeln im Nacken, dieses Gef\u00fchl, mit jedem Schritt Neuland zu betreten, das zu entdecken sich lohnt. Vor meinem inneren Auge Bilder der doch recht zahlreichen Ferienwohnungen und -H\u00e4user, die ich im Laufe meiner Kindheit gesehen habe, Erinnerungen an fremde Stra\u00dfen, zu erkundende Dachb\u00f6den und ungewohnte H\u00e4usersilhouetten am Horizont. Ironischerweise gepaart mit dem dumpfen Sicherheitsgef\u00fchl im Hintergrund, in vertrauter Umgebung zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Gegend hier in Marzahn wird viel nachgesagt, niemals jedoch, dass sie sch\u00f6n sei. Mit gewisser Berechtigung. Das Haus, in dem ich wohne, ist gut und gern 200 Meter lang und zwischen 20 und 40 Meter hoch. Ein zierliches Geb\u00e4ude hier in der Umgebung. Frisch hier eingezogen fremdelte ich wie jeder Neue mit diesen Gegebenheiten, Plattenbausiedlungen kannte ich eben \u00fcberwiegend als Ghetto, als Symbol f\u00fcr Tristesse.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tats\u00e4chlich jedoch gibt es Orte, die ich wesentlich furchtbarer finde. Meine \u2013 obwohl damals hei\u00dfgeliebte \u2013 Grundschule pr\u00e4sentiert sich in grauerem Grau als die Gegend hier, bedr\u00fcckenderweise garniert mit der in meinen Augen unsagbar h\u00e4sslichen abstrakten Kunst der 1970er-Jahre. Eine Bekannte wohnte vor Jahren in einer ehemaligen Kaserne, h\u00fcbsch hergerichtet nach dem Abzug der Amerikaner. Eigentlich. Kam mir aber immer viel fremder vor als die hier stehenden Wohnsilos der \u00fcberpragmatischen DDR-Architekten. Zu guter Letzt sei auch noch die ehemalige Bude eines ehemaligen Mitbewohners genannt. Hier in Berlin, in Kreuzberg. Bergmannkiez, angesagte Gegend. &#8222;Sch\u00f6ne&#8220; Altbauten, Haus an Haus, hohe Decken und Stuck, verzierte Fassaden, Kopfsteinpflaster auf der Stra\u00dfe. Gemeinhin als nett, gem\u00fctlich und pittoresk empfunden, ekeln mich diese durchgehenden H\u00e4userfronten ohne Gr\u00fcn und dieser pseudoaltbackene Flair regelrecht an. Wie die meisten wohl \u00fcber Marzahn urteilen w\u00fcrden: Dort bekomme ich Depressionen binnen k\u00fcrzester Verweildauer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich kann froh sein \u00fcber meinen Geschmack. Dadurch, dass er nicht dem der Mehrheit entspricht, sind die Mieten hier noch bezahlbar, bleibt der gro\u00dfe Trubel aus und ich treffe keinen einzigen Menschen, wenn ich mal nachts um 4:00 Uhr auf die Idee komme, mir ein paar Bier zu holen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist nicht immer leicht, einen anderen Geschmack zu haben als die Mehrheit, insbesondere in Bereichen, in denen man keinen Bock hat, st\u00e4ndig k\u00e4mpferisch f\u00fcr seinen Standpunkt zu werben. Bei der Auswahl der Wohngegend entpuppt sich das bei mir als gro\u00dfer Vorteil. Deswegen m\u00f6chte ich Marzahn eigentlich auch niemandem empfehlen. Auch wenn es sich hier manchmal anf\u00fchlt wie Urlaub.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/679dbd96dc92422fbfa0f8538f96adf2\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist jetzt 4:00 Uhr morgens und ich hatte gerade Lust darauf, mir beim D\u00f6ner ein paar Bier zu holen. Hab ich dann auch gemacht. 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