{"id":11281,"date":"2012-01-30T05:45:01","date_gmt":"2012-01-30T03:45:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/?p=11281"},"modified":"2012-01-30T05:45:01","modified_gmt":"2012-01-30T03:45:01","slug":"von-geschaftsverhaltnissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/2012\/01\/30\/von-geschaftsverhaltnissen\/","title":{"rendered":"Von Gesch\u00e4ftsverh\u00e4ltnissen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Das Jahr 2012 k\u00f6nnte f\u00fcr mich eine Art Meilenstein werden. Vielleicht wird dies das erste Jahr, in dem ich mehr Geld mit dem Schreiben verdiene als mit meiner regul\u00e4ren Arbeit. Die Entwicklung freut mich, wenngleich ich sie noch vor gar nicht allzu langer Zeit als unm\u00f6glich abgetan h\u00e4tte. Dass ich ein gewisses Talent habe, Buchstaben aneinander zu reihen, ist nichts, was f\u00fcr mich neu w\u00e4re. Das hat mir in der Grundschule die erste Eins im Zeugnis gebracht und hat sich fortgesetzt bis in die \u00dcberlegungen, was ich studieren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Studium in Richtung Journalismus habe ich abgelehnt mit der (auch heute noch nicht bedauerten) Begr\u00fcndung, ich k\u00f6nne nicht &#8222;auf Kommando&#8220; schreiben, Auftragsarbeiten abliefern, etc.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So blieb Schreiben das sch\u00f6ne Hobby, die Kunst f\u00fcr zwischendurch &#8211; und so habe ich es auch zu sch\u00e4tzen gelernt. Immer mehr und immer mehr. \u00dcber die Jahre kamen Homepages, ein Blog, noch ein Blog und noch ein Blog. Alles herrlich dilettantisch, anarchisch und zuf\u00e4llig. Aber sp\u00e4testens seit ich <a title=\"Gestern Nacht im Taxi\" href=\"http:\/\/gestern-nacht-im-taxi.de\" target=\"_blank\">GNIT<\/a> ausgekoppelt habe, nimmt das Schreiben einen gro\u00dfen Platz in meinem Leben ein. Mit dem wachsenden Publikum kam der Anspruch, es auch gut zu machen, regelm\u00e4\u00dfig zu schreiben, und &#8211; das d\u00fcrfte den meisten fremd sein &#8211; auch die geliebte Lohnarbeit hier und da zugunsten des Schreibens aufzugeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bis jetzt ist das Schreiben immer noch mehr Hobby als Arbeit gewesen, die unz\u00e4hligen Stunden vor den Monitoren haben sich nach herk\u00f6mmlicher Rechnungsweise nat\u00fcrlich nicht ernsthaft bezahlt gemacht. Ich habe zwar <a title=\"Sashs Amazon-Wunschzettel\" href=\"http:\/\/www.amazon.de\/wishlist\/3KTE6B9QRVODA\" target=\"_blank\">unglaublich viele Geschenke<\/a> von euch Lesern erhalten, bin hier und da geflattert worden und selbst im Taxi bekam ich \u00f6fters mal ein Trinkgeld als Dank f\u00fcr die Blogs. Alleine eine planbare Sache ist das nie gewesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gl\u00fccklicherweise &#8211; sowohl f\u00fcr mich als auch f\u00fcr die Blogs &#8211; werde ich nat\u00fcrlich auch weiterhin Taxi fahren. 2012, 2013 und hoffentlich noch eine ganze Weile lang. Aber abgesehen von meiner Bewerbung f\u00fcr ein (f\u00fcr meine Verh\u00e4ltnisse) verdammt gut dotiertes Literatur-Stipendium bin ich nun so weit, dass ich auch gesch\u00e4ftlich blogge. Nicht hier, nicht bei GNIT, das w\u00e4re albern und w\u00fcrde die Intention der Blogs zerst\u00f6ren. Aber ausgerechnet mein Chef im Taxigewerbe hat Interesse an meinen literarischen Ambitionen und erhofft sich, mit einem <a title=\"Taxihaus Berlin - Der Blog aus dem Taxihaus\" href=\"http:\/\/www.taxihaus-berlin.de\/category\/blog\/\" target=\"_blank\">eigenen Firmenblog unter meiner Regie<\/a> und mit meinen Texten mehr Aufmerksamkeit zu bekommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was mich daran erfreut ist nicht mal unbedingt der (niedrige) dreistellige Betrag, den ich pro Monat daf\u00fcr bekomme, sondern auch, dass mir ausgerechnet eine neue Aufgabe letztlich mehr Luft zum Schreiben verschafft. Schlie\u00dflich bedeutet jeder Erl\u00f6s aus anderen Quellen, dass ich meine Arbeitszeit im Taxi reduzieren und selbige fortan kreativ nutzen kann. Der positivste Nebeneffekt ist aber wahrscheinlich, dass ich meine Chefs auf ganz anderer Basis zu sch\u00e4tzen lerne als bisher ohnehin schon. Denn als linker Kapitalismuskritiker mache ich mir nat\u00fcrlich meine Gedanken \u00fcber die eigene K\u00e4uflichkeit und den moralischen Wert eines &#8222;Werbeblogs&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun, die ersten Schritte in dieses mir sehr fremde Metier (schreiben f\u00fcr andere) gestalten sich aufgrund der Besonderheit meines Arbeitsverh\u00e4ltnisses sehr positiv. Ich stehe in regem Mail-Austausch mit meinem Chef und erkenne langsamer als ihm lieb ist, was er darunter versteht, nicht als Chef auftreten zu wollen, sondern als Kollege und Freund. Die einzigen Kritiken seinerseits an meiner bisherigen Arbeit als \u00f6ffentliches Aush\u00e4ngeschild der Firma waren &#8211; vereinfacht gesagt &#8211; Kritiken an meinem Konformismus. Er w\u00fcnschte sich mehr Bissigkeit, weniger Respekt ihm gegen\u00fcber und er zeigte sich best\u00fcrzt ob der Tatsache, dass ich in einem kleinen Kommentar das Wort &#8222;Chefb\u00fcro&#8220; gebrauchte, anstatt mich selbst als mitbestimmenden Part der Firma zu sehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe einen sehr kruden Weg eingeschlagen, der mich zwischen prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ktnissen und abgehobenem K\u00fcnstler-Dasein wechseln l\u00e4sst und in keine eilig angelegte Schublade passt. Ich schwanke zwischen chronischer monet\u00e4rer Pleite und kreativem \u00dcberfluss &#8211; eine absurde Kombination. Aber ich bin froh darum, dass mir das m\u00f6glich ist und ich wei\u00df, dass ich letzlich auch meinem Chef daf\u00fcr dankbar sein sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit einem netten Gespr\u00e4ch vor einigen Tagen zwischen Rattan-Sessel und Ledercouch im &#8222;Chefb\u00fcro&#8220; denke ich jedenfalls dar\u00fcber nach, ob ich nicht seinetwegen tats\u00e4chlich einen Roman schreiben sollte, dessen Held ein Berliner Taxifahrer ist, der mit einer &#8222;glaubw\u00fcrdigen&#8220; Zombie-Apokalypse konfrontiert wird. Wenn das nichts aussagt, was dann?<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/155e41f1ab32442699db679b53994e7b\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Jahr 2012 k\u00f6nnte f\u00fcr mich eine Art Meilenstein werden. Vielleicht wird dies das erste Jahr, in dem ich mehr Geld mit dem Schreiben verdiene als mit meiner regul\u00e4ren Arbeit. 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