Wasserschaden die Vierte

Ich wusste gar nicht mehr, dass es schon drei waren, aber Sophie ist sich sicher. Seit gestern früh dann also der vierte Wasserschaden seit wir hier wohnen. Und so übel wie dieses Mal war es nach allen erdenklichen Markern noch nie.

Also Sophie mich morgens mit der Info weckte, wusste ich noch nicht, dass mich mein etwa sechster Schritt am frühen Morgen direkt in eine Pfütze führen würde. Bisher hat sich das meist hauptsächlich an den Wänden abgespielt, dieses Mal stand das Wasser im Flur. Mit anderen Worten: Auch die Nachbarn unter uns werden dieses Mal was davon haben.

Und als ich mal wieder bei der Verursacherin geklingelt hab, hat sie mich mit einem leicht gestressten „Ja ja, ich weiß bescheid!“ abgewiesen.

Ich meine, ich verstehe ihren Ärger über die Situation ja durchaus, aber so langsam dürfte doch genügend Routine da sein, dass sie sich mal freiwillig zu uns bequemt um uns zu warnen/bescheid zu sagen! Keine Ahnung, ob das viel geholfen hätte, aber bei solchen Situationen hat schnelle Informationsvermittlung soweit ich weiß noch keine Toten gefordert.

Ob es dieses Mal doch wieder wie vom Hörensagen beim letzten Mal vernommen ein dilettantisch ins Waschbecken gelegter Waschmaschinenschlauch war, werden wir vielleicht nicht einmal erfahren. Die Version ihres neuen Freundes, dass eine nagelneue und ordnungsgemäß angeschlossene Maschine plötzlich Amok gelaufen ist, wirkt bei Durchgang Nummer vier halt erst einmal nur wie eine Ausflucht. Aber ja, immerhin ist besagter Freund mal zu uns runtergekommen und hat sich das Ausmaß der Zerstörung angesehen. Das mag nicht nur lieb, sondern vielleicht auch taktisch überlegt gewesen sein, aber unsere Schäden sind ja real: Beide Teile des Flurs sind betroffen, mein Zimmer, das Noch-Kinderzimmer und das Wohnzimmer.

Und wir haben einen Großteil davon vor zwei Jahren liebevoll renoviert, als der Nestbautrieb gerade am Größten war!

Überhaupt: Damals haben wir die Arbeit noch selbst gemacht. Jetzt stehen wir mit zwei Vollzeit-Jobs und Kleinkind da und dürfen uns überlegen, wie und wann wir vier bis fünf Räume leerräumen und streichen lassen. Wir sind zwar gut versichert und das Vorschießen der Kohle ist dieses Mal auch kein Problem, aber rein organisatorisch ist das ein mittelschweres bis unstemmbares Desaster!

Was für ein Ende für dieses sonst so geile Jahr! 🙁

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Wochenende

In diesen Minuten schleicht das Wochenende aus. Die ersten zwei Arbeitswochen mit rund 40 Stunden pro Person sind ausgestanden, so ganz überzeugt sind wir vom Konzept allerdings noch nicht. Denn das ist irgendwie ganz schön wenig Freizeit, insbesondere wenn man nebenher noch mit dem weltbesten Spätzle kämpfen muss.

Und das müssen wir wirklich. Beim Abendessen heute haben wir wieder einmal festgestellt, wie unfuckingfassbar anstrengend sowas simples wie ein Essen mit einem Einjährigen sein kann. Obwohl er eigentlich total lieb ist und sogar die Hälfte des Tischdeckens übernimmt. Denn das tut er. Teller, Besteck, Brot und diverses Zeug kann man ihm in der Küche in die Hand drücken und er bringt es ins Wohnzimmer und stellt es dort auf den Tisch. Und hat deutlich mehr Spaß dabei als wir es hätten.

Beim Essen dann sieht das teilweise ganz anders aus. Sobald sein Hunger etwas nachlässt, klettert er vom Stuhl auf den Tisch, schiebt Essen und Gegenstände umher, spuckt bisweilen schwierig zu kauende Nahrung einfach wieder aus und zu guter Letzt fängt er irgendwann an, alles vom Tisch zu schmeißen, was er nicht mehr essen will. Da hat auch noch kein Gegenmittel gefruchtet bisher.

Man nimmt das ja im Laufe der Monate recht gelassen hin und plant den Aufwand einfach mit ein. Aber wenn man dann doch mal etwas Ruhe findet, stellt man fest, wie absurd es ist, dass der persönliche Wunschzustand bei einer Familienmahlzeit im wesentlichen der ist, bei dem einfach kein Essen absichtlich auf den Boden geworfen wird. Nicht einmal, dass nichts dreckig wird, nichts runterfällt oder so. Einfach nur, dass nichts absichtlich geworfen wird. Erholung von einem Bürojob sieht anders aus.

Mit meiner Arbeit selbst sieht es allerdings erst einmal sehr gut aus. Trotz des unschönen Schichtplanumschmisses letzte Woche. Ich hab jedenfalls schon mehr Ampeln geschaltet und Tunnel gesperrt als ich mir für diesen Zeitpunkt erhofft hatte. Das könnte was werden mit mir und dem öffentlichen Dienst. 🙂

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Hallo Mama

Ich weiß, dieser Text kommt ein paar Tage zu spät. Ich bin sicher, dass das bei 10 Jahren nicht so viel ausmacht, da kennen wir alle schlimmeres von der Bahn.

Ja, 10 Jahre. Wahnsinn, oder?

10 Jahre – und ein paar Tage, wie gesagt – ist es jetzt her, dass Tobi mich angerufen hat. Tobi, mit dem ich schon lange keinen Kontakt mehr habe, weil er inzwischen dazu übergegangen ist, Nazis zu wählen und das auch noch im Internet feiert. Du hast auch ein paar ziemlich eklige Wörter gebraucht vor 10 Jahren, aber solche Arschlöcher wie sie dein Schwiegersohn heute wählt, die hättest auch Du vermutlich als Arschlöcher und Nazis erkannt. Aber es hat sich halt viel geändert in diesen 10 Jahren. Das soll Dir dein Mann erklären, der ist ja jetzt bei Dir und es ist schließlich sein Sohn.

Das Wichtigste für uns beide damals war der Grund für Tobis Anruf: Dein Körper hat nicht mehr mitgemacht. Wir wussten das vorher, wir beide, wir alle. 15 Bier am Tag. Kann man eine Weile machen, aber halt keine Ewigkeit.

Sophie und ich wollten euch noch besuchen, ehrlich. Aber so lange hast Du nicht durchgehalten. Das ist ok. Oder zumindest besser als wenn damals dein Suizidversuch geklappt hätte, als ich Dich auf den Rückfall angesprochen hatte.

Es war sehr traurig und auch sehr chaotisch damals in 2009. Wir waren alle da, haben irgendwie zwischen den Tränen alles geregelt und ich weiß, dass es ok war, dass wir zwei Wochen später zu der von Dir gewünschten Seebestattung nicht mehr gekommen sind. Du wusstest ja selbst, wie das Leben mit wenig Geld aussieht.

Da kann ich Gutes berichten. Geld ist gerade genug da. Wir arbeiten jetzt beide im öffentlichen Dienst, mal sehen wie lange das gut geht …

Aber das wollte ich gar nicht erzählen.

Dabei ist genau das das, was mir fehlt: Dir Dinge erzählen zu können. Weder Du noch ich haben Vollzeit aneinander gedacht damals. Das hätte sich in den 10 Jahren auch nicht geändert. Aber ich hätte Dir so gerne von meiner Hochzeit mit Sophie erzählt. 2011 war das und ich hätte mir sehr gewünscht, dir all die Grüße aus deiner ehemaligen Stammkneipe ausrichten zu können, so zynisch das in Anbetracht deiner Krankheit klingen mag.

Ich hätte Dir auch gerne mein Buch geschenkt. Ich hab nämlich ein Buch geschrieben! Ein lustiges. Übers Taxifahren. War kein großer Hit, aber es ist ein Buch mit meinem verdammten Namen auf dem Cover!

Am Allermeisten aber würde ich mir wünschen, ich könnte Dir deinen ersten Enkel vorstellen. Der schläft gerade nebenan. Er ist anderthalb Jahre alt und hat Fieber und ich werde ihn trösten und kann das auch echt gut, aber ich würde ihm eigentlich auch eine Oma wünschen. Wir haben ihn nicht nach irgendwem aus der Familie benannt, aber der kleine Held würde Dir gefallen. Ob er was von Dir hat, kann ich nicht sagen, wir sind schlecht darin, sowas zu erkennen. Er ist halt wie er ist und das ist super so. Mehr als das sogar. Das weiß ich ganz sicher.

Ich weiß auch, dass Du mir zustimmen würdest, wenn ich sage, dass dieser Brief eigentlich keinen Empfänger mehr hat. Das ist ja das Problem. Es sind jetzt 10 Jahre und Du fehlst trotzdem noch.

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Mansplaining und co.

Gedanken des randomest Guy in the Internet

Fremde Männer, die Frauen die Welt erklären, obwohl sie erkennbar weniger Ahnung haben. Das ist ein Ding! Und zwar so wirklich. Natürlich ist es eigentlich Thema der vielen Frauen da draußen, hört also bitte nicht nur mir zu, sondern mehr noch denen.

Der Grund, warum ich als dahergelaufener Kerl auch meinen Senf dazugeben will, ist natürlich zum einen, dass ich das bei Twitter inzwischen selbst kennengelernt habe, mehr aber noch, dass ich auch mal darüber schreiben muss, dass ich selbst nur sehr sehr sehr knapp daran vorbeischramme, einer der ihren zu sein. Könnte also gut sein, dass dieser Text ironischerweise Symptom des eigentlichen Phänomens ist, vielleicht bietet er ja aber doch etwas Mehrwert.

Wie gesagt: Ich habe nicht den Erfahrungshintergrund, den so ziemlich jede Frau zu diesem Thema mitbringt, aber mich kotzt das inzwischen auch schon an: Man twittert „Hab mir an einer Bratwurst die Lippe verbrannt“ und sofort taucht irgendein Mann – und es sind zu 100% Männer! – auf, erzählt einem, wie lange man Würste nach dem Zubereiten abkühlen lassen sollte, welche Bratwurst die beste ist und warum der Begriff „Bratwurst“ irreführend ist, wenn man sie eigentlich gegrillt hat.

So gerne man dem einfach als soziales Wesen einen gewissen Mehrwert attestieren würde, passiert sowas halt nur, wenn die Wurst wirklich gebraten war, sie noch besser war als die empfohlene und man sie außerdem vom Nachwuchs ins Gesicht geklatscht bekommen hat, also wenig Einfluss auf die Abklingzeit nehmen konnte.

Und so als Einzelkommentar ist das immer noch beschmunzelnswert, aber es ist echt eine fucking Seuche, dass immer irgendein Vollhonk daherkommt, glaubt, dass man selbst mit den letzten 12 Worten sein komplettes Wissen in diesem Gebiet preisgegeben hätte und deswegen unbedingt noch zwei bis zweitausend weitere erklärende Worte bräuchte.

IHR SEID SCHEISSE!

Wann hat denn jemals jemand – insbesondere bei Twitter! – alle seine Bücher bis hin zur Doktorarbeit eingereicht, wenn er oder sie einen lustigen Post über Katzen bringen wollte? Es gibt keine Zielgruppe für Antworten wie „Eigentlich sind Katzen ja nachtaktiv!“. Ihr seid scheiße!

Und, ja ja, ihr „wolltet ja nur …“. NEIN! Ihr seid scheiße!

Ich will auch nur! Ich bin der größte Non-mansplaining-Mansplainer hier! Ich lese den halben Tag Zeug aus drölfzig Fachrichtungen und ich liebe es, mein Wissen zu teilen! So ganz egomanisch wie Ihr auch! Ich schaue mir z.B. Let’s-play-Videos fast ausschließlich von Spielen an, die ich schon gespielt habe, weil ich es geil finde, mehr zu wissen als die Dullis, die da gerade unvorbereitet in die eine krasse Mission stolpern. Noch schlimmer: Meine größten Tagträume, mit denen ich Stunden meines Lebens zugebracht habe, handeln davon, wie ich Leuten aus der Vergangenheit die moderne Welt zeige. Ohne Scheiß: Ich hab mir schon sehr minutiös ausgemalt, wie ich einem zeitreisenden Carl Benz mein Taxi mit all seinen Funktionen vorführe, einfach weil ich moderne Autos besser verstehe als er – obwohl er die Teile erfunden hat! Weil ich gerne mein Ego aufpolieren will, so ist das halt. Und ich tue das sicher immer noch zu oft auch im RL, aber ich versuche halt verdammt nochmal mich zu beherrschen und nicht fremden Frauen im Internet zu erklären, dass die Sonne aber auch ein Stern ist!

Dieter Nuhr hat sich leider in den letzten Jahren aktiv aus der Reihe zitierbarer Persönlichkeiten entfernt, aber ich war so oder so gewillt, sein ehemaliges Markenzeichen etwas abzuwandeln (und nebenbei zu zeigen, dass ich dennoch weiß, woher es kommt und wie ich es gesellschaftlich einordne) und möchte daher schließen mit einem:

WENN MAN NICHT WEISS, OB MAN MEHR AHNUNG ALS DER/DIE ANDERE HAT: EINFACH MAL FRESSE HALTEN!

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Endlich Red Dead Redemption 2!

Mein freier Monat neigt sich so langsam fast schon wieder dem Ende entgegen und ja, inzwischen bin ich auch dazu gekommen, RDR2 anzuspielen.

„Anspielen“. Auch so ein Wort, das überall 2 Stunden bedeutet, im Universum von Rockstar-Open-World-Games aber halt auch für meine vielleicht 15 Stunden bisher gilt. Ich hab noch längst nicht alle Waffen, Auftragstypen oder dergleichen freigespielt.

Zum PC-Release hab ich wie viele andere nicht spielen können, da der Rockstar-Launcher gecrasht ist, bevor auch nur der Start-Screen kam. Ich war ehrlich gesagt positiv überrascht, dass es nach drei Tagen gefixt war. Vor allem lief es ab da nicht nur irgendwie, sondern perfekt. Ohne Abstürze, Ruckler etc. pp.

Zugegeben: So wenig ich mich inhaltlich seit dem Konsolen-Release habe spoilern lassen (obwohl die PC-Portierung dann überraschend kam), so viele Reviews hab ich dann in den drei Tagen gesehen und war vorgewarnt, was für ein Ressourcenfresser das Spiel sein kann und deswegen gar nicht erst versucht, es mit hohen Einstellungen zu spielen. Das kann man als Hardcore-Gamer absurd finden, wenn man weiß, dass ich gerade eine Ryzen5-3600er-CPU, eine GTX 1660Ti und 16 GB RAM verbaut habe, aber ich finde die heutigen Triple-A-Spiele grafisch auch so schon ausreichend schön und wenn man parallel eh noch ein GTA4-Game offen hat, braucht’s bei RDR2 einfach keine Ultra-Settings. Und jetzt läuft es auf Mittel bis hoch, alles individuell eingestellt mit 1080p und ich bin happy. Ich hab hier und da ein paar eher unschöne, aber kaum schlimme Beleuchtungs-Glitches gesehen und vielleicht 4 FPS-Einbrüche, die spürbar waren. Technisch kann ich mich also nicht beschweren. Ach ja, es läuft übrigens auf einer alten WD-HDD, nicht auf einer SSD!

Und wie finde ich das Spiel?

An sich geil. Ich bin ein GTA-sozialisierter Spieler, was sollte ein anderes Rockstar-Open-World-Game da falsch machen?

Die Antwort ist dennoch ein „Naja, also eigentlich …“

Natürlich: Die Welt ist fantastisch, die Liebe zum Detail inklusive schrulliger Nebencharaktere und dergleichen ist rockstarlike unangefochten rekordverdächtig. Natürlich immer unter dem Vorbehalt, dass es eine offene Welt ist. Linear schaffen das andere Entwickler sogar besser, aber das zu kombinieren ist die große Stärke dieses Ladens.

Das mussten sie in dem Fall für mich auch bringen, denn eigentlich bin ich kein Western-Liebhaber. Aber ja: Rockstar liefert. Gewaltig!

Dass das Spiel im Vergleich zu GTA langsam ist, ist auch schön passend, ich bin ja eh eher so der Entdecker- und Jägertyp in solchen Spielen. Auch zupass kommt mir in dem Zusammenhang, dass die Fortschritt-Menüs und das Kompendium sehr liebevoll gemacht sind. Als Statistik-Nerd in Spielen sehe ich gerne jeden umgedrehten Grashalm dokumentiert und lese mir gameinterne Tagebücher und Naturkundeführer auch wirklich durch. Gut, die weltbeste 100%-Statistik in allen Games hat weiterhin FarCry 4, aber das ist dafür nicht so detailverliebt und halt eher eine Sandbox-Geschichte.

Da leite ich dann aber zum – in meinen Augen verkraftbaren, aber eben bestehenden – Manko über: Die Übersichtlichkeit.

Die Menüs haben zig Ebenen, InGame eskaliert das dann mit Inventar, Pferde-Inventar, Waffen- und Gegenstände-Rad, Map- und Fortschrittsanzeige … natürlich ist das ein Spiel, auf das man sich einlassen soll und ein wenig muss. Mache ich ja auch. Aber je nach Menü bewegt man sich dann entweder mit Pfeiltasten, WASD, Mausrad oder NumPad. Ich belege mir das ja eh alles neu, weil ich noch aus der Pfeiltasten-Zeit komme, aber ein wenig grottig kam mir die Steuerungsportierung trotzdem vor. Wenn ich mich nicht verzählt habe, sind insgesamt fünf Tasten für Aktionen belegt, die in anderen Spielen komplett mit „e = interagieren“ abgehandelt werden.

Sowas erschwert den Zugang unnötig.

Und das Gunplay ist in meinen Augen auch etwas sperrig. Das mag sicher auch Rockstars Sinn für Realismus in dem Spiel geschuldet sein, es sollen ja Waffen sein, die es vor über hundert Jahren gab, aber so richtig Freude will da bei mir nicht aufkommen. Ja, ich habe sämtliche Zielunterstützung auf null gestellt, aber ich spiele es ja eben auf dem PC mit Maus und Tastatur. Natürlich hilft „DeadEye“ einem am Ende immer aus der Patsche, aber etwas mehr Shooter-Mechanik hätte der PC-Version gut gestanden. Ich weiß zwar nicht einmal, wie die genau aussehen sollte, vielleicht liegt es einfach nur an einer leichten Verzögerung beim Schießen. Wie dem auch sei: An der Stelle würde sicher noch etwas mehr gehen.

Aber ich kritisiere hier auf sehr hohem Niveau, das ist schon klar. RDR2 ist ein großartiges Spiel, soweit ich das jetzt mit etwa 30% Fortschritt (Story: 15%) schon sagen kann. All die wirklich unterschiedlichen Charaktere, die einem in der ersten Stunde schon um die Ohren gehauen werden, die geilen Schnee-Animationen zu Beginn, die unendliche Auswahl an Dingen, die man tun kann … ich hab schon locker eine Stunde gepokert. Just for fun und weil ich im RL dadurch zu schnell arm werden würde.

Und ohne zu viel spoilern zu wollen: Schon alleine das fantastische Saloon-Besäufnis mit Lenny, die vermutlich beste Party-Darstellung in einem Game ever, hat mein Herz so mit Freude erfüllt, dass ich kurzzeitig dachte, ich hätte auch für einen Saufsimulator von Rockstar den FullPrice bezahlt.

Ich würde gerne sagen, dass das nur meine Meinung ist, aber RDR2 ist ja allgemein als eines der besten Spiele aller Zeiten anerkannt, also kann ich da nur wenig neues zu beitragen. Etwas schlechte Steuerungsanpassung an den PC und etwas lames Gunplay sind meine Kritikpunkte, das heißt aber eben noch lange nicht, dass man sich daran nicht versuchen sollte. Es macht einen Höllenspaß!

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Beim Müller

Ich hab nie groß was über eine eigentlich sehr prägende Phase meines Lebens geschrieben, also zumindest nie in der würdigen Zusammenfassung, die sich am Vermieter aufhängt. Nein, ich meine dieses Mal nicht die legendäre WG bei Dieter, sondern meine Jahre zuvor, in denen Herr Müller – ich wünschte, es wäre eine einfallslose Verfremdung! – der Vermieter meines Vaters und seiner Freundin war.

Wie wir da hingeraten waren, verstehen heute vor allem Berliner, die plötzlich in einem Klo aufwachen, das ihre ganze Wohnung ist, aber 1299 € im Monat kostet, einfach weil Kreuzberg: Der beschissene Wohnungsmarkt. Mein Vater hatte so um 1995 rum das Problem, dass ein ziemlich großer Bandwurm in Sohnesgestalt in seinen Frisch-Geschiedenen-Haushalt eingezogen war und er sich zudem noch eine neue Freundin zugelegt hatte. Ich hab selbst gute Erinnerungen an die Zeit, aber das Wohnzimmer maß vielleicht 11 m², mein Zimmer 9 und das meines Vaters 8. Die Küche mit eingebauter Dusche (!) waren die restlichen 4, die nicht auf Flur und Klo entfiehlen. Trotz der guten Erinnerung an die Zeit: rückblickend verstehe ich, dass er schnell raus wollte. Zumal die Wohnung der Freundin ähnlich klein, nur auch noch ohne Pennplatz für meine Bandwürmigkeit war.

Er hätte damals trotz passablem Einkommen gerne eine größere Wohnungsauswahl gehabt, aber der Markt war da schon so hinüber, wie Berliner das heute noch kaum erahnen. Selbst wenn die Preise andere sein mögen: Wir haben mal eine Wohnung nicht bekommen, weil mein Vater und seine Freundin nicht verheiratet waren!

Ich wünschte, diese Anekdote wäre unwichtig, aber man muss sich vor Augen halten, dass er beim Müller damals eingezogen ist, obwohl die Wohnung rund 5 Kilometer vom Lieblingsstandort entfernt war und er besagten Vermieter ein paar Tage nach dem Erstgespräch um unser Haus schleichend aufgefunden hat, was dieser erschreckend ehrlich damit begründet hat, dass er halt mal gucken wollte, wer dieser beim Gespräch nicht anwesende Sohn sein sollte …

„Ned, dass da so oiner mit blaue Haar …“

Die Ironie der Geschichte wollte es wohl so, dass ich Punk-Musik erst im Hause Müllers zu schätzen gelernt habe. 😉

Wir wohnten im ersten Obergeschoss. Über uns die zwei jüngeren Söhne (so um die 14) mit der Mutter (?), unter uns Herr Müller mit Blumenladen – der sich direkt unter meinem Zimmer befand. Ich bewohnte wirklich ein paar Jahre das Zimmer über einem Blumenladen!
Und im ersten von zwei Kellergeschossen war der volljährige Sohn nebst den üblichen Stau- und Hobbyräumen untergebracht. Geiles Setting! Weniger aus unserer „Eindringlingssicht“, aber es war Bombe!

Als Soundtrack der früheren Tage ist mir neben Punk vor allem Nas mit unglaublicher emotionaler Präsenz im Kopf:

Mehr als das ging damals gar nicht. Da waren sich OG 1 und 2 einig!

Nicht, dass wir viel Ahnung davon gehabt hätten, was da gerappt wurde, aber ich muss anmerken, dass uns das vielleicht seltsam vorgekommen wäre, wir aber auch beileibe keine rassistischen Mittelstandskids waren. Immerhin.

Wirklich geil gemacht hat die Jahre aber am Ende doch nicht der Soundtrack, sondern die Zock-Sessions im Keller beim großen Sohn. Er 18, ich 16, mein und seine Brüder 13 und 14. Grundausstattung war eine PlayStation – die damals niemand Playsie genannt hätte! – die Spiele „Resident Evil“ und ganz besonders „Tekken 2“. Dazu ein paar Elephant-Bier und für die, die damals schon rauchten (erstaunlicherweise alle außer mir) gab es Kippen. Und um Bier und Kippen wurde Tekken gezockt. Im Bett und den Stühlen daneben, eingequalmt und mit Vorhängen aus den 70ern. Es war so furchtbar und gleichzeitig so geil, wie es sich anhört.

Ich bin in meinem Leben glücklicherweise in allen Belangen weit über diesen Punkt hinausgelangt, aber ich würde lügen, würde ich diesen Punkt als Wiedereinstieg bei einer Zeitreise komplett ausschließen. Wir hatten wirklich einen Haufen Spaß da unten.

Unser Vermieter blieb so komisch wie er seit jeher war. Wir kamen zum Beispiel mal aus dem Urlaub und fanden plötzlich einen Einbauschrank im Flur vor. Im Wesentlichen ein Schuhschrank, der zudem als Verkleidung einiger hässlicher Rohre diente. Hatte er uns einfach mal eingebaut, weil das irgendwann in den letzten drei Jahren mal so eine Idee war. Während unser Kabelanschluss weiter auf sich warten ließ.

Aber während „Vadder“ hier und da kuriose Vorstellungen von Söhnen mit blauen Haaren hatte, hat der älteste Sohn – in wenigen Momenten durchaus auch mal mit mir – gekifft wie das letzte Voll-Opfer. Ist mir alles als Beispiel für die gerne hergenommene gut-bürgerliche Fassade im Kopf geblieben. Aber will ich rückblickend meckern? Nee, eigentlich gar nicht!

Der Müller mag ein Idiot und Arschloch gewesen sein, aber er hat mir mein Leben immerhin nicht versauen können. 😉

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Einschlafbegleitung

Wir stillen das Spätzle gerade ab, und da es noch nicht sehr gut darin ist, trotz Anwesenheit der Mama nicht an Milch zu denken – und weil es nach anderthalb Jahren mal wenigstens etwas Geschlechtergerechtigkeit in diesem Punkt bringt – bin ich gerade dafür zuständig, den Kleinen zum Schlafen zu bringen.

Ja, zu bringen.

„Einschlafbegleitung“ ist so ein tolles Wort aus tausend Ratgebern, das suggeriert, man sehe dem Kind halt ein bisschen dabei zu, wie es von selbst einschläft. Kann sein, dass das alles noch kommt, ich werde sicher dereinst mit einem Geschichtenbuch neben dem Kinderbett sitzen, aber momentan ist es einfach mal nervenzehrend harte Arbeit.

Das Spätzle einfach ins Bett legen geht nämlich bisher nicht. Die Antwort ist bitterliches Weinen in so vielen Tonlagen, dass Opernsänger sich neidisch gen Marzahn verbeugen. Aber wer will’s dem Kind verübeln? Es fühlt sich alleine.

Deswegen haben wir neben dem Bettchen eine 140x200er-Matratze liegen, auf die ich mich mit dem Kleinen schmeiße, wenn er müde zu sein scheint. Meist findet er das schon komisch, weil es keine Milch gibt, also gucken wir ein paar Clips mit der Maus und dem Elefanten. Dafür, dass er die noch nicht einmal versteht, lacht er extrem oft an Stellen, die bittere Schadenfreude vermuten lassen. Aber sei es drum. Papa macht nach ein paar Minuten das Handy aus und versucht dann das aufkommende Weinen zu unterdrücken. Derzeit funktioniert das am besten, indem ich mich selbst ohrfeige und Schmerzenslaute von mir gebe, denn schneller kann man das Spätzle nicht zum Lachen bringen.

Dann wechseln wir schnell zu dem Part, wo das Spätzle mich „ohrfeigen“ darf. Das dauert höchstens eine Minute, dann lachen wir beide und ich kann den kleinen Feger kitzeln und knuddeln und er denkt nicht mehr an Milch. Super Schritt, hat sich bewährt.

Im Prinzip – will heißen: an den perfekten Tagen – kann ich ihm dann ein bisschen den Rücken streicheln und er schläft ein. Leider sind perfekte Tage rar gesäht. Im Normalfall also nehmen wir Schlafpositionen ein und ich versuche, langweilig zu sein, sprich zu „schlafen“. Meist hält das etwa so lange, bis das Spätzle sich aufrichtet und sich einmal längs über meinen Kopf wirft. Praktischer Zwischenschritt, denn da kann ich nochmal ohne Aufwand checken, ob vielleicht inzwischen die Windel voll ist.

Das mündet dann meist in Gewargel von der einen Seite zur anderen. Mal liegt das Spätzle rechts, mal ich. Ich „schlafe“, das Spätzle brabbelt. Ich „schlafe“, das Spätzle zieht mir am Bart. Ich „schlafe“, das Spätzle versucht, mir in der Nase zu bohren. Das zieht sich zwischen 2 und 45 Minuten, je nach Energielevel.

Ein weiterer Schritt – wenn es noch nicht zu einem plötzlichen Einschlafen kam – wird dadurch eingeleitet, dass der Kleine sich müde aufrafft und sich mit voller Wucht in meine Arme schmeißt. Was meistens bedeutet, dass unsere Köpfe zumindest für mich schmerzhaft aufeinander krachen. Was ist schon eine aufgeplatzte Lippe, wenn das Kind schlafen soll?

In dem Stadium ist das Spätzle wirklich müde und sucht nur noch Körperkontakt. Das ist toll und ausgesprochen niedlich, hat aber für mich als Erwachsenem mit dem Plan, das Zimmer später zu verlassen, den Nachteil, dass ich meist irgendwie unauffällig noch einen Arm unter dem Kind hervorziehen muss, es daran gewöhnen, ihm nicht in den Nacken zu atmen, etc. pp.

Meist geht das dann gut und ich kann mich nach ein paar Minuten entfernen. Wenn ich mich traue, komme ich etwas später nochmal zurück und lege den Wurm in sein Bett, damit er nicht nachts versehentlich von der Matratze kullert. Was bisher allerdings auch nur einmal passiert ist.

Wenn es nicht gut geht, geht das Spiel gerne mal wieder von vorne los. Oder in der Mitte, es ist jeden Abend anders.

Inzwischen habe ich es sogar zweimal geschafft, mit der Ansage, dass ich jetzt rausgehe, ein müdes Spätzle nicht weinend und folglich sehr schnell schlafend zu hinterlassen, aber das ist als Plan noch lange zu unsicher. Denn wenn er nicht klappt, dann müssen wir wieder beim richtig heftigen Weinen anfangen und ich mich wieder ohrfeigen lassen. Und ich will neben zweiterem auch ersteres nicht.

Ich will nicht lügen: Ich freue mich auf die Zeit, wo eine Geschichte reicht. Andererseits hab ich auch selten das Gefühl, mit dem Kleinen eine engere Bindung aufzubauen als beim Einschlafen. Nicht-Eltern verstehen das sicher nur bedingt, aber das Wissen, dass man sein Kind beruhigen kann, wenn es sehr schlecht drauf ist (und müde Kinder sind sehr sehr schlecht drauf!), ist ein über alle Maßen befriedigendes Wissen, eine Art heiliger Gral der Elternschaft. Und für mich als Vater, der kein Stillen als allmächtige Geheimwaffe bieten kann, umso mehr.

Also ja: Bitte lass das bald vorbei sein! Aber ebenso ja: Lass mich das Spätzle noch eine Weile beim Einschlafen „begleiten“!

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