{"id":12724,"date":"2013-01-20T06:17:08","date_gmt":"2013-01-20T04:17:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/?p=12724"},"modified":"2013-01-20T06:17:08","modified_gmt":"2013-01-20T04:17:08","slug":"julius-duttlinger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/2013\/01\/20\/julius-duttlinger\/","title":{"rendered":"Julius Duttlinger"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Drei Monate hatte ich nun mein Taxi vor der T\u00fcre, inzwischen fahre ich wieder Bahn. Ich habe wieder das, was gemeinhin Arbeitsweg genannt wird. Und das ist toll. Dabei geh\u00f6re ich ja noch zu den Leuten, die im Rahmen ihrer Arbeit ganz sch\u00f6n rumkommen \u2013 der Mangel an Aussicht ist es also nicht, der daf\u00fcr sorgt, dass ich mich heimlich freue. Der Arbeitsweg hat f\u00fcr mich immer schon eine gesonderte Bedeutung gehabt: er vermittelt den Abstand zur Arbeit und ist zugleich Zeit, sich vorzubereiten, bzw. runterzukommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So gesehen fand ich schon in der Schule den Witz gar nicht so komisch, in dem ein kleiner Junge ein leeres Blatt abgibt, als er seinen Schulweg beschreiben soll \u2013 weil er der Sohn des Hausmeisters ist.<br \/>\nW\u00e4hrend der Schule war der Weg sowieso noch einmal wichtiger. Da ist man ohnehin nicht immer auf den selben Pfaden gewandelt \u2013 auf den Umwegen gab es ja so viel zu entdecken und auch Bl\u00f6dsinn zu machen. Aus den Details, die mir von den dann irgendwann doch vertrauten Wegen noch im Kopf sind, ziehe ich heute noch S\u00e4tze f\u00fcr Geschichten. Auch Julius Duttlinger, Namenspatron dieses Eintrags ist so ein Detail. Sein sehr sch\u00f6ner schlichter schwarzer Grabstein hat mit jahrelang verk\u00fcndet, dass ich den Gro\u00dfteil der Steigung des Gablenberger Friedhofs hinter mir habe. Wer wei\u00df, woran ich heute bei meinem Schulweg denken w\u00fcrde, w\u00e4re Julius Duttlinger nicht zwei Jahre vor meiner Geburt gestorben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An den t\u00e4glichen Wegen treffen einen die Jahreszeiten intensiver und doch \u00fcberschaubarer als sonst: Kann ich durch die kahlen B\u00e4ume im Herbst bereits ums Eck sehen, ob der Bus kommt? Verdeckt der Schnee tats\u00e4chlich schon die Inschrift auf der Friedhofsmauer und ist die Pf\u00fctze an der schmalen Stelle des Gehwegs tats\u00e4chlich so breit, dass man nasse F\u00fc\u00dfe bekommt?<br \/>\nMan lernt seinen kleinen Teil der Stadt bis auf&#8217;s letzte Fitzelchen kennen. Hier ein neues Haus, dort haben sie jetzt ein Stopschild aufgestellt und \u2013 Wahnsinn! \u2013 die Leute in der Nummer 53 haben inzwischen ihre Fensterl\u00e4den gestrichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und dennoch ist dabei manchmal viel wohltuende Monotonie. Die Reihenfolge der Haltestellen wechselt nur selten, selbst die meisten Neubauten stehen irgendwann einfach da und am Ende ist das wohl auch gut so.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sicher, f\u00fcr manchen ist das nur die \u00f6de Fortsetzung des \u00f6den Tages &#8211; und auch ich h\u00e4tte gerne hier und da mal den Weg \u00fcbersprungen, um die Versp\u00e4tung aufzuholen oder gleich ins Bett zu kommen. Am Ende hab ich es dann doch immer geschafft. Inzwischen schlafe ich notfalls in der Bahn schon ein St\u00fcckchen vor. Und das geht. Ich erkenne selbst im Schlaf die Kurve, nach der ich aussteigen muss.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/1ccfa2ddf38345d9ae195b5608cd5f28\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Drei Monate hatte ich nun mein Taxi vor der T\u00fcre, inzwischen fahre ich wieder Bahn. Ich habe wieder das, was gemeinhin Arbeitsweg genannt wird. Und das ist toll. 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