Gedanken über Berufsbilder

23. August 2010

Als ich neulich so an der Halte stand, und einem Flaschensammler zugesehen habe, wie er zielsicher aus den mir unmöglich erscheinenden Ecken Bierflaschen hervorgezaubert hat, um sie seinem gepimpten Fahrradanhänger zuzuführen, habe ich mir Gedanken darüber gemacht, inwiefern sich diese Tätigkeit mit der meinen vergleichen lässt. Dabei ist erstaunliches herausgekommen:

Die Übereinstimmungen vom Flaschensammeln und Taxifahren in der Nacht

  • Beides ist eine Tätigkeit, die man ohne wirkliche (anerkannte) Ausbildung aufnehmen kann.
  • Beides ist in der Theorie ziemlich einfach, aber in der Realität muss man erst einmal rausfinden, wo sich wirklich was holen lässt.
  • Beide Jobs bestehen im Grunde aus Suchen und rumfahren.
  • Beide Arbeiten werden auf der Straße mit Hilfe von Fahrzeugen erledigt.
  • Beide Tätigkeiten sorgen dafür, dass Überbleibsel von Alkoholexzessen vom Veranstaltungsort verschwinden.
  • Die eingesammelten Überbleibsel sind alle unterschiedlich voll.
  • Packt man zwei oder mehr Überreste in sein Fahrzeug, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie komische Geräusche von sich geben.
  • Wenn eines der Überbleibsel bricht, ist es gleich eine große Sauerei (ich geb zu, auf den bin ich stolz!)

Aber natürlich gibt es auch Unterschiede: Wir Taxifahrer haben definitiv die besseren Karren und Flaschensammler machen ihre Abrechnung besser täglich, da es sonst ein wenig unübersichtlich wird. Und ich transportiere meine Kunden eher nicht mehrlagig.

Aber man kann ja mal drüber nachdenken, oder? ;)

Categories: Taxi
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Wat eine Woche…

22. August 2010

Mal wieder richtig reinrocken wollte ich diese Woche. Mal wieder ein bisschen Geld verdienen. Und was ist dabei rausgekommen? Ich glaube, die mit Abstand mieseste Woche, seit ich überhaupt Taxi fahre. Und wenn es mal halbwegs lief, dann kam irgendwas anderes dazwischen.

Highlight gestern war die Aufgabe des rechten Frontscheinwerfers in Kombination mit der Tatsache, dass ich niemanden auftreiben konnte, der die Dinger schon mal ausgetauscht hat. Der Zafira gehört zu jenen Autos, bei denen man über den Radkasten an die Lichter muss – offensichtlich in der Absicht, jedes Mal bei einem Aufenthalt in der Vertragswerkstatt ein bisschen Geld zu generieren.

Naja, ein Fahrgast hat gemeint, es gäbe sogar Kisten, bei denen man die Stoßstange abmachen müsste… man sieht also: Schlimmer geht immer!

Deswegen will ich mal gar lange weitermeckern, sondern mich auf die nächste Woche freuen :)

Categories: Taxi
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Echte Betroffenheit

22. August 2010

Ja, ich bin ein dünnhäutiger Zeitgenosse! Keine Frage! Manchmal gehen mir Dinge zu Herzen, die es eigentlich nicht sollten. Das trifft glücklicherweise nicht auf Verschmähungen zu, schließlich ist mein “Künstler-Name” Sash auch nur das Produkt fehlgeschlagenen Mobbings.

Und ich bin ja auch auf der anderen Seite wieder so pragmatisch, dass es bisweilen weh tut.

Aber ja, ich habe tatsächlich um Christoph Schlingensief geweint. Dass Christoph Schlingensief gestern seinem Lungenkrebs erlegen ist, hat mich tatsächlich getroffen. Nein, ich kannte nicht sein gesamtes Werk und es ist mir scheißegal, was er in Bayreuth inszeniert hat.

Ich habe ihn geliebt wegen der Provokationen von der Wolfgangsee-Badeaktion bis hin zu seinem Container in Wien, was meines Erachtens nach eine der besten Aktionen ever gegen Abschiebungen war.

Ich bin wirklich ernsthaft traurig, dass solche Menschen sterben, bevor es Arschlöcher wie Wolfgang Schäuble, Roland Koch, Angela Merkel und dergleichen mehr erwischt.

Wieso sollte ich an sowas wie Gott glauben? Um ein unbesiegbares Feindbild zu haben? Wenn es diesen Wichser geben sollte, dann kann er mich kreuzweise!!!

R.I.P. Christoph Schlingensief!



Rückgeld-Profis

22. August 2010

Am Ostbahnhof haben sie mich aufgegabelt und wollten in einen Club in Prenzl’berg. Mit dem haben sie mich eiskalt erwischt. Ich hatte keine Ahnung, wo er liegt. Da sie aber den Namen der Straße mehr oder minder nennen konnten, und ich zudem mal kurz die Gegenprobe via Robertha gemacht habe, sind wir kurz darauf mit guter Stimmung an Bord gen Nordwesten gebrettert.

Den Club zu finden, war keinerlei Problem, die Ecke war mir eigentlich nicht unbekannt. Aber man weiss ja nicht alles. Als wir ankamen, stand die Uhr auf 11,80 €, und die beiden suchten nach Geld. Der eine hatte zwei Fünfer, der andere fahndete nach Kleingeld, legte dann aber doch einen Fünfer drauf.

“Wieviel geben wir?”

fragte wieder der andere und wieder wurde im Kleingeld gegraben. Dann stellten sie fest, dass sie inzwischen 18 € in der Hand hielten. 3 Fünfer und 3 € in klein. Mir wurde das Ganze nach vorne gereicht mit der Bitte:

“Machste 13 und gibst uns einen Fünfer zurück.”

Ich hab keine Kamera gesehen, also hab ich ziemlich dumm geguckt und meine Verwunderung kundgetan. Die beiden haben allerdings selbst schon gelacht. Dass das albern war, war also durchaus nicht nur mir bewusst. Sie haben ihren Fünfer natürlich zurückbekommen, und obendrauf gab es eine Visitenkarte mit Blog-Adresse. Meine Worte dazu:

“Damit habt ihr euch qualifiziert!”

Na denn herzlich willkommen hier :)

Categories: Absurdes, Taxi
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Die kotzen zu selten!

21. August 2010

Traumhaft ist es, wenn man die rettende Tour völlig unerwartet in einem Außenbezirk erwischt. Der Kunde pfiff, und ich brauchte eine Weile, um seiner gewahr zu werden. Fern ab der Straße kam er angesprintet und war ebenso erfreut wie ich.

Dass er zudem eine halbe Stadtdurchquerung plante, passte mir natürlich besonders gut. :)

Er war in der Gastronomie tätig und hatte seinen wohlverdienten Feierabend soeben begonnen.

“Stört dich nicht, wenn ich mein Feierabendbier hier…?”

“Nicht im Geringsten. Natürlich unter der Voraussetzung, es bleibt alles sauber hier drin.”

Vielleicht sollte ich bei Getränken etwas konsequenter sein. Aber letztlich kann ich in anderthalb Jahren Nachtschicht im Taxi nur von einem ärgerlichen Zwischenfall berichten, und selbst da ging es nur um etwas Flüssigkeit auf der Gummimatte, die genau deswegen da liegt.

Als Dienstleister mit der selben Zielgruppe sind wir schnell ins Gespräch gekommen, und letztlich haben wir uns die ganze halbe Stunde fast ausschliesslich über Leute unterhalten, die mir ins Taxi oder ihm in die Bar gereihert haben. Mit dem ein oder anderen Seitenschwenk zu anderen Körperflüssigkeiten hat sich da doch ein durchaus nicht uninteressantes Thema ergeben. Und ja, auch wenn es gerade um die negativsten Beispiele der eigenen Kundschaft ging, so kann ich doch sagen, dass ich irgendwie dennoch froh bin, meinen Job zu machen. Ich krieg zwar viele Kunden erst ins Auto, wenn sie ihm schon zu voll sind – dafür erspare ich mir aber auch einige traurige Momente davor…

Und ich hatte definitiv zu wenig zu erzählen :D

Kennt noch jemand da draussen die Momente, wo man sich denkt: Schade, dass jetzt schon Schluss ist mit Arbeit?

Categories: Schönes, Taxi
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Plötzlich völlig unbekannt

20. August 2010

Ich bin ein bisschen vorbelastet, was das Hostel angeht. Viele Fahrgäste vom Matrix wollen gerne ins St. Christophers, und ich hatte ja schon die ein oder andere denkwürdige Tour, insbesondere den Typen, der fast erfroren wäre und nicht mal wusste, welches Hostel wir genau suchen. Ansonsten ist das St. Christophers zwar nicht so sonderlich auffällig, aber die Lage direkt gegenüber der Volksbühne lässt mich vermuten, dass man keine australische Taxi-Nahkampf-Ausbildung braucht, um es zu kennen.

Von den Möglichkeiten, den Funk oder das Robertha zu benutzen, einmal ganz abgesehen.

Der Fahrgast, der an meinem Lieblingsbahnhof umherstreunte und vereinzelt Taxifahrer ansprach hatte zwar keine völlig korrekte Adresse dabei, er hatte “St. Christophers” und “Rosa Luxemburg” notiert. Soweit mir bekannt könnten das in Berlin nur entweder der Rosa-Luxemburg-Platz oder die Rosa-Luxemburg-Str. sein. Die Straße liegt in Mitte unweit des Alexanderplatzes, ist mit rund 800 Metern nicht übermäßig lang und der Platz liegt direkt anbei.

Und drei Taxifahrer in Folge wollen plötzlich nicht wissen, wo dieses ominöse Hostel, oder gar die komische Str. liegen sollen? Oder hatte das eventuell nur damit zu tun, dass die Wartezeit für uns Taxler mit über einer Stunde mal wieder recht lang war und die Tour nur rund 9 € versprach? So eine Art monetäre Kurzzeit-Amnesie also? Oder auf neudeutsch: Assi-Verhalten…

Naja, jetzt gibt es einen zufriedenen Polen mehr auf der Welt, und ich möchte anmerken, dass ich nicht nur einen Zehner für die Fahrt bekommen habe. Aber was ich gekriegt habe, das können sich die betreffenden Fahrer jetzt einfach mal ausmalen und ihre Gedanken mit ihrer so viel besseren Tour, die sie sicher irgendwann bekommen haben, abgleichen.

Mein Fazit: Arm. Ihr. Nicht ich.



Zu langsam

19. August 2010

Die Jungs, die ich vom Matrix ins Meiningers gefahren habe, waren ok. Wie so viele waren sie ein wenig besorgt, ob dieses unheimliche Taxameter nicht doch viel weiter zählt, als ich gesagt habe, aber als ich sie mit rund 11 € auf der Uhr entlassen habe, war alles in Ordnung.

An der nächsten Brücke hab ich schnell mal gewendet, um wieder gen Osten zurückzuschiessen. Das ist nach wie vor eher metaphorisch gemeint, denn als Führerscheinabhängiger bin ich in der Fortbewegungsgeschwindigkeit bisweilen gehandicapt. Die Begrenzung am Ufer liegt meist bei 50 km/h, was nicht gerade flott ist, wenn die Straße leer ist, aber besser als nichts.

Vor mir auf der rechten Spur kraucht ein BMW 6er entlang, mit höchstens 40 km/h. Ich benutze die rechte Spur unbesetzt fast ausschliesslich, da es um einiges stressfreier ist, kurz zu blinken und zu halten, wenn jemand winkt, als extra dafür noch die Spur zu wechseln und auf den Verkehr zweier Fahrstreifen Rücksicht nehmen zu müssen.

Nun kroch vor mir dieser Schleicher. Ich bin kein Anhänger der Theorie, man müsse immer und überall ein bisschen über der erlaubten Höchstgeschwindigkeit liegen, ich nutze selber manchmal ein Tempo darunter. Meist zum Kundenfang, zugegeben. Aber es war nicht Ärger, der mich trieb, sondern Verwunderung.

Da hat jemand einen 6er-BMW. Nicht mal in Serienausstattung… nein! Getunt! Tiefergelegt, breite Kotflügel, ein klassischer Wagen um über unterdurchschnittlich große primäre Geschlechtsorgane hinwegzutäuschen. Statt schneller zu werden, fuhr er aber stetig langsamer. Ich habe meine Gedanken kreisen lassen, aber vom Schlachtfeld Verkehr ist mir aus nun 8 Jahren nichts bekannt, was nachts um 3 Uhr derartiges Verhalten auslöst.

Während ich also sinnierte, ob der Fahrer vielleicht volltrunken ist, und mit defensiver Fahrweise Copkontrollen verhindern will, bekomme ich des Rätsels Lösung auf dem Silbertablett serviert:

Eine für die Strecke unscheinbare Senkung war es, die der Fahrer übersehen hat, und mit einem lauten Schlag, einem kurzen Kreischen und einem Funkenregen in bester Show-Manier  setzte der Wagen unsanft auf und binnen Sekundenbruchteilen war es nicht nur der Spritverbrauch, der diesen nächtlichen Ausflug für den Fahrer teuer gemacht hat.

Ich übe mich ungern in Schadenfreude, aber irgendwie fand ich es nur zu bezeichnend, dass der Fahrer eines bewusst auf Schnelligkeit getrimmten teuren Wagens langsamer fahren muss, um ihn nicht kaputt zu machen.

Ich hab dann überholt. So ein Elend kann man sich ja nicht kilometerlang reinziehen :D