{"id":12929,"date":"2013-04-28T02:51:41","date_gmt":"2013-04-28T00:51:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/?p=12929"},"modified":"2013-04-29T13:00:04","modified_gmt":"2013-04-29T11:00:04","slug":"arbeit-ist-das-halbe-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/2013\/04\/28\/arbeit-ist-das-halbe-leben\/","title":{"rendered":"Arbeit ist das halbe Leben"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Selbiges sagt man auch \u00fcber Ordnung \u2013 und auch bei der Arbeit m\u00f6chte ich die bei der Ordnung schon sprichw\u00f6rtliche Erg\u00e4nzung &#8222;Ich lebe in der anderen H\u00e4lfte!&#8220; anf\u00fcgen. Dabei meine ich das alles halb so lustig, wie es klingt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer meine Blogs verfolgt, der kriegt ziemlich gut mit, wie viel, bzw. wie wenig ich arbeite. Und ich greife dann auch schnell zur Ironie, r\u00fchme mich ob meiner Faulheit und freue mich live und in Farbe im Internet dar\u00fcber, dass ich in meinem Job ja auch gar nicht so viel arbeiten m\u00fcsse. Das ist nat\u00fcrlich nur die halbe Wahrheit, der ein oder andere wird es vielleicht mit der Zeit auch schon gemerkt haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich muss gestehen: Ich kann es einfach nicht.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Raff Dich halt auf, ich schaff&#8216; das schlie\u00dflich auch!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist eine so naheliegend wie bl\u00f6de Reaktion darauf. Im Aufraffen bin ich nicht so schlecht. Ich hab die Schule durchgestanden, hab mein Abi gemacht, hab eine Weile lang einen Job mit fr\u00fchem Aufstehen hinbekommen, hab mir die Ortskundepr\u00fcfung f\u00fcr fucking Berlin reingezogen und sitze am Wochenende auch gerne mal 11 Stunden im Taxi. Ganz zu schweigen von den Kinderfreizeiten, bei denen ich zwei Wochen am St\u00fcck 18 Stunden mehr oder weniger immer voll am Start war. Aber eben alles zu seiner Zeit.<br \/>\nSo sehr ich mir immer wieder selbst bewiesen hab, dass ich durchaus den Arsch hochkriegen kann, wenn es drauf ankommt, so wenig Ahnung hab ich, wie man sowas jahrelang psychisch durchh\u00e4lt. Nach einer gewissen Zeit rei\u00dft es mich einfach von den Hufen. So kommt es dann, dass ich trotz einer komplett freien Woche heute \u2013 in der besten Nacht der Woche \u2013 einfach Feierabend mache, weil ich&#8217;s nicht mehr aushalte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Finanziell betrachtet ist das nat\u00fcrlich nicht so toll, moralisch aber noch viel schlimmer. Aufs Konzept m\u00f6glichst harter Lohnarbeit holt sich die Gesellschaft ja immer noch einen runter, selbst die politisch Linke wird dominiert von den Kommunisten, die die &#8222;Arbeiterklasse&#8220; zum eigentlichen Helden hochstilisieren. Aber wenngleich ich tats\u00e4chlich auch politisch meine Probleme mit dem Konzept Lohnarbeit habe, geh\u00f6re ich ja auch nicht zu denen, die an jedem Erholungstag zum Arzt rennen und den Chef die Rechnung zahlen lassen. Dazu waren meine Chefs immer viel zu nette Leute und ich nehm&#8217;s ja hier und da in Kauf, f\u00fcr weniger Arbeit auch weniger Geld zu bekommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Klingt jetzt alles dramatisch und irgendwie so, als w\u00fcrde ich schon sicher sein, dass das mit der mangelnden Arbeitsmoral bei mir pathologisch ist. Das wollte ich so nicht sagen. Ich hab mir mein Schlupfloch ja gesucht und abgesehen von gelegentlichen Geldsorgen komme ich ja durchaus klar. Lediglich mein schlechtes Gewissen m\u00fcsste ich hier und da noch ein bisschen besser in den Griff bekommen, aber dann bleibt nichts \u00fcbrig au\u00dfer einem vielleicht etwas armen, daf\u00fcr aber zufriedenen Sash.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was mich umtreibt, das zu thematisieren, ist wie so oft die Frage:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ist mit den Leuten, denen es da noch beschissener geht?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich wei\u00df nicht, ob alle meiner Leser sich daran erinnern, aber auch wenn ich hier und da so neunmalklug politisch agitiere: Ich hab noch nie einen politischen Standpunkt eingenommen oder eine Partei gew\u00e4hlt, weil das Ergebnis meine pers\u00f6nliche Position bessern w\u00fcrde. Manchmal w\u00fcrde das sicher zutreffen, aber die entscheidende Fragestellung war f\u00fcr mich immer: Ist das gesellschaftlich sinnvoll?<br \/>\n(Und nat\u00fcrlich: Entspricht es meinen ethischen \u00dcberzeugungen?)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ist mit den Leuten, f\u00fcr die nine-to-five nichts ist, die aber nicht meine Ausweichm\u00f6glichkeiten haben? Die vielleicht noch weit weniger gebacken kriegen? Die am Ende vielleicht wirklich das soziale Netz in Anspruch nehmen m\u00fcssen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gerade in der Debatte um die H\u00f6he von ALG II tauchen sie ja immer wieder auf: die &#8222;Sozialschmarotzer&#8220;. Als Feindbild, das bis weit in linke Kreise gesellschaftsf\u00e4hig ist. Hand auf&#8217;s Herz: Wer von euch hat mal dr\u00fcber nachgedacht, ob der ein oder andere vielleicht tats\u00e4chlich den Anforderungen dieser Gesellschaft \u2013 nicht einmal nur im Bezug auf Arbeit \u2013 nicht gewachsen ist?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Thema ist ein (geschichtlich betrachtet) recht neues, da muss sicher noch Ursachenforschung betrieben und an Probleml\u00f6sungen gearbeitet werden. Aber ich vermute, dass es ein reales Problem nicht zu kleinen Ausma\u00dfes ist. Eines, dass man vielleicht besser nicht so unter den Tisch kehren und pauschal abwatschen sollte, wie das derzeit geschieht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin sicher, der ein oder andere hat jetzt recht fassungslos bis hierhin gelesen und ist immer noch der Meinung, dass das ja alles blo\u00df bl\u00f6des Gew\u00e4sch von faulen Weicheiern ist. Da hab ich in Anbetracht unserer bisherigen Gesellschaft Verst\u00e4ndnis f\u00fcr. Uns allen wurde ja immer erkl\u00e4rt, was genau richtig ist. Und privat richtig ist nun mal ein gutbezahlter Job und politisch richtig ist alles, was gutbezahlte Jobs vermehrt. Wer das f\u00fcr der Weisheit letzten Schuss h\u00e4lt, der m\u00f6ge \u00fcber meine kleine Analogie nachdenken:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\">B\u00fccher. Schreibt doch einfach B\u00fccher, wenn Euch was nicht passt. Das ist ganz einfach: Man muss nur ein bisschen lesen, ein bisschen schreiben und ansonsten braucht es halt Willensst\u00e4rke. JEDER kann B\u00fccher schreiben! Viele sogar. Das Leben ist lang genug und mehr als 26 Buchstaben braucht es dazu nicht. Alles andere ist einfach nur ein bisschen (frei einzuteilende, yeah!) Arbeit und die kriegt man ja wohl noch hin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer also der Meinung ist, ich (und die vielen anderen) m\u00fcssten sich doch blo\u00df mal aufraffen, der schreibe ein Buch dar\u00fcber. Ich werde es lesen, versprochen. Schlie\u00dflich hab ich die Zeit dazu, ich arbeite ja kaum \u2026<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/50707c28c11141c7909228f02ef97bf4\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Selbiges sagt man auch \u00fcber Ordnung \u2013 und auch bei der Arbeit m\u00f6chte ich die bei der Ordnung schon sprichw\u00f6rtliche Erg\u00e4nzung &#8222;Ich lebe in der anderen H\u00e4lfte!&#8220; anf\u00fcgen. Dabei meine ich das alles halb so lustig, wie es klingt. 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