{"id":11374,"date":"2012-02-16T13:00:52","date_gmt":"2012-02-16T11:00:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/?p=11374"},"modified":"2013-04-28T12:54:10","modified_gmt":"2013-04-28T10:54:10","slug":"die-geschichte-von-jan-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/2012\/02\/16\/die-geschichte-von-jan-6\/","title":{"rendered":"Die Geschichte von Jan (6)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Nach der Odyssee durchs deutsche Schienennetz h\u00e4tte Alexa auf der Stelle einschlafen k\u00f6nnen. Abgesehen von der nicht unbedeutenden Tatsache, dass sie eigentlich nicht wirklich m\u00fcde war. Eher ersch\u00f6pft. Das freilich hing auch damit zusammen, dass sie den ganzen Tag nicht wirklich etwas essbares herunterbekommen hatte. Nachdem sie sich nach dem Zufallsprinzip einiger Klamotten entledigt hatte, packte sie ihren immerhin noch lauwarmen D\u00f6ner aus und setzte sich an ihren Tisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihre Gedanken kreisten zwischen &#8222;Das ist jetzt aber auch typisch Berlin!&#8220; und &#8222;Gott sei Dank bin ich nicht so doof und hab mich darauf verlassen, dass was zu essen im Haus ist.&#8220;<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Alex? Teechen?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jans Stimme hallte vertraut und doch f\u00fcr diesen stillen Moment unangenehm laut durch den Flur ihrer Wohnung.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;\u00c4m, Meimebwebm! M&#8216; Fwarbfm!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Bitte was?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jans Kopf streckte sich durch den T\u00fcrspalt. Alexa schluckte hastig ihren letzten Bissen herunter und artikulierte geringf\u00fcgig deutlicher:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Meinetwegen. Einen schwarzen Tee h\u00e4tte ich gerne!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein kurzes beiderseitiges L\u00e4cheln sp\u00e4ter war Jan in der K\u00fcche verschwunden und bald darauf h\u00f6rte sie Tassengeklimper und das unstete Rauschen und Gluckern des Wasserkochers. Sie \u00fcberlie\u00df den fetttriefenden unteren Rand ihres Fladenbrotes dem M\u00fcll, als Jan verk\u00fcndete, der Tee sei fertig. Abgek\u00e4mpft &#8211; und jetzt auch noch v\u00f6llig \u00fcberfressen &#8211; schleifte Alexa sich in die K\u00fcche, wo sie bereits ein grinsender Mitbewohner mit 2 dampfenden Tassen in den H\u00e4nden erwartete. Er wirkte ziemlich \u00fcbermotiviert f\u00fcr ihr Empfinden, obwohl er mit seinen dreckigen Tennissocken, den karierten Boxershorts und seinem &#8222;Berlin ist pleite&#8220;-T-Shirt nicht gerade den Eindruck erweckte, arbeitsgeil zu sein.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Also: Wie war die Fahrt?&#8220;<\/em><br \/>\n<em>&#8222;Nervig. Versp\u00e4tung, kalter Zug, ich bin froh, endlich da zu sein&#8230;&#8220;<\/em><br \/>\n<em>&#8222;Nein, ich mein&#8216; jetzt insgesamt!&#8220;<\/em><br \/>\n<em>&#8222;Ach so, ich&#8230;&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Moment sorgte ein f\u00fcr die beiden kaum sp\u00fcrbarer Luftzug daf\u00fcr, dass Jans Zimmert\u00fcre am Ende des Flurs mit vernehmlichem Krachen ins Schloss fiel. Der Schreck f\u00fcr beide war gro\u00df. Da sie sich nicht entscheiden konnten, ob sie tot umfallen oder wegrennen sollten, setzten beide ihre Panik in einer recht ungl\u00fccklichen \u00dcbersprungshandlung um und sch\u00fctteten sich ihren hei\u00dfen Tee gegenseitig aufs Hemd.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die folgenden anderthalb Minuten enthielten 35 &#8222;Ah!&#8220; in unterschiedlichen Lautst\u00e4rken und Tonh\u00f6hen, einige ziemlich unappetitliche Fl\u00fcche, gegenseitige Schuldzuweisungen und ein Gerangel ums Waschbecken mit dem kalten Wasser. Wie in den meisten unsch\u00f6nen Situationen, die die beiden schon durchzustehen hatten, entspannte sich die Lage aber auch jetzt sehr schnell und nachtragend waren sie ohnehin nicht. Sonst w\u00e4ren sie zweifelsohne nie zusammengezogen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die n\u00e4chste Runde Tee wurde wesentlich vorsichtiger genossen, zumindest von Alexas Seite aus. Sie hatte ihr nasses Shirt gegen einen Pullover getauscht. Jan hingegen hatte sich nur des alten Shirts entledigt und sa\u00df nun mit freiem Oberk\u00f6rper am K\u00fcchentisch, was im \u00dcbrigen sehr gut mit der Umgebungstemperatur harmonierte, die dank des altmodischen Heizk\u00f6rpers, der nur die Einstellung &#8222;W\u00fcste&#8220; und &#8222;<a title=\"Wikipedia - Wostok-Station\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wostok-Station\" target=\"_blank\">Wostok<\/a>&#8220; kannte, recht hoch war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass Jan mit seiner begeisterten Begeisterungslosigkeit bez\u00fcglich Sport nicht ganz so gut trainiert war wie die Truppe aus der Schweiz, \u00fcber die sie gerade erz\u00e4hlte, fiel Alexa gar nicht auf, als sie ihn fast nackt am Tisch sitzen sah. Irgendwie war er immer noch ihr Typ. Diese Gedanken schlichen sich immer mal wieder ein, das hatte nicht viel zu bedeuten. Damals, als ihre Beziehung mit seinem Coming-Out ein eher spontanes Ende genommen hatte, war das nat\u00fcrlich f\u00fcr beide nicht leicht gewesen. Heute schmunzelte sie eher dar\u00fcber, dass sie immer noch mit ihrem ersten Freund zusammen wohnte, auch wenn sich zwischenzeitlich herausgestellt hat, dass er schwul war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihre Erz\u00e4hlungen zur Reise waren bestenfalls farblos zu nennen. Eigentlich war sie viel lieber wieder in Berlin und wollte eher wissen, was sich w\u00e4hrend ihrer Abwesenheit hier so ereignet hatte. Dass Jan da der falsche Ansprechpartner war, war ihr bewusst. Seine gelegentlichen Meldungen bei Facebook bestanden meist aus Links zu Filmen, die er sich ansah und aus einzelnen Worten wie &#8222;Bier!&#8220;, &#8222;Spinat!&#8220; oder &#8222;Katerfr\u00fchst\u00fcck&#8220;. Daraus auf die aktuelle Situation in der deutschen Hauptstadt zu schlie\u00dfen, war nicht mal Alexa m\u00f6glich, so gut sie Jan auch kennen mochte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Tee entfaltete indes seine Wirkung und neben der langweiligen Erz\u00e4hlung \u00fcber eigentlich ziemlich geile Urlaubstage beschloss sie, den guten Jan in den n\u00e4chsten Tagen mal wieder ein bisschen vor die T\u00fcre zu zwingen &#8211; ganz egal, wie sehr er sich auch wehrte. Sie beendete die Ausf\u00fchrungen \u00fcber ihren letzten Tag auf der H\u00fctte und f\u00fcgte an:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Morgen mal wieder WG-Einkauf? Kaum noch Zeug da.&#8220;<\/em><br \/>\n<em>&#8222;Hmm, krieg am 15. erst Kohle.&#8220;<\/em><br \/>\n<em>&#8222;Ich leg&#8217;s aus.&#8220;<\/em><br \/>\n<em>&#8222;Mhm, naja, warum nicht?&#8220;<\/em><br \/>\n<em>&#8222;Warum nicht? Sollen wir die ganze Woche nur T\u00fctensuppen&#8230;?&#8220;<\/em><br \/>\n<em>&#8222;Mach ich schon seit vorgestern, die m\u00fcssen auch mal weg!&#8220;<\/em><br \/>\n<em>&#8222;Junge, Jan! DU musst auch mal weg. Wir latschen morgen mal zum Plus r\u00fcber. Meinetwegen auch nachmittags.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lachen. Der Rest des Abends verlor sich in Anekdoten \u00fcber dies und das. Hier nochmal ein bisschen Schweiz, dort ein bisschen WG-Vergangenheit, viel privates. Ihr Schlaf und der von Jan schenken sich nichts. Sie ersch\u00f6pft von der Reise, er vom Aufr\u00e4umen, tr\u00e4umten sie beide einen Haufen wirres Zeug, an das sie sich nach dem Aufwachen nicht mehr erinnerten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><div id=\"polls-20\" class=\"wp-polls\">\n\t\t<p style=\"text-align: center;\"><strong>Was soll die beiden vor dem Einkaufen \u00fcberraschen?<\/strong><\/p><div id=\"polls-20-ans\" class=\"wp-polls-ans\"><ul class=\"wp-polls-ul\">\n\t\t<li>Irgendwas total absurdes. <small>(59%, 69 Votes)<\/small><div class=\"pollbar\" style=\"width: 59%;\" title=\"Irgendwas total absurdes. (59% | 69 Votes)\"><\/div><\/li>\n\t\t<li>Ein Kumpel kommt spontan zu Besuch. <small>(24%, 28 Votes)<\/small><div class=\"pollbar\" style=\"width: 24%;\" title=\"Ein Kumpel kommt spontan zu Besuch. (24% | 28 Votes)\"><\/div><\/li>\n\t\t<li>Alexas Geldbeutel wird geklaut. <small>(9%, 11 Votes)<\/small><div class=\"pollbar\" style=\"width: 9%;\" title=\"Alexas Geldbeutel wird geklaut. (9% | 11 Votes)\"><\/div><\/li>\n\t\t<li>Sie finden noch Essen. <small>(7%, 8 Votes)<\/small><div class=\"pollbar\" style=\"width: 7%;\" title=\"Sie finden noch Essen. (7% | 8 Votes)\"><\/div><\/li>\n\t\t<\/ul><p style=\"text-align: center;\">Total Voters: <strong>116<\/strong><\/p><\/div>\n\t\t<input type=\"hidden\" id=\"poll_20_nonce\" name=\"wp-polls-nonce\" value=\"f2b0bc1699\" \/>\n<\/div>\n<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/ef935e54028840fb9e083fcd2b3e62ce\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach der Odyssee durchs deutsche Schienennetz h\u00e4tte Alexa auf der Stelle einschlafen k\u00f6nnen. Abgesehen von der nicht unbedeutenden Tatsache, dass sie eigentlich nicht wirklich m\u00fcde war. Eher ersch\u00f6pft. 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