{"id":11355,"date":"2012-02-13T13:00:03","date_gmt":"2012-02-13T11:00:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/?p=11355"},"modified":"2012-02-13T06:54:06","modified_gmt":"2012-02-13T04:54:06","slug":"die-geschichte-von-jan-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/2012\/02\/13\/die-geschichte-von-jan-5\/","title":{"rendered":"Die Geschichte von Jan (5)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend Alexa ihren schweren Reisekoffer auf den rudiment\u00e4ren Rollen durchs Geb\u00e4ude des Ostbahnhofs zog, sprang Jan schnell unter die Dusche. Ein Gentleman war er nicht wirklich, aber so langsam fiel selbst ihm auf, dass er nicht mehr ganz nach Mitbewohner, sondern eher nach Stallbenutzer roch. Bei der Gelegenheit konnte er gleich noch hier und da etwas Dreck von den Duscharmaturen wischen und seinem Hals durch die weitgehende Abnahme des Bartes wieder etwas Kontur zur\u00fcckgeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gut, die letzten Wochen zwischen Jacky Cola und Tiefk\u00fchlpizza sah man ihm an, aber abgesehen von einer kleinen Wohlstandsplauze war er eigentlich ein ansehnlicher junger Kerl. Seine halblangen dunkelbraunen Haare pflegte er bewusst nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig, von den Socken bis zum Gesicht bestand er auf einen Used-Look. Aber er geh\u00f6rte zu den Leuten, die sich das erlauben konnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn er seine Brille abnahm &#8211; die v\u00f6llig \u00fcberfl\u00fcssigerweise 5 Jahre nach ihrer Anschaffung auch noch hip geworden war &#8211; und er seinen Bauch ein kleines bisschen einzog, ging er als gut gebauter Student durch und h\u00e4tte sich sicher auch zwischen Alexas Snowboardern sehen lassen k\u00f6nnen. Nur \u00e4nderte sein cooles Aussehen nichts daran, dass er einfach nicht cool war. Er stand nicht auf die angesagte Musik und ging schon deswegen wenig aus. Er stand nicht auf die angesagten Drogen, was ihn in letzter Konsequenz dann wiederum davon abhalten sollte, k\u00fcnftig auf angesagte Musik zu stehen und deswegen \u00f6fter auszugehen. Er stand auch nicht auf angesagte Klamotten, angesagte Leute und angesagte L\u00e4den. Er machte lieber selbst die Ansagen und nahm es mit stoischer Gelassenheit hin, dass seinen Ansagen niemand folgte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er verwendete seinen Rasierer ausschlie\u00dflich f\u00fcrs Gesicht, die einmalige Ausnahme vor ein paar Jahren lie\u00df ihn bis heute wissen, dass es so seine Richtigkeit hatte. W\u00e4hrend er sich einseifte und sich unter dem immer mal wieder in der Temperatur schwankenden Duschstrahl herumdrehte, tat er, was er am liebsten tat: Relaxen, das Hirn ausschalten und sich gelegentlich an die Nudel fassen. Er freute sich auf die R\u00fcckkehr von Alexa, das allerdings hatte nichts miteinander zu tun. Ja, sie waren mal kurz zusammengewesen, aber dass sie jetzt einfach zusammen wohnten, machte die Sache um einiges einfacher.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich hatten sie reihenweise Leute kennengelernt, bei denen das anders war. Auch ein Grund, warum Jan es genoss, anders zu sein als die meisten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alexa schleppte sich durch die Bahnhofshalle, lie\u00df sich einen D\u00f6ner einpacken und sah vor der gro\u00dfen Glasfront die ein oder andere Schneeflocke hinabsinken. Der Tritt durch die Schiebet\u00fcr lie\u00df sie abermals ob der K\u00e4lte erschaudern, sie hatte beschlossen, ein Taxi zu nehmen. Aber welches von den 25?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Etwas stockend orientierte sie sich nach links und steuerte ohne es wirklich zu wissen auf den ersten in der Schlange zu.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Sind sie frei?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">piepste sie mehr als dass sie sprach. Ihre Stimme hatte etwas gelitten unter dem wochenlangen Missbrauch von Gras und Alkoholika in Zusammenkunft mit der vielen kalten Luft.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Hier ist Berlin und ick bin frei!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ralf, der kleine und rundliche Taxifahrer, hatte glatte anderthalb Stunden auf diese Tour gewartet. Dass es kein gro\u00dfer Wurf werden w\u00fcrde, war ihm klar, als der das Gep\u00e4ck sah. Die klassische Fahrt vom Bahnhof ums Eck nach Friedrichshain. Oder vielleicht Kreuzberg.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Na reich ma den Koffer, Keule! H\u00e4tteste mal besser&#8217;n Gaul mitjebracht f\u00fcr dit Mordsding!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ralf hatte nicht selten Kunden verjagt mit seinem etwas sonderbaren Humor. Dabei meinte er es nicht wirklich b\u00f6se. Er machte einfach gerne Scherze und er k\u00fcmmerte sich eben nicht drum, ob sie bei seinem Publikum ankamen oder nicht.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Ich m\u00fcsste nur kurz in die K\u00f6penicker Stra\u00dfe&#8230;&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Kurz? Kurz is jut. Aber wee\u00dfte, ick kenn noch&#8217;n paar K\u00f6penicker. Machen wir &#8217;ne Rundtour, ha&#8217;m wa beide was von!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alexa zuckte zur\u00fcck. Sollte sie wirklich den Kerl&#8230;? Ach, ist auch egal. Hauptsache heim!<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Was kostet das denn etwa?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Anbetracht der umherhetzenden Kugel, die Ralfs Bauch war, war nichts mehr zu sp\u00fcren von ihrem eigentlich so ausgepr\u00e4gten Selbstwertgef\u00fchl. Sie wollte doch nur nach Hause!<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;K\u00f6nn&#8216; wa halten wie die uff&#8217;m Dach! Bring dir nach Biesdorf, kost&#8216; 20. Bring dir nach&#8230; is auch ejal! Willst nach Kreuzberg, wa?&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;\u00c4h, ja.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Na machen wa&#8217;n F\u00fcnfer. Kannst aber auch mit&#8217;n Kollejen hinter mir fahr&#8217;n. Der kennt&#8217;n paar nette Umwege. Der is da so jut, det merk ick selbst nich&#8216; mal!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;\u00c4h&#8230;&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Nu komm rin, Keule! Ick bring dir \u00fcbern Flu\u00df, ist schon ok!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend der Fahrt stellte sie fest, dass Ralf eigentlich ein ganz netter Kerl war, ein bisschen vorlaut vielleicht. Wahrscheinlich genauso ein Chaot wie Jan. Sie musste ein wenig schmunzeln. Solche Originale fand man wahrscheinlich wirklich nur in Berlin. Ihre Fahrt hatte \u00fcber 12 Stunden gedauert, sie war durchgefroren, leicht erk\u00e4ltet und geschw\u00e4cht vom vielen Sport und den Exzessen auf der H\u00fctte abends. Wohnung, Jan begr\u00fc\u00dfen, Bettchen! F\u00fcr mehr war sie heute nicht mehr zu gebrauchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf der anderen Seite der Spree angekommen, keine 3 Minuten nach Fahrtantritt, verabschiedete sie sich ziemlich hektisch von Ralf. Dieser hatte es in den letzten Sekunden noch geschafft, sein Trinkgeld auf beinahe den Fahrpreis zu erh\u00f6hen, indem er ihr irgendeine Story von russischen Kunden vorgebetet hatte, die er am Abend zuvor im Auto gehabt haben wollte. Wie dem auch sei!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das vom Ru\u00df des Verkehrs leicht graubraun verschmutzte Haus ragte steil vor ihr empor und sie freute sich mit jedem Schritt mehr. W\u00e4hrend Ralfs Reifen auf der Stra\u00dfe beim Wenden quietschten, erklomm sie Stufe um Stufe des Altbaus um nach 3 Stockwerken vor der T\u00fcre zu stehen. Ihrer T\u00fcre! Die T\u00fcre der ersten &#8222;eigenen&#8220; Wohnung. Glas, umrahmt von absplitterndem braunen Lack. Daneben eine Messing-Klingelknopf und zwei auf einem Papierstreifen aufgemalten Namen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Merkel &amp; Suhlisch&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zuhause.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie kramte in der Tasche nach ihren Schl\u00fcsseln und als sie sie gerade ins Schloss stecken wollte, \u00f6ffnete sich die T\u00fcr wie von Zauberhand, w\u00e4hrend dahinter ein dunkler Schatten vorbeihuschte:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\"><em>&#8222;Moin Alex, wart kurz, ich sollte mir noch was anziehen&#8230;&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">rief Jan im Vor\u00fcbergehen. Sie l\u00e4chelte erleichtert, w\u00e4hrend sie beim Eintreten gerade noch den knackigen Hintern ihres nackten Mitbewohners in seinem Zimmer verschwinden sah. Es war also alles wie immer. Sch\u00f6n. Sie glaubte ein leises Knirschen zu h\u00f6ren, als sie den L\u00e4ufer im Flur betrat, k\u00fcmmerte sich aber nicht darum. Sie lie\u00df ihr Gep\u00e4ck im Flur stehen, \u00f6ffnete die T\u00fcre ihres Zimmers und schmiss sich aufs Bett. Ja, das war gut!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><div id=\"polls-19\" class=\"wp-polls\">\n\t\t<p style=\"text-align: center;\"><strong>Was sollte Jan nun machen?<\/strong><\/p><div id=\"polls-19-ans\" class=\"wp-polls-ans\"><ul class=\"wp-polls-ul\">\n\t\t<li>Alexa bei einem Tee in der K\u00fcche \u00fcber die Reise ausquetschen. <small>(35%, 37 Votes)<\/small><div class=\"pollbar\" style=\"width: 35%;\" title=\"Alexa bei einem Tee in der K\u00fcche \u00fcber die Reise ausquetschen. (35% | 37 Votes)\"><\/div><\/li>\n\t\t<li>Alexa vorschlagen, runter in die Eckkneipe zu gehen. <small>(32%, 34 Votes)<\/small><div class=\"pollbar\" style=\"width: 32%;\" title=\"Alexa vorschlagen, runter in die Eckkneipe zu gehen. (32% | 34 Votes)\"><\/div><\/li>\n\t\t<li>Markus anrufen, ob er nicht vorbeikommen will. <small>(20%, 21 Votes)<\/small><div class=\"pollbar\" style=\"width: 20%;\" title=\"Markus anrufen, ob er nicht vorbeikommen will. (20% | 21 Votes)\"><\/div><\/li>\n\t\t<li>Alexa in Ruhe lassen, sie hatte eine lange Fahrt. <small>(15%, 16 Votes)<\/small><div class=\"pollbar\" style=\"width: 15%;\" title=\"Alexa in Ruhe lassen, sie hatte eine lange Fahrt. (15% | 16 Votes)\"><\/div><\/li>\n\t\t<\/ul><p style=\"text-align: center;\">Total Voters: <strong>107<\/strong><\/p><\/div>\n\t\t<input type=\"hidden\" id=\"poll_19_nonce\" name=\"wp-polls-nonce\" value=\"27a7f5943d\" \/>\n<\/div>\n<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/37187e5ac3a840f0acd372f3d4c3244b\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend Alexa ihren schweren Reisekoffer auf den rudiment\u00e4ren Rollen durchs Geb\u00e4ude des Ostbahnhofs zog, sprang Jan schnell unter die Dusche. 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