{"id":11322,"date":"2012-02-08T12:00:41","date_gmt":"2012-02-08T10:00:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/?p=11322"},"modified":"2013-05-25T07:09:39","modified_gmt":"2013-05-25T05:09:39","slug":"die-geschichte-von-jan-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/2012\/02\/08\/die-geschichte-von-jan-2\/","title":{"rendered":"Die Geschichte von Jan (2)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Zun\u00e4chst einmal musste er sich erinnern, warum er sich den Wecker gestellt hatte. Er \u00fcberlegte kurz zu duschen, verwarf den Gedanken aber nach einem kurzen aber intensiven Geruchstest unter seinen Achseln. Er stand in der K\u00fcche, blickte auf die Spree, die zwischen den gegen\u00fcberliegenden H\u00e4usern durch die kahlen B\u00e4ume gerade so zu erkennen war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum sollte er sich einen Wecker stellen? Es ergab keinen Sinn. Er war heute ganz alleine in seiner Bude, er erwartete keinen Besuch und er hatte keine Termine. Wozu also h\u00e4tte er sich absichtlich im Ausschlafen seines Rausches sabotieren sollen? Er blickte sich im Raum um, in dem er am vorigen Abend seine geistige Umnachtung zelebriert haben musste. Ein voller Aschenbecher, zwei benutzte T\u00f6pfe, das Glas mit dem Killerdrink von vorhin, noch zwei benutzte T\u00f6pfe. Eine Pfanne und ein Haufen Kartoffelschalen verzierten den kleinen Tisch, umringt von acht halbleeren oder leeren Gl\u00e4sern, auf die kunstvoll zwei vollgekr\u00fcmelte Teller gestapelt waren.<br \/>\nDaneben stand sein eigentlicher Turm aus ungesp\u00fcltem Geschirr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im offenen K\u00fcchenschrank fand sich neben der ausgelutschten Jacky-Flasche ein bisschen Fertigessen und ein halbes Netz Kartoffeln. Sein trautes Heim hatte ohne jede Frage schon bessere Tage gesehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er konnte sp\u00e4ter nicht mehr sagen, ob er zuerst das Blatt Papier gesehen und sich dann erinnert hat, oder ob es umgekehrt war. Er zog das mit dem quadratischen Abdruck der Whisky-Flasche verzierte Schriftst\u00fcck mit dem roten Logo hervor und setzte sich erstmal. Die Bank!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es musste ungef\u00e4hr zwei Wochen her sein, da hatte sein Bankberater, Norbert Fritsche, ihm diesen Brief geschrieben, in dem er um eine Terminabsprache bat. Das konnte unm\u00f6glich etwas Gutes bedeuten &#8211; der Hauptgrund, weswegen Jan sich bisher nicht dort gemeldet hatte. Sein Konto war eigentlich immer komplett leer gewesen, mit M\u00fch und Not hatte er sich vor zwei Jahren von einem Dispo befreit, dessen Ausnutzung ihn j\u00e4hrlich rund 400 \u20ac mehr kostete, als er hatte &#8211; also ziemlich genau 400 \u20ac.<br \/>\nVor einem Monat ging dann einiges mit ein paar \u00dcberweisungen schief, bzw. eigentlich war an der Sache nur eines schief: Die Deckung des Kontos reichte nicht. Somit stand er bei der Bank ein paar Taler in der Kreide, ungewollt und unerlaubt. Kein Zweifel, dass der Fritsche diese Dreizehnzwanzich jetzt von ihm einfordern w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der letzten Nacht hatte Jan die Art Geistesblitz, die nur Betrunkene zustandebringen: Gleicherma\u00dfen deprimiert vom Zustand seines Lebens, aber alkoholbedingt in unglaublichem Tatendrang gefangen, hatte er irgendwann gegen 4:30 Uhr beschlossen, sein Leben grunds\u00e4tzlich zu \u00e4ndern. Den Brief der Bank hatte er zwischen den Kartoffeln und einer Maggi-Fix-f\u00fcr-irgendwas-Packung gefunden und ob dieses offensichtlichen Missstandes &#8211; beinahe h\u00e4tte er ihn mitgekocht &#8211; fiel der Entschluss, mit genau diesem Termin alles zu beginnen. Nachdem er das Sch\u00e4lmesser gerade noch rechtzeitig von seinem Wecker abgesetzt hatte, speicherte er seine Weckzeit am fr\u00fchen Mittag ein, mit verbissenem Stolz, die Zunge aus dem Mundwinkel dr\u00fcckend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit einer f\u00fcr seinen Zustand beachtlichen Selbstreflexion hatte er die Zeit auf 5 Stunden und 13 Minuten vor das Ende der Bank\u00f6ffnungszeiten gelegt, ausreichend also, um sich auf ein Telefonat vorzubereiten. Jetzt, halbwegs ern\u00fcchtert am K\u00fcchentisch sitzend, kam ihm das alles gar nicht mehr so gro\u00dfartig vor. Dieser Fritsche war ein Lackaffe, der nervte ihn eigentlich schon immer!<br \/>\nAu\u00dferdem: Ein bisschen Geld bekam er zum F\u00fcnfzehnten von seinen Eltern geschickt, bis dato w\u00fcrde er die Kohle schuldig bleiben m\u00fcssen. Und Fritsche w\u00fcrde ihm bestimmt was erz\u00e4hlen von Vorschriften und Abl\u00e4ufen, Protokollen &#8211; und dass Ausnahmen &#8222;leider&#8220; nicht m\u00f6glich w\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jan \u00fcberlegte, was er ihm sagen sollte, wie er ihn wenigstens bis n\u00e4chsten Monat oder so vertr\u00f6sten k\u00f6nnte. Seine Gedanken kreisten um Drohungen, die Bank zu wechseln und um j\u00e4mmerliches Flehen. Das Konto sperren d\u00fcrften sie ihm nicht, er hatte nur das eine. Und wegen Dreizehnzwanzich!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Sonne war noch nicht untergegangen, da f\u00fchlte er sich bereit. Er schritt mit leicht wackeligen Knieen &#8211; er hasste sowas wirklich! &#8211; zum Festnetztelefon im engen Flur und hielt sich den Zettel vors Gesicht, um die Nummer zu lesen. Immerhin gleich eine Durchwahl. Tipptipptipp. Tut-tut-tut.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Berliner Sparkasse Kreuzberg, Sie sprechen mit Norbert Fritsche.&#8220;<\/em><br \/>\n<em>&#8222;Jan Merkel. Sie wollten einen Termin mit mir?&#8220;<\/em><br \/>\n<em>&#8222;Herr Merkel! Sehr sch\u00f6n, dass Sie anrufen. Ich h\u00e4tte da etwas mit ihnen zu besprechen.&#8220;<\/em><br \/>\n<em>&#8222;Was denn?&#8220;<\/em><br \/>\n<em>&#8222;Herr Merkel, haben Sie sich schon einmal Gedanken um ihre Altersvorsorge gemacht?&#8220;<\/em><br \/>\n<em>&#8222;\u00c4h, nein.&#8220;<\/em><br \/>\n<em>&#8222;Herr Merkel, da muss man sich heute fr\u00fchzeitig k\u00fcmmern. Sie k\u00f6nnen von vielen staatlichen F\u00f6rderungen profitieren, wenn Sie bereits jetzt beginnen&#8230;&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jan schwankte zwischen Erleichterung und Abscheu. Der ganze Stress f\u00fcr, ganz ehrlich, Werbung? Also eigentlich aber gar kein Stress oder wie?<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Herr Merkel, sind Sie noch dran?&#8220;<\/em><br \/>\n<em>&#8222;Wie? \u00c4h ja. Sie wollen mich blo\u00df wegen der Altersvor&#8230;&#8220;<\/em><br \/>\n<em>&#8222;Herr Merkel, es ist nicht blo\u00df EINE Altersvorsorge. Es geht um ihre Zukunft!&#8220;<\/em><br \/>\n<em>&#8222;Vielen Dank Herr Fritsche, aber ich habe kein Interesse.&#8220;<\/em><br \/>\n<em>&#8222;Herr Merkel, bitte denken Sie noch einmal&#8230;&#8220;<\/em><br \/>\n<em>&#8222;Nein! Vielen Dank!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Telefonat war schneller beendet als es begonnen hatte und Jan f\u00fchlte sich gut. Mit Elan legte er das Telefon zur\u00fcck in die Ladestation und war \u00fcbergl\u00fccklich, dass er doch keine Geldsorgen hatte. Also nicht so direkt, eigentlich ja schon, das versteht ihr nicht! So w\u00fcrde er es jedenfalls seinen Eltern erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er t\u00e4nzelte zur\u00fcck in die K\u00fcche und war stolz, den ersten Schritt getan zu haben. In einer Drehbewegung griff er aus dem untersten Regalfach eine frische Cola und rutschte mit seinen Hausschuhen schwungvoll vor den K\u00fchlschrank, wobei ihn die Verletzung von seinem Wecker nur kurz schmerzvoll aufschreien lie\u00df. Er fummelte eine Funghi-Pizza aus dem Eisfach und stellte den Backofen ein. Jetzt w\u00fcrde er es sich erstmal mit einem Filmchen gem\u00fctlich machen. Genug gearbeitet f\u00fcr heute!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><div id=\"polls-16\" class=\"wp-polls\">\n\t\t<p style=\"text-align: center;\"><strong>Welches Ereignis kommt als n\u00e4chstes auf Jan zu?<\/strong><\/p><div id=\"polls-16-ans\" class=\"wp-polls-ans\"><ul class=\"wp-polls-ul\">\n\t\t<li>Seine Mitbewohnerin kommt verfr\u00fcht aus dem Urlaub. <small>(39%, 52 Votes)<\/small><div class=\"pollbar\" style=\"width: 39%;\" title=\"Seine Mitbewohnerin kommt verfr\u00fcht aus dem Urlaub. (39% | 52 Votes)\"><\/div><\/li>\n\t\t<li>Er bekommt ein P\u00e4ckchen. <small>(35%, 47 Votes)<\/small><div class=\"pollbar\" style=\"width: 35%;\" title=\"Er bekommt ein P\u00e4ckchen. (35% | 47 Votes)\"><\/div><\/li>\n\t\t<li>Er bekommt unangenehme Amtspost. <small>(13%, 18 Votes)<\/small><div class=\"pollbar\" style=\"width: 13%;\" title=\"Er bekommt unangenehme Amtspost. (13% | 18 Votes)\"><\/div><\/li>\n\t\t<li>Das Essen geht aus und er muss einkaufen gehen. <small>(13%, 18 Votes)<\/small><div class=\"pollbar\" style=\"width: 13%;\" title=\"Das Essen geht aus und er muss einkaufen gehen. (13% | 18 Votes)\"><\/div><\/li>\n\t\t<\/ul><p style=\"text-align: center;\">Total Voters: <strong>135<\/strong><\/p><\/div>\n\t\t<input type=\"hidden\" id=\"poll_16_nonce\" name=\"wp-polls-nonce\" value=\"2c75160ecf\" \/>\n<\/div>\n<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/da\/4080b890426043f798d5a2fde30d465a\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zun\u00e4chst einmal musste er sich erinnern, warum er sich den Wecker gestellt hatte. Er \u00fcberlegte kurz zu duschen, verwarf den Gedanken aber nach einem kurzen aber intensiven Geruchstest unter seinen Achseln. 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