Warum eine WG?
In nicht allzu ferner Zukunft erreiche ich das biblische Alter von 30 Jahren, und dennoch lebe ich immer noch in einer WG. Warum? Kein Bock auf eigene Bude? Finanziell zu klamm? Was geht? Das möchte ich hier beantworten.
Den Sprung aus dem (ohnehin geteilten) Elternhaus habe ich in Stuttgart in eine WG gemacht. Wie wahrscheinlich viele vor und nach mir auch. Zunächst einmal ist das natürlich eine Finanzentscheidung gewesen. Eine WG spart unglaublich viel Geld! Ich hab damals runde 700 € im Monat verdient, und obwohl unsere Bude maßlos überteuert war, habe ich mir damit das eigenständige Leben recht – ja, man kann es so nennen – luxuriös gestalten können. Das aber lag zweifelsohne auch daran, dass die WG, in der ich gewohnt habe, ein reges Miteinander geherrscht hat. So konnte jeder besonders von der Situation profitieren. Wir haben den WG-Haushalt immer zu einem vermatscht, und wenn jeder seinen (fixen) Betrag gezahlt hat, dann war das ok.
Da kommen Einsparpotenziale zum Vorschein, die man nicht bedenkt, wenn man so über WG’s nachdenkt. Denn letztlich haben wir nicht nur die Miete geteilt, sondern auch einiges mehr. So hat man (wenn auch nicht viel) zusätzlich beim Telefon und beim Strom gespart, schon alleine, weil man nur einen Teil der Grundgebühr getragen hat. Von der Tatsache, dass man z.B. Strom auch effizienter nutzen kann (z.B. gemeinsam kochen) ganz zu schweigen.
Zudem spart man sich eine Menge Anschaffungen. Wir hatten in der WG, die größtenteils aus Habenichtsen bestand, dennoch Dinge wie ein Raclette, eine Mikrowelle, ein Fondue-Set, eine Espresso-Maschine. Alles Luxus, auf den man verzichten kann – aber irgendeiner von 5 Personen hat dann eben doch mal so etwas eingebracht.
Dann die Hausarbeit: Natürlich entsteht auch mehr Dreck als in einer Single-Wohnung! Aber dafür gibt es gelegentlich die Momente, in denen man selbst gar nichts gemacht hat, und plötzlich eine aufgeräumte Küche vorfindet. Herrlich!
Aber dazu kommt natürlich der soziale Faktor. Nicht nur, dass es schön ist, mit Freunden zusammenzuwohnen, es bringt einem auch viel fürs Leben. Man lernt (mehr oder weniger gut) Konflikte zu lösen, Dinge zu managen, und dennoch ist man nie alleine mit Problemen.
Manchmal fällt man auf die Schnauze, z.B. mit Mitbewohnern. Wir hatten das zuletzt mit Ralf. Das kommt vor, aber man schärft seine Menschenkenntnis mit der Zeit, und rückblickend betrachtet ist das alles meistens gar nicht so schlimm.
Selbst wenn Nico einmal auszieht, wird das hier eine WG bleiben. Ich und Ozie haben schon früh während unserer Beziehung festgestellt, dass wir uns niemals ein Zimmer teilen würden – zumindest nicht langfristig. Zu unterschiedlich sind unsere Ansprüche und Verhaltensweisen. Und wenn man sowieso mit “dem WG-Gedanken” lebt, dann fällt es auch um so leichter, in Not geratene Freunde für eine gewisse Zeit oder auch längerfristig aufzunehmen. Das finde ich mit das Schönste an unserer WG (so sehr sie sich auch mit der Zeit und dem Ort gewandelt hat): Ich kann immer sagen: “Klar kannst du hier wohnen!”
Wir sind vom selben Baujahr und ich wohne auch in einer WG. Nen Kumpel von mir ist 40 und wohnt in einer. Was ist auch schon dabei? Ick mag das WG Leben. In ner eigenen Bude würde mir die Decke aufn Kopp fallen.
@ickedette:
Ich bin eigentlich ein Einsiedler. Aber auf mich hört ja keiner
Ab und an wünsche ich mir die Zeit zurück, wo ich ganz alleine eine Bude hatte.
So ne Familie ist ja ganz nett, aber man hat einfach nie seine Ruhe.
Bei mir in der WG klappt das ganz gut mit der Ruhe.. Tür zu und fertig.
Ist mit Familie nicht ganz so einfach.
Warum wollte ich noch gleich ein Kind? *grübel*
@Anise:
Ja, WG ist definitiv leichter als Familie
Hat aber alles seine Vor- und Nachteile würde ich sagen.
@ickedette:
Anders geht es ja auch nicht. Wenn man Ruhe braucht, dann sollte man sie auch in einer WG haben können. Bin diesbezüglich relativ empfindlich – aber es klappt hervorragend.
Bei mir in der noch-WG klappt das auch super. Klappe zu – Affe tot. Und mit ner Familie in ne WG könnt ick mir gar nicht vorstellen.
@ickedette:
Das ist ja das Schöne: Immer Gesellschaft oder Ruhe. Je nachdem, was man gerade haben will.