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Artikel Tagged ‘Meine WG’


1400U/min

21. April 2010
Runterfallen wäre zu langweilig, Quelle: Sash

Runterfallen wäre zu langweilig, Quelle: Sash

Author: Sash Categories: Fotos

Freitag = Polizeitag (8)

26. März 2010

Parties in der alten WG waren desöfteren mal ein wenig laut. Im Grunde hätten wir nahe des Flughafens wohnen sollen, aber wer sich mal angeschaut hat, wo der Flughafen in bei Stuttgart liegt, der verwirft diesen Gedanken schnell wieder. Wobei es ja auch Leute gibt, die ernsthaft in Schönefeld wohnen…

Naja, knapp ein halbes Jahr nach WG-Gründung kam es zum ersten Mal dazu, dass sich grünuniformierte eingefunden haben. Reichlich absurd war es, dass sie ohne weiteres in die Bude gekommen sind, weil alle Türen des Hauses offen waren. Auf der verzweifelten Suche nach einem Verantwortlichen sind sie in ein Zimmer gestolpert, wo sie ein äußerst eingeschüchtertes Wesen antrafen. Eingeschüchtert war der Besucher vor allem deswegen, weil es einfach ein ziemlich bedauernswerter Zustand ist, völlig breit mit einer Tüte in der Hand zwei uniformierten gegenüberzusitzen.

Die beiden Staatsdiener haben sich aber nicht davon beeindrucken lassen, dass unser Besuch zunächst panisch seine Tüte im Aschenbecher ausdrücken wollte, dann aber noch panischer festgestellt hat, dass in diesem Aschenbecher nur illegale Überbleibsel zu finden waren und er somit auch noch den Aschenbecher zu verstecken hatte. Die beiden haben aber einfach abgedreht, weil der junge Mann leider nicht einmal den Hauch einer Ahnung hatte, wo er eigentlich war.

Als nächstes sind sie in die Küche gekommen und haben in einige verdutzte Gesichter gesehen und nach einem Verantwortlichen gefragt.

“Anderes Zimmer. Sash. Mieter!”

wurde ihnen gesagt, und so wurde die Tradition begründet, dass ich in der WG für die Cops zuständig bin, ganz gleich in welchem Zustand ich mich befinde.

Sie haben mich gefunden und meine Personalien aufgenommen. Geredet haben sie wie die Wasserfälle, zumindest kam es mir so vor :)

Irgendwann waren sie halbwegs fertig und ich hab eingeworfen:

“Wissen sie, jetzt hab ich ihnen so viele Fragen beantwortet. Dann hätte ich jetzt auch ein paar Fragen. Ich hätte gerne ihren Namen und ihre Dienstnummer!”

“Heidenei! Interessiert sie des wirklich?”

“Ja!”

Aber ich will mich nicht beschweren. Sie waren auskunftsfreudig und haben mich am Ende noch nach einer Telefonnummer gefragt, unter der sie mich erreichen könnten. Und was bin ich froh um unsere Nummer damals:

“Eins zwei drei achtzig achtzig. Und das ist kein Witz!”

…und bis zum Auszug stand die Dienstnummer mit Edding an meine Zimmertür geschrieben.

Author: Sash Categories: Feinde, Staatsgewalt

Keine Zeit

5. März 2010

Bin seit gestern dabei, aus der Bude hier mit Ozie zusammen ein Familienfesttaugliches Domizil zu machen, was etwas mehr Kraft kostet als erwartet :(

In den nächsten 40 Stunden warten dann nicht nur zwei Schichten Arbeit auf mich, sondern auch noch die Feier als solches und der Rest der Wohnungsentschmandung. Glaubt mir, ich kann nicht mehr…

Ich hoffe, ich komme morgen mal zu einer Meldung. Übermorgen ist aber wahrscheinlicher :)

Nachtrag 19.11 Uhr
OK, keine Chance. Arbeit gecancelt! Nur noch Wohnung. Immerhin steigt die Chance, einen Moment für den Blog zu haben.

Author: Sash Categories: Meine WG, Vermischtes

Burzeltag (3)

2. März 2010

Da ich alte Freunde und Freundinnen digital nicht hängenlassen kann und sie zudem letzte Woche in den Kommentaren gebettelt hat:

Hier ein ganz lieber Geburtstagsgruß in Richtung degufan!

Alles Gute vom GAEM

(größter anzunehmender Ex-Mitbewohner)

und von Ozie auch ganz viel!

Ich hoffe, du hast zur Geisterstunde nicht schon geschlafen und fleißig Sprache (die du so dringend musst).

;)

Author: Sash Categories: Meine WG, Vermischtes

Jahresrückblick

31. Dezember 2009

Irgendwie kann es ja nicht sein, dass die längsten Blogeinträge des Jahres alle ausgerechnet von Gerichtsschreiben handeln. Also bekommt ihr hier in sage und schreibe 5.060 Worten meinen subjektiven Rückblick auf das Jahr 2009. Der längste Beitrag dieses Jahres, “Nimm dies, Schurke!” hat laut Wordpress zwar ganze 6.143 Wörter, aber den hab ich beim besten Willen nicht mehr erreichen können. Und dieser hier hat wenigstens mehr Bilder! Ich hab natürlich nicht über alles geschrieben, und zudem fast nur meine eigenen Artikel verlinkt. Sonstige Links gibt es (fast) nur zu Wikipedia, da ich kein Nachrichtenmedium bevorzugen will und nicht die Zeit habe, bei jedem Ereignis nach dem wirklich besten Artikel zu suchen. Wer einen vernünftigen Überblick sucht, der sich nicht mit Belanglosigkeiten und Zynik irgendwie aus der Relevanzlosigkeit zu retten versucht, der muss andere Medien befragen. Ganz ehrlich, es kann gut sein, dass mir das ein oder andere wichtige Ereignis entfallen ist. Das wiederum passiert ja auch leicht, da die offiziellen Jahresrückblicke der etablierten Medien ja nicht nur mindestens so subjektiv sind wie meiner, sondern zudem in der Regel irgendwann zwischen dem ersten und fünfzehnten Dezember enden. Dank an diese vorschnelle Schußkraft der medialen Gesellschaft! Und nebenbei Entschuldigung dafür, dass ich die Ereignisse in Detroit tatsächlich nicht mitbekommen hab… :(

Garniert ist das Ganze mit je einem Bild pro Monat. Die meisten dürften noch unbekannt sein, und es ist nur eine spontane Auswahl von mir. Inhaltlich haben sie mal mehr, mal weniger mit dem Monat zu tun, sind aber alle in der jeweiligen Zeit aufgenommen worden. Vielleicht weiss ja das ein oder andere zu gefallen.

Aber gut, lassen wir das und fangen an! Der Rückblick:

Wider Erwarten fing das nun auslaufende Jahr auch am ersten Januar an, was kalendarisch Sinn ergab, aber in die damalige Welt nicht wirklich gepasst hat. Drei Monate zuvor war die Welt wirtschaftlich zusammengebrochen und man hatte das Gefühl, die apokalyptischen Vorgänge des noch jungen Jahrtausends finden sowieso im September statt. Aber egal. Wir wollen über das Jahr 2009 reden. Das Jahr, das dem Geschnatter zu Beginn nach als Krisenjahr in die Geschichte eingehen sollte, und bei dem man sich momentan irgendwie fragt, ob es denn jetzt schon schlimm war, ob es doch besser als erwartet war und das Schlimmste erst noch kommt oder ob nicht sowieso alles immer schlimm ist. Vielleicht versteckt sich die Antwort irgendwo zwischen den folgenden Zeilen…

Januar:

Work in Progress - die Esstischgarnitur in der WG

Work in Progress - die Esstischgarnitur in der WG

Im Januar ist dieser Blog noch nicht einmal existent. Ich wurstele mich noch bei overblog durch und amüsiere mich Tag um Tag aufs Neue über kuriose Übersetzungsfehler und einen Support, der offensichtlich inspiriert ist durch das Infinite-Monkey-Theorem, wobei – statistisch nicht unrelevant – die unendliche Zahl der Affen mit 1 gleichgesetzt wurde. Rückblickend war es ein Albtraum bei overblog, aber ich hatte lange Zeit Angst, mich wieder auf den eigenen Server zu wagen. Es war so bequem, einfach nur zu schreiben und sich um sonst nichts zu kümmern. Hätte ich damals schon eine Ahnung von Wordpress gehabt, wäre das sicher schneller gegangen.
Meine Abneigung gegen Sport bekommt ausgerechnet durch einen helmbewehrten Ministerpräsidenten der CDU auf Abwegen neue Nahrung und überhaupt bin ich ja noch dabei, mich erstmal mit dem Auto in Berlin zurechtzufinden. Der Januar ist der erste komplette Monat im Taxigewerbe für mich und neben einigen vergurkten Touren aufgrund mangelnder Ortskenntnis kommt auch die erste längere Krankheit dazu, was dieses Jahr leider kein Einzelfall bleiben sollte.
Den ersten und immerhin einzigen “Unfall” im Taxi hab ich auch gleich einen Monat nach meinem Einstand in der Firma gefeiert, was mir bis heute mit meiner Vorliebe für Statistiken ziemlich peinlich ist, obwohl die Welt nicht ernstlich untergegangen ist dadurch. Im Grunde war diese Aktion herrlich unspektakulär, aber ich habe auch nicht erwartet, dass meine tägliche Unfallvermeidung zwischen einer Horde von Idioten ähnlich honoriert wird, wie die eines Pilotes in New York, der nach einem Crash mit einem Vogelschwarm nicht nur Unmengen Geschnetzeltes produziert, sondern zu guter Letzt seinen Job verdammt gut gemacht hat, indem er ein zum Fliegen gefertigtes Verkehrsmittel erfolgreich als Boot benutzte.
Ansonsten ist die Welt im Freudentaumel. Der von Berlusconi als “gut gebräunt” bezeichnete Barack Obama wird als Präsident der USA vereidigt und alle sind einmal mehr der Meinung, ein Personalwechsel werde die Welt nachhaltig verändern. Im Grunde verhielt es sich jedoch mit einigen durchaus positiven Ausschlägen nach oben ähnlich wie mit unserem WG-Versuch, endlich mal mehr Chilis anzubauen: Man hat stillschweigend hingenommen, dass Fortschritt vielleicht ein wenig regelmäßige Pflege bräuchte und man hat das Sterben akzeptiert. Aber die Bösen sitzen auch 2009 noch an alter Stelle – in Russland – und drehen den Guten den Gashahn zu. Ein PR-Desaster erster Güte in einem so kalten Monat.
Und während ich feststelle, dass es keine Kollegenmär ist, dass der Januar finanziell scheiße ist, beschließt die Bundesregierung nach den (Unwort des Jahres 2008 bitte hier einsetzen) auch der restlichen Wirtschaft ein paar Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen. Ich nehme an, ich bin nicht der einzige, der nicht sicher sagen kann, was ihm das gebracht hat, ausser dem Wissen, dass die eigenen Kinder irgendwann noch mehr Schulden haben werden als man selbst. Meine erhöhen sich im Januar um rund 400 €, die ich in meine neue Digicam stecke. Etwas teurer mag der Burj Dubai gewesen sein, der seit Januar seine volle Höhe von 818 Metern erreicht hat, aber im Gegensatz zum Emirat Dubai bin ich heute auch nicht komplett pleite.

Februar:

Upside Down - Nicos Fahrrad

Upside Down - Nicos Fahrrad

Der Februar ist trotz oder gerade wegen seiner Kürze enttäuschend. Weltweit gehen etliche Firmen pleite und wir schließen uns als WG an, indem wir einen ganzen Haufen Geld verprassen und für neue Möbel ausgeben. Was aussieht, als hätten wir in irgendeiner Form vor, tatsächlich die Konjunktur anzukurbeln, ist in Wahrheit eine Verlegenheitslösung. Ende Februar findet das erste Mal zu Ozies Geburtstag eine Familienfeier in unserer Wohnung statt und wir haben ein  Wohnzimmer, in dem sich so ungefähr das quadrierte Nichts befindet. Keine Möbel. Klingt komisch, ist aber so. Im Zuge der Wohnungsneueinrichtung nach Ralfs Auszug erhält nun auch das Fernsehen endlich Einzug ins Saarland, unser Stehpinkel-Klo. In Anbetracht der gravierend ins Wanken geratenen Wirtschaftslage ist es nicht verwunderlich, dass ein Film wie Slumdog Millionaire 8 Oscars erhält.
Ich selbst pflege den Untergang der Privatfinanzen zusätzlich mit ein bisschen Streiterei mit den Cops. Über eine rote Ampel bin ich angeblich gefahren. Die einzigen Gegenbeweise, die ich gehabt hätte, mussten leider schnell pinkeln und für mich war der Tag eh gelaufen. 3 Punkte hab ich seit damals. Im Gegenzug hab ich 123 € nicht mehr. Fairness siegt…
Wesentlich härter trifft es die Berliner Kassiererin, die wegen Pfandbons im Wert von 1,30 € ihren Job verloren hat.  Ähnliche Kündigungsfälle beschäftigen das Land das ganze Jahr über immer wieder. Die Wirtschaftskrise sorgt aber nicht nur aufsehenerregend für Entlassungen, sondern auch ganz still und heimlich dafür, dass plötzlich alle, die vor ein paar Monaten einen solchen Vorwurf noch mit der ungelenken Beschuldigung “Kommunistenschweine” zu verhindern gewusst hätten, die Idee von verstaatlichten Banken irgendwie sozial finden. Die Hypo Real Estate wird allerdings nicht wirklich zum ersten Opfer des wegen ihr verabschiedeten Gesetzes, sondern wird auf herkömmlichem Wege dem Staat zugeführt.
Für die Pressefreiheit ist es ein seltsamer Monat, da der DFB-Präsident Theo Zwanziger anhaltend juristisch gegen den Journalisten Jens Weinreich vorgeht, weil der nebenbei einmal mit Bezug auf Zwanziger das Wort “Demagoge” fallen lassen hat. Die Kampagne “Zwanziger gegen Zwanziger” haben wir auch mit einem blauen Scheinchen unterstützt, und spätestens seit ich in diesem Februar endlich den Blog erneuert und an den aktuellen Platz verlegt hatte, sah ich mich ja dann doch auch ein wenig als Bloggerkollege. Die Leserzahlen wuchsen dezent weiter, und dank der nun vorherrschenden Taxi-Thematik gesellten sich immer mehr neue Leser zu meinem Blog.

März:

Enough Money - Monatseinnahmen

Enough Money - Monatseinnahmen

Der März war ein arbeitsamer Monat. Viel passiert ist nicht hier in der WG, aber sonst war die Hölle los.
Die ganze Republik jammert, dass die Bahn ihren eigenen Mitarbeitern hinterherspioniert, was am Ende zur Folge hat, dass Hartmut Mehdorn die Chefetage verlässt. Gerade rechtzeitig, um nicht mehr volle Verantwortlichkeit für das S-Bahn-Chaos in Berlin übernehmen zu müssen.
In Winnenden erschüttert ein Amoklauf die Bevölkerung, was wie so oft zur Folge hat, dass die Medien, die sich in diesem Fall pietätlos und fahrlässig genug verhalten, letztlich auch wieder den ganzen alten Bullshit zu so genannten Killerspielen aus den Archiven kramen, da trotz Ursel “Fruchtbombe” von der Leyen und Wolfi “Will aber Flugzeuge abschießen” Schäuble noch kein allgemeines Computerverbot eingeführt wurde.
Das Thema bleibt aber wichtiges Element der Innenpolitik und sorgt für eine sehr ungewöhnliche Solidarität unter den Netzaffinen aller Couleur.
Während in Österreich die Verurteilung des Inzest-Vaters des Jahrhunderts gelingt, wird klar, dass die baden-württembergische Polizei jahrelang einer inexistenten durchs Land marodierenden, klauenden und mordenden Transe hinterhergerannt ist, die es so nie gab. Die vermeintlich von Tätern verschiedenster Verbrechen hinterlassenen DNA-Spuren stammten von einer Mitarbeiterin, die die Produktion der zur Beweissicherung verwendeten Wattestäbchen betreute.
Passend zur Verblödung der Menschheit, der selten genug ein Licht aufgeht, muss nun auch noch ein Gesetz gemacht werden, das normale Glühbirnen verbietet. Dass die Menschen in den darauffolgenden Monaten mit einem Enthusiasmus in die Läden rennt, um ja noch so ein Teil zu bekommen, das den dreifachen Stromverbrauch hat, kann sich nur dadurch erklären lassen, dass Blödheit dominant vererbt wird und nicht nur die Österreicher gerne intrafamiliäres Geschnacksel praktizieren.

April:

As Time goes by - Bahnhofsgeländer

As Time goes by - Bahnhofsgeländer

Berlin wagte einen Volksentscheid zum Religionsunterricht, der  – und es ist selten, dass ich so etwas auch noch befürworte – keine Änderung der bisherigen Situation zur Folge hatte. Trotz Günther Jauch. Dass ausgerechnet das im Vergleich zu anderen Ländern sehr weltliche Religionsunterrichtsmodell von Berlin gekippt werden soll, lässt mich einmal mehr daran glauben, die Menschen wehren sich absichtlich gegen Vernunft. Gut, dass das in die Hose ging.
Während in Italien die Erde heftig wackelt und so selbst Berlusconi aus seinem Luftschloss rüttelt, passiert im Taxi-Gewerbe in Berlin gar nichts. Die Schulferien senken die Umsätze auf ein Jahrestief, was spätestens ab dem dritten Tag extrem nervig wird. Ich selbst  beschäftige mich in diesem Monat aus Mangel an sonstigen Alternativen damit, das Blog-Design ein wenig zu ändern, und so erstrahlt der Blog seit April ziemlich genau so, wie ihr es jetzt seht.
Eine einzige bedeutende Fahrt hatte ich im April: Ich hab endlich das Wombats Hostel gesehen, obwohl ich schon in den Monaten davor ständig Leute dahin gebracht hatte – die aber aus absurden Gründen immer schon vorher aussteigen wollten.
Ein Häufchen nicht unbedeutender Provider in Deutschland beginnt mit einer freiwilligen Zensur von Kinderpornografie im Internet, was eine ziemlich absurde Form vorauseilenden Gehorsams darstellt, aber natürlich nicht in Frage zu stellen ist, weil es ja schließlich um Kinderpornografie geht. T-Mobile lässt gleich ein Special-Feature folgen: Ein paar Stunden kompletter Netzausfall. Sehr wahrscheinlich, dass sich auch Kinderpornografienutzer geschädigt fühlen!
Mit der Entführung des Schiffs Hansa Stavanger beginnt ein monatelanges Schauspiel der menschlichen Unzulänglichkeiten, das parallel zu einer ähnlichen Hype-Veranstaltung läuft: Die Schweinegrippe! Ein sympathisches kleines Grippe-Virus hat sich in Mexiko vor die Türe getraut, und seit April warten wir alle auf den Totalausfall der menschlichen Zivilisation, der unweigerlich eintreten wird, wenn das Virus mal loslegt.
Ich muss das erste Mal mit eigenen Augen den Unfall eines Kollegen beobachten, der zwar glücklicherweise nicht so drastisch ausging wie die Amokfahrt in Apeldoorn in den Niederlanden, an meinen eigenen Nerven jedoch wesentlich mehr zerrt. Bis heute bin ich verwundert, dass Need for Speed seit den Vorkomnissen von Apeldoorn nicht von der Regierung zu einem Killerspiel hochgestuft wurde. Und just in diesem Monat habe ich mich auch mit einem Verkehrsseminar beschäftigt, was mir die zwiespältige Erkenntnis brachte, dass die Quote neuen Wissens überschaubar ist, die Quote der Fahrer, die damit was anzufangen wissen allerdings noch überschaubarer. Seit damals bin ich zudem bei fotolia angemeldet und hab mit meinen Bildern bisher 5,70 € verdient. Nicht, dass ich meinen Lebensunterhalt damit bestreiten könnte, aber immerhin!

Mai:

Gone for a While - Nico

Gone for a While - Nico

Der erste Mai in Berlin begann seit langer Zeit mal wieder mit Krawall, und wenngleich ich eine Beteiligung verneine, so war ich doch anwesend. Ganz offensichtlich sind mir die Kinderspielchen aber fast schon zu langweilig geworden, habe ich doch immerhin nicht einmal realisiert, dass hinter mir ein Molli explodiert ist, was Ozie in Angst und Schrecken versetzte. Ein bisschen dekadent mutet mein Abkommen mit ihr von diesem ersten Mai an, fortan den ersten Mai in Kreuzberg künftig immer mit einer Taxifahrt nach Hause zu beenden. Mal sehen, wie lange wir das durchhalten.
Während die Kita-Mitarbeiter streiken und wir als Taxifahrer uns im Gegenzug vor der Tariferhöhung am 1. Juli fürchten, stagniert die Inflation in Deutschland und sogar für Opel wird ein Rettungsplan vereinbart. Dass das Jahr aber nicht zu Ende gehen würde, wie es angefangen hat – obwohl nicht einmal der Bundespräsident wechselt – zeigt sich bei uns in der WG dann, als sich Vattenfall meldet. Zu Recht, schließlich haben wir anderthalb Jahre keinen Strom gezahlt. Mir scheint, der Mitarbeiter vor unserer Tür ist ähnlich perplex wie wir. Dumm nur, dass wir einen Teil der Stromkohle eine Woche zuvor in eine WG-Umbau-Aktion investiert hatten. Nico ist spontan gen Süden aufgebrochen und sollte – was wir da noch nicht erahnen konnten – erst im September wiederkommen. So hätten wir unserem kurzfristigen Kurzzeit-Mitbewohner Daniel eigentlich doch längere Zeit ein Zimmer geben können. Aber diesbezüglich war die WG dieses Jahr sowieso ganz gut bedient: 3 Übergangsbewohner können wir 2009 verzeichnen, eigentlich kein schlechter Schnitt und für uns Grund genug, eine so große Wohnung zu unterhalten.
In anderen Branchen wird die Kurzarbeit so nötig, dass die Regierung deren Rechtmäßigkeit auf 24 Monate ausdehnt, was immerhin mal dafür sorgt, dass die Statistiken für dieses Krisenjahr 2009 bezüglich der Arbeitslosigkeit recht hübsch aussehen. Weniger hübsch sieht es mit meiner Laune aus, als mir Handy und Kamera aus dem Taxi geklaut werden. Aber wie so oft schmerzt der Verlust vor allem der Blödheit der beteiligten wegen. Zum einen wären da die Jungs, die bei fleißigem Wiederholen solcher Späße sicher irgendwann Ärger für nichts haben werden, zum anderen muss ich anmerken, dass ich – ohne allzu unverschämt sein zu wollen – es ein bisschen armselig von der Polizei finde, nicht einmal einen humpelnden Jugendlichen in Skateroutfit in einem 8-Parteien-Haus zu finden…
Ich hänge aber inzwischen so an der Cam, dass ich eine Woche später eine neue bestelle, mit deutlich mehr Vorfreude als Tränen, und das trotz 400 € Kosten und dem Wissen, dass ich noch ein paar Monate für die alte zahlen werde. Ach ja, der Stasi-Skandal des Jahres – ein gewisser Herr Kurras, den Altlinke noch als Mörder von Benno Ohnesorg kennen, fällt auch in den Mai. Obwohl die Bild sehr an einer Umschreibung der Geschichte interessiert war, hat sich die Ansicht, die 68er-Bewegung sei nur ein Kampf unter Kommunisten gewesen, bis Jahresende nicht wirklich durchgesetzt…
Der Mai ist zudem der Monat einer Online-Petition gegen Netzsperren, bei der über hunderttausend Menschen die verquere Art der Regierung, das Internet fehlzuinterpretieren abrechnen.

Juni:

Fail - Fail

Fail - Fail

Ähnlich wie ein Air-France-Flieger nach einem Absturz im Atlantik geht auch der Arcandor-Konzern unter und meldet Insolvenz an. Dass der Reisekonzern und damit Flugreisenanbieter Thomas Cook aus dem Portfolio noch “erfolgreich” verkauft wurde ist dabei eine Belanglosigkeit, aber ich stehe wahnsinnig drauf, in derartigen Texten Querverweise zu generieren, die selbst einer kindlichen Logik zu blöde sind.
Die Europawahl geht mit einem Ergebnis zu Ende, das in vielen Punkten Entsetzen bei mir auslöst. Deutlich weniger entsetzt bin ich über die Mitteilung des Arbeitsamtes, dass ich kein Hartz4 mehr bekommen werde. Da ich aber schon seit einem halben Jahr in Lohn und Brot stehe und die letzte Zahlung dieser Nulpen ohnehin noch im Vorjahr rausging, ist es ein für mich persönlich erträgliches Schreiben mit immerhin witzigen Formulierungen.
Während Mr. Obama noch flötet, die Finanzmärkte müssen besser reguliert werden, wird an Bernard Madoff ein Exempel statuiert: 150 Jahre Knast fürs Verzocken von fremdem Geld. Sieht wohl nicht gut aus für unsere Regierung…
Zwei Dinge erweisen sich als Gegenteile, obwohl sie nie was miteinander zu tun hatten: Das Dresdner Elbtal verliert die Ehre, Weltkulturerbe zu sein und die Schweinegrippe erhält die Ehre, endlich eine Pandemie zu sein. Auch wenn die Grippe in der Presse vorne liegt, ist fraglich, was den Deutschen mehr Angst macht. Ich erhalte das erste Mal ausländisches Geld von Fahrgästen und die Mausenpeoples ziehen in unsere Mäuseburg. Um das gegenzufinanzieren, geht der Mahnbescheid an meinen Ex-Vermieter raus, was uns noch den Rest des Jahres beschäftigen wird. Im Iran wird gewählt, was gewählt werden soll, was die die gewählt haben, nicht gewählt haben wollen. Kurz gesagt: Es gibt eine Menge Stress.
Aber eigentlich ist das alles sowieso unwichtig, weil Michael Jackson tot ist.

Juli:

Disturbing Colors - Abendhimmel

Disturbing Colors - Abendhimmel

Der Juli ist insbesondere finanziell sonnig. Dank familiärer Unterstützung geht es den WG-Finanzen wieder besser und auch bei meinem Umsatz war dies der beste Monat des Jahres. Ähnlich ging es der Regierung, sie haben den 2. Nachtragshaushalt 2009 beschlossen, und somit auch erstmal kräftig auf Pump ihre Arbeit finanziert. Der Umsatz bei mir war insbesondere der Modemessen zu Beginn wie auch der ersten Tariferhöhung meines noch kurzen Taxlerdaseins geschuldet. Nicht zu vergessen auch das beginnende totale Chaos bei der Berliner S-Bahn. Aufgrund verschlampter Reparaturen fallen bis zu 50% der Züge aus. Das sorgt nicht nur für gute Umsätze im Taxigewerbe, sondern auch für den ein oder anderen verärgerten Kunden. Bis heute fällt im Taxi noch oft der Satz: “Wissen sie, mit der S-Bahn wäre das einfach zu stressig jetzt…”
Tote gab es aber natürlich auch im Juli noch, wenngleich die Michael-Jackson-Hysterie das Meiste überdeckt. So wird in Dresden eine Ägypterin ausgerechnet vor Gericht umgebracht, unsere Maus Fail stirbt und in Nachterstedt rutscht gleich halbes Dorf ein paar Stockwerke abwärts. Etwas vorsichtiger ist man mit Atomkraftwerken: Krümmel wird nach nur sehr kurzer Wiederanlaufphase erneut notabgeschaltet. Sicher nicht das letzte Mal.
Porsche hat sich Dank der Finanzkrise an VW verschluckt und wird nun selbst Teil des begehrten Konzerns. Mir ist entfallen, was für einen Dienstwagen sich Ulla Schmidt in Spanien klauen ließ, aber daran ist offensichtlich keine Firma verendet. Die Karriere der Frau Schmidt dagegen schon. Während in Tegel noch der Stress um die Taxikontrollen tobt, werde ich unvorteilhaft von Journalisten der Neon fotografiert und weiss ehrlich gesagt bis heute nicht, ob das Foto veröffentlicht wurde. Vielleicht sollte man künftig im Netz mit bing suchen, der neuen Suchmaschine von Microsoft, deren Start allerdings nicht den gewünschten Aha-Effekt hat. Zumindest nicht in Deutschland, was mangels Deutschsprachigkeit aber vielleicht kein Wunder ist. Der Juli war zudem der Monat, in dem wir endgültig beschlossen haben, Dieter zu verklagen, was ja auch noch immer seine Schatten in Form langer Einträge und Briefe wirft.

August:

As much as possible - Umzug per Taxi

As much as possible - Umzug

Der August ist genau so, wie ich ihn eigentlich nicht mag: Heiss. Ich lasse die Arbeit ziemlich schleifen und nehme mir den ein oder anderen freien Tag. Ein dubioser Waffenschieber namens Schreiber taucht gezwungenermaßen mal wieder in Deutschland auf, was ihm sicher noch heute das Leben schwer macht.
Verschollen hingegen bleibt bei uns in der WG Nico. Wir wissen immerhin, dass er bald ausziehen will und machen Planungen für die Zeit danach. Ozie beginnt den Umzug ihres Zimmers und neben dieser Schwerstarbeit in der WG hecheln auch einige Athleten anlässlich der Leichtathletik-WM in Berlin solidarisch mit uns. Porsche hingegen kommt alleine nicht so recht auf die Beine, woraufhin das Emirat Katar sich finanziell beteiligt. Falsch lag offenbar, wer dachte, die Scheichs unterstützen die Weissacher schon genügend mit Vorratskäufen. In Afghanistan wird die alte Regierung wiedergewählt, was nicht nur Freude auslöst und bis Ende des Jahres verdächtig bleibt. Offenbar um solche dubiosen Vorgänge künftig zu verhindern, beschliesst die OSZE erstmals, auch Wahlbeobachter nach Deutschland zu entsenden. Ich selbst gewöhne mich trotz vieler freier Tage aufgrund von Faulenzia Vulgaris und Getriebeschaden an meine ungewöhnliche 5-Tage-Woche und kriege mit viel Glück dennoch das bisher höchste Trinkgeld von 40,60 €. Die Anzahl der Blogeinträge durchbricht die 1000er-Marke.

September:

Red Light District - Ostbahnhof

Red Light District - Ostbahnhof

Der September verspricht ein ähnlich heißer Monat zu werden. Allerdings in anderer Hinsicht. Die Bundestagswahl steht an, und inzwischen wissen wir alle, dass wir nicht hätten hingehen müssen. Der immerhin sehr konsequenten Wahlniederlage der SPD ging ausnahmsweise mal ein behäbiger, fast schon lethargischer Wahlkampf voraus., der dennoch zu einigen “Yeaah!“-Rufen inspirierte. Während wir uns hier erstmals ernsthaft mit einem Gericht beschäftigen müssen, geht es anderswo richtig zur Sache. Die Bundeswehr beispielsweise befiehlt die Bombardierung afghanischer Tankwagen, was später noch zu richtigem Tumult führt. Und zwar bis in die Ministerriege der Republik. Davon, dass Al Quaida inzwischen serienmäßig Drohungen gen Deutschland ausstößt, mal ganz abgesehen.
Immer noch fraglich ist, ob das Bombenräumkommando am 24.9.09 deswegen den Ostbahnhof gesperrt hat. Bis in die Nachrichten hat es diese Aktion kurioserweise nicht geschafft.
Die Jugend scheint sich auch zum Kampf zu rüsten, mit gemischten Ergebnissen: In München wird ein Geschäftsmann getötet, weil helfen wollte, während in Ansbach ein Amoklauf “misslingt”. Der erste Fahrgast, der mir ins Auto kotzt, ist allerdings kein Jugendlicher Komasäufer, sondern eine wohlsituierte Dame mit renommierter Begleitung. Vom Geruch her schenkt sich das allerdings nichts.
Ob die Bundesregierung grundsätzlich an Soldaten zweifelt nach der afghanischen Tanklaster-Geschichte, ist nicht ganz ersichtlich, aber immerhin werden nach 64 Jahren endlich Kriegsverräter der Wehrmacht rehabilitiert.
Die Weltpolitik scheint sich ein wenig zu entspannen, immerhin verhindert Obama ein Raketenwettrüsten mit Russland, es werden ein paar Finanzmarktregulierungen beschlossen und als ob die Welt damit nicht schon in Frieden und Freiheit leben würde, teilt der Iran der IAEA auch gleich noch mit, dass sie tatsächlich in einem zweiten Keller an der Atombombe friedlichen Nutzung der Kernkraft arbeiten. Durch den ersten Marathon von Ozies Onkel wohne ich der Show hier in Berlin das erste Mal bei. Während Berlins Straßen deswegen gesperrt sind, wird anderswo der Weg für eine Impfung gegen die immer noch nicht grunzende Schweinegrippe freigemacht.

Oktober:

Broken - Gerüst

Broken - Gerüst

Der Oktober wird ohne dass es geplant war auch nicht zu meinem Monat. Ich verliere zwar nicht meine Immunität und habe einen Haufen schlimme Gerichtsverfahren zu erwarten wie ein gewisser Herr Berlusconi – aber mich erwischt die Grippe. Ob es die Schweinegrippe war, weiss ich nicht sicher zu sagen, aber immerhin werde ich im November nicht krank, nachdem ich mit einem ziemlich sicheren Fall ein Bier trinke.
Während ich fast 3 Wochen außer Gefecht gesetzt bin, aber außer massiv erhöhtem Tee- und Taschentuch-Konsum kaum bleibende Schäden davontragen, sterben nun auch in Deutschland ein paar Leute an der Sauseuche.
Barack Obama bekommt spontan den Friedensnobelpreis für sein zugegeben beachtliches Engagement, erntet aber auch berechtigte Kritik, da seine Leistungen sich vorerst hauptsächlich auf nette Worte beschränken.
Die Wirtschaftskrise ömmelt sich immer noch weiter durch Deutschland und die Welt, was sich hier insbesondere bemerkbar macht, weil die HRE nun ihre Verstaatlichung abschliesst und die Jahrzehnte lang als Musterkonzern geltende Arcandor-Tochter Quelle abgewickelt werden muss.
Bei uns tobt inzwischen das Gerichtsverfahren und zuzüglich zu einem famosen Schreiben von Dieters Anwalt, in dem wir sogar für den maroden Küchenboden verantwortlich gemacht werden, erhalten wir einen Termin: Den 11.11.09. Ein Tag vor meinem Geburtstag soll die Verhandlung also steigen. Super!
Noch bevor es soweit ist, gibt sich allerdings das “Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden” Mühe, meine alte Heimat in der ganzen Welt lächerlich zu machen, indem sie einen Container aufstellen, in den besorgte Familien ihre sogenannten Killerspiele werfen können. Die Resonanz ist allerdings mit dem Wort inexistent treffend umschrieben.
Mein Blog lebt weiter und seit Oktober kommen auch die ein oder anderen Werbeangebote rein, die ich allerdings bisher allesamt ablehne, weil es mir entweder zu blöd ist, oder die Verantwortlichen sich nicht mehr melden, wenn ich ihnen die Bedingungen mitteile. Was soll’s? Bleib ich halt arm!

November:

Cops and Money - Zimmerdeko

Cops and Money - Zimmerdeko

Der November stand trotz anfänglicher schlechter Meldungen bezüglich der Gesundheit meiner Mutter ganz im Zeichen des Gerichtstermins am 11.11.09. Damals war mir auch nicht bewusst, dass das Telefonat, in dem ich mich für Silvester angekündigt habe, das letzte gewesen sein sollte.
Der Gerichtstermin endet mit einem Schock, der Tag allerdings dank neuer Beweise in einem rauschenden Fest, mit dem wir gleich meinen Geburtstag einbezogen haben. Endlich ein Wiedersehen mit vielen Leuten und einfach eine verdammt witzige Reise. Ach ja, vom Essen im Kronprinz werde ich gedanklich auch noch eine ganze Weile lang was haben.
Im herbstlichen Wetter überschlägt die Welt sich jedoch fast. Der schon beinahe gerettet geglaubte Opel-Konzern wird nun doch nicht von Mami GM in die freie Wildbahn gelassen.
In Fort Hood, einer US-Militärbasis mit ungefähr der Größe von Berlin, wird auch noch Amok gelaufen. Eine einsatzfreudige aber fragwürdige Methode, einem Kampfeinsatz zu entgehen…
Deutschland hingegen hat inzwischen mehr Ärger mit aufmüpfigen Studenten, die allenthalben protestieren anstatt schön fleißig und schnell Arbeitsmarktfutter zu werden. Dazu verrennt sich der Verteidigungsminister in falschen Opferzahlen des ach so friedlichen und unkriegsmäßigen Bundeswehreinsatzes in Afghanistan und darf danach gleich weiterrennen – nämlich aus dem Amt. Der Nationaltorwart Robert Enke nimmt sich das Leben, was immerhin dazu führt, dass ich seinen Namen mal kennenlerne. Etwas spät, wie mir erscheint. Dem Spiegel ist das natürlich eine Titelgeschichte wert, obwohl inzwischen auch dem letzten Dorfpsychologen klar ist, dass die Berichterstattung über Suizid in der Form Nachahmungen nach sich zieht. Aber es ist so oder so nicht der Monat des Spiegels, hat sich das Magazin doch noch ein anderes Ei gelegt: Seitenweise fabulieren sie Oskar Lafontaine eine Affaire an den Hals, woraufhin dieser sich kurz darauf meldet und seinen politischen Rückzug mit einer Krebserkrankung begründet. Autsch!
Sonst bleibt alles beim Alten: Zwei Verbrecher brechen aus, Fußballwetten sorgen für Verbrechernachwuchs und die Regierung verbricht mit massiven Steuerentlastungen auch noch was.
Gebannt starrt die Welt indes über die Berge der Alpen auf die kleine Schweiz, die als Patentlösung gegen die schlimme Welt den Bau von Minaretten verbietet, wozu mir einfach kein witziger Halbsatz einfallen will.

Dezember:

Last Exit - Cuxhaven

Last Exit - Cuxhaven

Begonnen hat der Dezember bekanntermaßen scheiße! Dass ich Silvester nun hier in Berlin verbringe hat seinen Ursprung ebenfalls darin. Nach einem Monat hin und her zwischen Krankenhaus und Pflegeheim ist meine Mutter am 4. Dezember gestorben. Fast einen Monat, bevor ich meinen Besuch antreten wollte.
Dieser wurde daraufhin vorverlegt und so kam es, dass ich mit Ozie und meinem Bruder eine Woche lang so etwas ähnliches wie Urlaub mit Arbeitseinsätzen und Trauerbewältigung an der Nordsee verbracht habe, allerdings ohne gefühlt anwesend gewesen zu sein. Insgesamt 2 Wochen habe ich mir im Dezember frei genommen und damit die finanziell allgemein eher miese Situation auch nicht unbedingt verbessert.
Es ist sicher auch so eine Art Selbstschutz, wenn ich mich jetzt darüber freue, dass das Jahr wenigstens mit meinem ersten Radiointerview als Blogger und dem ersten Gewinn bei einem Gewinnspiel endete. Aber das war ja nicht alles, was in diesem Monat passiert ist. Rekord-Grinser Guttenberg findet nach der heftigen Kritik inzwischen auch irgendwie doof, dass die Bundeswehr Tanklaster sprengen lässt. Ausgerechnet meine blitzsaubere ehemalige Heimatbank LBBW wird von einem Untreue-Skandal erschüttert, was mich allerdings nur wenig begeistern kann, da ich durch meinen Job beim Sicherheitsdienst von b.i.g. immerhin eine Ahnung zu haben glaube, wie die schon legal mit Geld umgehen. Ansonsten muss die FDP für alte Möllemann-Eskapaden zahlen, und bei aller gesunden Verachtung der Partei gegenüber hoffe ich nur, dass sie von den 3,5 Millionen Euro wenigstens die Kosten für den kaputten Fallschirm absetzen können. Der Profi-Geldverdiener und Gelegenheitsgolfer Tiger Woods verblüfft seine Fans damit, dass er tatsächlich auch schon mal Sex mit anderen Menschen hatte und schockiert diese damit zutiefst.
Einen versöhnlichen Schlusspunkt setzt ausgerechnet ein verwirrter Mann, der offenbar mit vollem Körpereinsatz Kritik an Silvio Berlusconi äußert. Das wird Arbeitsplätze im Bereich der plastischen Chirurgie schaffen und kann somit als gelungene Aussicht auf ein Überwinden der bösen bösen Krise im nächsten Jahr gedeutet werden.
Ja, aber zu allerletzt sitze ich ein paar Tage an meinem Schreibtisch am PC und hämmere diesen Text runter. In manchen Momenten nervt schon das Quellensuchen und Verlinken und ich wünsche mir gelegentlich, nie angekündigt zu haben, einen Rückblick zu veröffentlichen. Und wie jedes Jahr lautet mein Vorsatz dann:

“Nächstes Jahr schreibst du einfach schon die ganze Zeit am Rückblick. Zumindest jeden Monat. Oder du fängst im Oktober schon an. Oder wenigstens vor Weihnachten. Ein bisschen früher? Ach lass stecken!”

Ich kann abschließend nicht sagen, wie das Jahr für mich war. Es hat sich vieles verändert, davon einiges zum Guten und einiges zum Schlechten. Die Finanzen waren schon mal schlimmer und mal besser. Die Wohnung hingegen sieht definitiv besser aus als zu Jahresbeginn, gehört allerdings dennoch generalüberholt. Die Arbeit macht nach wie vor viel Spaß, aber aus den verschiedensten Gründen (auch wenn es manchmal nur Lustlosigkeit war) bin ich viel zu wenig  dazu gekommen. Ich hatte eine Menge schöne Tage und lag einige krank oder fertig im Bett. Dass der Tod meiner Mutter zudem noch nicht einmal einen Monat zurückliegt, macht es mir natürlich auch schwer, jetzt mal eben ein positives Fazit zu ziehen.
Aber eigentlich ist es egal, wie das Jahr 2009 war, denn nun ist es vorbei und wie jedes Jahr gilt doch, dass man nach vorne schauen sollte. Ich bin da nicht immer so gut drin, aber man kann es ja immer wieder versuchen.

Die schöne Geschichte dennoch zuletzt:

Dieser Blog. Das war ein bewegtes Jahr hier im Netz und ich bin wirklich ein wenig stolz. Ich hab Pi mal Daumen 600 Artikel geschrieben und den Blog wieder auf meinen eigenen Server gepackt. Einige Leser sind mir gefolgt und etliche neue haben sich gefunden. Ich hab hier bei euch sowohl Spaß und interessante Streitgespräche gehabt, als auch Hilfe und Trost gefunden. Und all das ist ausnahmslos schön. Und wenn man sowas schon mal behaupten kann….

Deswegen an dieser Stelle noch eine kurze Verneigung meinerseits vor meiner werten Leserschaft und der ernstgemeinte Wunsch, ihr möget den Jahreswechsel angenehm hinter euch bringen. Ob alleine, zu zweit oder in einer Horde unbekannter Leute, ob zu Hause, in einem Club, auf einem Berg oder in der Stadt. Seid betrunken oder nüchtern und fahrt Taxi oder nicht. Hauptsache, ihr macht es gut!

Kommt gut ins neue Jahr!

Ich hoffe, wir sehen/lesen uns im Neuen wieder!

Ich werde Silvester übrigens irgendwie völlig “anti” mit Ozie zu Hause verbringen und nicht einmal was trinken. Kann also sein, dass ich um 23.57 Uhr noch Kommentare beantworte… Spaß ist ja auch eine Definitionsfrage. Danach geht es dann – kurzfristige Planänderung – irgendwann noch auf die Piste: Erste Silvestererfahrungen im Taxi, mit hoffentlich vielen spaßigen Kunden und immer noch Schnee! (Wenn schon, denn schon!)

Bye bye, 2009…

Morgendämmerung

2. November 2009

10 Uhr und das wichtigste ist geschafft. Naja, also es sind noch zwei komplette Regale zu putzen und von einem Zimmer ins andere zu transportieren. Aber das wichtigste ist geschafft: Ich sitze in meinem neuen Zimmer an meinem Schreibtisch und blogge…

So langsam könnte ich auch ein wenig Schlaf vertragen – aber es ist gerade so schön. Das neue Zimmer hat eine ganz neue Akustik und wenn es endlich spät genug ist, dass die ganzen Leute arbeiten oder bei der Arge sind…

Ihr lest also einen Artikel, den ich in äußerst guter Verfassung schreibe: Ausgepowert, müde, neuzimmrig und zudem beim Musikhören während des ersten Feierabendbiers. Den restlichen freien Tag werde ich mit Schlafen, Kleinigkeiten transportieren und die neue Atmosphäre genießen gestalten. :)

Manchmal kann das Leben auch mit wenig Aufwand sehr nett sein. Gut, nicht jeder hat die Möglichkeit, mal kurz von 11 auf 22 m² zu wechseln – aber deswegen wohne ich ja in Marzahn in einer völlig überdimensionierten Wohnung.

Und abgesehen vom metaphorischen Sinn habe ich natürlich auch noch ein bisschen echte Morgendämmerung für euch. Auch aus Marzahn natürlich:

Novembermorgen, Quelle: Sash

Novembermorgen, Quelle: Sash

Nachtrag:

Lied der Stunde:

Ach ja: Das Video find ich scheiße, aber das Lied ist großartig!

Author: Sash Categories: Fotos, Meine WG, Vermischtes

Maustreiber gesucht!

29. Oktober 2009

Sowas könnten wir gerade tatsächlich brauchen: Einen Maustreiber. Einen, der entlaufene Mäuse in irgendwelche Fallen treibt und sie dann zurücksetzt…

Unsere Mäuseburg im Wohnzimmer ist eine feine Sache soweit. Im Normalfall funktioniert es auch ganz gut und die Tierchen bleiben brav dort wo sie hingehören. Leider scheinen wir eine Maus am Start zu haben, die irgendwie ein wenig blind oder blöd ist. Die Vermutungen unsererseits gehen gerade in Richtung blind, aber eine gewisse Blödheit ist natürlich nie auszuschließen.

Naja, jedenfalls habe ich alleine in der heutigen Nacht zweimal mit Nico zusammen dieselbe Maus wieder eingefangen. Immerhin hat das zweite Mal nur rund eine Minute gedauert. Das erste Mal hat locker eine halbe Stunde verschlungen.

Bleibt nur zu hoffen, dass es wirklich die Suche nach Wasser war – welches vorhin offenbar leer gegangen ist. Aber irgendwie hält einen sowas auf Trab. Zumal Mäuse ja auch wirklich keinen übermäßigen Schaden anrichten in der Regel.

Nachtrag:

Die Maus verbringt nach dem dritten Ausflug in dieser Nacht nun erstmal eine Strafrunde im Käfig zum Runterkommen.

Author: Sash Categories: Meine WG