{"id":10147,"date":"2011-07-16T08:35:10","date_gmt":"2011-07-16T06:35:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/?p=10147"},"modified":"2011-07-16T08:35:10","modified_gmt":"2011-07-16T06:35:10","slug":"identitatskrise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sashs-blog.de\/wordpress\/2011\/07\/16\/identitatskrise\/","title":{"rendered":"Identit\u00e4tskrise"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Kaum ist Google+ in nennenswertem Umfang auf dem Weltmarkt f\u00fcr Eitelkeiten, im Bereich der sozialen Netzwerke, halbwegs angekommen, schon steht die erste Krise ins Haus. Eine Art Identit\u00e4tskrise. Zum einen fragen sich nat\u00fcrlich die Nutzer, was aus Google+ wird, andererseits gibt sich Google selbst schon alle M\u00fche, dem Ganzen eine gewisse Richtung zu geben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Scheinbar l\u00f6scht Google einzelne Nutzerprofile, wenn diese den Eindruck erwecken, sie w\u00fcrden keinen Klarnamen enthalten. Und so super-social, wie das alles nunmal ist, schwappt eine mehr oder minder gro\u00dfe Welle durch die digitale Bude. Alte bin\u00e4re Haudegen f\u00fchlen sich an eine Zeit erinnert, als das selbe Thema offenbar im Usenet durchgenudelt wurde, ein Gro\u00dfteil der Leute schaut indes fasziniert zu, weil sich bisher scheinbar niemand Gedanken dar\u00fcber gemacht hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So schrieb plomlompom sich in Rage \u00fcber diese Ungerechtigkeit und forderte die User auf, Pseudonyme zu nutzen, woraufhin sich etliche Gegner aufschwangen und klarstellten, dass es sich hierbei \u00fcberhaupt um gar kein Problem handeln w\u00fcrde. Mehrfach wurde auf Googles Hausrecht verwiesen und darauf, dass man ja woanders spielen gehen k\u00f6nne, wenn man keinen Bock hat, sich mit Klarnamen zu melden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das wiederrum rief Sascha Lobo auf den Plan, der eine Lobesrede auf die freie Namenswahl in der digitalen \u00d6ffentlichkeit hielt und die Meinung vertrat, dass das mit dem Hausrecht albern sei, weil Google schlie\u00dflich als eines der gro\u00dfen sozialen Netzwerke durchaus so etwas wie &#8222;die \u00d6ffentlichkeit&#8220; sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Verschiedenste Kommentatoren versammelten sich auf verschiedensten Posts und proleteten munter ihre F\u00fcrs und Widers heraus. Die Debatte ging vom Hausrecht zum Telemediengesetz, vom Stalker bis zum unterdr\u00fcckten Diktaturbek\u00e4mpfer und nat\u00fcrlich auch jeweils wieder zur\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich wollte mal meine Meinung dazu kundtun:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich kenne ja als Blogger die Vor- und Nachteile pseudonymen Daseins. Ich selbst blogge zwar seit geraumer Zeit mehr oder minder unter Klarnamen, weil mir die Anonymit\u00e4t zu anstrengend war, aber ich habe nat\u00fcrlich viel mit Pseudonymen um mich herum zu tun.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Negativbeispiel f\u00e4llt mir da beispielsweise ein altkluger Vollspaten ein, der mit seinem psychotisch anmutenden Geschreibsel seit einem Jahr meint, er m\u00fcsse Unwahrheiten \u00fcber mich in seinem bedeutungslosen Kleinstblog von sich geben, w\u00e4hrend er sich f\u00e4lschlicherweise f\u00fcr clever genug h\u00e4lt, seine Identit\u00e4t zu verschleiern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf der anderen Seite stehen die vielen hundert Leute, die in meinen beiden Blogs kommentieren und dies in gro\u00dfer Zahl v\u00f6llig ohne Klarnamen unter frei gew\u00e4hlten Pseudonymen tun und dabei im Grunde nie ernsthaft den Eindruck erwecken, als w\u00fcrde ihnen eine Verletzung der Netiquette in den Sinn kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei allem \u00c4rgernis, das minderbemittelte Trolle im Netz ausl\u00f6sen k\u00f6nnen: \u00dcberwiegend scheint die Sache mit den Pseudonymen gut zu funktionieren. Hier greift auch eines der Argumente vieler Verteidiger der Pseudonym-Idee: Viele Menschen haben sich eine Identit\u00e4t im Internet (oder auch im Reallife-Freundeskreis) zugelegt, die nichts mit dem offiziellen Namen zu tun hat. Und warum sollte man ihnen das verbieten? In sozialen Netzwerken geht es um zwischenmenschliche Kommunikation ohne vertraglichen Charakter. Eine Identifizierbarkeit muss ja nicht zwingend gegeben sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Folglich vertrete auch ich die Ansicht, dass Google gut daran t\u00e4te, Pseudonyme zu erlauben, auch wenn sie so d\u00e4mlich klingen, dass man um den Verstand des Benutzers f\u00fcrchtet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Menschen, die sich (und was ist in sozialen Netzwerken anderes zu erwarten?) eine Identit\u00e4t zulegen, die ihnen am Herzen liegt, werden sich kaum in Wildwest-Manier durchs Netz schlagen. Schlie\u00dflich sind auch Pseudonyme f\u00fcr die Personen dahinter und die Personen gegen\u00fcber wichtige Teile der Kommunikation &#8211; ebenso wie der eigene Name.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, Ausnahmen best\u00e4tigen die Regel. Die <em>LoVeRbOy_SEXY_38(cm;))<\/em> dieser Welt werden damit vielleicht Teil des Internets (oder hier: Teil des Netzwerkes) bleiben und in ihrer Anonymit\u00e4t hier und da rumtrollen. Ich wage aber zu bezweifeln, dass sie jemand ernst nehmen muss. Zumal das Aussieben bei Google+ (wie auch bei Facebook \u00fcbrigens) nach offenbar nicht allzu cleveren Parametern vorgenommen wird, die es immer erlauben werden, sich als Hans Wurst anzumelden, auch wenn man Kunigunde Veilchen hei\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Google selbst sollte es egal sein, unter welchem Namen sich die Nutzer durchs Netz bewegen. F\u00fcr den Konzern sind alleine die Verkn\u00fcpfungen und Vorlieben interessant, um sie f\u00fcr die Werbung zu verwenden. Dabei spielt der Name so oder so keine Rolle, wenn Google nicht morgen plant, auf Postwurfsendungen umzusatteln. Erzwingen kann man das nicht, man kann es nur versuchen. Aber der Versuch ist vielleicht so dumm nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man muss sicher keine Stalkingopfer oder unterdr\u00fcckte Minderheiten in anderen L\u00e4ndern bem\u00fchen, um pro Namensfreiheit zu argumentieren, aber wenn man sie dann letztlich auch noch auf der richtigen Seite verbucht, dann sollte klar sein, dass Google+ gut daran tun w\u00fcrde &#8211; und im \u00dcbrigen auch wesentlich mehr Benutzer finden und binden wird,- wenn jeder seinen Namen selbst w\u00e4hlen kann.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/03bc3250001b4fbfab4f75207ba5f814\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaum ist Google+ in nennenswertem Umfang auf dem Weltmarkt f\u00fcr Eitelkeiten, im Bereich der sozialen Netzwerke, halbwegs angekommen, schon steht die erste Krise ins Haus. Eine Art Identit\u00e4tskrise. 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