{"id":11290,"date":"2012-01-31T03:41:31","date_gmt":"2012-01-31T01:41:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/?p=11290"},"modified":"2012-01-31T03:43:54","modified_gmt":"2012-01-31T01:43:54","slug":"heveling","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/2012\/01\/31\/heveling\/","title":{"rendered":"Heveling&#8230;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Die Wellen des Netzes haben gestern ja mal wieder etwas h\u00f6her geschlagen. Ansgar Heveling, CDU-MdB und wie jeder unversierte Netznutzer Mitglied der Enquete-Komission &#8222;Internet und digitale Gesellschaft&#8220; hat sich in <a title=\"Handelsblatt - Netztgemeinde, ihr werdet den Kampf verlieren!\" href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/meinung\/gastbeitraege\/gastkommentar-netzgemeinde-ihr-werdet-den-kampf-verlieren\/6127434.html\" target=\"_blank\">einem Gastkommentar f\u00fcrs Handelsblatt<\/a> auf arg d\u00fcnnes Eis begeben, indem er &#8222;der Netzgemeinde&#8220; zurief: &#8222;Ihr werdet verlieren!&#8220;<br \/>\nDie ganze Chose ist sicher nicht nur eindimensional zu betrachten, ich empfehle unbedingt auch den Text von Thomas Kn\u00fcwers, <a title=\"Indiskretion Ehrensache - Das Handelsblatt - Der Boulevard-Troll\" href=\"http:\/\/www.indiskretionehrensache.de\/2012\/01\/ansgar-heveling-handelsblatt\/\" target=\"_blank\">der das Handelsblatt bezichtigt<\/a>, den Skandal durchaus gewollt zu haben. Nichtsdestotrotz hat Ansgar Heveling einen so saubl\u00f6den Text verfasst, in dem er mit der Netzgemeinde auch mich als Heavy User des Internets direkt angreift. Grund genug, einen offenen Brief &#8211; nat\u00fcrlich nur echt im Internet! &#8211; zur\u00fcckzuschreiben. Zum Thema an sich empfehle ich zudem die Texte auf <a title=\"netzpolitik.org - Die B\u00fcttenrede des Ansgar Heveling zur Netzpolitik\" href=\"http:\/\/netzpolitik.org\/2012\/die-buttenrede-des-ansgar-heveling-zur-netzpolitik\/\" target=\"_blank\">netzpolitik.org<\/a> und <a title=\"Spiegel online - CDU-Hinterb\u00e4nkler trollt die Netzgemeinde\" href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/netzpolitik\/0,1518,812249,00.html\" target=\"_blank\">Spiegel online<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Offener Brief an Ansgar Heveling<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sehr geeh&#8230; ach, egal. Wir sind im Netz, ich muss ja per se B\u00f6se sein:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hey, Heveling!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sagen Sie mal, geht&#8217;s noch?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenngleich ich gerne lachend \u00fcber Menschen hinwegsehe, die das Internet immer noch als eine andere Welt und irgendwie als Einheit betrachten, anstatt zu akzeptieren, dass es eine einfache Erweiterung des realen Lebens ist, f\u00e4llt mir das bei ihnen schwer. Sie sitzen in einer &#8211; zumindest verglichen mit mir &#8211; machtvollen Position im deutschen Bundestag und was ihnen zum Internet einf\u00e4llt, ist eine Kampfrede, wie wir sie seit den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts nicht mehr h\u00f6ren mussten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An der durchaus sinnvollen Debatte \u00fcber <a title=\"Wikipedia - SOPA\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/SOPA\" target=\"_blank\">SOPA<\/a> und PIPA h\u00e4ngen sie sich auf und erkennen einen Kampf:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Es ist der Kampf zwischen der sch\u00f6nen neuen digitalen Welt und dem realen Leben. W\u00e4hrend die &#8222;digital natives&#8220; den realen Menschen zum Dinosaurier erkl\u00e4ren, vergessen sie dabei, dass es sich bei dieser Lebensform um die gro\u00dfe Mehrheit der Menschen handelt.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, vielleicht halte ich sie f\u00fcr einen Dinosaurier. Denn ganz offensichtlich teilen sie mit diesen bedauernswerten Kreaturen eine gewisse Engstirnigkeit. Ich wage massiv zu bezweifeln, dass es lange dauert, bis die \u00fcberwiegende Mehrheit der Menschen an der digitalen Welt teilnimmt, und die angesprochenen Gesetzentw\u00fcrfe betreffen sie alle gleicherma\u00dfen. Beachtenswert finde ich, dass sie die Realit\u00e4t so deutlich vom Internet trennen, aber ein enormes Interesse daran zu haben scheinen, dem Internet von au\u00dfen Vorschriften zu machen. Merken sie was? W\u00e4re das im Netz nicht alles auch irgendwie real, br\u00e4uchten sie sich gar nicht vor irgendetwas sorgen!<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Die mediale Schlachtordnung der letzten Tage erweckt den Eindruck, wir seien im dritten Teil von &#8222;Der Herr der digitalen Ringe&#8220; angekommen, und der Endkampf um Mittelerde stehe bevor.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bitte was?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich erkl\u00e4re ihnen mal was: Ich bin selbst ein gro\u00dfer Freund von Metaphern aller Art. Aber einfach irgendwo ein d\u00fcmmliches &#8222;digital&#8220; einzuschieben, macht sie nicht originell, sondern, nun ja, d\u00fcmmlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weiter schreiben sie von &#8222;Helden von Bits und Bytes&#8220;, von &#8222;K\u00e4mpfer(n) f\u00fcr 0 und 1&#8220;, insgesamt bedient sich ihre Rhetorik reichlich unangemessen am Vokabular aus Kriegstagen und das sollte ihnen, dem geschichtsbewussten Politiker, doch auffallen.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Und das ist nicht die Offenbarung eines einsamen Apokalyptikers [&#8230;]&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ach nein? Die Gegenbeweise will ich gerne mal sehen. Und sie gehen ja wirklich aufs Ganze:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Auch wenn das Web 2.0 als imagin\u00e4res Lebensgef\u00fchl einer verlorenen Generation schon bald Geschichte sein mag, so hat es allemal das Zeug zum Destruktiven. Wenn wir nicht wollen, dass sich nach dem Abzug der digitalen Horden und des Schlachtennebels nur noch die ruinenhaften St\u00fcmpfe unserer Gesellschaft in die Sonne recken und wir auf die verbrannte Erde unserer Kultur schauen m\u00fcssen, dann hei\u00dft es, jetzt wachsam zu sein.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sicher wird sich das Web 2.0 weiterentwickeln und somit quasi verschwinden. Woher sie allerdings ihre apokalyptischen Bef\u00fcrchtungen hernehmen, frage nicht nur ich mich. Sind sie vielleicht einfach angepisst, dass sie jemand Dinosaurier genannt hat? Wie k\u00f6nnen sie &#8222;die Netzgemeinde&#8220; zu einer &#8222;digitalen Horde&#8220; machen, vor der man die Kultur sch\u00fctzen muss und im Satz danach forden, &#8222;unsere b\u00fcrgerliche Gesellschaft auch im Netz zu verteidigen&#8220;?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wirklich geil fand ich allerdings die Herleitung unserer Gesellschaftswerte &#8222;Freiheit, Demokratie und Eigentum&#8220; von der franz\u00f6sischen Revolution. Chapeau! Wir wissen schlie\u00dflich alle, dass die gr\u00f6\u00dfter Errungenschaft dieser Revolution das geistige Eigentum war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier bitte ich \u00fcbrigens darum, mich nicht falsch zu verstehen. Ich bin sowohl ein Mitglied der Netzgemeinde als auch das, was bei ihnen im Freundeskreis wahrscheinlich &#8222;Content-Produzent&#8220; oder so \u00e4hnlich hei\u00dft. Irgendwie sehe ich trotzdem keinen Grund, die &#8211; im \u00fcbrigen durchaus auch sehr b\u00fcrgerlichen &#8211; Freiheiten von ein paar Gesetzen einschr\u00e4nken zu lassen, die sich mit vier Buchstaben abk\u00fcrzen lassen. SOPA, PIPA, ACTA. Ein gepflegtes LMAA dazu von meiner Seite!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Selbst Sie scheinen zwischendurch erkannt zu haben, dass es eigentlich nicht ums Netz selbst geht:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Nicht, weil Bits und Bytes aus sich heraus wie kleine Pacmans an den Ideen und Idealen unserer b\u00fcrgerlichen Gesellschaft knabbern w\u00fcrden. Nein, es sind die Menschen, die hinter den Maschinen sitzen und eine andere Gesellschaft wollen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nochmal: Merken Sie was?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was glauben sie, was ich mir f\u00fcr krude Beschreibungen \u00fcber ihre Partei einfallen lassen m\u00fcsste, wenn ich \u00e4hnlich falsch und bekloppt vorgehen wollte wie Sie? Sie schreiben allen Ernstes folgendes:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Es ist eine unheilige Allianz aus diesen &#8222;digitalen Maoisten&#8220; und kapitalstarken Monopolisten, die hier am Werk ist.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jetzt sagen Sie blo\u00df, ihnen ist entgangen, dass es im Netz auch vor Juden nur so wimmelt!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur weil Menschen das Internet f\u00fcr ihre Arbeit und ihre Freizeit nutzen, haben sie doch keine bestimmte Gesinnung. Schauen Sie sich mal in den Reihen ihrer Partei um! Wollen sie Angela Merkel demn\u00e4chst terroristische Tendenzen unterstellen, weil sie einen Podcast unterh\u00e4lt? Und wenn ja: Ist sie jetzt eher Monopolist oder Maoist? Ich bin mir da noch etwas uneins.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend Sie Google und Wikipedia wegen ihrer verzweifelten Versuche, auf politische Mi\u00dfst\u00e4nde hinzuweisen, zurufen von welcher Hybris sie gepr\u00e4gt seien, wischen Sie den Fakt beiseite, dass das von ihnen viel gelobte &#8222;Wissen und vor allem die Weisheit der Welt&#8220; eben nicht nur in den K\u00f6pfen der Menschen liegt, sondern gerade \u00fcber die genannten Plattformen verbreitet wird, wie niemals zuvor in der Menschheitsgeschichte.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Also, B\u00fcrger, geht auf die Barrikaden und zitiert Goethe, die Bibel oder auch Marx. Am besten aus einem gebundenen Buch!&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also geht es doch nur darum, dass Sie lieber Druckerschw\u00e4rze an den H\u00e4nden als Pixel vor den Augen zu haben. So viel sie \u00fcber Wissen schwadronieren, so wenig scheinen Sie zu haben, wenn sie glauben, dass die Texte und Ideen Goethes nur als Buch gut w\u00e4ren. \u00dcber den Auftritt von Marx habe ich mich ehrlich gesagt gewundert, aber sp\u00e4testens an dieser Stelle ihrer Ausf\u00fchrungen bef\u00fcrchtete ich, dass ihnen ohnehin egal ist, was sie lesen. Solange es nur nicht digital ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem die Netzgemeinde in ihrem letzten Abschnitt pl\u00f6tzlich nur noch aus &#8222;einzelnen Menschen&#8220; besteht und sie den Piraten Raffgier unterstellen, folgt mein zweitliebstes Kleinod ihrer inzwischen zu Recht oft verballhornten Kom\u00f6die:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: justify;\"><em>&#8222;Nat\u00fcrlich soll niemandem verboten werden, via Twitter seine zweite Pubert\u00e4t zu durchleben. Nur sollte man das nicht zum politischen Programm erheben.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dahinter steckt n\u00e4mlich, das muss ich ihnen lassen, ein ausgesprochen kluger Ratschlag. Nat\u00fcrlich sollte man aus ein paar d\u00fcmmlichen und kindischen Tweets kein politisches Programm machen. Genauso wenig sollte man ein politisches Programm daraus machen, sich \u00fcber d\u00fcmmliche und kindische Tweets aufzuregen. Und nichts anderes haben Sie gemacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jede Neuerung, jede Errungenschaft, jede neue Technik hatte ihre Feinde. Vom Buchdruck bis zur CD-R, von der Postkarte bis zum Festplattenrecorder. Immer haben Leute wie sie die Apokalypse heraufbeschworen und auf die Nutzer, die Vorreiter und die Erfinder herabgeschaut, sie f\u00fcr bl\u00f6d verkauft, bel\u00e4chelt und unterdr\u00fcckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie alle haben eines gemeinsam: Wir Menschen aus der heutigen Zeit lachen \u00fcber ihre lustigen Einsch\u00e4tzungen, wundern uns \u00fcber ihre Engstirnigkeit und bezeichnen sie manchmal als Dinosaurier. Glauben Sie mir, es ist keine Glanzleistung, sich schon zu Lebzeiten in diese Gruppe einzureihen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Digitale Gr\u00fc\u00dfe,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sash<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/51ce5851d1ed4f8185d36b90f38c220e\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Wellen des Netzes haben gestern ja mal wieder etwas h\u00f6her geschlagen. 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