{"id":12667,"date":"2012-12-29T18:21:05","date_gmt":"2012-12-29T16:21:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/?p=12667"},"modified":"2012-12-29T18:21:05","modified_gmt":"2012-12-29T16:21:05","slug":"grenzenloses-staunen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/2012\/12\/29\/grenzenloses-staunen\/","title":{"rendered":"Grenzenloses Staunen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Wir sind mal sowas von am Arsch. Dass der neue P\u00e4chter auf dem Gartengrundst\u00fcck meiner Oma eine private Kantine betreibt, \u00e4rgert mich. Die Suche nach diesen drei einbetonierten Dingern in dem mindestens hundertst\u00f6ckigen Hochhaus mit seinen tausend Fallen ist anstrengend. Aber wirklich schlimm ist, dass es wehtut, sich gegenseitig in die Augen zu sehen. Nein, nicht psychisch! Es frisst sich in einen rein, man l\u00f6st sich langsam auf &#8211; wer wei\u00df, was das jetzt soll. Meinen besten Kumpel hat es schon erwischt, der Rest von uns starrt panisch in der Gegend rum, m\u00f6glichst niemand anders mit seinen Blicken streifend. Eigentlich bin ich bereit aufzugeben und vielleich w\u00e4re es ja wirklich das Beste. Ich meine, wie soll man aus dieser Situation auch wieder rauskommen? Ein wenig mitleidig nehme ich den Typen ins Visier, den ich die Tage erst kennengelernt habe, er f\u00e4ngt an zu qualmen. Da &#8211; wie aus dem Nichts &#8211; durchzuckt mich ein bekanntes Gef\u00fchl vom Fu\u00df aus und schlagartig hab ich ein mildt\u00e4tiges Grinsen im Gesicht. Ich kann es sehen, von au\u00dferhalb.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich denke mal, ich bin sowas wie ein Radikal-Phlegmatiker. Wenn das Setting stimmt, finde ich auch Alptr\u00e4ume irgendwie ok.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist nicht so, dass ich in Erwartung des sicheren Todes irgendwie ruhig geblieben w\u00e4re, aber seit mein Fu\u00df von der Matratze gerutscht ist und mein gro\u00dfer Zeh den Fu\u00dfboden ber\u00fchrt hat &#8211; was mein Bein zum Zucken animierte &#8211; ist mir bewusst, dass ich tr\u00e4ume. In der Folge kann ich sogar damit leben, dass gute Freunde pulverisiert werden oder ich ungef\u00e4hr aus einem Kilometer H\u00f6he in den Swimmingpool des Hochhauses springe. Ich kann ja gleich aufwachen, alles kein Thema!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe mal irgendwo gelesen, dass man im Laufe der Zeit immer weniger tr\u00e4umt. Hmm. Dann vergeht meine Zeit vielleicht nicht ordnungsgem\u00e4\u00df. Ich kann mich fast jeden Morgen an irgendwelche Tr\u00e4ume erinnern, die meisten sind sogar ein bisschen weniger fies als der heutige. Erst letzte Woche hab ich mich z.B. neu verliebt. Gut, in Anbetracht der Tatsache, dass ich im wirklichen Leben verheiratet bin, k\u00f6nnte man das auch als Alptraum sehen &#8211; aber ich kann euch sagen, dass es nur halb so wild ist, als sich im Traum neu zu verlieben und auch dort verheiratet zu sein. \ud83d\ude09<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Manche Menschen haben Angst vor ihren Tr\u00e4umen, die Konfrontation mit Unterbewusstem ist nat\u00fcrlich auch nicht immer das Beste, was einem morgens nach dem Weckerklingeln passieren kann. Ich pers\u00f6nlich wache zwar auch das ein oder andere Mal schwei\u00dfgebadet auf, aber die Zeit kindlicher Naivit\u00e4t ist dann auch vorbei. Wenn ich in meinem Bettchen aufwache, war das mit dem Weltuntergang offensichtlich nur ein Traum. Und wenn nicht: ein Weltuntergang, der mein Bettchen verschont, kann auch auf die leichte Schulter genommen werden. Ausnahmen best\u00e4tigen die Regel (ist echt bitter, zu glauben, man h\u00e4tte letzte Nacht die Freundin betrogen), ansonsten: Radikal-Phlegmatik und grenzenloses Staunen. Das ist das Beste!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Niederschreiben fehlen mir selbst wie den meisten Menschen leider binnen Minuten zu viele Details. Auf der anderen Seite habe ich festgestellt, dass sich selbst die konfusesten Tr\u00e4ume recht schnell auf irgendwelche Alltagserlebnisse zur\u00fcckf\u00fchren lassen. Und wer sich wundert, was in seinem Alltag angeblich passieren soll, der sollte die scheinbar nur so vor sich hingeschauten Filme, die \u00fcberflogenen Texte und dergleichen mal in seine \u00dcberlegungen miteinbeziehen. Meine im Traum brutzelnden Mitmenschen heute Nacht wiesen eine erstaunliche \u00c4hnlichkeit mit den Protagonisten des Films &#8222;The Way back&#8220; bei ihrer Wanderung durch die W\u00fcste auf, den ich vor zwei Tagen gesehen hatte. Dazu eine Assoziation mit einem fl\u00fcchtigen Blickkontakt auf der Stra\u00dfe \u2026 ich sage ja: grenzenloses Staunen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe noch nie geh\u00f6rt, dass Tr\u00e4ume etwas schlechtes seien. Also zumindest nicht im Bett. Hinterm Steuer mag das anders aussehen, aber davon bin ich bislang verschont geblieben. Und so lange mir mein Fu\u00df rechtzeitig R\u00fcckmeldung gibt, wo die Realit\u00e4t ist (alleine dieses wunderbare Gef\u00fchl hat mich dazu veranlasst, jetzt direkt nach dem Aufstehen diesen Text zu schreiben), belasse ich es wohl dabei, mich zu freuen \u00fcber dieses Ph\u00e4nomen. Oder es in schlimmen F\u00e4llen radikal-phlegmatisch hinzunehmen. Und nach intensiven N\u00e4chten wie der heutigen gehe ich dann raus, schaue mir die Welt an, die Menschen, die Kunst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich kann gar nicht so viel sehen, wie ich tr\u00e4umen m\u00f6chte \u2026<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/7a9c59194f024a8283613fb2fd0ee49f\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir sind mal sowas von am Arsch. Dass der neue P\u00e4chter auf dem Gartengrundst\u00fcck meiner Oma eine private Kantine betreibt, \u00e4rgert mich. 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