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Artikel Tagged ‘bild.de’


Einfach rot

29. April 2010

Beeindruckendes Naturschauspiel zu Beginn der vergangenen Nacht. Der aufgehende Mond leuchtete tiefrot und hat mich überlegen lassen, ob es nun eine Mondfinsternis sein könnte, oder aber noch die Reste irgendwelcher Vulkanasche. Sorgt beides für einen angenehmen Rotton beim Erdbegleiter. Zumindest eine Mondfinsternis war es wohl nicht, aber deswegen war es ja nicht weniger schön anzusehen.

Zunächst hatte ich auch ziemliche Zweifel, das Ganze in einem Bild festhalten zu können, weil Nachtaufnahmen trotz der beachtlichen Qualität meiner Cam eine schwierige Sache sind. Schön ist das Bild also nicht geworden, weil ich nur eine eingeschränkte Möglichkeit bei der Perspektive hatte:

Ziemlich rot, Quelle: Sash

Ziemlich rot, Quelle: Sash

Aber sonst hat es eigentlich ganz gut geklappt. Hab die Cam dazu aber mit ISO 100 und 4 Sekunden Belichtungszeit vor sich hinrödeln lassen müssen. Damit das nicht verwackelt, hab ich sie auf dem Autodach abstellen müssen (mit Selbstauslöser auf 10 Sekunden), was dann für die Schieflage des Motivs sorgt. Alles nicht so einfach, aber wenigstens ist das Ergebnis rot!

Das war jetzt ein reichlich unsinniger Beitrag, in dem ich nichts weiter gemacht habe, als ein selbst geschossenes Foto kleinzureden. Nicht schön, aber immerhin nicht mal halb so bekloppt wie das, was ich bei einer der letzten Mondfinsternisse bei bild.de gefunden habe…

Author: Sash Categories: Fotos, Lichtblicke im Alltag, Medien

Waaaaaa…

7. Juni 2009

Verdammt! 5 Minuten sind vergangen, und mir kommt keine Überschrift in den Sinn, die mit Wahlen zu tun hat. Egal. Ozie hat mich extra noch geweckt, damit wir rechtzeitig vor Schließung der Wahllokale unseres erreichen können. Gut, dass sie sogar etwas mehr Zeit eingeplant hat – da wir natürlich erst im Lokal gemerkt haben, dass wir dieses mal woanders wählen dürfen. Eine Umlegung der Wahllokale wird hier in Marzahn-Hellersdorf wahrscheinlich endgültig dafür sorgen, dass die Wahlbeteiligung unter 10% fällt. Jetzt bin ich mal gespannt, wie es ausgeht – aber es ist ja noch vor 18 Uhr.

Wobei? Hat bild.de vielleicht schon was online…

Author: Sash Categories: Politik

Lila-Laune-Politik

2. Oktober 2008

Ich lasse besser wieder ab von ernstlichen politischen Themen, zeigt mir doch meine Lieblingsseite bild.de heute einmal mehr, was wirklich das politische Geschehen in diesem Land beeinflusst:

Nach den Schwarzen und den Roten jetzt auch noch die Lilanen, Screenshot: bild.de

Nach den Schwarzen und den Roten jetzt auch noch die Lilanen, Screenshot: bild.de

Um nochmal für Klarheit zu sorgen: Das ist der komplette Artikel, nicht etwa eine Ankündigung!

Author: Sash Categories: Fotos, Medien

Irrlichtern mit bild.de

27. September 2008

Dass bild.de gerne über unerklärliche Phänomene berichtet, ist nicht neu. Genauso wie die meisten der Phänomene selbst. Heute sind die Orbs dran. Unter dem Titel “Das Geheimnis der Orbs – Woher kommen die kleinen weißen Flecken auf Fotos?” wird grob resümiert, was alles von Spinnern in die Flecken – die so ziemlich jeder kennen dürfte – reininterpretiert wurde. Die Antwort steht detailliert bei Wikipedia und war dort seit der Artikelerstellung am 9. Januar 2007 schon als Effekt bei der Fotografie eingetragen. Dieser scheint heutzutage sehr gut erklärt und wird bisweilen sogar absichtlich hervorgerufen.
Damit aber nicht genug. Der bild.de-Artikel beruft sich auf  einen Artikel im “angesehenen” Berliner Tagesspiegel, auf den natürlich nicht verlinkt wird. Das wäre auch zu kontraproduktiv, denn der Tagesspiegel-Artikel nimmt sich des ganzen Okkultismus um die Flecken mit sehr ironischem Unterton an und verweist deutlich auf die wissenschaftliche Erklärung, die vereinfacht mit “Lichtreflektionen von Staubkörnern” selbst für Laien nicht sonderlich aufregend aufbereitet werden kann. Außerdem wäre es wahrscheinlich peinlich für die Unkreativen Bilderlinge, wenn der geneigte Leser ohne Umweg erfahren würde, dass der Titel des Artikel – huch – auch “Das Geheimnis der Orbs” lautet.

Und nun machen die Schreiberlinge von bild.de etwas recht perfides: Sie nutzen den unverlinkten Artikel, um ihre Geisterstorys glaubwürdiger zu machen.

bild.de schreibt nämlich:
Woher stammen die rätselhaften Kugeln? Dieser Frage ging der angesehene Berliner “Tagesspiegel” diese Woche nach. “In Altbauten oder verwunschenen Häusern fotografiert man Orbs am häufigsten”, heißt es dort. Die spannende These: Sind es verwaiste Seelen, die sich von dieser Welt noch nicht lösen konnten?

Nun der fragliche Part im Tagesspiegel-Original:
In Altbauten oder verwunschenen Häusern fotografiert man Orbs am Häufigsten – das ist im Internet zu lesen. Es ist voller Zeugnisse dieses “okkulten Phänomens”. In den Tiefen des Webs endet der Spuk aber auch. Denn die wissenschaftliche Erklärung der Orbs ist eine runde Sache – und überzeugend dazu.

Hier wird also suggeriert, der angesehene Tagesspiegel vertritt die These, es handele sich um Seelen, die (das finde ich ja die geilste Theorie, die kurz darauf folgt) die Kugelform wählen, um energiesparender zu reisen.

Danach vermeldet bild.de, dass “Mystery-Forscher” Hartwig Hausdorf die Theorie “bestätigt”. Dabei sagt der anscheinend auch “nur”: “Tatsächlich gibt es die Idee…” Natürlich graben sie noch einen anderen Esoteriker aus, der der Meinung ist, Orbs seien Wesen. Dummerweise hat der auch noch in Physik promoviert und verleiht dem ganzen mit einem eigens geschriebenen Buch so etwas wie “wissenschaftliche Untermauerung”.

Zum Schluss lassen die Bildianer allerdings auch nichts anbrennen, erwähnen die wissenschaftliche Erklärung, die sie widerum als Behauptung abtun.

Die letzten Zeilen bei bild.de:
Oder ist das alles nur schnöder Staub? Fotoexperten behaupten, dass erst seit dem Siegeszug der Digitalkameras auch die Orbs in Massen auftreten. Weil das Blitzlicht sehr nah an der Linse angebracht sei, würden viel öfter als früher Staubpartikel sichtbar. Aber werden wir nicht alle irgendwann zu Staub..?

Der letzte Satz wäre zwar für Lyrik nicht unpassend, ich frage mich allerdings, ob sich die Autoren mal überlegt haben, was sie da eigentlich geschrieben haben. Der Artikel endet so mit der These, dass es zwar schon alles Staub sein könnte, aber das ja nicht bedeute, dass es nicht dennoch die Toten sein könnten. Physikalisch und biologisch grenzwertig, denke ich – und selbst die Esoteriker sollten von der Idee angepisst sein.
Aber was soll’s?
Die Frage “Woher kommen die weißen Flecken auf Fotos?” wollte sicher eh niemand beantwortet haben, oder?

Author: Sash Categories: Medien

Ooooh! Aaaah! Wie schöööön!

27. September 2008
“Bild-Bashing”, so habe ich heute gelesen, ist out. Langweilig. Will keiner wissen. Hmm? Vielleicht. Es macht aber dennoch einen Heidenspaß. Denn schon das Suchen nach Stoff ist bei Bild und bild.de von besonderer Güte.
Man wird zum Beispiel extrem schnell fündig – und das sind Erfolgserlebnisse, die man mit der Zeit einfach braucht. Ich mache hier ja nicht bildblog2. Mir fehlen Zeit und Erfahrung, um mit den Herren Niggemeier, Heinse und co. mithalten zu können. Meine Kurzrecherchen finden nur im Netz statt, und ich finde es nicht schlimm, dass ich meistens die Themen von bildblog gar nicht erst aufgreife, weil ich da gar nichts neues erzählen könnte.

Desweiteren ist die Bandbreite der Verfehlungen bei Bild so enorm. Mal sind ganze Inhalte falsch oder schlichtweg inhaltlich null, mal gibt es Frechheiten und mal Gesetzesverstöße. Man kann sich eigentlich jeden Tag aussuchen, was man thematisieren möchte.
Heute kommt mal wieder was eigentlich langweiliges. Bild hat “die schönsten Deutschen” gekürt. Irgendeine ominöse “Bild-Jury” hat ein Ranking aufgestellt, welche Promis die attraktivsten sind. Solche Listen sind ja weder bei Bild, noch sonst irgendwo neu – aber immer wieder völlig nichtssagend. Insbesondere, wenn eine “Jury” dies bestimmt. Aber im Endeffekt geht es auch hier wieder nur um die Klicks, die mit den zwei (nach Geschlechtern getrennten) Bildergalerien generiert werden sollen, um eine möglichst hohe Attraktivität des Angebotes vorzugaukeln. Da muss der inhaltliche Anspruch eben ein bisschen leiden. Was soll’s?

Erstaunlicherweise sind die Kandidaten durchaus bunt zusammengewürfelt, wenngleich ich meine Zweifel habe, dass irgendein journalistischer Wert damit geschaffen wurde, Cosma Shiva Hagen und Sebastian Koch zu den schönsten Deutschen zu ernennen.
Man darf sich wieder einmal fragen, wessen Geistes Kind Journalisten sind, die (zum Beispiel)

  • Jogi Löw zum drittschönsten Mann Deutschlands machen, weil er “die Jungs im Griff” hat und seine Hemden immer gebügelt sind.
  • Rudi Assauer auf den zehnten Platz hieven.
  • Wladimir Klitschko als dreizehnten noch vor Til Schweiger packen.
  • überhaupt auf die Ideen kommen, Reinhold Robbe und Helmut Schmidt hätten irgendwas dort zu suchen.
  • allen Ernstes den Sekretär des Papstes auf Platz 26 unterbringen.
  • ausgerechnet das Gebiss bei Jürgen Vogel toll finden.
  • Boris Becker in die Liste übernehmen und ihm dort dafür danken, dass er hoffentlich bald seine Freundin heiratet.
  • Franz Josef Wagner ernstlich ausgerechnet dort unterbringen, wo er außer… ähm… Inspiration sicher nichts zu suchen hat.
  • ausgerechnet unter einem Foto, auf dem braune Haare zu sehen sind, anfangen, Cosma Shiva Hagens schwarze Haare zu lobpreisen.
  • Esther Schweins wie folgt charakterisieren: “Die schönste “Rote” des Landes (lebt auf Mallorca)”
  • Platz 30 dafür vergeben, ein Klon von Heidi Klum zu sein (das ist ernstlich die zusammengefasste Beschreibung von Lena Gercke)
  • mit Lilo Pulver auf Platz 35 vielleicht doch ein bisschen das richtige Jahrhundert verfehlt haben.

Bleibt noch die Bildüberschrift, die bei den Frauen lapidar “50 Frauen” lautet, bei den Männern “50 deutsche Männer”. Die teilweise sexistische Untertitelung kann man sich wahrscheinlich locker denken, ohne dass ich sie detailliert kritisieren muss.
Alles in allem mal wieder ein schönes Beispiel für eine Ladung Null-Information, garniert mit schönen Fotos, die mit jedem interessierten Leser über 100 Page-Impressions schafft. Ach, ist das schöööööööööööööööön….

Author: Sash Categories: Medien

Ein klares Jein zum Internet-Sex

16. September 2008

bild.de weiss doch immer wieder von den grausamen Auswüchsen der modernen Medien zu berichten. Das Internet ist natürlich besonders schlimm. Nun gibt es einmal mehr einen Artikel über Prostitution im Netz, und dieses Mal trifft es… studiVZ!
bild.de berichtet, dass offenbar einige Frauen versuchen, sich dort mit Sex ihr Studium zu finanzieren:

Huch! Prostitution! Quelle: bild.de
Huch! Prostitution! Quelle: bild.de

Wie man sieht, hat bild.de diese skandalöse Entwicklung auch nur bedingt selbst recherchiert, berufen sie sich doch auf das Magazin Focus. Der Trend, aus Wochenmagazinen die Tagesnachrichten zu generieren, hält also offenbar an. Die Gefahren werden auch brav erwähnt, so “warnt der Sexualtherapeut Reinhold Munding” wie folgt (und wie auch oben schon zu lesen ist): “Es gibt von Jahr zu Jahr mehr Sexualstraftäter, und die wissen genau, wie sie im Internet das Vertrauen der Mädchen erwecken.”
Bereits dieser Punkt bringt mich eigentlich dazu, aufzuspringen, um wenigstens anzukreiden, dass dieses “jedes Jahr Mehr” in den vergangenen 10 Jahren etwa auf jeden Fall falsch ist – zumindest vermitteln einem das die Polizeistatistiken.
Aber um die nicht unsinnige Warnung nicht zu sehr in Misskredit zu bringen: Meinetwegen!
Nun, das alles wäre also noch ein halbwegs informativer Happen täglichen Voyeurismus, wenn die Linie von bild.de nicht so unglaubwürdig wäre. Vor ein paar Tagen habe ich nämlich etwas gefunden, das so doof ist, dass ich es eigentlich gar nicht breittreten wollte. bild.de hat eine Klickstrecke zu einem Artikel gestreckt, deren Inhalt und Titel war: “
100 Sex-Dinge, die sie mal gemacht haben sollten“. In diesem hochwertigen, professionell aufbereiteten Medienangebot wird einfach mal munter empfohlen, was man so alles mit seinen Geschlechtsorganen und denen des Partners anstellen kann. Von kuriosen Behauptungen wie “Jeder Mann sollte einmal Sex mit drei Frauen gehabt haben” (genauso wie der noch viel absurdere Umkehrschluss “Jede Frau sollte einmal Sex mit zwei Frauen und einem Mann gehabt haben”) über grundsolide Forderungen wie “[sie sollten] multiple Orgasmen haben – denn es gibt sie wirklich” gelangt man auch zu folgendem Kleinod:

Rrrr! Ficken! Quelle: bild.de
Rrrr! Ficken! Quelle: bild.de

Ja, was bleibt dazu noch zu sagen? Internet-Sex-Bekanntschaften: Gefährlich oder heiss? Ja oder nein. bild.de bleibt bei einem klaren Jein!

PS: Damit jetzt nicht alle die bild.de-Klickstrecke überstrapazieren, habe ich hier die absoluten Highlights der Sex-Empfehlungen zusammengefasst. Langweiliges wie Prostituierte, Gleichgeschlechtliche, Tiefgaragen oder Sexshops habe ich weggelassen:

01. Sex mit drei Frauen (Mindestens, oder?)
02. Sex im Flugzeug (für die ganz Eiligen)
03. Sex auf dem Schreibtisch des Chefs (Na klar!)
04. Sex im Waschsalon (Also eigentlich überall, oder?)
05. Sex beim Konzert neben der Bühne (Ja…)
07. Sex im Paternoster (Für ganz schnelle)
21. Sex mit Liebe (Wie… ungewöhnlich!)
26. Machen sie das Bobbele (Gemeint ist hier die Besenkammer-Sache)
39. Sex im Hörsaal der Uni (Für Gelangweilte offenbar)
45. Handjob bei ihrem Lieblingsitaliener (Der findet das sicher ok)
49. Sex auf dem Oktoberfest (Viel Spaß mit der Security…)
52. Beim Sex Haushaltsgummihandschuhe tragen (WTF?)
55. Bewerbungs-Sex (Mein absoluter Favorit!)
59. Sex im Badezimmer ihres besten Freundes (Warum auch immer)
61. Sex-Spiele (Zitat: “Pimpern sie mit Klöterkram.” Äh… ok!?)
62. Sex auf einem Tretboot (Wie kommen die auf Tretboote?)
64. Sex im Riesenrad eines Vergnügungsparks (Nötig! Unbedingt!)
72. Sex mit guten Freunden (Guten Freunden gibt man doch ein Küsschen)
73. Gemütlicher Kuschel-Sex auf Omas Hollywoodschaukel (Hallo Oma, ich wollte mal…)
76. Sex in der Geisterbahn (Wer mag die Atmosphäre nicht?)
77. Sex zur Brunftzeit im Wildpark (Die haben Drogen genommen. Sicher!)
79. Sex in der öffentlichen Bücherei (Vielleicht auf dem Rückweg vom Park)
82. Sex auf einem Ruderboot (Vielseitig sind sie schon, nicht wahr?)
83. Mit dem Nachbarn um die Wette stöhnen (Sonst noch was?)
96. In der Bettenabteilung ihres Lieblingsmöbelhauses (Sorry, ich vergaß!)
97. Sex auf dem Bahnhof (Ganz hinten auf dem Bahnsteig, nee is klar!)

Bevor jemand in trostloser Verzweiflung versinkt: Ich wette, dass keiner dieser Punkte von einem der Schreiber selbst schon umgesetzt wurde. Obwohl ich jetzt natürlich nicht so genau weiss, wie es sich mit Kai Diekmanns Schreibtisch verhält…

Author: Sash Categories: Fotos, Medien

Gott sei Dank!

10. September 2008

Nein, leider war der Ausruf nur ironisch gemeint. Nicht nur, dass ich mich seit mehreren Jahren erfolgreich durchs Leben schlage, ohne ernstlich einem Gott dafür dankbar zu sein, nein auch der Grund ist ein eher mieser.

“Gott sei Dank, es gibt sie noch!”

sollte der Ausspruch in aller Länge lauten, und es geht einmal mehr ums Arbeiten. Die HartzIV-Abzocker hat bild.de nun hinter sich gelassen und konzentriert sich nun auf Menschen, “die sich lieber abrackern, als HartzIV zu kassieren”.

Nun, ich möchte meine Meinung zum Thema mal kurz zusammenfassen:

  1. Die meisten HartzIV-Empfänger haben nicht die Wahl, ob sie  arbeiten wollen oder nicht.
  2. Sich in einem selbst gewählten Beruf zu verwirklichen, ist mitunter eine schöne Sache. Von Agenturen mehr oder minder aufgezwungene Jobs können so etwas eher selten leisten.
  3. Wie bitte, soll jemand “den Wert der Arbeit” kennen lernen, wenn er sich für 7 Euro brutto pro Stunde den Tag ruiniert?

Hier verfährt bild.de wieder nach dem selben Motto wie in der Vorgänger-Serie (auf die auch ausgiebig verlinkt wird): Es wird suggeriert, jeder Arbeitslose könne was finden, wenn er nur will. Hier sogar noch schlimmer: Er findet sogar was tolles: Eine Arbeit, die ihn fordert, Spaß macht und bei der am Ende Geld übrig bleibt.

Es mag die allgemeine Sozialromantik beflügeln, wenn muskelgestählte Endvierziger für 1500 Euro brutto klempnern und stolz darauf sind. Dass  aber auch dies nur ein kleiner Ausschnitt aus einem mehr als vielschichtigen Bild ist, wird natürlich nur beiläufig erwähnt. Wenn überhaupt.

Die vorgestellten Arbeitnehmer finden ihr totales Glück in ihrer Familie, haben vielleicht ein Haus gebaut, das sie begeistert abzahlen, und das… ja, das war es dann.

Ich gönne diesen Menschen ihr Glück und ich will es nicht in Frage stellen.

Dass das aber nicht zwingend der Lebensentwurf aller Menschen ist, sollte klar sein.

Aber eigentlich waren wir bei HartzIV.

Bild und ihr Online-Ableger versuchen stets kampagnenartig die Solidarität zwischen den Menschen zu zerschlagen, wenn es um gesellschaftliche Unterschiede geht. Wenn man Bild liest – und das tue ich online nun schon mit einer gewissen Regelmäßigkeit, dann erfährt man – mitunter durch die Blume – dass Deutschland aus vier Gruppen besteht:

  1. HartzIV-Empfänger, die dem Rest der Gesellschaft auf der Tasche liegen und dabei meistens noch kriminell oder wenigstens unsympathisch sind. Ach ja: Außerdem fast alles Ausländer!!!
  2. Eine hart arbeitende, fast grundweg ehrliche Normalbevölkerung mit Durchschnittsverdienst, bei denen es nur gelegentlich und eigentlich völlig gerechtfertigt zu kriminellen Handlungen kommt, weil sie unfair behandelt werden.
  3. Firmenbosse mit Einkommen weit jenseits der Millionengrenze, die je nach politischer Einstellung ihr Geld mal hochverdient bekommen und mal alles nur ergaunert haben.
  4. Politiker, die all das kein bisschen interessiert, die die Normalbevölkerung schröpfen, den HartzIVlern Geld in den Arsch schieben und ausgerechnet die bösen Firmenbosse hofieren.

Nebenbei gibt es natürlich noch die aktuellen oder ehemaligen Stars, die entweder neu verliebt oder krebskrank und pleite sind. Eine Randgruppe.

Die meisten Bild-Serien (will heissen: Kampagnen) versuchen eigentlich immer, dieses Weltbild irgendwie zu festigen und zu untermauern.

Es ist in meinen Augen erbärmlich, immer nur danach zu schielen, wer wen jetzt irgendwie Geld kostet, wer Geber oder Nehmer ist. Eine heterogene Gesellschaft wird nie einen absoluten Gleichstand monetärer Art zwischen den einzelnen Menschen erreichen. Ich bin zwar nicht der Meinung, dass das kapitalistische Grundgesetz “Es braucht einen Anreiz, mehr zu erreichen” bedingungslos stimmt, aber es wird immer Menschen geben, die sich auch mit wenig zufrieden geben (Ich bin selbst einer davon, ich weiss, wovon ich rede!) und andere, die gerne mehr als der Durchschnitt hätten. Mit etwas Glück pendelt sich das ein.

Oben erwähnte Publikationen sorgen nun aber dafür, dass der ohnehin besser stehende Teil der Meinung ist, er leide wahnsinnig, weil andere weniger für ihn tun. Das finde ich persönlich absurd, denn wieso sollte jemand, der selbst nicht mal eine Fiat besitzt, jemand anders seinen dritten Ferrari ermöglichen, indem er Verzicht übt.

Wenn wir diese Neid-Diskussion à la “Aber ich arbeite viel härter als der da!” mal beiseite lassen, dann muss man doch feststellen, dass jeder auf seine Art von der Gemeinschaft profitiert. Während Hugo Habnichtviel sich seine Miete vom Staat zahlen lässt, freut sich Bernhard Bremsnichtgern darüber, dass die Autobahnen stetig erneuert werden, und ihm somit ein Ausfahren seines Sportwagens erlauben. Oma Liebegras ergötzt sich am neuen Stadtpark, der nun endlich aus Steuergeldern finanziert wurde und auch Mama Mittelverdiener kann dank Kindergeld mehr neue Klamotten für den Sohn kaufen. Und alle beteiligen sich nach ihren Möglichkeiten daran, dass dem jeweils anderen das ermöglicht wird.

Witzigerweise wäre das – und das sage ich irritiert sogar aus meiner Sicht als Linker – tatsächlich schon mit dem Recht von heute möglich. Stattdessen aber wird von – meiner Meinung nach – gesellschaftsfeindlichen Blättern wie der Bild der Hass zwischen den Gruppen geschürt.

Und der Mensch mit seinem ihm innewohnenden peinlichen Egoismus nimmt das natürlich gierig auf. Vielleicht versteht der ein oder andere langsam, was mich an Blättern wie der Bild wirklich stört.

Anmerkung: Ich bekomme gerade ALG I, liege also auch dem Staat und allen arbeitenden Lesern auf der Tasche. Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ich versuche, das nicht in die Bewertung einfließen zu lassen. Davor habe ich für 7,20 € brutto die Stunde gearbeitet, und habe immer gesagt, dass ich meinen Steueranteil gerne für all die Arbeitslosen zahle. Und wenn ich (hoffentlich) Ende des Jahres wieder arbeite, dann werde ich von dieser Meinung nicht einen Milimeter Abstand nehmen.

Wenn ich mit allen anderen Steuerzahlern monatlich je 100 € dafür zahle, dass auch ein paar Leute ohne Arbeit leben können – dann ist es mir das nicht nur wert, sondern dann begrüße ich das. Denn: Besser, als Menschen das Leben lebenswert zu gestalten, kann man Geld nun wirklich nicht einsetzen! Und dabei interessiert es mich sowas von gar nicht, ob die Leute arbeiten wollen oder nicht. So lange ich mit meiner Arbeit zufrieden bin, sollen andere es (meinetwegen auch mit meinem Geld) auch sein.

Danke fürs Lesen, ich konnte diese Gedanken einfach nicht bei mir behalten…

Author: Sash Categories: Medien