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Artikel Tagged ‘ostbahnhof’


Die goldene Dose Mitleid

26. Juli 2010

…geht dieses Wochenende an den armen Tropf, der von einem Kaff etwas außerhalb von Berlin extra mit einem Kumpel in die Stadt gegurkt ist, damit dieser sich vor dem geplanten Disco-Besuch volllaufen lässt, um dann wieder mit dem Taxi heimzufahren. Der geplante Party-Abend bestand für ihn daraus, nach der Ankunft in Berlin einen Cheeseburger beim McDonalds zu essen und dann ins Taxi gezerrt zu werden. Besser geht es nicht!

Die silberne Dose Mitleid

…geht dieses Wochenende an den Typen, der eigentlich fett Party in der Disse machen wollte, aber nach zu viel Vorglühen bereits vor dem Eintritt in selbige einen Großteil seines Geldes in ein Taxi investieren musste, um menschenwürdig (das heisst: Mit Pausen zum Kotzen) heimgebracht zu werden.

Die bronzene Dose Mitleid

…geht dieses Wochenende an die unbekannte Person, die wahrscheinlich froh war, zwei Trunkenbolde für einen Abend los zu sein, und dann letztlich gezwungen wurde, die beiden mitten in der Nacht in den Gemütszuständen “leicht verärgert” sowie “nicht mehr ansprechbar” an einem S-Bahnhof abzuholen.

Der Sonderpreis für Contenance

…geht dieses Wochenende wie immer an Sash. Der wurde am Ostbahnhof von einem netten jungen Mann angequatscht, wie weit er ihn für 25 € bringen könnte. Später wurde sogar klar, dass das Budget 45 € sind. Sash hat völlig uneigennützig einen Festpreis von 40 € bis zum endgültigen Ziel ausgemacht, da der junge Mann ganz offensichtlich hilfsbedürftig war. Nachdem der Fahrgast während der Fahrt mehrmals zum Erbrechen neigte und dafür entweder planmäßige Stopps erbat, sowie auch gelegentlich ein Öffnen der Tür für ein adäquates Bremssignal hielt, wurde ihm dank eines grummeligen aber nüchternen Mitreisenden die Tour drastisch verkürzt. Obwohl der Fahrgast für den nunmehr verminderten Fahrtpreis von nur 24,00  € durchaus bereit schien, mal eben 45 € abzudrücken, kassierte Sash dank eines entsprechenden Hinweises keinen Cent Trinkgeld für die nervenaufreibende Fahrt…

Author: Sash Categories: Nicht so Schönes, Taxi

Die Geschichte mit dem Glück

24. Juli 2010

Man vergisst als Taxifahrer oft genug, dass der Umsatz oftmals dem Glück geschuldet ist. Nehmen wir mal exemplarisch Montag und Donnerstag.

Montag:
Ich stelle mich um 23 Uhr an die Halte am Ostbahnhof. Letzte Rücke, es ist schon ziemlich spät um sich so weit hinten anzustellen. Kollegen die ich kenne, sind nicht aufzutreiben. Kein Fahrgast will mich bereits hinten aus der Schlange herauspicken, und so stehe ich tatsächlich eine geschlagene Stunde rum. Es ist langweilig, alle paar Minuten ist die große Abwechslung, den Motor zu starten und 5 Meter vorzurollen. Dann die Welt aus einem etwas veränderten Blickwinkel betrachten und sich weiter langweilen.

Dann, als erster in der Reihe:

“Sagen sie, würden sie uns nach Strausberg fahren?”

Am Ende der Fahrt, ca. 0.30 Uhr:

“Dann wären wir bei 45,80 €.”

“Stimmt so…”

Ergebnis: 50 € in der Tasche.

Donnerstag:
Ich stelle mich um 23 Uhr an die Halte am Ostbahnhof. Letzte Rücke, es ist schon ziemlich spät um sich so weit hinten anzustellen. Kollegen die ich kenne, fahren gleich wieder weg. Kein Fahrgast will mich bereits hinten aus der Schlange herauspicken, und so stehe ich tatsächlich fast anderthalb geschlagene Stunden rum. Es ist langweilig, alle paar Minuten ist die große Abwechslung, den Motor zu starten und 5 Meter vorzurollen. Dann die Welt aus einem etwas veränderten Blickwinkel betrachten und sich weiter langweilen.

Dann, als erster in der Reihe:

“Bringen sie uns in die Muskauer?”

Am Ende der Fahrt, ca. 0.30 Uhr:

“Dann wären wir bei 5,80 €.”

“Stimmt so…”

Ergebnis: 6 € in der Tasche.

Author: Sash Categories: Taxi

Kommt mir spanisch vor…

29. Juni 2010

…dachte ich über die Sprachfärbung im Englisch der jungen Frau.

“Is it ok? Would you bring me to the Schönefeld Airport?”

Aber natürlich und sowas von gerne! Ich stand gerade mal fünfzehn Minuten in der Gegend rum, und wie ich so daran zurückdachte, dass ich auf die erste Tour und den damit verbundenen immensen Umsatz von 4,80 € anderthalb Stunden warten musste, wurde mir geradezu warm ums Herz ob der bevorstehenden 30 €.

Sie wollte ihre Schwester vom Flughafen abholen, die Maschine hatte Verspätung und auf S-Bahn hatte sie keinen Bock mehr, bzw. den Versuch, aus den Sonderfahrplänen mit Sonderzügen irgendwas brauchbares herauszulesen, aufgegeben. Die Konversation zwischen uns war jedoch erstaunlich dünn. Kein gewolltes Schweigen, eher so eine Art absurde Hilflosigkeit. Dabei sprachen wir beide halbwegs ausreichend Englisch und die Strecke war lang genug, um ein bisschen mehr anzuschneiden als misslungene S-Bahn-Fahrpläne und das Wetter.
Insofern war ich eher skeptisch, als sie mich gefragt hat, ob ich sie nicht wieder mit zurücknehmen könne, falls ihre Schwester schon gelandet sei. Sie war mir nicht unsympathisch, aber diese seltsam gedrückte Stimmung konnte doch unmöglich nur ich bemerken. Warum also sollte sie ausgerechnet mich für die Rückfahrt haben wollen?

Ehrlich gesagt: Ich weiss es bis jetzt nicht.

Aber die Aussicht aufs Geld war zu verlockend, und so bot ich ihr an, ein paar Minuten zu warten. Die Fahrt hat sie dennoch schon bezahlt, sodass ich auch ohne weiteres wieder hätte abhauen können. Aber warum hätte ich sollen? Eine zweite 30€-Tour nach ein paar Minuten… Montags!

Nach ein paar Minuten kam sie wieder, allerdings ohne Schwester. Ich hatte Ozie gerade geschrieben, dass solche Abmachungen sowieso nie funktionieren. Sie kam dann nochmal zu mir rübergeschlendert und hat gesagt, dass das Flugzeug wohl in 10 Minuten lande. Ich hab angeboten zu warten und in Gedanken überlegt, ob der Umsatz sich noch lohnt, wenn man einen Strafzettel wegen Falschparkens abziehen würde.

Während wir da so standen und beide eine Zigarette geraucht haben, kam endlich auch das Gespräch ein wenig in Gang. Labern über die Arbeit, ihre Herkunft, warum ihre Schwester kommt, den Flughafen. Nix aufregendes, aber Konversation. Flüssige. Es war doch gut, noch zu warten!

Eine runde halbe Stunde hab ich mich dann letztlich am SXF rumgetrieben, bis die beiden zusammen rauskamen und in freudiges Wiedersehensgequatsche vertieft in mein Auto gestiegen sind. Den Rest der Fahrt war ich zwar mehr oder minder Luft für sie, aber wie es ist, nach langer Zeit Geschwister mal wieder zu sehen, konnte ich nachvollziehen. Ich war zufrieden, denn es tut dem Ego einfach gut, wenn man an einem Ort ohne jeglichen Taximangel zum Bleiben aufgefordert wird. Dass mir die runden anderthalb Stunden fast 65 € in die Kasse gespült haben, könnte allerdings auch zu meiner Laune beigetragen haben.

Das Trinkgeld war zwar nicht der Rede wert, aber – und das sollten einige Kollegen bestätigen können – das kommt einem bei Spaniern nicht wirklich spanisch vor ;)

Sowas sollte es einfach öfter geben…

Author: Sash Categories: Schönes, Taxi

Vergessen

24. Juni 2010

Hab ich doch tatsächlich einen Taxiartikel vergessen. Ups. Na dann eben mal freihand:

Vergessen hat auch ein junger Mann im grünen T-Shirt gestern etwas, nämlich gute Laune und eventuell sein Benehmen. Mitbekommen habe ich es eigentlich erst, als er mitten in einer Schimpfkannonade gegenüber einem Kollegen war, der das allerdings mit stoischer Gelassenheit an sich hat abperlen lassen. Der ganze Wutausbruch dauerte runde zwei Minuten, in denen der Typ sein Fahrrad von einem Verkehrsschild abmachte.

Just darum schien es auch tatsächlich zu gehen. Nachdem der Typ sich wutentbrannt verzogen hatte, habe ich den Kollegen gefragt, was denn so schlimmes passiert sei. Und nun ja: Der Kollege hatte ihn wohl ermahnt, sein Fahrrad nicht an dieses Schild zu stellen, weil er dort ggf. Taxifahrgäste am Einstieg hindert. Das ist das Verkehrszeichen am Ostbahnhof, das direkt neben der Taxirufsäule ziemlich nahe an der Straße steht.

Nun gehöre ich nicht zu den gutgläubigsten Fahrern: Ich weiss, dass manche Kollegen gewaltig einen an der Klatsche haben. Den entsprechenden kenne ich nicht, und ich kann auch nicht ausschließen, dass er seine Bitte vielleicht eine Spur zu heftig angebracht hat. Desweiteren kollidieren am Ostbahnhof tatsächlich viele potenzielle Fahrradhalteplätze mit den Taxihalten. Hier sei vor allem das schöne Geländer an der letzten Rücke genannt. Dass es da mal eng wird, weiss ich.

Aber der Hinweis des Kollegen ist sicher nicht aus der Luft gegriffen. Der Anfang des Taxistandes ist scheiße organisiert. Die Rufsäule selbst steht schon blöd im Weg auf dem Gehsteig, und das Schild, dass eigentlich unseren Platz begrenzt, steht knapp einen Meter daneben, ggf. mit Fahrrad als Hindernisvergrößerung. Wenn wir auf der vorgesehenen Höhe halten, müssen die Kunden damit umständlich reinkrabbeln oder wir parken etwas vom Bordstein entfernt, was Bus- und Autofahrer ärgert und für die Kunden, sobald es mal geregnet hat, zusätzliche Mühen macht, weil just dort auch immer die größte Pfütze zu finden ist. Fahren wir – wie es meistens gehandhabt wird – eine Wagenlänge weiter vor als erster, stehen wir genau genommen auf der Bushaltestelle. Das ist wesentlich kundenfreundlicher, aber ich nehme an, dass die Busfahrer uns deswegen trotzdem für Assis halten. Davon abgesehen ist es nicht auszuschließen, dass irgendwann mal ein übereifriger Gesetzeshüter auftaucht. Die haben ja auch ihr Nest direkt vor Ort.
Und je weiter hinten man als erster hält, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Kunden einfach über die Straße gehen und eines der anderen Taxis weiter hinten nimmt. Das ist kein Weltuntergang, aber dass man das als erster auch nicht unbedingt forcieren will ist klar. Zudem sich einige eher weniger mobile Leute gerne mal aufregen, warum wir da so weit da hinten stehen…

Naja, und was den Nörgler angeht: Ganz egal, was jetzt genau der Kollege gesagt hat, es wird nicht weniger peinlich gewesen sein als das Argument

“Jetzt komme ich zu spät zum Spiel und dann darf ich mir noch so einen Scheiß anhören!”.

Darüber hinaus glaube ich nicht, dass das

“typisch Taxifahrer”

war. Sonst müsste ich hier ja jetzt “typisch Radfahrer” argumentieren, und da kenne ich zum Glück schon persönlich genügend, von denen ich weiss, dass sie wegen einer Äußerung zum eigenen Verhalten nicht gleich ganze Berufsgruppen ausrotten wollen…

Author: Sash Categories: Nicht so Schönes, Taxi

Guter Kilometerschnitt

23. Juni 2010

Und dann war da der Kollege, der an der Halte mit einem mildtätigen Grinsen “jammerte”, dass er gerade über eine Stunde durch die Stadt gefahren ist.

“Und wofür? Für ‘ne Kurzstrecke!”

Ich geb ja ungern an, aber da hab ich dann doch folgendes sagen müssen:

“Weisste, ich steh jetzt seit einer Stunde hier und hab immerhin auch 2 € verdient.”

Und das ist mehr, als der Kollege von der Kurzstrecke netto (oder auch brutto) haben wird. Diese Meisterleistung ist mir allerdings auch nur gelungen, weil die ungefähr 10. Anfrage an diesem Abend am Ostbahnhof nach dem Maria so lief, dass ich gefragt wurde, ich nett und freundlich den unkomplizierten Weg erläutert habe, und die Frau dann völlig überraschend meinte:

“Hey, kann ick dir’n Zwickel jeben?”

Ich hab es nicht übers Herz gebracht, nein zu sagen ;)

Author: Sash Categories: Schönes, Taxi

Ab in die Verlängerung!

5. Juni 2010

Beim Testspiel der deutschen Nationalmannschaft vorgestern war es nicht notwendig, bei mir im Taxi kurz darauf dagegen umso mehr. Der Umsatz kränkelte trotz der Tatsache, dass ich nach der ersten Tour vom Bahnhof gleich 3 Winker hatte. Da stand ich also nun wieder und vertrieb mir die Zeit mit oberflächlichem Kollegenplausch.

Irgendwann traten dann – was ja glücklicherweise trotz Tageszeit, der Wahl der Halte und dem Fabrikat meines Autos unvermeidlich zu sein scheint – Kunden an mich heran.

Die Anbahnung eines Geschäftsverhältnisses beim Taxifahren ist ja mitunter sehr verschieden. Entgegen der Bestimmungen kommt es zum Beispiel durchaus mal vor, dass man fragt, ob der ziellos herumirrende Mensch am Stand ein Taxi brauche. Andere schmeißen sich ins Auto und bringen ihren Fahrtwunsch bestimmt vor. Wieder andere – so auch mein Fahrgast jetzt – wagen sich erstaunlich forsch ans Auto heran, und werden vorab von einem kurzen Zögern übermannt, dass ihnen die Beschreibung des Fahrtziels abringt.

“Bahnhof Friedrichstraße?”

hiess es in diesem Fall und ich signalisierte mein Einverständnis. Vom Ostbahnhof aus ist das eine gar nicht so schlechte Tour. Nichts, wofür man gerne länger als 45 Minuten warten möchte, aber bei Pi mal Daumen 12 € Umsatz, bzw. 5 € Eigenverdienst ist man sicher nicht beleidigt als Fahrer. Eine Durchschnittstour wie aus dem Bilderbuch.

Ich bin mit den insgesamt 2 Fahrgästen losgefahren, und wir haben uns eigentlich nicht groß unterhalten. Ich habe sie kurz gefragt, weswegen sie ein Taxi nehmen (immerhin fahren mehrere S-Bahnen die Strecke auch), aber außer ein bisschen Kauderwelsch in gebrochenem Deutsch über späte Bahnen kann ich auch nicht vermelden. Sie müssten noch weiter, aber von hier dauert das, bla keks, was man als Berliner Taxifahrer seit Beginn des S-Bahn-Ausfalls 2009 schon kennt.

Alles war soweit super, aber irgendwann meinte der ältere der beiden:

“Sorry, was würden es kosten, wenn sie uns fahren bis Wannsee?”

“Ich denke, so um die 30 €.”

hab ich verkündet. Er nannte mir eine Adresse und signalisierte seine Zustimmung, dass ich da hinfahren sollte. Na klasse! Schicht gerettet! Ich hab dann an den folgenden Ampeln das Ziel ins Navi eingegeben und festgestellt, dass es eher knapp wird. Also hab ich gleich gesagt, dass ich immer noch die Chance hätte, sie zur Friedrichstraße zu bringen, sie es sich also nochmal überlegen könnten, aber es wären wohl eher irgendwas um die 35 €.

Und dank meiner Offenheit haben sie es akzeptiert und sich ohne zu murren für 36,40 € bis ans Ziel bringen lassen. Nichts weltbewegendes, nichts Aufsehen erregendes. Aber in dem Moment sehr schön. Ganz ehrlich!

Author: Sash Categories: Schönes, Taxi

Touristen-Abzocke

29. Mai 2010

Wohl um die lokale Flaschensammler-Branche indirekt zu subventionieren wurde folgendes am Ostbahnhof aufgebaut:

Keine Kasse, Quelle: Sash

Keine Kasse, Quelle: Sash

Für alle Touristen in Berlin daher diese Warnung: Das ist keine Kasse. Das ist ein Klo. :)

Author: Sash Categories: Fotos, Vermischtes