{"id":11956,"date":"2012-06-21T05:40:52","date_gmt":"2012-06-21T03:40:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/?p=11956"},"modified":"2012-06-21T05:40:52","modified_gmt":"2012-06-21T03:40:52","slug":"die-erleichterung-des-vampirs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/2012\/06\/21\/die-erleichterung-des-vampirs\/","title":{"rendered":"Die Erleichterung des Vampirs"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Sommersonnenwende, 21. Juni, Sommeranfang, der l\u00e4ngste Tag des Jahres!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, dass die meisten sich dar\u00fcber freuen, ich freue mich haupts\u00e4chlich, weil die N\u00e4chte nun wieder l\u00e4nger werden. Dass ich mich nach dreieinhalb Jahren Nachtschicht inzwischen als Vampir bezeichne, ist keine Neuerung f\u00fcr die Leser meiner Blogs, es f\u00e4llt mir dennoch schwer, es nicht immer wieder anzureissen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist unbestritten, dass sich die Sonnenstrahlung positiv auf die Psyche auswirkt &#8211; das kann selbst ich best\u00e4tigen. Ich hatte sogar im letzten Winter sowas \u00e4hnliches wie eine kurze Winterdepression. Allerdings in harmlosem Ausma\u00df, gen\u00fcgend positive Energie h\u00e4lt meine Psyche allgemein ja dann doch bereit. Dass ich das Licht nicht brauchen oder sogar m\u00f6gen w\u00fcrde, will ich folglich gar nicht herbeifaseln, wenn ich mich \u00fcber meine Nachtschw\u00e4rmerei auslasse. Es ist sch\u00f6n, dass es den Sommer gibt und ich bin wirklich froh, dass ich in Mitteleuropa lebe, wo sowohl die Tagesl\u00e4nge als auch das Klima im Wechsel der Jahreszeiten so vielf\u00e4ltig ist. Wir leben in einer Gegend, in der wir Schneeballschlachten und Freibadbesuche genie\u00dfen k\u00f6nnen, ohne daf\u00fcr in ferne L\u00e4nder fahren zu m\u00fcssen. Und die maximalsten -20\u00b0C und +40\u00b0C hierzulande sind mir eigentlich auch genug &#8211; mehr Extreme m\u00fcssen nicht sein und ich bin froh um alles, was deutlich dazwischen bleibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dennoch habe ich die Nacht immer mehr geliebt als den Tag! Daf\u00fcr gibt es rationale und weniger rationale Gr\u00fcnde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein Biorhythmus entspricht zwar sicher nicht unbedingt dem derzeit &#8222;aufgezwungenen&#8220; meiner Nachtschichten, aber ich war eben auch noch nie jemand, der gerne fr\u00fch ins Bett ist und es fr\u00fch wieder verlassen hat.<br \/>\nDann ist die Nacht gleicherma\u00dfen ruhiger und origineller. Ich bin irgendwie ja eine Art Teilzeit-Misantroph: So sehr ich auch &#8222;mit Menschen zu arbeiten&#8220; sch\u00f6n finde, so sehr k\u00f6nnen mir auch alle gestohlen bleiben, die ich nicht kenne &#8211; und man trifft nachts einfach weniger. Wenn man aber welche trifft, dann sind es meist interessantere Menschen oder Menschen, die gerade einen interessanten &#8222;Tag&#8220; haben. Durch die doch eher exklusive Atmosph\u00e4re der Nacht ergibt sich so selbst bei der Arbeit eine wesentlich geringere Konzentration an 08\/15-Erlebnissen.<br \/>\nBei aller au\u00dfer Konkurrenz stehenden Freude an den Auf- und Unterg\u00e4ngen unseres Zentralgestirns und der damit einhergehenden D\u00e4mmerung: Wenn ich nur Tag und Nacht optisch vergleichen sollte, w\u00fcrde ich der Nacht insbesondere in der Gro\u00dfstadt immer den Vortritt lassen. Die scharfen Kontraste und das viele Unsichtbare lassen die Welt nachts wesentlich strahlender und vielseitiger erscheinen &#8211; ja, wahrscheinlich auch vielseitiger, als sie eigentlich wirklich ist!<br \/>\nBei der Arbeit sch\u00e4tze ich es, dass die Dunkelheit die Anonymit\u00e4t noch einmal verst\u00e4rkt und die Details unwichtig werden. Ich mache mir bei Dunkelheit nat\u00fcrlich weniger Gedanken um Schmutz im Auto, meine unsaubere Rasur und mit ziemlicher Sicherheit wirkt sich das umgekehrt auch auf meine Kundschaft aus, die aus dem Dunkel heraus sicher offener ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wenn ich dann am Schreibtisch sitze, umgibt mich nur das Surren meines PC&#8217;s. Tobende Kinder, schreiende Nachbarn, der Verkehr vor der T\u00fcre &#8211; all das taucht meist erst nach Sonnenaufgang auf und verstummt mit Eintritt der Nacht. Sicher, mich st\u00f6rt es dann mitunter beim Schlafen, aber so lange mir der Schlaf zum Ausruhen reicht, ist mir das lieber, als auf die ruhige Stimmung beim Schreiben zu verzichten. Mindestens 80% der Blogeintr\u00e4ge und der Geschichten, die ich schreibe, entstehen zwischen 23 und 5 Uhr und das ist kein Zufall.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deswegen freue ich mich darauf, das n\u00e4chste halbe Jahr wieder jeden &#8222;Tag&#8220; ein paar Minuten zu gewinnen. Ich werde mich \u00fcber jede Schicht freuen, die ich im Dunkeln beginnen und\/oder beenden kann und ich glaube so langsam daran, dass sich das nicht so schnell \u00e4ndern wird &#8211; trotz allem \u00c4rger, den so ein Nachtleben nat\u00fcrlich auch mit sich bringt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wichtig zu sagen ist allerdings: Ob man sich auf der Sonnenseite des Lebens befindet, h\u00e4ngt nicht alleine von der Neigung der Erdachse und der damit verbundenen Tagesl\u00e4nge ab. Das ist etwas, das jeder von uns f\u00fcr sich erreichen kann, wann und wo man sich auch befindet. Deswegen g\u00f6nne ich euch den langen Tag heute auch und ich hoffe, ihr habt auf eurer Seite des Planeten Spa\u00df und genie\u00dft die rare Zeit. Hier dr\u00fcben ist jedenfalls alles in Ordnung \u2026 \ud83d\ude42<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/ef6d089a4c0c45aaaef7f36c56aac479\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sommersonnenwende, 21. Juni, Sommeranfang, der l\u00e4ngste Tag des Jahres! Ich habe Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, dass die meisten sich dar\u00fcber freuen, ich freue mich haupts\u00e4chlich, weil die N\u00e4chte nun wieder l\u00e4nger werden. 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