Wer ist Sash?

Inzwischen lesen auch einige Leute meinen Blog, die mich nicht persönlich kennen. Das ist für mich ein Novum, das ich noch nie hatte, seitdem ich in dilettantischer Weise Websites produziere…

Also sollte ich hier vielleicht auch ein wenig von mir schreiben.

Ich bin – dank regelmäßigem Blick in die Boxershorts offenbar unwiderlegbar – männlich. Langweiligerweise auch noch heterosexuell orientiert und – zumindest körperlich – monogam. Der Gattung homo sapiens sapiens gehöre ich offenbar ebenfalls an, was mich allerdings manchmal irritiert und manchmal verärgert. Zum einen wäre die Resonanz auf mein Geschwafel sicher weitaus größer, wenn ich eine bloggende Weinbergschnecke wäre, zum anderen finde ich es bisweilen unglaubwürdig, dass all das, was da draussen passiert, tatsächlich von Wesen erschaffen und verwaltet wird, die 99% meiner Gene teilen und angeblich mit derselben Hirn-Kapazität ausgestattet sind. Wenigstens in Punkto Körpergröße hebe ich mich aber vom Rest ab, und erreiche aufrecht und ohne frisurbedingte Nachhilfe eine Höhe, die im Kreiswehrersatzamt nicht ohne Zuhilfenahme eines Geodreiecks zu ermitteln war: 2,03 Meter. Dank meiner (angeblich) ungesunden Abneigung gegen Stress in Form von Sport und meiner (angeblich) ebenso ungesunden Bevorzugung leckerer statt gesunder Speisen bringe ich knapp 150 kg auf die Waage, was dazu führt, dass mein Körper eher an eine helmutide (birnenartige) Lebensform erinnert.

Ich sehe mich selbst als hoffnungslosen Linken, was bedeutet, dass ich wahrscheinlich nie von der Meinung abrücken werde, dass Anarchie die perfekte Gesellschaftsform ist, gleichzeitig aber hoffnungslos bin, weil ich weiss, dass das nur klappen könnte, wenn die Menschen so etwas wie ein Empfinden für soziale Gerechtigkeit entwickeln würden. Das ist natürlich derzeit etwas utopisch. So erklärt sich dann auch mein bisweilen geschmackloser Zynismus, der darauf beruht, dass ich die Welt oftmals nicht mit dem ihr vielleicht gebührenden Ernst betrachte, weil es mir wie ein schlechter Witz vorkommt, was so alles passiert.

Dann aber bin ich auch noch Taxifahrer, was bedeutet, dass ich für ein an sich unterirdisches Gehalt – auf das ich mich nicht einmal verlassen kann – ständig freundlich zu Menschen sein muss. Völlig entgegen meiner grundsätzlichen Einstellung kann ich das aber auch wirklich gut, weil ich es tatsächlich angenehm finde, jemandem mit einer Dienstleistung zu helfen. Geld spielt für mich so oder so nur eine Rolle, wenn ich es nicht habe. Und ganz so schlimm ist mein Verdienst dann auch nicht…

Ich wohnte aus Überzeugung und finanztaktischen Gründen die meiste Zeit in einer der WG, und zugleich mit meiner Freundin zusammen. Klingt komisch, ist aber so. Meine Ansprüche an Ordnung und Sauberkeit stehen in einem reziproken Verhältnis zu meinem tatsächlichen Engagement auf diesem Gebiet, wenngleich die WG inzwischen aufgelöst und die Freundin inzwischen meine Frau ist. Und falls nach diesem Satz noch jemand fragen sollte: Ja, ich habe Abitur!

Wie es sich für einen Blogger gehört, verbringe ich einen beachtlichen Teil meiner Freizeit im Internet, und empfinde das nicht einmal für schlimm, da sich sowohl Sexualleben als auch Freundschaften glücklicherweise zumindest partiell im Real Life abspielen.

Obwohl ich gründlich desillusioniert bin bezüglich Datenschutz und dem Umgang verschiedenster Leute damit, habe ich mich inzwischen dazu entschieden, unter meinem vollen Namen zu bloggen. Pseudoanonymität bringt mir nichts und echte Anonymität ist im heutigen Internet so schwer zu erreichen, dass für mich der Aufwand in keinem Verhältnis zu den Vorteilen steht. Ich bin ein Freund der sozialen Vernetzung und außerdem schreibe ich schon umsichtig und anonymisierend über alle anderen Leute und arbeite nicht in einer Branche, in der es notwendig ist, im Geheimen zu operieren.

48 Responses to Wer ist Sash?

  1. Eine wunderbare Selbstbeschreibung, Sash. Am meisten musste ich lachen über den Satz, dass du sicher mehr Resonanz auf dein Geschwafel hättest, wenn du eine bloggende Weinbergschnecke wärest…
    Und ein Zweimetermann bist du und wiegst 300 Pfund – das ist wirklich beeindruckend. Du solltest wirklich nie Widerstandskämpfer werden, dazu bist du äusserlich zu auffällig und jeder erkennt dich sofort…
    LG

  2. Die Schlussfolgerung hat mich auch schon so manches Mal davor bewahrt, unanständige Dinge zu tun. Aber seit ich 1999 in einer Zeitung vermummt und dennoch identifizierbar abgebildet war, lass ich die Späße weitestgehend 😉

  3. der Schwob in der Familie

    Ich sage nur ….. Heidelberg!!!!! lol

  4. Ja ja… aber das was ich meine war ja Winnenden…

  5. Daniel

    Hey Sash,

    hier ist Daniel aus Stuttgart…
    Du musst dich bei mir melden>>>ganz wichtig!!!

    MFG

  6. @Daniel:
    Mail ist raus…

  7. Was für eine Selbstdarstellung 😀 und dann kann man da auch noch Kommentare zu abgeben – herrlich. Ich glaub, ich werd hier öfters vorbeigucken …

  8. @ednong:
    Ich freu mich drauf 🙂

  9. Uschi

    bin durch meinen freund auf deinen blog gestossen – ist immer recht lustig zu lesen und denke mit deinen maßen kommt dir keiner frech..
    freu mich auf weitere geschichten – gruss aus wien uschi

  10. Habe ich schon erwähnt, dass du mir unheimlich sympathisch bist. 🙂

  11. @Uschi:
    Danke für das Kompliment 🙂
    Mir ist bei deinem Kommentar eingefallen, dass selbst die recht dünne Ausbeute dummer Anmachen auf der Straße mir gegenüber eine Artikelkategorie werden könnte… mal sehen 😉

  12. @Anise:
    So direkt noch nicht, glaube ich. Aber ausreichend angedeutet 🙂 (Wo ist der Smiley mit den roten Backen und dem verschämten Blick?)

  13. degufan

    ouh sash, mann, hast mich mal wieder gründlich zum lachen gebracht.
    liebe grüsse aus brno, tschechien.

  14. @degufan:
    Immer wieder gerne! 🙂
    Schön, mal wieder was von dir zu hören!

  15. Nein wirklich, rein inhaltlich könnte das auch von mir sein. Ich bin zwar nicht so groß (und schwer *gg*), und ich fahre auch nicht Taxi sondern mache auch etwas, für das man nur einen Hungerlohn bekommt und ne große Portion Idealismus mitbringen muss, aber politisch sind wir absolut auf einer Wellenlinie. 😉

  16. @Anise:
    Na das freut doch mal zu hören 🙂
    Meistens passen meine Leser genau an der Stelle. „Ich find ja ok, was du so schreibst, aber findeste nicht, dass du da ein bisschen radikal…“ du wirst sowas in der Art dann ja kennen 😉

  17. Wir sind nicht radikal, wir sind realistisch. 😉

  18. @Anise:
    Das ist die wahrscheinlich beste Antwort darauf 😀

  19. Sehr lustige Beschreibung deinerselbst.
    Aber eine Frage hab ich mal. Für welchen Funk fährst du in Berlin? Würfelfunk? Dreicksfunk? Spreefunk? Teddyfunk?

  20. @ickedette:
    Danke 🙂
    Was den Funk angeht: Du meinst dieses kleine Kästchen im Auto, dass ich nur gelegentlich aus Unterhaltungszwecken einschalte. Das hat ein grünes Dreieck drauf…

  21. Uschi

    hallo sash..mal ne kurze frage wie lange hast du eigentlich vor taxi zu fahren? oder siehst du das schon als lebensaufgabe an ? bzw. hattest du mal andere vorstellungen was du beruflich machen wolltest ?

    ich persönlich warte nur mehr solange bis ich im Lotto gewinne 🙂 gehe mittlerweile 30 jahre arbeiten und muss noch mind.18-20 bis zur pension – daran zu denken bereitet mir schon übelkeit…

    schönen tag
    gruss aus wien
    uschi

  22. @Uschi:
    Ich sehe das tatsächlich als „Lebensaufgabe“ an. Aber wahrscheinlich sollte ich mich da nicht festlegen. Der Notfallplan ist es, unterwegs genug Ideen für einen Bestsellerroman zu sammeln 😉
    Grundsätzlich widerstrebt mir schon grundsätzlich der Gedanke, ab jetzt einen Großteil meines Lebens mit Arbeit zu verbringen, aber ich habe mir bewusst eine Arbeit gesucht, die mich weder geistig noch körperlich voll fordert. Das einzige, was ich wahrscheinlich ewig machen werde, ist schreiben. Aber davon will ich nicht abhängig sein, weil es mir dann keinen Spaß mehr macht. Dieser Blog hier ist mir de facto gerade gleich wichtig wie mein Job. Ich bin mir sogar sicher, dass ich leichter den Arbeitgeber wechseln könnte, als meine Domain.
    Wohin mich diese verkorkste Wertigkeit mal führen wird: Wer weiss?
    Vielleicht lasse ich mich ja auch irgendwann von meiner Freundin aushalten und fahre nur noch für ein Taschengeld. Oder schreibe dann einen Philosophie-Blog…

    Taxifahren ist ein Job, denn ich aus vollster Überzeugung heraus mache, das aber immer (schon seit ich auch nur daran gedacht habe) mit dem Wissen: Ich bin überqualifiziert, es lastet mich geistig nicht aus und es bietet mir die Möglichkeit, ziemlich absurde Dinge ohne großen Aufwand zu beobachten. Und ich kann meine Miete bezahlen…

  23. @Uschi:
    Ach ja, und was ich früher mal machen wollte: Ich konnte mich nie entscheiden. Journalismus stand fast immer ganz oben auf der Liste, aber zu wissen, dass meine einzige Geldquelle versiegt, wenn ich nicht irgendwas bestimmtes unter Termindruck so schreibe, wie irgendwer anders es haben will… war für mich stets ein abscheulicher Gedanke. Bevor ich das könnte, bräuchte ich wohl eine längere Verhaltenstherapie oder dergleichen 😉

  24. Uschi

    Danke für Deine umfangreiche Antwort – die mir natürlich zu denken gibt – weil ich in meinem Job abends doch zu sehr ausgelaugt bin um dann noch viel von dem zu tun was mir auch noch Spass machen würde und mich geistig fordert.. aber meine „ansprüche“ sind nun mal da und meine Familie auch und so malochen wir brav vor uns hin um den Alltag und das Leben zu meistern und zu finanzieren.. und am Wo-ende liegen wir meist schlaff herum gg – na gut so schlimm ist es nicht – aber kommt schon vor..
    ein Buch zu schreiben diesen Gedanken hatte ich auch schon oft – aber bin über die erste Seite im gedanklichen Ansatz nicht hinausgekommen 🙂 denke da zuviel an ob ich es schaffen würde die zeitliche Form im ganzen Buch beizubehalten etc.. 🙂 aber im Hinterkopf hätte ich da auch paar Ideen…

    schönen Tag
    gruss
    uschi

  25. @Uschi:
    Keine Frage, auslaugen tut dieser Job. Auch mich. Ich kann mich auch zu nicht viel aufraffen, wenn ich frei habe. Für mich gestaltet sich das erträglich, weil meine liebste Freizeitbeschäftigung das Schreiben hier ist – und dazu kann ich mich ja (ich denke der Blog beweist es ganz gut) – durchaus hinreissen lassen.
    Im Übrigen hab ich mir die Frage mit der Zeitform auch schon gestellt, nur mal so nebenbei 😀

  26. Uschi

    seit letzter woche spukt mir der gedanke ans schreiben wieder heftig im kopf herum – auslöser wenn ich viel lese.. aber die wahl des genre fällt mir auch noch schwer – krimi oder liebes schnulze – hihi sollte mich wohl einfach mal hinsetzen und anfangen zu schreiben um dann zu sehen was dabei rauskommt..(vielleicht ist dann nach einer seite eh schluss mit dem traum ) eine idee war auch das erste und letze kapitel mit dem gleichen absatz zu beginnen – gabs das schon einmal ? was schwebt dir vor ?
    gruss aus dem endlich heissen und sonnigen wien
    uschi

  27. @Uschi:
    Ich bin noch nicht weit gekommen und hab nach wie vor viele Ideen. Mir fällt gerade nix weiter dazu ein, sorry…

  28. Der Hammer!
    Bin zufällig über deinen Blog gestolpert – oder nein, ich bin zufällig über den anderen Taxi-Blog gestolpert und da über deinen. Whatever – I am beghostered! Die Stories sind lustig, und du bist halt seehr sympathisch, deine Selbstbeschreibung ist jedenfalls (Achtung, 80er Jahre Slang) ultracool.
    Mit ’nem Taxifahrer wie dir will ich auch mal fahren – aber mich von dir bis daheim nach Potsdam fahren lassen, kann ich mir dann leider doch nicht leisten. Egal, dafür les‘ ich regelmäßig deinen Blog. 😉

  29. @LaThreepwood:
    Danke! Das ist mal ein aufmunternder Kommentar 🙂
    Und es ist verständlich, dass du nicht aus Sympathiegründen mal eben bis nach Potsdam mit dem Taxi fährst…

  30. Also ich glaube, hier fehlt ein Update …

  31. @ednong:
    Stimmt, die WG-Geschichte. Bastel ich demnächst mal um 🙂

  32. Groth Sieglinde

    Genau wie La Threepwood kann ich auch nur sagen „der Hammer“.
    Gestern haben dich die Thüringerzeitungsleser kennengelernt,und die meisten sind bestimmt genauso beeindruckt von dem Artikel wie ich.
    Dein Blog ist toll.Weiter so
    LG Sieglinde

  33. @Groth Sieglinde:
    Danke für das Lob! Sowas liest man doch gerne 😀

  34. Komm, steh dazu, dass du eine bloggende Weinbergschnecke bist. Nein, wunderbare Selbstbeschreibung. Über den Satz mit der Reprozizizität zwischen Sauberkeit und Engagement muss ich noch lange nachdenken.

  35. matze

    Moin Sash,

    hier fehlt noch bzw. wieder ein Update. Oder hast Du parallel zu Ozie, Deiner Frau, noch eine Freundin? 😉

  36. @matze:
    Aufmerksam! Ist erledigt. Wobei ich tatsächlich zweitere Bezeichnung immer noch gerne benutze.

  37. doofe frage, name = programm :P

    …heißt deine freu… frau! – denn auch in real ozie?, oder galt die anti-anonym-entscheidung nur für dich?

  38. Die meisten wissen inzwischen wie sie heißt, ein großes Geheimnis ist es nicht, wenn man meine Blogs liest. Aber ja, ich nenne sie so. Auch offline.

  39. doofe frage, name = programm :P

    liest sie auch deine blogs? oder hat sie gar auch einen?
    wenn du meistens tagsüber schlaf nachholen musst, habt ihr dann noch genügend zeit für euch?
    gibts was das du „tagsüber vermisst“, oder was für dich halt ein nachteil ist wenn du durch den job eher nachtaktiv bist?
    ohje, mehrere doofe fragen im programm 😉

  40. Uiuiui, jetzt wird es aber umfangreich…

    Also: Ja, sie liest die Blogs und abministriert sie auch mit mir zusammen. Sie liest also auch hier und da die doofen Fragen 😉
    Zeit haben wir ganz gut, weil wir beide recht wenig außer Haus arbeiten, sie quasi nie, ich 3 bis 4 Nächte pro Woche.
    Am Tag vermisse ich nicht viel, mich ärgert eher, dass manches nachts nicht geht. Ich liebe die Nacht, die Dunkelheit, die Ruhe und all das wesentlich mehr als die Hektik tagsüber. Dumm daran ist, dass mich so Dinge wie ein Kaffeetrinken mit der Familie oder ein Amtsbesuch, ein Arzttermin etc. schnell mal die halbe Schlafenszeit kostet und mir dadurch hier und da mal die Schicht im Taxi versaut, weil ich zu müde bin oder gar nicht erst aus dem Haus komme.

  41. Bin so frei, liebe Grüße zu hinterlassen.

    Und deinen Blog durchzustöbern.

    VhG

    Andrea

  42. @Andrea:
    Ich merke es … 🙂

  43. Danke Sash,
    es ist mir immer wieder eine große Freude durch deine Blogs zu stöbern und Deine erfrischend ehrlichen Gedanken zu lesen.
    Grüße
    Conni

  44. @Conni:
    Danke gleichfalls. Freut mich sehr, so nettes Feedback zu bekommen.

  45. Sam

    Heh, sehr schöne Selbstbeschreibung, auch wenn mir die Bedeutung einiger Worte nun tatsächlich nicht geläufig sind – sashseidank schreibst du deinen Taxiblog nicht so, sonst könnte ich den als erheiternde Nebenbeilektüre wohl vergessen 😀

    An dieser Stelle ein Danke, das du dich und deine Schreibkunst mit uns teilst 🙂 Bitte beibehalten!

  46. Hooks

    Das ist aber richtig gut formuliert: Ich denke jetzt schon eine Weile über das reziproke Verhältnis nach – dieser Satz fasziniert mich… auch wenn ich diesbezüglich eher unter dem r.V. von Aufwand und Ergebnis leide. (Kennst Du das 80:20-Prinzip?)

  47. @Hooks:
    Ja, kenne ich. Inwiefern betrifft das meine Selbstbeschreibung?

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