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Archiv für die Kategorie ‘Nicht so Schönes’


Plötzlich völlig unbekannt

20. August 2010

Ich bin ein bisschen vorbelastet, was das Hostel angeht. Viele Fahrgäste vom Matrix wollen gerne ins St. Christophers, und ich hatte ja schon die ein oder andere denkwürdige Tour, insbesondere den Typen, der fast erfroren wäre und nicht mal wusste, welches Hostel wir genau suchen. Ansonsten ist das St. Christophers zwar nicht so sonderlich auffällig, aber die Lage direkt gegenüber der Volksbühne lässt mich vermuten, dass man keine australische Taxi-Nahkampf-Ausbildung braucht, um es zu kennen.

Von den Möglichkeiten, den Funk oder das Robertha zu benutzen, einmal ganz abgesehen.

Der Fahrgast, der an meinem Lieblingsbahnhof umherstreunte und vereinzelt Taxifahrer ansprach hatte zwar keine völlig korrekte Adresse dabei, er hatte “St. Christophers” und “Rosa Luxemburg” notiert. Soweit mir bekannt könnten das in Berlin nur entweder der Rosa-Luxemburg-Platz oder die Rosa-Luxemburg-Str. sein. Die Straße liegt in Mitte unweit des Alexanderplatzes, ist mit rund 800 Metern nicht übermäßig lang und der Platz liegt direkt anbei.

Und drei Taxifahrer in Folge wollen plötzlich nicht wissen, wo dieses ominöse Hostel, oder gar die komische Str. liegen sollen? Oder hatte das eventuell nur damit zu tun, dass die Wartezeit für uns Taxler mit über einer Stunde mal wieder recht lang war und die Tour nur rund 9 € versprach? So eine Art monetäre Kurzzeit-Amnesie also? Oder auf neudeutsch: Assi-Verhalten…

Naja, jetzt gibt es einen zufriedenen Polen mehr auf der Welt, und ich möchte anmerken, dass ich nicht nur einen Zehner für die Fahrt bekommen habe. Aber was ich gekriegt habe, das können sich die betreffenden Fahrer jetzt einfach mal ausmalen und ihre Gedanken mit ihrer so viel besseren Tour, die sie sicher irgendwann bekommen haben, abgleichen.

Mein Fazit: Arm. Ihr. Nicht ich.

Author: Sash Categories: Nicht so Schönes, Taxi

Erste Ermüdungserscheinungen?

7. August 2010

Mein Schichtende heute verlief dann auch eher suboptimal. Die Twitter-Leser wissen es ja schon. Was war nun los?

Um etwa 5.45 Uhr habe ich nach einer sehr netten Tour ein Pärchen in Neukölln abgesetzt. Kein Kilometer später stand ich in der Sonnenallee an der Ampel. Geht der Motor plötzlich aus. Witzigerweise fand ich das nicht übermäßig überraschend. Ein paar von den Erdgas-Zafira haben einen kleinen Bug bei der Motorsteuerung, der dafür sorgt, dass gelegentlich, wenn man aus schneller Fahrt an der Ampel hält, sich das Standgas nicht richtig einpegelt.

Der Drehzahlmesser springt dann zwischen 500 und 1500 U/min hin und her, schaukelt sich weiter hoch, und irgendwann, wenn er halt mal einen Moment unter 300 oder was weiss ich fällt, säuft der Motor ab. Das Problem lässt sich akut entweder durch einen einfachen Neustart lösen oder durch sachtes Gasgeben, bei dem man einen zu heftigen Ausschlag nach unten verhindert. Klingt komisch, aber im Alltag gewöhnt man sich dran. Passiert jetzt auch nicht an jeder zweiten Ampel.

Nun ja, und nun: Babbela! Der Motor ließ sich nicht mehr starten. Strom war da, der Motor jedoch gab keinen Mux von sich. Kein Anlasser, kein Gurgeln, kein Pfeifen, Klappern, was immer man individuell auch mit dem Starten eines Motors verbindet: Es war nicht da.

Da stand ich nun. Sonnenalle /Ecke Dammweg und guckte dumm aus der Wäsche. Der Verkehr war unbedeutend, ich blockierte nur die rechte Spur.

Nach 2 Minuten ergebnislosen Versuchen sprang die Kiste wieder an. Für vielleicht 2 Sekunden. Danach das selbe Spiel nochmal. Nachdem das Auto zum zweiten Mal wieder ansprang, wartete ich ein paar Sekunden, gab mehrmals kräftig Gas, alles schien ok zu sein. Ich bin über die Kreuzung gefahren, nach 50 Metern war der Motor wieder aus.

Dann hab ich erstmal eine geraucht, ich stand nun auch nur halb so exponiert an einer Bushaltestelle und hab einen Kollegen angerufen, damit der mit mir ggf. das Auto in eine Parklücke schieben kann, und mir vielleicht eine Heimtour spendiert. Ich hab der Kiste ein paar Minuten Ruhe gegönnt, und als der Kollege dann da war, lief das Auto wieder ohne Probleme.

Der Kollege hat mich noch eine Weile eskortiert, um sicher zu gehen, dass ich nicht liegen bleibe. Als der Heimweg zum Abstellplatz nur noch rund 4 km entfernt war, hab ich ihn vorbeigewunken und mich bei einem kurzen Halt verabschiedet. Praktischerweise kam genau dann ein Kunde angewatschelt, der ihm noch die letzte Tour für sein Soll beschert hat.

Mein Tagfahrer hat sich bisher nicht gemeldet, also müsste das Auto heute problemlos gelaufen sein, Dann war es hoffentlich nur eine kurze Macke, eine Verstopfung, whatever. Ich bin kein Mechaniker, ich weiss nicht, was alles diesbezüglich möglich wäre. Die Kiste hat heute Nacht übrigens die 243.000 km geknackt.

Nachtrag:
Der Anruf kam noch: Autochen hat weitergezickt, mal so rum, mal andersrum, war in der Werkstatt und ist wieder fit. Zündspulen ausgetauscht. Meinetwegen. Hauptsache, es läuft wieder!

Author: Sash Categories: Nicht so Schönes, Taxi

Unfair

2. August 2010

Ich weiss, dass es für manchen Kollegen unerträglich sein muss, dass ich mit 60 bis 65 auf der Landsberger Allee fahre. Schließlich sind ja 60 erlaubt, also bis zur Punktegrenze ist immer noch etwas Platz. Und außerdem: Wer blitzt denn Nachts? Man muss ja schließlich schnell in die Stadt zurück!

Das ist trotzdem kein Grund, mich mit gleichfalls angeschalteter Fackel mit etwa 80 bis 85 zu überholen!

Der flotte Kollege in seinem schicken 212er hat auch keine Anstalten gemacht, irgendwie vor meiner Front zu verschwinden, vielleicht abzubiegen oder so. Ich hab mich etwas genervt drangehängt und dank einer roten Ampel an der Rhinstr. hab ich ihn tatsächlich einholen können, ohne gleich irgendwie in den zweistelligen km/h-Bereich zu kommen. Ich bin auf der zweiten Spur links an ihm vorbei, und hatte vor, mich wenigstens demonstrativ vor ihn zu klemmen. Und was passiert?

Steigt dem an der Ampel tatsächlich ein Kunde ein! Ich war wirklich in der Laune, ihn einfach von der Straße zu schieben, das könnt ihr mir glauben. Der Kunde kann ja nix dafür, der darf sich auch an der Ampel aussuchen, in welches Taxi er steigt. Klar. Aber ob das nicht auch anders ausgegangen wäre, wenn ich da zuerst angekommen wäre? Wer weiss. Schon aus purer schlechter Laune werde ich auch die Konzessionsnummer nicht vergessen!

Author: Sash Categories: Nicht so Schönes, Taxi

Die goldene Dose Mitleid

26. Juli 2010

…geht dieses Wochenende an den armen Tropf, der von einem Kaff etwas außerhalb von Berlin extra mit einem Kumpel in die Stadt gegurkt ist, damit dieser sich vor dem geplanten Disco-Besuch volllaufen lässt, um dann wieder mit dem Taxi heimzufahren. Der geplante Party-Abend bestand für ihn daraus, nach der Ankunft in Berlin einen Cheeseburger beim McDonalds zu essen und dann ins Taxi gezerrt zu werden. Besser geht es nicht!

Die silberne Dose Mitleid

…geht dieses Wochenende an den Typen, der eigentlich fett Party in der Disse machen wollte, aber nach zu viel Vorglühen bereits vor dem Eintritt in selbige einen Großteil seines Geldes in ein Taxi investieren musste, um menschenwürdig (das heisst: Mit Pausen zum Kotzen) heimgebracht zu werden.

Die bronzene Dose Mitleid

…geht dieses Wochenende an die unbekannte Person, die wahrscheinlich froh war, zwei Trunkenbolde für einen Abend los zu sein, und dann letztlich gezwungen wurde, die beiden mitten in der Nacht in den Gemütszuständen “leicht verärgert” sowie “nicht mehr ansprechbar” an einem S-Bahnhof abzuholen.

Der Sonderpreis für Contenance

…geht dieses Wochenende wie immer an Sash. Der wurde am Ostbahnhof von einem netten jungen Mann angequatscht, wie weit er ihn für 25 € bringen könnte. Später wurde sogar klar, dass das Budget 45 € sind. Sash hat völlig uneigennützig einen Festpreis von 40 € bis zum endgültigen Ziel ausgemacht, da der junge Mann ganz offensichtlich hilfsbedürftig war. Nachdem der Fahrgast während der Fahrt mehrmals zum Erbrechen neigte und dafür entweder planmäßige Stopps erbat, sowie auch gelegentlich ein Öffnen der Tür für ein adäquates Bremssignal hielt, wurde ihm dank eines grummeligen aber nüchternen Mitreisenden die Tour drastisch verkürzt. Obwohl der Fahrgast für den nunmehr verminderten Fahrtpreis von nur 24,00  € durchaus bereit schien, mal eben 45 € abzudrücken, kassierte Sash dank eines entsprechenden Hinweises keinen Cent Trinkgeld für die nervenaufreibende Fahrt…

Author: Sash Categories: Nicht so Schönes, Taxi

Foto ohne Blitz (1)

22. Juli 2010

Keine Sorge, der Spaß von letztem Wochenende geht jetzt nicht wieder von vorne los, nur diesmal mit klarem Himmel. Mein Tagfahrer hat mich gestern Abend schon unterrichtet, er werde das Auto heute zu unserem Schrauber mitnehmen. Das offensichtlichste Problem ist wohl das, was sicher nicht behoben wird: Der Blitz!

Die 1925 ohne Blitz, Quelle: Sash

Die 1925 ohne Blitz, Quelle: Sash

Wie man aber auch recht eindeutig sehen kann (rechts im Bild, d.h. linke Fahrzeugseite) ist die zunehmende  Verselbstständigung unserer Stoßstange. Das was im Automobilbau meines Wissens nach Spaltmaß genannt wird, geht hier langsam als Canyonweite durch.

Das Problem ist – so wurde mir gesagt – ein bei einem der inzwischen reichlichen Rempler beschädigtes Trägerelement, das die Stoßstange hält. Das ist offensichtlich verbogen und hält damit wie vorgesehen die hellelfenbeinfarbene Plastikschürze, nur eben rund 2 cm entfernt vom eigentlich dafür vorgesehenen Platz.

Und nun hat man uns den Blitz geklaut. Tagsüber sieht das blöd aus, nachts fast schon ok, da man die Halterung dann auf den ersten Blick nicht erkennt, und der leere Kreis im Kühlergrill irgendwie gar nicht so falsch wirkt. Dummerweise hängt die Kühlergrill-Abdeckung gerade auch etwas schief (das schwäbische “schäbbs” beschreibt es eigentlich besser) und löst sich an der rechten Seite von Zeit zu Zeit ein wenig. Herausfallen wird sie kaum, komisch aussehen tut es dann allerdings schon. Und sicher ist sicher.

Ich nehme ja an, dass es Nebenwirkungen der unprofessionellen Entfernung des Marken-Emblems ist, auf der anderen Seite: Was kann während 240.000 Kilometern nicht alles kaputt gehen…

Author: Sash Categories: Fotos, Nicht so Schönes, Taxi

Sinn für Humor

16. Juli 2010

:(

Ich hab Sinn für Humor, bin für alles offen, nicht krampfhaft korrekt und für eine kleine Überdosis Adrenalin auch immer zu haben. Aber würden die Leute da draussen bitte bitte mal nachdenken?

Ich bin die Revaler langsam entlanggegurkt. Dort lässt sich leicht mal ein Winker aufgabeln, ich bin als Taxifahrer in der Str. immer hochkonzentriert. Der Anzahl an Leuten unangemessen ist die unzureichende Beleuchtung, die beinahe alles jenseits der parkenden Fahrzeuge im Dunkeln lässt und die Tatsache, dass man eigentlich 50 fahren dürfte.

Meist zuckel ich also langsamer durch die Straße, und die meisten Kollegen tun es mir gleich. Wie so oft laufen die Leute kreuz und quer über die Straße, und das ist nichts, was mich ernsthaft stört. Ich hab in vielen Punkten ein dickes Fell, Fußgänger auf der Fahrbahn fallen da in den meisten Fällen nicht in die Kategorie “Anbrüllenswert”.

Als einer von vielen löste sich am linken Fahrbahnrand ein Passant aus der Nacht und betrat langsam die Straße. Er lief langsam, um mich vorbeizulassen, ich verringerte meine Geschwindigkeit ein wenig, um der Situation angepasst unterwegs zu sein. Alles bestens. Während ich an ihm vorbeirollte, hatte er bereits fast die halbe Fahrbahn überquert, eine Verkehrssituation wie jede andere, die irgendwie auf Zusammenarbeit beruht.

Und auf einmal fällt dem Töffel nichts besseres ein, als auf meine Tür zuzuspringen und mich mit einem lauten

“Buh!”

zu erschrecken.

Ich weiss nicht, woher ich meine Reflexe beim Fahren habe. In Momenten, in denen etwas unvorhergesehenes passiert ist, habe ich bisher immer zu 100% richtig reagiert. Bremste ein Vordermann je zu stark, gelang mir eine Vollbremsung. Als ein Fußgänger auf die Fahrbahn rannte, riss ich das Steuer rechtzeitig rum. Die Gefahr, in Fellbach bei einer vereisten Autobahnausfahrt von der Straße getragen zu werden, löste ich durch Loslassen der Bremse und vorsichtigem Einschlag, und selbst als ich nach einer fahrlässig provozierten Situation mit 4 Freunden an Bord die Kontrolle über das Auto meiner Mutter zu verlieren schien, hab ich an der Grenze des physikalisch Machbaren korrekt gegengelenkt und gebremst, um die Kiste auf die Spur zurückzukriegen und sie nicht um einen Laternenpfahl zu wickeln.
Und heute Nacht habe ich ebenso passend gar nichts gemacht. Glücklicherweise!

10 Meter vor mir liefen Leute über die Straße, rechts hatte ich etwa 30 cm Abstand zu den parkenden Fahrzeugen und links von mir stürzte ein Idiot auf mich zu. Hätte ich beschleunigt, hätte ich vielleicht die unbeteiligten Leute erwischt, wäre ich nach rechts ausgewichen, hätte ich einen Blechschaden im 4- bis 5-stelligen Bereich fabriziert. Und wenn ich eine Vollbremsung getätigt hätte, wäre mir ein Idiot gegens Auto gelaufen, der sich wahrscheinlich den Fuß verstaucht und mich dafür verklagt hätte. Was bin ich froh, halbwegs fit in der Birne zu sein.

Aber auf welchem Alter muss man geistig stehengeblieben sein, um vorbeifahrende Autofahrer zu erschrecken? Ich hab über eine Tonne Stahl unterm Hintern, die nur meiner Konzentration wegen harmloser ist als ein durchschnittlicher Amoklauf! Für irgendjemanden in der Umgebung kann sowas immer lebensgefährlich sein.

Mal abgesehen davon, dass der ein oder andere vielleicht mal aussteigt, und einem eines auf die Nuss gibt…

Author: Sash Categories: Nicht so Schönes, Taxi

Die dreiste Variante

11. Juli 2010

Dass der ein oder andere Kollege Mondpreise verlangt, ist ja nichts neues. Leider.

Besonders dreist war aber das, was zwei Kundinnen mir zu berichten wussten:

“Kosten würde es eigentlich 6 €, aber’n bisschen mehr würd’ ich schon von euch erwarten!”

Also so fies, auch noch den ehrlichen Preis zu nennen, das hatte ich auch noch nicht gehört. Hat sowas schon mal an einem vollbesetzten Stand funktioniert?

Ich kenne den Kollegen leider nicht, und natürlich haben die Kunden mir das auch erst unterwegs erzählt. Wie immer bei sowas. Verdammt!

Author: Sash Categories: Nicht so Schönes, Taxi