Taxi-FAQ

Dies ist ein (zumindest noch) abartig unvollständiges Sammelsurium von Fragen zum Taxifahren. Die Erklärungen sind mein eigenes Wissen, ggf. auch Einschätzungen. Ich kann also nicht für die Aktualität und Richtigkeit garantieren. Zudem bezieht sich das alles auf Berlin. Wie manche Dinge in anderen Gemeinden aussehen, weiss ich nicht mal ansatzweise.

Wie ist das mit dem kürzesten Weg?
Wenn ihr in ein Taxi einsteigt, und einfach die Adresse nennt, muss der Fahrer den kürzesten Weg dorthin nehmen – weil dieser der billigste ist. Bei eigenen Routenvorschlägen “muss” der Fahrer Folge leisten. Trotz dieses Gebotes bleibt natürlich Spielraum. Soweit ich weiss, ist nirgends ein kürzester Weg von A nach B verzeichnet, sodass es im Zweifelsfall natürlich immer einen Streitfall geben könnte. Einige Strecken in Berlin können auf x Wegen nahezu gleichlang gefahren werden, was mitunter die Übersicht schwer macht. Zudem ist es ja dann doch oft bequemer, 5 Minuten Zeit zu sparen und dafür 20 Cent mehr zu bezahlen. Im Ernstfall: Quittung geben lassen (da steht die Adresse drauf), beschweren…
Mein Tipp allerdings: Fragen, ob der Fahrer die Strecke kennt. Wenn nötig und möglich: Helfen! Lässt sich doch meistens alles in beiderseitigem Einverständnis lösen.
Wieviel verdient man in einer Nacht?
Der Umsatz liegt grob zwischen 50 € und 300 €. Zuzüglich Trinkgeld. In der Regel kann man so ca. die Hälfte als Brutto-Einkommen betrachten. Die Durchschnittsschicht in Berlin liegt bei 107 € (da sind allerdings auch Tagfahrer mit eingerechnet, die in der Regel weniger verdienen)
Wie lange geht eine Schicht?
Sagen wir es mal so: 8 Stunden reichen in der Regel nicht, um groß über 1000 € netto zu kommen. Wenn man zu zweit ein Auto im Schichtbetrieb fährt, hat man 12 Stunden Zeit. Mehr als 10 Stunden (mit einer Stunde Pause) erlaubt der Gesetzgeber nicht. Fahrtenschreiber gibt es aber nicht. Dreimal dürft ihr raten… Im Ernst: Das hält jeder Fahrer anders. Es soll allerdings auch Betriebe mit Pflicht-Arbeitszeiten geben.

Sind die Preise fest?
Ja. Es darf innerhalb des Pflichtfahrgebiets nur nach Tarif gefahren werden, und die Tarifordnung muss vom Fahrer mitgeführt werden. Zuschläge werden erhoben für extrem sperriges Gepäck, evt. tragen helfen und vor allem für mehr als 4 Personen (1,50 € pro zusätzlicher Person)
Außerhalb des Pflichtfahrgebiets kann ein Preis individuell verhandelt werden.

Könnt ihr euch überall hinstellen?
Jein. Wenn wir auf Kunden warten (d.h. die Fackel an ist), nur an gekennzeichneten Taxi-Halten. Die können wir uns aber frei aussuchen. Anscheinend dürfen wir nach 22 Uhr auch grundsätzlich vor Veranstaltungsplätzen halten – natürlich nur, wenn wir den Verkehr nicht behindern.

Wie komme ich an ein Taxi?

  1. Die Funkzentrale anrufen. Das sollte recht schnell funktionieren. Dabei kann man auch gleich Sonderwünsche angeben, z.B. Großraumtaxi, Hund, “gepflegt”, etc.
  2. Die Taxirufsäule eines Standes um die Ecke anrufen. Nachteil: Die Nummer muss man sich vorher notiert haben, und soweit ich erfahren habe, gehen nur wenige Fahrer überhaupt ran. Eventuell ist sogar gar keiner da. Vorteil: Man kann mit dem Fahrer selbst bereits alles klären.
  3. Zu einem Taxistand laufen. Nicht empfehlenswert, da manche Stände (insbesondere nachts) kaum frequentiert sind.
  4. Ein Taxi ranwinken. Klappt gut, wenn eines kommt… ist vielleicht in Hellersdorf Süd um 3.25 Uhr am Montag eher eine langwierige Geschichte…
  5. Einen Fahrer direkt anrufen, wenn man sich mal die Nummer hat geben lassen. Kann zwar unter Umständen länger dauern, aber man kriegt wenigstens, wen man wollte ;)


Was muss man zahlen, wenn man ins Taxi kotzt?

Zuviel, um es auszuprobieren! Soweit ich weiss, gibt es keine einheitliche Regelung. Ich würde mir die entgangenen Einnahmen zuzüglich Reinigungskosten und ein großzügiges Trinkgeld geben lassen – wenn möglich. Und dann sind da schnell 100 € zusammen. So scheiße das auch klingt – das ist fast nur kostendeckend (plus ein kleiner Ekel-Zuschlag). Wenn’s großflächiger ist, oder die Technik in Mitleidenschaft gezogen wird, kann’s echt ans Eingemachte gehen. Es gab da mal ein Gerichtsurteil, bei dem Reparaturkosten über 400 € bestätigt wurden…

Bringt ihr auch Pizza oder Kippen vorbei?
Klar, aber der Taxameterpreis ist den meisten schon zum selber gefahren werden zu teuer… das soll aber nicht so klingen, als wäre diese Dienstleistung verpönt. Sie kostet eben.

Warum zahle ich eigentlich beim Einsteigen schon 3,20 €?
Zum Beispiel dafür, dass du jetzt schon einsteigen kannst. Ob das jetzt Anfahrt oder Wartezeit ist, ist egal: Es kostet Geld, ein Auto inklusive Fahrer bereitzuhalten. Zur Versöhnung: Ich habe gehört, in Mailand kostet das (nachts) bereits 9 €.

Muss ich am Taxistand in das erste Auto einsteigen?
Nein! Das muss man nicht, und damit soll gewährleistet sein, dass man sympathischen Fahrern und gepflegten Autos (oder umgekehrt) den Vorrang geben kann. Der Fairness halber sei aber erwähnt: Der Erste wartet am längsten und somit ist es natürlich schön, wenn man ihm die Fahrt zukommen lässt. Ob es fairer ist, bei einer kurzen Strecke einen weiter hinten zu wählen, darüber scheiden sich die Geister, und die Begeisterung des Fahrers hängt sicher stark davon ab, ob er wirklich gerade erst angekommen ist, oder auch schon eine Stunde wartet.

Kann ein Fahrer eine kurze Fahrt ablehnen?
Sagen wir es so: Er kann. Aber er darf nicht! Ich finde das zwar asozial (denn Taxifahren ist nunmal Glückssache), aber versucht trotzdem, es zu verstehen. Wenn man zwei Stunden ansteht, und dann für 5 € fährt, ist das eben nicht sonderlich erheiternd. Abgesehen davon: Wer will schon mit einem Fahrer fahren, den es ankotzt?

Kurzstrecke vom Taxistand? Geht das?
Nein. An einem Stand steht man meistens mehr als 15 Minuten, an manchen mehrere Stunden an. Es ist wirklich nicht ansatzweise rentabel. Bitte respektiert das! Im Übrigen: Kurzstrecke (2 km) kostet 4,00 €. Der gleiche Fahrtweg normal kostet 6,70 € – wenn man die 2 Kilometer wirklich ausreizt. Das sind 2,70 € mehr… die Welt isses doch nun auch nicht…

Wieviel Trinkgeld ist denn ok?
Je viel, desto gut. Oder so. Im Ernst: Mein Schnitt bisher sind 1,00 – 1,20 € pro Tour. Damit ist es völlig ok. Etwas drunter ist nicht schlimm, und wenn es nicht geht, dann geht es nicht. Ende. Zudem: Belohnt Fahrer, die gut sind, ordentlich, und spart es euch bei Idioten völlig! Verpflichtet ist man zu nichts!

Was kann ich tun, um ein guter Kunde zu sein?

  1. Respektiere, dass der Fahrer sich an die Verkehrsregeln halten muss.
  2. Erwarte nicht, dass er aus dem Kopf weiss, wo die Franz-Stenzer-Str. 23a ist.
  3. Habe wenigstens eine Zieladresse dabei (egal, ob im Kopf oder auf Papier).
  4. Würge Kommunikation nicht grundlos ab, respektiere aber auch ggf. Tabus, andere Meinungen, “Ruhebedürfnis” etc.
  5. Akzeptiere, wenn er keinen “Super-Sonder-Spezial-Preis” machen kann. Er darf nicht!
  6. Belohne Freundlichkeit und Mühen in Form eines angemessenen Trinkgeldes.


Muss der Fahrer den Funk immer anhaben?

Wenn man ihn über Funk bestellt hat, ja. Die Lautstärke ist aber Verhandlungssache, bzw. hier kann der Fahrer sich auch durchsetzen, wenn er sonst nicht erreichbar ist.

Muss ich die Schlager-Schnulzen im Taxi akzeptieren?
Nein. Musikwünsche sind gestattet, sofern sie erfüllbar sind (Radio, ggf. mitgebrachte Tonträger). Bei der Lautstärke kann der Fahrer jedoch bestimmen, ab wann seine Arbeit gestört wird.

Muss der Fahrer mein Fahrtziel kennen?
Zugegeben: Wünschenswert ist es. Man sollte aber auch als Kunde einmal in sich gehen, und sich überlegen, ob man zigtausend Straßen (verschiedene Quellen geben für Berlin 16000 bis 20000 an), die zum Teil den gleichen Namen haben, behalten kann, auch wenn man eine einzelne davon vielleicht nur alle 30 Jahre mal anfährt. Für einen selbst ist diese eine Straße vielleicht das notwendigste und hauptsächlichste Grundwissen. Für andere ist es vielleicht doch nur eine Nebenstraße unter tausenden. Und: Stadtplan und Navi sind keine Cheats, sondern legitime Hilfsmittel! Schließlich ist der Sinn einer Taxifahrt das Ankommen und nicht das Testen des Fahrers auf Gedächtniskunststücke.
Wenn das Ziel außerhalb des Pflichtfahrgebietes liegt, dann hoffe ich, dass sich diese Frage von selbst beantwortet…

  1. Ratloser Taxikunde
    27. Januar 2010, 13:54 | #1

    Ich bin beruflich öfter mal mit dem Zug unterwegs, und steige vorzugsweise am Berliner Ostbahnhof aus. Das ist nicht weit von mir zu Hause aber zu weit um zu Fuß zu gehen. Mit Öffis ist es umständlich. Also am liebsten Taxi – eine Tour für ca. 7 €. Wenn ich am Bahnhof das erste Taxi in der Schlange nehme, werde ich regelmäßig angemüffelt, oder der Fahrer seufzt jedenfalls vielsagend. Um das zu vermeiden und um fair zu sein, habe ich zwei Mal versucht, ein Taxi von weiter hinten zu nehmen. Einmal wurde ich barsch ans vordere Ende der Schlange geschickt. Das andere Mal fuhr der Fahrer zwar los, meckerte aber, das sei nicht in Ordnung und wenn schon hätte ich doch gleich ganz nach hinten gehen sollen. Seitdem nehme ich das Taxi ganz vorne und verweigere jedes Gespräch. Gibt es einen Tipp vom Profi, wie man sich fair und richtig verhalten soll?

  2. 27. Januar 2010, 19:45 | #2

    @Ratloser Taxikunde:
    Gerne würde ich sagen: Ja! Aber leider kann ich da keinen Tipp geben. Weder das eine noch das andere ist “falsch”, es liegt ausschließlich an den Kollegen. Und deren Gedanken errate selbst ich nicht. Das erste Fahrzeug zu nehmen, ist grundsätzlich immer nett, aber leider schicken einen die Kollegen bei kurzen Strecken weg. Umgekehrt schicken viele die Leute grundsätzlich nach vorne, weil sie es unfair finden, früher als der erste wegzukommen.
    Fair finde ich als “Profi” beides. Und damit auch richtig. Und es kotzt mich an, dass Kunden letztlich so blöd dastehen und nicht wissen, was sie noch machen sollen. Manchmal sprechen mich sogar Kunden an und sagen, sie wurden weggeschickt, weil dem Fahrer die Fahrt zu lang war.
    Natürlich würde ich empfehlen, den Kollegen zu erklären, dass es ihre Pflicht ist, jeden Fahrgast zu befördern oder ihnen klarzumachen, dass jeder was anderes sagt. Aber das ist nervig und eigentlich kann man das von Kunden nicht erwarten.
    Ich würde in der Schlange von vorne anfangen und vor dem Einstieg fragen, ob der Fahrer will. Und wer nicht will, verliert die Fahrt an den nächsten Kollegen. Aber eine Besserung erreicht man damit auch nicht, die Kollegen werden sich dennoch wie die Bekloppten freuen, dass sie einen schlechten Deal umgangen haben. Das wird der Preis sein. Leider.
    Kleiner Silberstreifen am Horizont: Am Ostbahnhof stehen viele Wiederholungstäter. Im Guten wie im Schlechten. Mit etwas Glück finden sie “auf Dauer” ja einen festen Fahrer oder ein paar Alternativen.
    Für Nachts gibt es zumindest ein paar Kollegen, die ich empfehlen, bzw. nicht empfehlen würde. Aber die schreibe ich hier nicht öffentlich – so sehr es mich auch juckt.
    Viel Glück jedenfalls!

    PS: Ich fahr die 1925 und hab nix gegen 7€-Touren!

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