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Artikel Tagged ‘geld’


Lieber Gas geben!

29. Juli 2010

Er kam auf mich zugerannt. Ich wollte eigentlich abbiegen, in den Rotlichtbezirk, aber er kam mir zuvor. Er riss ungefragt die Tür auf, lies sich auf den Beifahrersitz sinken und meinte, ich solle ihn zu einer Hauptverkehrsstraße im Osten bringen. Alles klar. Ich bin dann gleich auf der Linksabbiegerspur stehengeblieben und hab auf grün gewartet.

“Mach bitte beide Türen zu.”

hat er gemeint. Ich war reichlich verdutzt und hab die Fensterheber betätigt.

“Bitte bitte, mach die Türen zu!”

Hat der gekokst? Auf was für Drogen ist der bitte? Die Türen sind zu!

“Fahr gradeaus!”

“Ähm, das ist dann aber ein ziemlicher Umweg!”

“Ist mir egal!”

schrie er fast und blickte sich panisch um. Ich folgte seinen Blicken und blieb an einem Typen hängen, der mit ziemlich grimmigem Gesichtsausdruck seine Faust wohlig in die offene Hand gleiten lies, bereit jemanden so richtig aufzumischen. Da ich nicht vorhatte, dass das in meinem Auto passiert, habe ich – aufmerksame Überschriftleser werden es erahnen – besser mal Gas gegeben.

Die Ampel für die Geradeausfahrt war noch grün, im Rückspiegel sah ich niemanden, der mir die Spur streitig machen wollte und in dem Moment war mir alles lieber als gemütlich aufs Abbiegen zu warten. Und ein Umweg – nicht, dass ich in der Situation dran gedacht hätte – lohnt sich ja auch finanziell…

Also sind wir mit quietschenden Reifen davon, und auf einem kleinen Umweg in seine Richtung gefahren.

Schon möglich, dass ich damit dem falschen geholfen habe, in so einer Situation bleibt leider etwas wenig Zeit für eine tiefergehende Analyse der Umstände…

Laut seiner Aussage haben ihn Prostituierte und zwielichtige Gestalten seit dem Geldabheben bedrängt und verfolgt – kann natürlich auch eine billige Ausrede gewesen sein, die ausspart, was er alles von den entsprechenden Personen wollte oder zu ihnen gesagt hat. Immerhin sind Auto und Fahrgast noch heil, Sash auch und ich halte das nach wie vor für eine positive Bilanz.

Hoffe nur mal, dass ich jetzt nicht auf irgendeiner roten Liste in der Branche stehe…

Author: Sash Categories: Absurdes, Taxi

Die Geschichte mit dem Glück

24. Juli 2010

Man vergisst als Taxifahrer oft genug, dass der Umsatz oftmals dem Glück geschuldet ist. Nehmen wir mal exemplarisch Montag und Donnerstag.

Montag:
Ich stelle mich um 23 Uhr an die Halte am Ostbahnhof. Letzte Rücke, es ist schon ziemlich spät um sich so weit hinten anzustellen. Kollegen die ich kenne, sind nicht aufzutreiben. Kein Fahrgast will mich bereits hinten aus der Schlange herauspicken, und so stehe ich tatsächlich eine geschlagene Stunde rum. Es ist langweilig, alle paar Minuten ist die große Abwechslung, den Motor zu starten und 5 Meter vorzurollen. Dann die Welt aus einem etwas veränderten Blickwinkel betrachten und sich weiter langweilen.

Dann, als erster in der Reihe:

“Sagen sie, würden sie uns nach Strausberg fahren?”

Am Ende der Fahrt, ca. 0.30 Uhr:

“Dann wären wir bei 45,80 €.”

“Stimmt so…”

Ergebnis: 50 € in der Tasche.

Donnerstag:
Ich stelle mich um 23 Uhr an die Halte am Ostbahnhof. Letzte Rücke, es ist schon ziemlich spät um sich so weit hinten anzustellen. Kollegen die ich kenne, fahren gleich wieder weg. Kein Fahrgast will mich bereits hinten aus der Schlange herauspicken, und so stehe ich tatsächlich fast anderthalb geschlagene Stunden rum. Es ist langweilig, alle paar Minuten ist die große Abwechslung, den Motor zu starten und 5 Meter vorzurollen. Dann die Welt aus einem etwas veränderten Blickwinkel betrachten und sich weiter langweilen.

Dann, als erster in der Reihe:

“Bringen sie uns in die Muskauer?”

Am Ende der Fahrt, ca. 0.30 Uhr:

“Dann wären wir bei 5,80 €.”

“Stimmt so…”

Ergebnis: 6 € in der Tasche.

Author: Sash Categories: Taxi

Pricing Fail

23. Juli 2010

Nach Köpenick wollten sie, zum Schloßplatz. Ich hatte den Abend über schon die ganze Zeit Glück mit den Touren. Da fiel mir diese Fahrt vom Matrix aus kaum noch auf. Aufgefallen ist hingegen, dass die Besatzung meines Taxis trotz der Aussage einer Protagonistin (Boah, ich bin derbe voll”) durchaus in angenehmem Zustand war.

Sie quittierten Selbstverständlichkeiten wie Fensteröffnen auf Wunsch und die Wahl des Radiosenders mit Freude und fanden mich deswegen total toll. Schön, wenn man mit so wenig Einsatz so ein Ergebnis erzielen kann.

Was meint ihr, wie die Stimmung war, als ich bei Gefallen der Musik ein wenig lauter gemacht hab? :D

Wir haben an der Sparkasse gehalten, ein sehr betrunkener junger Mann hat die bisher aufgelaufenen 22 € zuzüglich eines Euros Trinkgeld aus Geldbeutel und Bankautomat zusammengekratzt und eigentlich wäre es das gewesen. Dann kam der Auftritt eines Autofahrers, der ziemlich verzweifelt eine Adresse in Köpenick gesucht hat, und dem ich beim besten Willen erst einmal nicht weiterhelfen konnte, weil die verschachtelte Altstadt auf bei mir eine Aufgabe ist, die gefälligst mein Navi zu lösen hat – und er hatte selber eines. So aus dem Stand konnte ich dazu also gar nix sagen.

Letztlich ist dieser Auftritt nur interessant, weil er mich Zeit kostete. Zeit, die zwei meiner ehemaligen Fahrgäste gebraucht hatten, um festzustellen, dass kein Bus mehr fährt. Sie kamen wild diskutierend auf mich zu, das Geld war knapp und eigentlich wollten sie kein Taxi nehmen, aber weiter wussten sie auch nicht.

Was es nach Friedrichshagen, zum Bahnhof, kosten würde?

Puh, so wirklich gut bin ich da unten in Punkto Ortskunde noch nicht. Also hab ich mein Navi kurz angeschmissen, die 4,3 km hab ich dann wie folgt kommentiert:

“Also, ihr habt jetzt echt das Glück, dass das Taxameter noch nicht weggeschaltet hat. Also meinetwegen könnten wir die Fahrt noch fortsetzen. Dann sind die Kilometer günstiger, und die 3,20 € entfallen auch. So um die 6 € würde ich vermuten.”

“Sie meinen also, wenn wir jetzt noch einen Zehner haben, dann reicht das?”

“Locker.”

Gut, der Rest war schnell bequatscht und sie saßen nach ein paar Späßen mit ihrem betrunkenen Freund wieder im Auto. Ich bin losgefahren und sie haben mir angeboten, mich zu lotsen, wo sie genau hinwollen. Nun, und irgendwo hat sich dabei ein Kommunikationsfehler eingeschlichen, denn als wir den Bahnhof Friedrichshagen Richtung Rahnsdorf passierten, war klar, dass sie das andere -hagen gemeint hatten. Wilhelmshagen. Das sind ein paar km weiter.

Ehrlich gesagt, ich kann nicht mehr nachvollziehen, wer wann wie welchen Namen eingeworfen hatte. Und nun saßen wir im Auto, und die Uhr zeigte die bereits bezahlten 22 €, die vom Freund netterweise bereits angezahlten 2 € und 9 von den 10 € an, die die Mädels noch in der Tasche hatten. Mitten im Wald bei Rahnsdorf.

Ich hab dann gesagt, dass ich bei 34 € die Uhr ausmache, weil ich sie schlecht hier im Wald rauslassen kann.

Ich meine, natürlich hätte ich es können. War trotzdem besser so.

Zumal ich so oder so nicht mehr sagen könnte, ob nur ich mich verhört habe. Naja, letztlich hatte ich noch einen Zehner mehr Umsatz, die beiden sind heimgekommen, und der Weg ist dem Auto sicher leichter gefallen, als den beiden zu Fuß.

Naja, gute Tat für die Woche abgehakt…

Author: Sash Categories: Schönes, Taxi

Da kri’sch Krise!

21. Juli 2010

Udo Vetter zitiert im lawblog einen Arbeitsvertrag. 40 Wochenstunden für 400 € monatliches Gehalt. Knapp 2,40 € Stundenlohn… also wenn jemand vom Arbeitsamt da hingeschickt wird, dann hat er in meinen Augen alle Berechtigung, den Laden durch die eigens eingeschmissenen Fenster wieder zu verlassen.

Das ist ja nicht mal als Aufwandsentschädigung für ehrenamtliche Arbeit diskutabel.

Author: Sash Categories: Politik

1008 Tage

13. Juli 2010

1008 Tage. Das ist die Zeit, die ich nun in Berlin wohne. Genau am heutigen Tag.

Und damit sind 1008 Tage genau die Zeit, die meine Ex-Vermieter gebraucht haben, um mir meine Kaution zurückzuzahlen. Wir wir alle wissen natürlich mit Schriftwechseln, Schweigemonaten und einem lustigen einjährigen Gerichtsverfahren dazwischen. Mit anderen Worten:

Das Geld ist da!!!

(im Übrigen inklusive der Zinsen, die ich gefordert habe)

Ich hätte zwar allen Grund, meinen Vermietern nochmal zu erläutern, wie das mit der Pünktlichkeit funktioniert, aber darauf hab ich sowas von überhaupt keine Lust… :D

Naja, jetzt geht es dann “nur” noch um die Gerichtskosten und die außergerichtlichen Kleinigkeiten. Wird zwar auch noch mal eine Summe, die an der Vierstelligkeit kratzt, aber als erster Sieg ist der Geldeingang heute schon mal nett…

Author: Sash Categories: Feinde, Vermieter

Die dreiste Variante

11. Juli 2010

Dass der ein oder andere Kollege Mondpreise verlangt, ist ja nichts neues. Leider.

Besonders dreist war aber das, was zwei Kundinnen mir zu berichten wussten:

“Kosten würde es eigentlich 6 €, aber’n bisschen mehr würd’ ich schon von euch erwarten!”

Also so fies, auch noch den ehrlichen Preis zu nennen, das hatte ich auch noch nicht gehört. Hat sowas schon mal an einem vollbesetzten Stand funktioniert?

Ich kenne den Kollegen leider nicht, und natürlich haben die Kunden mir das auch erst unterwegs erzählt. Wie immer bei sowas. Verdammt!

Author: Sash Categories: Nicht so Schönes, Taxi

Blöder Anfängerfehler

10. Juli 2010

Es gibt so Momente, da regt man sich über sich selber tierisch auf. Argh!

Mein Kunde hat mich in der Nähe vom Zoo rangewunken und wollte zu einem Hotel, das mir erstmal nichts gesagt hat. Das kommt bei Hotels desöfteren noch vor, insbesondere kleinere kennt man jetzt nicht alle auswendig. Mein Wissen diesbezüglich ist in den anderthalb Jahren, in denen ich den Job jetzt mache, zwar weit über das vor der Ortskundeprüfung angewachsen, aber es ist normal, dass auch ich mal ein Hotel noch nachschlagen muss. Und wenn es so ist, dann tue ich das eben. Ich hab bisher noch jede Unterkunft binnen 30 Sekunden im Robertha gefunden, der Aufwand hält sich also in Grenzen.

Aber ich habe es nicht getan in diesem Fall. Der Fahrgast meinte, dass das Hotel fast direkt an der Oper liegt und er wisse zwar die Straße nicht, aber er könne mir den Weg dann schon zeigen. Also bin ich frohen Mutes gen Oper gegurkt. Wie vernagelt muss man eigentlich als Taxifahrer sein, wenn einem in so einem Moment nicht einfällt, dass es in Berlin ja durchaus mehr als eine Oper gibt. Und während ich in Richtung der Staatsoper gegurkt bin, wartete das Hotel ruhig an der deutschen Oper auf seine Entdeckung…

Einfach mal völlig falsche Richtung!

Als mein Fahrgast dann etwas verwundert war, weil bereits fast 10 € auf dem Taxameter standen, er aber auf dem Hinweg nur 6 oder 7 bezahlt hatte, hab ich das Hotel dann doch mal nachgeschlagen. Das war letztlich die weiteste Tour, die ein Fahrgast jemals für 10 € mit mir gemacht hat, das könnt ihr mir glauben :(

Naja, jetzt hat er wenigstens mal das Brandenburger Tor gesehen… er hat es mit Fassung getragen. Glücklicherweise. Mir war es verdammt peinlich.

Author: Sash Categories: Nicht so Schönes, Taxi