Taxifahren und Geld
Taxifahren ist teuer! Das weiss eigentlich auch der letzte Almöhi, und daran gibt es nichts zu deuteln. Das ist in Berlin nicht anders als in anderen Städten, wobei das dicke B da noch gar nicht mal soo schlecht abschneidet. Ich hatte zwar bisher wenige Kunden, die sich beschwert haben – und wenn, dann nicht zurechnungsfähig – aber das ist eine Frage der Zeit. Wahrscheinlich drehen sich 99% aller Konflikte im und ums Taxi um den Preis.
Vermeidbar, wie ich finde.
Ich selbst bin stets nur ein Gelegenheitsnutzer bei Taxen gewesen. In meiner Kindheit kann ich mich an vielleicht 10 Taxifahrten erinnern, und seit ich diesen Dienst selbstständig in Anspruch nehmen kann, kamen vielleicht 30 Fahrten dazu – an die meisten erinnere ich mich aus gutem Grund nicht mehr
Nun bin ich selbst Taxifahrer, da ist es natürlich klar, dass man die Preise anders bewertet, als ein Kunde. Ich werde hier bestimmt nicht jammern, weil ich so schrecklich wenig verdiene, aber ich habe ja selbst erst mit meiner Arbeit festgestellt, wie das Geschäft so läuft. Von daher weiss ich, wie es ist, eine derartige Dienstleistung völlig falsch einzuschätzen.
Was man z.B. nicht bedenkt, wenn man mal kurz nach einer Kneipentour 5 Minuten um die Ecke fährt, ist, dass die Kundeneinnahmen die EINZIGEN Einnahmen sind, die ein Taxi-Unternehmen hat. Gut, ein paar (wenige) Euro kommen vielleicht noch durch ein paar Werbeeinnahmen herein. Das bedeutet, dass man als Kunde natürlich nicht “nur” für die paar Meter Fahrt zahlt, sondern auch dafür, dass es das Auto gibt, und dafür, dass es in dem Moment genau da ist, wo man es braucht – ob jetzt bestellt oder herangewunken, macht da kaum einen Unterschied.
Jeder, der ein eigenes Auto besitzt, weiss, dass die Kosten nicht nur Anschaffung und Verbrauch beinhalten, aber wie kurz das gegriffen ist, ahnen manche bei Taxen nicht einmal.
Dinge, die man mit seinem Geld bezahlt:
- Die Kosten der Fahrt (Sprit und Verschleiß)
- Die Arbeitszeit des Fahrers
- Die Anschaffung des Wagens inkl. Sonderausstattung sowie dessen Anmeldung
- Den Unterhalt des Wagens (Versicherung bei Taxen enorm hoch)
- ggf. Gebühren für den Funk
- ggf. die Betriebskosten einer Firma (Miete, Personal, Energie, Geräte…)
- usw. usf.
So ist vielleicht ein Preis von deutlich über 1 € pro Kilometer erst einmal abschreckend, aber es muss z.B. auch klar sein: Kein Taxi KANN jeden Kilometer besetzt fahren. Schon rechtlich nicht, weil man nur an Taxiständen auf Kunden warten darf.
Dazu verschätzt man sich oft und vermutet viel höhere Einnahmen, als da tatsächlich sind. Ich hätte auch mal vermutet, dass ein Taxifahrer doch sicher “mindestens 500 € pro Tag” einnimmt. So eine Summe kommt statistisch ca einmal im Jahr vor. Und ich weiss auch, wann: Silvester! Unter der Woche ist man erst einmal froh, wenn 100 € in der Tasche landen – und mit 150 € kann man in Berlin außerhalb des Wochenendes schon mehr als zufrieden sein – bei 9 bis 12 Stunden Arbeit wohlbemerkt. Denn: Man mag als Kunde gerade zwar 20 € im Taxi liegengelassen haben, aber realistisch betrachtet kriegt man als Fahrer in der Zeit keine zehn solche Touren zusammen.
Und was von 150 € Einnahmen übrig bleiben, nachdem man sie durch obigen Listenwolf gedreht hat, und dann auch noch Steuern abzieht, kann man sich vielleicht denken.
Ergo: Es kostet einfach ein Schweine-Geld, einen PKW inkl. Fahrer zur Verfügung zu stellen!
Oft wird dann verglichen zwischen “den öffentlichen Verkehrsmitteln” und dem Taxi. Mal abgesehen davon, dass auch Taxen zu den öffentlichen Verkehrsmitteln zählen, können wir da natürlich nur bedingt mithalten. Wie auch? Es gibt Fixkosten, und mit einem PKW kann man die halt nicht auf 100 Personen abwälzen, sondern nur auf die Anzahl der Fahrgäste. Taxen sind vom Prinzip her Notfalllösungen, die dort aushelfen, wo es nicht mehr anders geht: Spät nachts, in abgelegenen Gegenden, oder wenn eben Geschwindigkeit und Komfort gefordert werden.
Mal nebenbei ein Beispiel, das mit dem Preis versöhnen könnte: Wenn ich nachts 6 Touris aus dem Matrix zum Wombat-Hostel bringe, dann kostet das inkl. Zuschläge für Großraumtaxen (6 Fahrgäste) ziemlich genau 13,00 €. Würden sie sich jeweils eine Fahrkarte für die Bahn kaufen, dann wären das exakt 12,60 €. So zahlen sie pro Person statt 2,10 € eben 2,17 €, und dafür müssen sie keinen Meter laufen, ich als Fahrer kümmere mich soweit wie möglich um ihr Wohlergehen, trage ggf. Gepäck mit rein und sie können die Musik im Wagen frei wählen… aber gut, das ist natürlich ein wohlwollendes (wenn auch typisches) Beispiel.
Es ist ein ewiger Streit, ob Tarifsenkungen nicht auch für eine bessere Auslastung sorgen würden. Für solch hypothetische Annahmen gibt es natürlich keine Zahlen. Aber wenn ich ehrlich bin: Ich glaube es nicht! Ich versuche das jetzt mal auf dilettantische Weise anzugehen:
Wir senken die Tarife um 20%! Das ist jetzt echt hochgegriffen, aber vielleicht noch realitätsnah. D.h., wenn wir bisher als Kunden vom Ostbahnhof zum Flughafen Tegel 22 € gezahlt haben, sind es jetzt nur noch 17,60 €. Ist das der Bringer? Steigt man deswegen ins Taxi und denkt sich: “Heute kann ich ein Taxi nehmen, die sind ja jetzt so billig?” Bei kürzeren Strecken (und das sind 90%) verringert sich die Ersparnis natürlich noch einmal. Werden dann 20% mehr Leute Taxi fahren? Also aus Kundensicht würde ich “Nein!” sagen. Man nimmt Taxen eben, wenn es nicht anders geht – fast egal, was sie kosten, denn: Taxifahren ist eben teurer! Und für 2,10 € von Spandau nach Hellersdorf wie die BVG? Das geht einfach realistisch nicht, ehrlich!
Und, ganz eigennützig: Wenn wir nun einmal davon ausgehen, dass der Teil, der dem Fahrer zugute kommt, anteilsmäßig gleich bleibt (was fast schon unrealistisch ist), dann muss man sich immer noch die Frage gefallen lassen, ob für 45 Wochenstunden 1000 € netto statt wie bisher 1200 € wirklich so nett wären, oder ob man dafür nicht auch akzeptiert, dass es eben ein 3 € mehr kostet, wenn man nach einem ausgiebigen Besäufnis heimgefahren werden will…
PS: Mir ist klar, dass es Menschen gibt, die (z.B. wegen Behinderungen) regelmäßig auf Taxen angewiesen sind. Bei denen macht das natürlich auch viel aus. Aber zum einen: Als Taxifahrer braucht man leider auch Geld zum Leben, und zum anderen: In Härtefällen sollten da eigentlich die Krankenkassen einspringen. Und sollte der eigene Beruf ständig Taxinutzung erfordern, dann sollte auch das Gehalt entsprechend sein…
Dass es am System der öffentlichen Verkehrsmittel (wie auch der Gesellschaft allgemein) viel zu verbessern gäbe, das weise ich nicht von der Hand! Dennoch sind ausgerechnet die fiesen Taxipreise wahrscheinlich fairer kalkuliert als vieles andere im Leben. Ich als Fahrer werde nicht reich davon, und mein Chef sicher auch nicht!
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