{"id":11333,"date":"2012-02-10T13:00:58","date_gmt":"2012-02-10T11:00:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/?p=11333"},"modified":"2012-02-10T04:21:06","modified_gmt":"2012-02-10T02:21:06","slug":"die-geschichte-von-jan-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/2012\/02\/10\/die-geschichte-von-jan-3\/","title":{"rendered":"Die Geschichte von Jan (3)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Jans Hochgef\u00fchl ob seiner heldenhaften Zur\u00fcckweisung des dringenden Bankproblems hielt einige Zeit an. In den letzten anderthalb Tagen hatte er sich mehrmals moralisch hochgezogen an der Tatsache, gerade kein dringendes Problem zu haben. Auf der Suche nach einem L\u00f6ffel f\u00fcr seinen Joghurt hatte er sogar zwischen zwei Filmen die Zeit gefunden, eine Sp\u00fclmaschine einzur\u00e4umen. Ganz seiner neuen Pragmatik folgend ging er dabei so logisch wie m\u00f6glich vor. Denn nat\u00fcrlich h\u00e4tte sein Geschirr allenfalls in Scherben zersplittert komplett in die Maschine gepasst. So sah er sich gezwungen &#8211; nein, er erarbeitete aus freien St\u00fccken den Plan! &#8211; das Ger\u00e4t zun\u00e4chst mit den Sachen zu f\u00fcllen, die er am dringlichsten ben\u00f6tigte:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">M\u00fcslisch\u00fcsseln: Ja.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gl\u00e4ser: Ja.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Besteck: Ein paar L\u00f6ffel, ein paar Gabeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tassen: Kaffee war alle, also wozu?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er arbeitete auf diesem Wege immerhin gen\u00fcgend vom Stapel ab, um den Tisch freizur\u00e4umen und den Rest des Zeugs auf die Arbeitsfl\u00e4che zu verfrachten. Schwer mit Tellern bewaffnet wie h\u00f6chstens die bef\u00e4higtsten Kellner ihrer Zunft verlud Jan das Lotterleben der letzten zwei Wochen auf einen fast schon nett anzusehenden Haufen hinten im Eck der K\u00fcche. Im Grunde konnte er damit schon relativ zufrieden sein, denn erstens hatte er sein Arbeitspensum rein mathematisch verunendlichfacht, zweitens hatte er jetzt einen L\u00f6ffel f\u00fcr seinen Joghurt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seine Tage verbrachte er weitgehend sinnlos im Internet, wo er sich die Filme runterlud, zwischen denen er gelegentlich an die Hausarbeit dachte. Das Haus hatte er seit dem Bankanruf nicht mehr verlassen, sogar das Duschen hat er aufgeschoben, wenngleich die Sp\u00fclmaschine inzwischen besser roch als er. Aber Jan w\u00e4ren gen\u00fcgend Gr\u00fcnde daf\u00fcr eingefallen, notfalls h\u00e4tte er mit irgendwelchen Umfragen in drittklassigen Blogs zu belegen versucht, dass er am Duschen gehindert wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am fr\u00fchen Morgen des 10. Februars weckte ihn ein ausgesprochen ungem\u00fctliches Ger\u00e4usch. Ungem\u00fctlich war es deswegen, weil er es selbst so eingestellt hatte. Der Klingelton, der einen Anruf seiner Mitbewohnerin Alexa anzeigte, war mit voller Absicht das nervigste Kreischen, das er jemals als Tondatei auf seinem Handy gespeichert hatte. Das Kreischen von Alexa.<br \/>\nAufgenommen hatten sie es an einem gem\u00fctlichen WG-Abend, bei dem sie sich in volltrunkenem Zustand zu irgendwelchen Widerw\u00e4rtigkeiten zu \u00fcberreden versuchten. Soweit er sich erinnern konnte, war es Alexas Reaktion auf die Ank\u00fcndigung, an Markus Unterhosen riechen zu m\u00fcssen. So genau hatte er es nicht mehr im Kopf, vielleicht ging es auch um seine Unterw\u00e4sche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alexa jedenfalls, derzeit beim Snowboarden mit irgendwelchen scharfen Typen in der tiefsten Schweiz, hatte versprochen, den noch unklaren Zeitpunkt ihrer R\u00fcckkehr mit einem Telefonat anzuk\u00fcndigen &#8211; einfach, weil sie beide um Jans Ordnungssinn Bescheid wussten, jedoch unterschiedliche Einstellungen dazu hatten. Und er wollte keinesfalls unvorbereitet auf Alexa treffen, nur weil er den Anruf verpasste!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das wilde Schreien holte Jan zwar nicht aus den tiefsten je gehabten Tr\u00e4umen, aber immerhin kamen nackte Menschen drin vor, schade war es also irgendwie trotzdem. Das darauf folgende Telefonat war k\u00fcrzer als das mit der Bank, insbesondere weil Jan sich nicht gerade aktiv am Verlauf beteiligte. Er belie\u00df es bei einem Grunzen hier und da und verabschiedete sich mit einem halblebigen &#8222;Bis dann&#8220; &#8211; Alexa kannte seine Morgenlaunen wenigstens und nahm sie ihm nicht \u00fcbel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Siedend hei\u00df schoss Jan aber in den Kopf, was sie ihm \u00fcbel nehmen k\u00f6nnte: Den Zustand der Wohnung. Und zwar trotz seiner bisherigen Bem\u00fchungen in so ziemlich allen Details. Und das sollte er dem Haussegen zuliebe bis Sonntag Abend hinkriegen. Jan vergewisserte sich noch einmal, dass es wirklich erst Freitag war und schlief beherzt weiter. Als er erneut erwachte, war die R\u00fcckkehr von Alexa nur noch eine diffuse Bedrohung in den hintersten Winkeln seines Gehirns. Und hey: Sonntag! Da ist noch Luft!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber, seinen Tatendrang nicht ganz unterdr\u00fcckend, beschloss er, wenigstens einen Raum noch an diesem Abend f\u00fcr ihre Ankunft &#8211; wenigstens oberfl\u00e4chlich! &#8211; in Schuss zu bringen.<\/p>\n<p>\u00a0<div id=\"polls-17\" class=\"wp-polls\">\n\t\t<p style=\"text-align: center;\"><strong>Was sollte Jan jetzt machen?<\/strong><\/p><div id=\"polls-17-ans\" class=\"wp-polls-ans\"><ul class=\"wp-polls-ul\">\n\t\t<li>In der K\u00fcche loslegen, dann ist das Gr\u00f6bste schon weg! <small>(50%, 53 Votes)<\/small><div class=\"pollbar\" style=\"width: 50%;\" title=\"In der K\u00fcche loslegen, dann ist das Gr\u00f6bste schon weg! (50% | 53 Votes)\"><\/div><\/li>\n\t\t<li>Den Flur fegen und chillen... <small>(19%, 20 Votes)<\/small><div class=\"pollbar\" style=\"width: 19%;\" title=\"Den Flur fegen und chillen... (19% | 20 Votes)\"><\/div><\/li>\n\t\t<li>Nicht aufr\u00e4umen, ihr aber ein Geschenk zum Ausgleich machen. <small>(17%, 18 Votes)<\/small><div class=\"pollbar\" style=\"width: 17%;\" title=\"Nicht aufr\u00e4umen, ihr aber ein Geschenk zum Ausgleich machen. (17% | 18 Votes)\"><\/div><\/li>\n\t\t<li>Drauf schei\u00dfen. Wenn sie es ordentlich haben will, soll sie selbst... <small>(14%, 15 Votes)<\/small><div class=\"pollbar\" style=\"width: 14%;\" title=\"Drauf schei\u00dfen. Wenn sie es ordentlich haben will, soll sie selbst... (14% | 15 Votes)\"><\/div><\/li>\n\t\t<\/ul><p style=\"text-align: center;\">Total Voters: <strong>106<\/strong><\/p><\/div>\n\t\t<input type=\"hidden\" id=\"poll_17_nonce\" name=\"wp-polls-nonce\" value=\"ab8ae26cf1\" \/>\n<\/div>\n<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/def8f91debb34473b27528c91a1c93f0\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jans Hochgef\u00fchl ob seiner heldenhaften Zur\u00fcckweisung des dringenden Bankproblems hielt einige Zeit an. In den letzten anderthalb Tagen hatte er sich mehrmals moralisch hochgezogen an der Tatsache, gerade kein dringendes Problem zu haben. 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