{"id":10370,"date":"2011-08-12T10:57:04","date_gmt":"2011-08-12T08:57:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/?p=10370"},"modified":"2011-08-12T05:50:52","modified_gmt":"2011-08-12T03:50:52","slug":"ausweis-bitte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/2011\/08\/12\/ausweis-bitte\/","title":{"rendered":"Ausweis bitte!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ich mir etwas weitestm\u00f6glich abgew\u00f6hnt habe, dann ist es folgendes: Eile!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eile ist ein so nerviger Bestandteil des Lebens, dass ich mit gutem Gewissen sagen kann, ich verzichte vollst\u00e4ndig darauf. Selbst wenn meine Fahrg\u00e4ste bei der Arbeit zahlen und dazu hektisch in ihren Geldbeuteln umhernesteln, sage ich ihnen, dass wir mit Hektik um die Uhrzeit gar nicht erst anfangen wollen. Und mit Uhrzeit meine ich in etwa das derzeitige Jahrzehnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich nerve die Leute irgendwie immer, wenn ich sage, dass ich nicht mehr renne, wenn irgendwo eine S-Bahn rumsteht, die in meine Richtung f\u00e4hrt. Da f\u00e4hrt sp\u00e4ter noch eine und so hab ich wenigstens Zeit zum Lesen. Ist doch auch ganz nett. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnen sich die meisten das schon der Arbeit wegen nicht erlauben, kurioserweise hab ich noch nicht festgestellt, warum ich daran schuld sein soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Abgesehen von der Arbeit zwingt einen ja normalerweise nicht viel zur Eile. Einen dieser seltenen F\u00e4lle hatte ich jedoch vorgestern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe mit meiner Verlobten zusammen die Freuden eines ebenso einfachen wie erquickenden Gerichtes genie\u00dfen wollen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Spaghetti Bolognese.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Grundzutaten haben wir eigentlich immer im Haus, Fleisch haben wir extra gekauft und unseren Habanero-Streuer hatten wir soeben erst wiederentdeckt, sodass einem herzhaften Mahl nichts im Wege stand. Die Nudeln k\u00f6chelten bereits in der zweiten Minute vor sich hin und Fleisch, Zwiebeln und Knoblauch erwarteten brutzelnderweise das Abl\u00f6schen mit zerkleinerten Tomaten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin gar nicht der Meinung, dass K\u00e4se zwingend zu Spaghetti geh\u00f6rt, aber in einer freien Minute beim Betrachten des blubbernden Wohlgenusses ereilte uns beide ein wenig Trauer, dass wir keinen K\u00e4se im Haus haben. Im Wissen, dass ein bisschen K\u00e4se dieses leckere Essen und \u00fcberhaupt den ganzen Abend &#8211; an dem wir zudem hart gearbeitet hatten &#8211; aufwerten w\u00fcrde, bot ich an, als eigentlich gem\u00fctlicherer Part noch schnell K\u00e4se zu holen. Es war 22.45 Uhr, lange vor Ladenschluss, und die verbleibende Kochzeit der Nudeln lie\u00df mir Zeit, ohne Sprint eine Packung geriebenen Unsinns zu ergattern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denkste!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die \u00e4u\u00dferst genau gehende Uhr in meinem Magen sagte mir, dass ich noch rund 4 Minuten habe, vielleicht 6, wenn Ozie auch schon das Anrichten \u00fcbernehmen w\u00fcrde, als ich mich an der Kasse meines Supermarktes in die Schlange &#8211; jawohl: Schlange! &#8211; einreihte.<br \/>\nIch \u00fcberblickte die Situation, herumhibbelnd mit einer Packung streifenf\u00f6rmigen Goudas in der Hand, und stellte fest, dass sich vor mir genau 4 junge M\u00e4nner irgendwo zwischen 16 und 22, bzw. zwischen Sonderschule und Drogenkarriere befanden. Jeder hatte neben sich auf dem Kassenband exakt eine Flasche Bier stehen. Sie kannten sich gut, redeten miteinander, scherzten und beleidigten ihre M\u00fctter. Oder Mutter, man weiss ja nie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der erste war nun an der Reihe, die Kassiererin zog das Bier \u00fcber den Scanner und sch\u00fcttelte es dabei unn\u00f6tig durch (oder muss man Sternburg vor Gebrauch sch\u00fctteln?). Darufhin verlangte sie von dem Typen einen Ausweis, was alle Kumpels und ihn zum Lachen animierte. Wahrscheinlich dachte er, die blonde Sch\u00f6nheit interessiere sich f\u00fcr seinen Namen. Er kramte umst\u00e4ndlich seinen Ausweis aus einem Geldbeutel, den er umgehend wieder einsteckte, um ihn erneut suchen zu k\u00f6nnen, als sie ihn, anstatt ihm ihre Telefonnummer zu geben, mit einem zu bezahlenden Preis konfrontierte.<br \/>\nDas Kleingeld reichte nicht, also musste ein Schein her. Ein Zwanziger. Na gut. W\u00e4hrend die Kassiererin also nach grob 19,50 \u20ac in der Kasse umhersucht, werden noch ein paar Beleidigungen ausgetauscht und als das n\u00e4chste Bier \u00fcber dem Scanner gesch\u00fcttelt wird, f\u00e4llt dem ersten Typen ein, dass er sein Portemonnaie nicht h\u00e4tte einstecken sollen, bevor er das Wechselgeld eingesteckt hat. Kurzer Stau, den die Kassiererin mit der Frage nach dem Ausweis des zweiten Typen zu verk\u00fcrzen versucht. Ausweis? Den muss er nat\u00fcrlich erstmal suchen und reichte ihn ihr mit einem Grinsen, weil er wahrscheinlich dachte, die blonde Sch\u00f6nheit&#8230; wie? Das kommt euch bekannt vor?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihr werdet lachen: Das ist insgesamt viermal passiert. In den vier Minuten, die meine Spaghetti aber allerh\u00f6chstens noch brauchen w\u00fcrden. W\u00e4hrend der zweite mit seinem R\u00fcckgeld zu erraten versuchte, wo sein Geldbeutel ist, habe ich bereits das Geld f\u00fcr den K\u00e4se abgez\u00e4hlt. Zur Sicherheit hab ich nochmal geschaut, wo mein Ausweis ist. Man weiss ja nie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gut, wirklich in Eile gekommen bin ich auch durch die vier Jungs nicht. Aber auf dem Weg zu meiner Wohnung hab ich mir die Frage gestellt, wo bitte der gute Brauch geblieben ist, f\u00fcr den Alk-Einkauf zusammenzulegen und das untereinander freundschaftlich zu kl\u00e4ren. Oder mit einer Schl\u00e4gerei. Wie auch immer, nur ein bisschen schneller halt&#8230;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/0870d72200394a83ab611a4eab29c313\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn ich mir etwas weitestm\u00f6glich abgew\u00f6hnt habe, dann ist es folgendes: Eile! Eile ist ein so nerviger Bestandteil des Lebens, dass ich mit gutem Gewissen sagen kann, ich verzichte vollst\u00e4ndig darauf. 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