Gründe dafür…

Taxifahren ist ein anstrengender Job, zudem mies bezahlt. Nachtschicht ist gesundheitsschädlich und sozial inkompatibel. Mindestens. Wieso also bin ich dennoch eigentlich recht guter Laune, wenn ich über meinen Job schreibe? Ich will hier mal ein paar Dinge aufzählen, die ich so geil finde. Vielleicht versteht mich ja irgendwer…

Taxifahren bedeutet Freiheit

Natürlich sind Niedriglohn-Jobs immer auch Selbstausbeutung. Kann und will ich nicht verneinen. Ich arbeite im Gegensatz zu einem Facharbeiter überdurchschnittlich lange und kriege dafür lachhaft wenig Geld. Im Gegensatz zum oben Genannten kann ich aber z.B. meine Arbeitszeiten selbst bestimmen. Ich habe das Auto derzeit 7 Tage die Woche 12 Stunden zur Verfügung. Meine Mindestarbeitszeit beträgt 40 Stunden – und wenn ich die mal eine Woche nicht einhalte, meckert auch niemand. Dazu habe ich keinen Chef, der mir über die Schulter schaut. Solange ich im Auto sitze, bin ich mein eigener Chef, und das sogar mit Wohlwollen des meinen. De facto kann ich machen, was ich will, und das schließt sogar Pausen zuhause, Verwandschaftsbesuche und Privaterledigungen ein. Die einzige Unfreiheit ist ein gewisser finanzieller Druck. Mit 12 Std. / Woche kann ich natürlich nicht leben. Aber wenn es so wäre, würde ich das auch nur nutzen, um eben nur 12 Std. / Woche zu arbeiten… Geld ist mir nunmal nur wichtig, wenn es nicht da ist…

Die Kunden sind das A und O

Das ist in zweierlei Hinsicht ein entscheidender Punkt. Trotz – oder gerade wegen – meiner oftmals krawallorientierten revolutionären Einstellung – bin ich ein Mensch, der gerne anderen Menschen hilft. Klar nehme ich für diese Hilfe Geld, aber viele nette Kleinigkeiten in meinem Beruf sind im Preis inbegriffen. Und da wir in einer Welt leben, in der selbst Freundlichkeit und Respekt nicht selbstverständlich sind, glaube ich, selbst mit einem Nischenjob wie Taxifahrer in gewisser Weise einen positiven Einfluss auf Menschen zu haben. Zudem finde ich die Menschen interessant. Es ist grandios, kurz nacheinander einen Firmenchef und einen arbeitslosen Punk im Wagen zu haben, und sich mit beiden über verschiedene – oder sogar gleiche – Dinge zu unterhalten. So erhält man auch Einblicke in Kreise, in die man sonst nie vorstößt.

In der Nachtschicht sind die Kunden cooler

Will ich gehetzte Geschäftsmänner “möglichst vorgestern” zum Flughafen bringen? Mache ich schon mal gerne – aber mir sind die Leute lieber, die – meinetwegen angetrunken – einfach nur von der Disco heim wollen. Ganz entspannt, oftmals redefreudig, nur sehr selten gestresst. Das ist um Längen besser!

Nie Hauptverkehrszeit

Als Nachtfahrer komme ich nie in den “Genuss”, im Stau zu stehen. Die Straßen sind quasi immer frei. Insbesondere jetzt zu Beginn muss ich mir keine Sorgen machen à la: “Oha, mein Navi lotst mich über die Frankfurter. Ist da um diese Uhrzeit nicht Stau?”

Nachts verdient man mehr

Ganz sicher betrifft das die Tatsache, dass Nachtzuschläge steuer- und abgabenfrei sind. Insgesamt ist aber auch der Umsatz ein wenig besser.

Die Stadt sieht besser aus

Ich finde Berlin nachts um einiges schöner. Vor allem, wenn es mal regnet. Graue Stadt gegen bunte Stadt ist ein ungleiches Duell, aber ich bin nachts auf der Gewinnerseite.

Die schönste Zeit des Tages ist meine

Schonmal morgens mit aufgedrehter Anlage bei Sonnenaufgang in den Feierabend gecruist? Muss man mal gemacht haben. Fertig, zufrieden und gut gelaunt… sowas findet man nicht in jedem Job. Also für alle, die es wissen wollen: Ja, ich bin der Freak, der kaum ins Auto zu passen scheint, und Sonntag morgens um 6 Uhr mit Pink Floyd auf Anschlag am Frankfurter Tor an der Ampel steht…

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