{"id":12007,"date":"2012-07-07T06:16:18","date_gmt":"2012-07-07T04:16:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/?p=12007"},"modified":"2012-07-07T06:47:52","modified_gmt":"2012-07-07T04:47:52","slug":"die-immergrose-debatte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/2012\/07\/07\/die-immergrose-debatte\/","title":{"rendered":"Die immergro\u00dfe Debatte"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Jetzt hab ich <a title=\"GNIT - Zum Kotzen!\" href=\"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\/wordpress\/2012\/07\/06\/zum-kotzen\/\" target=\"_blank\">bei GNIT<\/a> schon ganz nebenbei einmal mehr die B\u00fcchse der Pandora ge\u00f6ffnet und &#8222;Soja&#8220; gesagt. Sogar in einem leicht als negativ misszuverstehenden Kontext. Die gro\u00dfe Debatte \u00fcbers scheinbar so elementare Thema &#8222;Fleisch oder nicht Fleisch?&#8220;. Je nachdem, wo man sich gerade befindet, triggert man haufenweise Mitmenschen mit an sich harmlosen Vokabeln wie Fleisch, Soja, vegan, Tierprodukte etc.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und w\u00e4re es nicht so traurig, dann m\u00fcsste man dar\u00fcber lachen, mit welcher Absurdit\u00e4t die Debatte gef\u00fchrt wird. Man glaubt oft, keinerlei rationale Stimmen w\u00fcrden dabei jemals auftauchen, gef\u00fchlt melden sich immer entweder Veganer zu Wort, die der Meinung sind, man sei per se ein schlechter Mensch, sobald man mal versehentlich eine Obstfliege einatmet &#8211; oder aber \u00fcber Nacht zu Grillfleisch-Fetischisten gewordene Spinner, die glauben, &#8222;Floisch is goil!&#8220; sei irgendwie ein legitimes Diskussionsargument.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus meiner Sicht sind beide Ansatzpunkte ein wenig d\u00e4mlich, aber ich sage vorweg, dass ich wesentlich mehr mit den Veganern sympathisiere &#8211; obwohl ich nicht einmal vegetarisch lebe.<br \/>\nEs gibt eine Menge Gr\u00fcnde, sich vegan zu ern\u00e4hren. Gesundheitlich wohl eher begrenzt viele, ethisch mehrere und \u00f6kologisch einen ganzen Haufen. D\u00e4mlich per se ist es jedenfalls kein Bisschen. F\u00fcr den Fleischkonsum sprechen rein rational betrachtet wesentlich weniger Gr\u00fcnde. Das ist so und das mag uns Fleischessern nicht gefallen, emotional nicht gefallen. Aber es ist so. Punkt! Und man sollte akzeptieren, dass eine typische Gesundheits-Vitamin-B12-Mangel-Anklage auch nur begrenzt glaubhaft ist, wenn man sie mit Kippe im Mund und Bier in der Hand f\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und da sind wir beim Thema, das ich diesbez\u00fcglich eigentlich ansprechen wollte: Das Schwarz-Wei\u00df-Denken. Das ist das eigentlich gruselige daran. Denn ich hoffe, wir k\u00f6nnen uns alle darauf einigen, dass wir mehr oder minder vern\u00fcnftige Menschen sein wollen. Das ist sicher nicht immer gleich stark ausgepr\u00e4gt und jeder setzt sich andere Ziele, aber ich setze als Diskussionsgrundlage voraus, dass wir alle ein Interesse daran haben, m\u00f6glichst wenig Schaden anzurichten und den Planeten Erde in m\u00f6glichst vollumf\u00e4nglicher Vielfalt noch ein paar Jahre zu erhalten. Schon alleine, weil wir bisher keinen zweiten in Aussicht haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf der anderen Seite &#8211; und diese Kritik geht an viele Veganer raus &#8211; haben wir alle auch Interesse an einem menschenw\u00fcrdigen Leben und, ob uns das ideologisch passt oder nicht, das l\u00e4sst sich beim derzeitigen Stand der Dinge nur durch gewisse Eingriffe in die Natur durchsetzen. Auch das ist so. Punkt! Denn selbst wenn wir uns entschlie\u00dfen, uns nur noch nackt im Wald von Beeren zu ern\u00e4hren und versuchen, dabei keine Ameisen kaputtzutreten, w\u00e4re das mit der derzeitigen Zahl an Menschen nicht vern\u00fcnftig umsetzbar &#8211; und nicht weniger m\u00fcssten wir tun, um WIRKLICH und ABSOLUT perfekte Menschen im Einklang mit der Natur zu sein. Und da steht die ethische Frage, was die Beeren dazu sagen w\u00fcrden, noch au\u00dfen vor \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Rein von der Energiebilanz her ist Tierzucht Wahnsinn. Das \u00e4ndert sich auch nicht dadurch, dass Soja diesbez\u00fcglich nicht perfekt ist. Oder andere Nutzpflanzen. Wir t\u00e4ten in Anbetracht der Tatsache, dass wir ernstliche (und nein, nicht umstrittene!) Probleme mit unserem Heimatplaneten haben, gut daran, nicht st\u00e4ndig Tiere gro\u00dfzuziehen, um sie zu essen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Andererseits w\u00fcrden wir es auch ohne Tierzucht schaffen, die Erde zugrunde zu richten. Wir Menschen sind ja gut darin, Mehrfrontenkriege zu f\u00fchren. Wir verschmutzen die Welt durch M\u00fcll, verbrauchen ausgerechnet seltene Rohstoffe besonders schnell und verhalten uns alles in allem nicht gerade so, als ob wir an unserer eigenen Zukunft \u00fcberhaupt ein Interesse h\u00e4tten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber: Wo liegt letztlich die Grenze? Und wer sagt mir, dass diese Grenze die richtige ist? Je mehr, desto besser! Das will ich festhalten. Und deswegen hege ich Bewunderung f\u00fcr die Menschen, die bei der eigenen Ern\u00e4hrung mehr Kompromisse machen als ich. Aber das hei\u00dft nicht, dass sie zwingend bessere Menschen sein m\u00fcssen. Manch Veganer verbraucht mehr Strom als ich, f\u00e4hrt mehr (hier vor allem: unn\u00f6tiger!) Auto als ich, fliegt gelegentlich, produziert mehr M\u00fcll oder ist ein Arschloch, das gerne Konflikte zwischen den Menschen sch\u00fcrt. Wie viele Portionen Rinderhack sind eine Tonne Erd\u00f6l wert? Gibt es da eine ernstliche Kenngr\u00f6\u00dfe? Nicht einmal CO2 kann die wirklich bieten! Wir werden allesamt niemals perfekt sein, nicht in dieser Zeit, nicht mit unserer Psyche und unserem Entwicklungsstand!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und auch wenn derzeit die Streitereien meist zwischen Bienenhonig und Hefe gef\u00fchrt werden &#8211; ist es weniger willk\u00fcrlich, die Grenze zu einem &#8222;guten&#8220; Leben zwischen Bakterien und Viren oder doch zwischen Fisch und Ente zu f\u00fchren?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da landen wir dann letztlich bei der ethischen Frage, der Frage nach dem Wohl der Tiere. Das bietet nat\u00fcrlich am meisten Konflikte, denn hier werden die Fakten d\u00fcnner und die \u00dcberzeugungen \u00fcberm\u00e4chtig. Wir landen hier letztlich immer bei philosophischen Fragen, die nicht ohne Grund nur teilweise \u00fcberhaupt kl\u00e4rbar sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da ich &#8211; wie eingangs erw\u00e4hnt &#8211; auch Fleisch esse, habe ich kein moralisches Problem mit dem T\u00f6ten von Tieren. Ich wei\u00df, das tut manchen jetzt weh, aber es ist so. Das hat jedoch eher weniger mit Speziesismus zu tun. Ich f\u00fcr meinen Teil erachte einfach einen schnellen Tod als nicht schlimm. Irgendwann stirbt jedes Lebewesen und als Atheist bin ich fest davon \u00fcberzeugt, dass der Tod an sich einem Individuum selbst nicht in seiner wesentlichen &#8211; n\u00e4mlich geistigen &#8211; Existenz st\u00f6ren kann, da diese umgehend beendet ist. Ihr m\u00f6gt meine Theorie nicht teilen &#8211; dann solltet ihr Veganer werden! &#8211; aber ich bin davon \u00fcberzeugt, dass der Tod eher ein soziales Ph\u00e4nomen ist, das in seiner zweifelsohne existenzbedrohenden Fiesheit eigentlich nur die Hinterbliebenen betrifft. F\u00fcr mich selbst spielte es keine Rolle, w\u00fcrde ich umgehend tot umfallen. Und dann soll man mich meinetwegen auch essen, da bin ich pragmatisch und unterscheide eben nicht zwischen mir und einem Rind. Schwierig wird es erst dadurch, dass damit Zukunftspl\u00e4ne zerrissen werden, Beziehungen zerst\u00f6rt, die psychische Gesundheit anderer beeintr\u00e4chtigt.<br \/>\nUnd ganz ehrlich: Soweit mir bekannt ist, sind solche Ph\u00e4nomene im von uns so bezeichneten Tierreich bisher unbekannt. Ich bin aber auch jederzeit bereit, das T\u00f6ten dort zu verbieten, wo solch ein Sozialverhalten bekannt wird. Ehrlich!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mal im Ernst, Leute: Wir sollten ressourcenbewusster leben! Wir alle, und je mehr, desto besser! Insofern ist Veganismus eine verdammt gute Idee! Und sie wird nicht ein Jota schlechter, nur weil Fleisch gut schmeckt. Das finde ich ja auch, aber es ist auch wirklich dumm (und ja, ich meine: abgrundtief dumm!) zu behaupten, es g\u00e4be keine Alternativen! Nat\u00fcrlich ist purer Tofu kein Kobe-Steak vom Geschmack her! Und es ist Bl\u00f6dsinn, dass ein paar wirklich ultrabl\u00f6de Veganer das behaupten. Aber ebenso ist ungew\u00fcrztes Hackfleisch kein Vergleich zu Tofu in einer Marinade aus Bier, Sojasauce und Habanero-Chilis. Gew\u00f6hnung alleine ist kein Qualit\u00e4tsmerkmal und das kann ich mit gutem Gewissen behaupten. Ich habe strikte Anti-Vegetarier gesehen, die mich f\u00fcr das vegane Hochzeitsbuffet von Ozie und mir gelobt haben und entgegen aller Vorurteile lebt man als Veganer nicht jenseits von Schokotorte und Spaghetti Bolognese. Man muss blo\u00df seinen Blickwinkel ein wenig weiten und offen sein f\u00fcr Experimente.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und darin muss keinerlei Einschr\u00e4nkung liegen. Es kann auch einfach eine Bereicherung sein. Ich z.B. habe seit langem R\u00e4uchertofu liebegewonnen als leckeren Brotbelag. Der schmeckt anders als Schinkenwurst, keine Frage. Aber ich esse ihn auch sehr gerne und kaufe deswegen trotzdem am Ende weniger Schinkenwurst. Und das ist doch mal ein Anfang, oder?<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/3c7d5fd45dd74163894edc641b7d8adf\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt hab ich bei GNIT schon ganz nebenbei einmal mehr die B\u00fcchse der Pandora ge\u00f6ffnet und &#8222;Soja&#8220; gesagt. Sogar in einem leicht als negativ misszuverstehenden Kontext. Die gro\u00dfe Debatte \u00fcbers scheinbar so elementare Thema &#8222;Fleisch oder nicht Fleisch?&#8220;. 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