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Archiv für die Kategorie ‘Absurdes’


…und deshalb mache ich Mittwochs frei.

4. März 2010

Das mache ich normalerweise ja wirklich. Sonntag und Mittwoch sind meine freien Tage. Aber wenn ich Sonntags mal arbeite, dann ziehe ich Montag und Dienstag zu einem Zwei-Tages-Wochenende zusammen und arbeite eben auch Mittwoch. So wie gestern…

Es war eine abartige Schicht. Selten lagen Kummer und Freude binnen einer Schicht so nahe beieinander. Der Artikel heute ist etwas spät dran. Aber er wird berichten von Hammertouren und Kurzstrecken, von gutem Verdienst und schlechtem Kilometerschnitt. Ein Taxi mit Rotlichtverstoß wird ebenso vorkommen wie kotzende dänische Touris. Wechselgeldprobleme und Abrechnung werden ebenfalls eine Rolle spielen. Und ansonsten der Sash, sein Chef und Ozie…

Betrachten wir also den Tagesverlauf des gar nicht so kleinen Sash von seinem Erwachen am Mittag eines vermeintlich normalen Mittwochs bis zu jenem Punkt, an dem er hier sitzt und diesen sicherlich langen Artikel schreibt:

Der Tag begann für mich mit Ozie, die mich – wie ich sie gebeten hatte – um etwa 15 Uhr weckte. Schon das war aus mehreren Gründen gut. Zunächst hätte ich sonst verschlafen. Ich Idiot habe nicht daran gedacht, dass mein Handy mittwochs niemanden weckt.

So früh aufgestanden bin ich mal wieder aus einem naheliegenden Grund: Abrechnung. Ich gehe ja nur so Pi mal Daumen ein- bis zweimal im Monat im Büro abrechnen. Ich muss dazu wegen des Anfahrtsweges Stunden vor meinem Rhytmus (so ich so etwas mal ausnahmsweise besitze) aufstehen, und das macht es einfach relativ anstrengend. Sonst gehe ich gerne ins Büro, und es wäre selbst für mein seltsames Gewerbe etwas untypisch, den Chef gar nicht mehr zu sehen.

Wegen akuter Restmüdigkeit haben Ozie und ich das geplante Mittagessen ausfallen lassen und ich bin zu Cheffe durchgestartet. Das ganze mit einer inzwischen schon üblichen Verspätung, die bedeutet, dass ich etwa 30 Minuten nach dem halboffiziellen Büroschluss da bin. Aber zum Monatsanfang ist das egal, da kommen ja alle zur Abrechnung, folglich ist immer noch jemand da. Beim Losgehen habe ich natürlich prompt die 50 € vergessen, die Ozie sich von mir ausgelegt hatte, sodass ich natürlich zu wenig Kohle dabei hatte – also weniger als das allwissende Taxameter meinem Chef verriet. Da wir ja aber, wie er sagt “nicht bei Siemens” sind, wurde das ohne Aufhebens als Vorschuss abgezogen, was die Wichtigkeit des Ganzen eigentlich gen Null senkt. Bei allem Gerede im Büro habe ich natürlich vergessen, nach einem Portemonnaie zu fragen. Das klingt jetzt etwas seltsam, aber es hat damit folgende Bewandtnis: Ich nutze das Portemonnaie von Ozies Vater, der auch mal Taxifahrer war. Das hat schon ein paar Jährchen auf dem Buckel und bevor es auseinanderfällt, wollte ich doch bald mal ein neues. Da meine Chefs die Ausrüstung als ihre Aufgabe betrachten, lagern im Büro einige Börsen und ich müsste nur mal nachfragen, um eine neue zu bekommen. Aber das hab ich vergessen. Ist eigentlich auch egal. Dann gab es noch ein kurzes Gespräch über TaxiButton, da mein Chef nach Leuten sucht, die das mal ausprobieren. Im Rahmen des Ganzen habe ich dann – weil das Thema darauf kam – meine allererste Blogwerbevisitenkarte an meinen Chef verschenkt. Hat eigentlich Stil, wenn man mich fragt.

So bin ich dann also mit dem alten und erschreckend leeren Geldbeutel zum Auto aufgebrochen.

Für die erste Tour bin ich eine halbe Stunde am Bahnhof angestanden, was sich in Grenzen hält. Mittwoch! Durchschnittstag, Durchschnittstouren, nix Besonderes. Die Tour war dann auch der ultimative Klassiker nach Kreuzberg rüber, der mir 8,40 € bescheren sollte. Bezahlt wurde natürlich mit einem Fünfziger. So besaß ich an Wechselscheinen noch makaber lächerliche drei Fünfer. Also auf zur Tanke. Oder zum Bahnhof. Irgendwer wird ja wohl… AH! WINKER!!!

Schnell rechts ran und einen netten Kerl aufgegabelt, der aus beruflichen Gründen noch kurz nach Prenz’lberg musste. Ich war hocherfreut, hochzerstreut und es kam, wie es kommen musste. Die 12 €, die am Ende der Fahrt auf der Uhr standen, wollte er mit einem Fünfziger begleichen. Und keine Alternative in Sicht. Mir war das durchaus peinlich, vor allem weil der Kerl es eigentlich halbwegs eilig hatte. Ich bin dann kurz gegenüber in eine Kneipe und hab den Schein kleingemacht.

Dann stand ich also nach einer Stunde Arbeitszeit so rum ohne Wechselgeld (hatte ja wieder einen Fuffi) und beschloss, erst einmal Pause zu machen. Naja, so halbwegs. Ich beschloss, heimzufahren. Dort wollte ich dringend was zu essen besorgen – inzwischen wirkte sich das ausgefallene Mittagessen aus – und Lesestoff holen. Dazu könnte ich mit einem kleinen Einkauf (den ich dann auch nicht am heutigen Morgen machen müsste) gleich den Fuffi kleinmachen. Mit allen Überlegungen hin und her, ob ich nicht das ein oder andere auch aushäusig erledigen könnte, gelangte ich zur Erkenntnis, dass mich der ganze Umweg vielleicht 2 € kosten würde. Das fand ich als Preis dafür, Ozie nochmal zu sehen und eine halbe Stunde mit ihr zu verbringen eigentlich ganz fair.

Im Nachhinein ist es besonders nett, sich zu überlegen, dass diese Entscheidung (wie natürlich auch jede andere an diesem Tag) mit dazu geführt hat, dass die Schicht so endete wie sie endete. Mit genügend Kleingeld in der Tasche begann ich also, mich wieder ins Berliner Spätabend-Leben zu stürzen und wurde mit 3 kleinen Touren beschenkt, die allesamt mehr oder minder passend bezahlt wurden. War ja klar.

Auf dem Rückweg von Treptow bin ich dann an der Elsenbrücke über Rot gefahren. Absichtlich. Und notgedrungen. Die Abbiegerampel wollte nämlich nicht mehr grün werden. Ich weiss nicht, woran es lag und wie lange das Problem bestand, aber der Stau auf der Stralauer Allee bis hoch zur Modersohn-Straße ließ mich erahnen, dass sich manche Leute wahrscheinlich tierisch über die Verkehrssituation aufgeregt haben. Aber immerhin hatte ich gleich noch einen Winker.

Als ich mich wieder am Ostbahnhof eingefunden habe, war es vielleicht 23 Uhr. 50 € hatte ich in der Tasche und ich freute mich, Zeit für ein Brötchen und die letzten Seiten meines Buches zu haben. Weder Brötchen noch Buch habe ich geschafft bis ich erster war. Dann trat ein freundlicher Herr auf mich zu und hielt mir einen rot-weißen Pappzettel vor die Nase: Ob ich damit was anfangen könnte? Taxigutschein von der Bahn. Na klar! 80 € hat er bewilligt bekommen, weil sein Anschlusszug weg sein und er wolle sich erkundigen, ob das reichen würde für die Fahrt nach JWD.

Das Navi sagte: 55 km. Sash sagte: Jo. Ist zwar untere Grenze dessen, was ich machen kann, aber schon noch ok. Ein bisschen doof von mir war es natürlich, dass ich dann nicht stur dem Navi gefolgt bin, sondern die Autobahn etwas ausschweifender genutzt habe. Nun sah die Statistik mit 65 km zu 80 € gar nicht mehr so lecker aus… aber ich hab’s wirklich nicht fertiggebracht, mich unterwegs nochmal um den Preis zu streiten. War mein Fehler, und ich kann mich nicht tagein tagaus darüber ärgern, dass Kunden keinen Preis akzeptieren wollen, der ausgemacht war, wenn ich das selbst mache. Und verdammt nochmal: Die Kilometer hole ich diesen Monat schon irgendwie wieder rein. 80 € in 2 Stunden an einem Mittwoch sind irgendwie ein zu bestechendes Argument…

Abgesehen davon war der Typ ein echt netter und angenehmer Fahrgast, der zudem eine recht abenteuerliche Geschichte über den zwischenzeitlichen Verbleib seines Führerscheines erzählte, bei der ein Rotlichtblitzer und ein bereits bestehendes Fahrverbot eine Rolle spielten. Etwas schade, dass er sich nicht einmal erbarmt hat, wenigstens noch Trinkgeld zu geben – aber einen Tod muss man wohl sterben.

Der Weg zurück durch die malerische Einöde Brandenburgs genoss ich mit lauter Musik und versuchte, mir kein allzu schlechtes Gewissen wegen des Kilometerzählers zu machen, der plötzlich eine ungeahnte Lebhaftigkeit entwickelte. Auf der Autobahn hab ich dann festgestellt, dass man einen Erdgas-Zafira wie meinen nur schwer zu einer Geschwindigkeit von über 160 km/h überreden kann, was aber wahrscheinlich auch vernünftig ist, weil bei dem Tempo ein Windstoß wahrscheinlich eine ähnliche Seitwärtsbeschleunigung verursacht.

Auf dem Weg zum Matrix winkten noch drei Pokerspieler auf eine Kurzstrecke und dann sah ich um 1.30 Uhr 8 Taxen vor dem Matrix stehen. Mir ist schlagartig klargeworden, dass ich heute an den 150 € trotz der Hammertour zu knabbern haben werde. Es folgte eine kurze Unterhaltung mit einem Kollegen, und dann – schwupps! – war die Wartezeit auch schon rum und ich bekam meine Fahrgäste.

2 Jungs, die nur der englischen Sprache mächtig waren. Ahnung hatten sie im Allgemeinen etwa null.

“To the City Hotel…”

“Which one?”

“I guess it’s in the East…”

Geduldig ließ ich – ohne die Uhr anzumachen – den jungen Kerl 3 mal telefonieren (einmal ins Ausland), bis er endlich wusste, in welchem Hotel sie wohnen. Im Ansbach-Hotel… das ist so sehr Osten wie die USA kommunistisch geprägt sind. Aber gut, vielleicht reicht mir die Tour schon auf 150…

Gereicht hat sie mir sogar auf 180. Und zwar ziemlich. Trotz meiner eher im Scherz zum im Fond langsam einschlafenden Zweitfahrgast gewandten Warnung reihert mir der Typ 15 Meter vor seinem Hotel ins Auto. 15 Meter! Ich war bereits so langsam, dass er sich hätte rauswerfen können!

Es ist komisch, sich in so einem Moment Gedanken zu machen. Der erste Gedanke war natürlich “Fake!”. Der zweite war “In was für Ritzen das jetzt wohl überall reingeplätschert ist…” und der dritte war ganz lapidar “die Schicht ist gelaufen.” Aber seltsamerweise war das gar nicht schlimm. Obwohl ich die Gefahr erst eine Sekunde vorher wahrgenommen hatte, war ich eigentlich total entspannt. Warum auch immer. Ich hab mir gedacht: “Mein Gott, das wird teuer. Pech für euch, Jungs – ihr wart mir eigentlich sympathisch…”

Nicht ohne Grund sage ich zu eigentlich jedem englischen Fahrgast in bedenklichem Zustand den sicher falschen aber eindeutigen Satz:

“Let me tell you one thing: Stopping the cab for 5 Minutes will cost 2 €. Pukin’ in the car 200…”

Das ist ein plastischer Vergleich, der dem dümmsten einleuchten sollte. Kurz anhalten: Kein Thema! Sich eine Viertelstunde auskotzen kostet 6 lächerliche Euro und die Tücher zum Abwischen gibt es gratis dazu. Aber kotzen geht ins Geld! Und auch in diesem Fall gab es erstaunte Gesichter und die Frage, ob es wirklich SOOO teuer wäre. Aber gebracht hat es nichts.

Nun standen wir da – vor dem Hotel, das die Spaßvögel alleine wohl kaum gefunden hätten – und guckten dumm. Ich hab ihnen gesagt, dass das jetzt verdammt ärgerlich sei… und zwar für sie. Weil ich jetzt Geld sehen will. Bei allem Respekt, bei aller Freundlichkeit, da bin ich auch deutlich! Was es denn jetzt kosten würde?

“Hey, remember! The 200 I told you, were no joke!”

“200?”

Ja Mann!

Wir haben daraufhin erstmals die Türe hinten geöffnet und das Desaster einer Magenladung “beer and shots” verteilt über Gummimatte, Tür, Vordersitz, Seitenschweller und natürlich Teppich wurde vom zweiten ernstlich beantwortet mit einem:

“What does that look like? Maybe 100?”

Ich hab gedacht, ich höre nicht richtig. So ziemlich alles, was versaut werden kann da hinten war versaut, und der überlegt offenbar, dass es ja hätte schlimmer kommen können.

“I said 200.”

Natürlich folgte das übliche Dilemma: Nicht genug Geld dabei. Lösung war auch schnell gefunden: Bank, Geldautomat, Lösung!

Völlig verstört und verschüchtert standen sie dann vor mir mit ein paar müden Scheinchen in der Hand und haben um ihr Leben gefleht versichert, dass das alles ist, was sie auf der Bank kriegen konnten: 95 €. Aus ihren Taschen haben sie dann noch einen Berg Kleingeld gefischt und mir panisch alles in die Hand gedrückt und glaubhaft versichert, dass sie keinen müden Cent mehr besitzen. Freie Kost und Logis hatten sie auf der Reise, ich hätte ihnen also den letzten Clubabend versaut, aber selbst im Zimmer hätten sie folglich nichts mehr.

Erstmal hab ich ihnen versichert, dass mir durchaus bewusst ist, dass das für sie eine beschissene Geschichte ist, und ich sie deshalb sicher nicht gleich aufessen würde. So sinngemäß. Dem Geruch sei Dank hatte sich mein Hunger auch schon lange erledigt…

Selbst auf meine Drohung mit der Polizei haben sie – wenn auch ohne Panik – klargemacht, dass die ihnen auch nicht mehr Geld abnehmen könnte, als sie hätten. Da war natürlich was wahres dran. Und was soll ich erwarten? Dass sie mir das Geld aus Dänemark überweisen? Oder dass die Cops sie in ihrem Heimatland einknasten, weil sie in Deutschland ein Taxi vollgekotzt haben? Wäre auch ein bisschen arg übel.

Aber ich hatte offensichtlich meinen pragmatischen Abend und hab vorgeschlagen, dass das mit dem Geld jetzt in Ordnung sei, wenn sie mir beim Saubermachen helfen. Voller Erleichterung ist Mister Flüssigkeitsverlust dann mit mir zusammen zur Tanke gecruist und hat eine Stunde lang zum Teil mit bloßen Händen seine eigene Kotze aus dem Wagen geschaufelt. Ich hab ihm geholfen wo möglich, aber die Drecksarbeit hab ich ihn erledigen lassen. Erstaunlicherweise war er wirklich wieder ziemlich nüchtern und lief offensichtlich nicht Gefahr, das Drama zu wiederholen. Dass er da ganz schön Scheiße gebaut hat, war ihm bewusst und er hat sich wirklich rangehalten. Muss ich jetzt auch wirklich lobend erwähnen. Er hat nicht einmal gejammert, nein zwischenzeitlich hat er sogar gemeint, er hätte jetzt wenigstens was spannendes zu erzählen. Ins Taxi gekotzt hätte er schon einmal – aber eines danach auch noch sauber gemacht – das wäre mal was!

Er hat sich tausendmal entschuldigt, sich dafür bedankt, dass ich ihn von der Tanke noch zum Hotel gebracht habe (wo ich ihn ja weggeschleift habe) und mich mit liebenswert großen Augen angeschaut, als ich ihm zum Abschluss noch eine Kippe spendiert habe.

Dafür, dass die Aktion letztlich nur rund 2 Stunden in Anspruch genommen hat und ich kaum was machen musste, war der Preis, den sie zu zahlen hatten, eigentlich etwas hoch. Aber vielleicht dient es ja der Erziehung…

Zu guter Letzt (nachdem ich alleine nochmal nachgewischt habe) war selbst der Geruch so gut aus der Kiste draussen, dass ich tatsächlich noch ein paar Winker zum Generator mitgenommen habe, was bekanntlich quasi neben dem Abstellort meiner Kiste liegt. Dabei hab ich dann ein letztes Mal mehr als 5 € in Münzen bekommen, was ich zu Beginn der Schicht so gut hätte brauchen können. Während die ersten beiden Fünfziger mich so in Bedrängnis gebracht haben, hätte ich mir am Ende gewünscht, ich hätte nicht auch noch zusätzlich 30 € in Metall angesammelt.

Um 4.30 Uhr hab ich das Auto abgestellt und wie immer um 3 Minuten meine Bahn verpasst, was runde 20 Minuten in bitterer Kälte bedeutete. Fest entschlossen, mir zum Abschluss des Tages etwas vom Döner zu gönnen, habe ich dann feststellen dürfen, dass am heutigen Morgen neben dem üblichen “Kein Fleisch” auch “Kein Salat” im Angebot war. Also hab ich immer noch etwas Hunger. Aber auch Geld, mir was zu essen zu kaufen :)

Nächsten Mittwoch mache ich aber wieder frei. So viel Gefühlsachterbahn verträgt ja keiner…

Des Taxifahrers Gekritzel

3. März 2010

Inzwischen wissen ja die meisten, dass ich eine Statistik über meine Arbeit führe. Das ist nicht wirklich notwendig, mir macht es aber Spaß. Und als kleine Gegenkontrolle für die Abrechnung im Chefbüro ist es ja auch nicht schlecht. Wenngleich ich bisher nie irgendwelche Probleme beim Abrechnen hatte.

Nun ja, um Statistiken zu erstellen, braucht man abgesehen von zu viel Zeit natürlich Daten. Und die erhebe ich logischerweise unterwegs. Ein kleines Ringbuch im Format DIN A6 begleitet mich seit dem ersten Tag, den ich geschäftlich auf Berlins Straßen unterwegs bin. Naja, vielleicht auch erst seit dem 5. Tag. Auf jeden Fall schon voll lange.

Und was schreibe ich da so rein? Das hier:

Handbuch eines Mathe-Psychopathen? Vielleicht. Quelle: Sash

Handbuch eines Mathe-Psychopathen? Vielleicht. Quelle: Sash

So sieht das also in etwa nach einer Schicht aus in dem Buch. Alles ein wenig kryptisch? Da ich gerade zu viel Zeit habe, mich wachhalten muss und außerdem kein Taxi-Text mehr aufs Veröffentlichen wartet, will ich das doch gerne näher erläutern. Für alle die, die ähnlich viel Zeit haben wie ich oder einfach interessiert an kleinen Unnötigkeiten sind.

Vergrößern und gliedern wir das Ganze doch erst einmal, dann kann man mehr damit anfangen. Hier also Seite 1 in Großaufnahme mit Nummerierung:

Vergrößert wirkt es auch nicht einleuchtender... Quelle: Sash

Vergrößert wirkt es auch nicht einleuchtender... Quelle: Sash

So, und was hat das Kauderwelsch nun zu bedeuten? Soo schwierig ist es gar nicht:

1)
Das Datum der Schicht. Steht hier – wie auch bei meiner Lohnabrechnung – für den Tag, an dem ich die Schicht begonnen habe.

2)
Kilometer- und Euro-Stand des Taxameters vor und nach der Schicht. Die Differenz daraus rechne ich noch ganz altmodisch im Kopf aus. Den Kilometerstand brauche ich nur für meinen Kilometerschnitt, der Geldbetrag ist (wenn nicht noch Fehlfahrten abzuziehen sind) der, den ich meinem Chef bei der Abrechnung zu zahlen habe, also damit der, nach der sich mein Gehalt bemisst. Gelegentlich verrechne ich mich nämlich unten oder vergesse mal eine Tour, weil gleich im Anschluss – bevor ich zum Notieren komme – neue Kundschaft da ist. Ist insofern auch eine Kontrollzahl. Taxameter lügen schließlich nicht. Zumindest meines nicht.

3)
Wie unschwer erkennbar ist, ist das nur die Spalte für die Nummerierung der Touren.

4)
Das ist der zu zahlende Fahrpreis, der Endbetrag, der auf dem Taxameter steht. Inklusive Zuschläge. Wie man am Ende der Tabelle auf Seite 2 sieht, rechne ich aber nicht zwingend alles am Ende nochmal zusammen. Ich könnte es machen, erschreckenderweise ähneln die Zahlen der aus 2) aber meist ziemlich…

5)
Die Summe, die mir der Fahrgast gegeben hat, inklusive Trinkgeld.

6)
Hier ist das Trinkgeld noch einmal extra aufgeführt. Zum einen als Gegenkontrolle, zum anderen sind die Zahlen leichter zu addieren und es ist übersichtlicher. Dadurch hab ich immer einen aktuellen Überblick, wie viel Trinkgeld ich eingenommen habe. Das Ermitteln des Trinkgeldes gibt nicht nur für die Statistik Sinn, da ich mein Portemonnaie nicht jeden Tag neu bestücke. Ergo: Mit der Zahl weiss ich wenigstens, was ich mir rausnehmen kann.

7)
Seit etwa Anfang des Jahres notiere ich mir zu den Touren auch noch die Uhrzeiten. Bisher hab ich dafür keine Verwendung – aber es könnte ja sein, dass ich irgendwann mal ausrechnen will, wie viel umsatzstärker die Zeit zwischen 1 und 3 Uhr im Vergleich zu der zwischen 20 und 23 Uhr ist. Oder so. Muss ja nicht alles einen Grund haben. Die Zeit bezieht sich auf den Abschluss einer Tour, weil ich dann auch alles andere eintrage, kurz nachdem der Kunde weg ist. Es wäre zwar fast sinnvoller, sich die Einstiegszeit zu notieren, aber natürlich hab ich zu diesem Zeitpunkt ganz andere Dinge im Kopf und sich die Zeit über die Tour hinweg zu merken ist bei meinem Sieb von Gedächtnis nicht wirklich praktikabel.

8 (Mist, mit Klammer wird es ein Sonnenbrillen-Smiley!)
Das Z steht für Zwischensumme. Wollte ich nur mal erwähnen. Nicht für Zusammen, nicht für Zuzahlung, nicht für Zahl, für Zombies oder für Zentralverriegelung. Zwischensumme! Ganz einfach…

So, dann sind wir schon auf der zweiten Seite:

O je, noch mehr Gekritzel! Quelle: Sash

O je, noch mehr Gekritzel! Quelle: Sash

Die Tabelle setzt sich ggf. hier noch fort – was aber fast nur am Wochenende der Fall ist. So oft habe ich unter der Woche nicht über 15 Touren. Obwohl man das dringend einführen sollte ;)

Zu den Zahlen:

9)
Das ist die wahrscheinlich wichtigste Ecke für alle, die das hier lesen. Die ist nämlich nicht für die Statistik, sondern für den Blog! Hier notiere ich mir in Stichworten, oftmals in einer mir zu späteren Zeitpunkten selbst zu unleserlichen Schrift, über was aus der Schicht ich bloggen könnte. In der Regel schaffen es nicht alle Ideen in den Blog, weil ich bei manchem nicht weiss, wie ich es umsetzen soll, manches nach etwas Bedenkzeit gar nicht mehr bloggenswert ist und ich manches schlicht und ergreifend nicht mehr entziffert kriege. Im obigen Fall haben es zwei von drei in den Blog geschafft, manchmal sind es 0 von 2 oder 8 von 10. Meine Tage sind ja glücklicherweise abwechslungsreich.

10)
So, das ist die Ecke für den Psychopathen in mir. Das sind allerlei Ziele, die ich auf unterschiedlichste Weise aus meinen Statistiken herausgepfrimelt habe, und die dienen ziemlich genau zwei Zwecken. Zum einen ist es bewiesen, dass Listen zum Abhaken die Motivation fördern. Das trifft auf mich ganz besonders zu. Dass ich mir morgens keine Liste mit Kleidungsstücken mache, die ich anzuziehen habe, ist auch alles. Zum anderen ist es ein netter Trost, wenn es mal nicht so läuft, wie es sollte: “Ach komm, 3 von 8 Zielen haste ja geschafft…”

Die Kürzel erkläre ich jetzt nicht, dazu sollte man ein halbes Fachsemester Sashtistikologie studiert haben, sonst bleibt es einfach unsinnig. Aber ich höre gerne, wofür sie stehen könnten ;)

Alle andere Kritik wird mit “Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?” beantwortet…

Author: Sash Categories: Absurdes, Taxi

Ein kurzes Bier und keine Gebärmutter

2. März 2010

“C’mon! Only a short beer!”

Mit einer gewissen Sympathie bewaffnet, gestalten sich Einladungen während der Arbeit zu einer fast schon regelmäßigen Geschichte. Das kurze Bier wurde mir angeboten von zwei Iren, die fast die ganze Fahrt über nicht locker lassen wollten, um mir im Courtyard by Marriot Hotel noch einen Drink zu spendieren. Meine Einwände bezüglich Alkohol und Autofahren wollten sie nicht gelten lassen und kommentierten das mit einem erschreckend selbstverständlichen

“You have to try it. We always do so!”

Letztlich bin ich natürlich nicht mitgekommen, und neben der Tatsache, dass ich mich am Samstagmorgen um 3 Uhr ungern vom Arbeiten abhalten lasse, lag der Grund auch in einigen nur leiste geflüsterten Anzüglichkeiten, die mir klar machten, dass es beileibe nicht um ein Bier ging.

Runde 24 Stunden später war es dann noch ein wenig offensichtlicher, wenn auch in beängstigendem Maße hilfloser:

“Wenn ich jetzt keine Gebärmutter und keine Brüste hätte, was müsste ich sagen, damit du noch mit hochkommst zum feiern?”

Ich bin ziemlich überzeugt davon, dass der junge Kerl da einiges durcheinander gebracht hat, als er sich überlegt hat, wie er einen Hetero mit Argumenten zu sich nach Hause bringen könnte, da er – so ungenau ich ihn auch in Augenschein genommen habe – mit ziemlicher Sicherheit tatsächlich keine der oben genannten biologischen Merkmale aufwies.

Manchmal ist es schon hart, aber bei solchen Angeboten ist es ziemlich aussichtslos, meine Anwesenheit außerhalb des Autos zu bekommen.

Mein Chef hat zwar zu Beginn meines Arbeitsverhältnisses bereits gesagt, dass Taxifahren als Job den unglaublichen Vorteil bietet, Menschen kennenzulernen, und umgehend – während der Arbeit quasi – noch mit ihnen ausgehen, bzw. einkehren zu können… aber so lange die Angebote sich auf Drogen und Sex beschränken, hat man als vergebener und zumindest zeitweilig arbeitswilliger Fahrer nicht so sonderlich viel davon.

Außer was zu bloggen ;)

Author: Sash Categories: Absurdes, Taxi

Zieht sich…

19. Februar 2010

Ich kriege öfters Sätze wie den folgenden zu hören:

“Boah, und das hätten wir laufen müssen. Das zieht sich zu Fuß ganz schön…”

Ja, ich sage solche Sätze sogar selber. Aber dass sie auf einer Kurzstrecken-Tour vom Billard-House zum Watergate fallen – das hätte ich doch eher ins Reich der Legenden eingeordnet.

Author: Sash Categories: Absurdes, Taxi

Mundschlägerei

16. Februar 2010

Manchmal weiss man wirklich nicht, was man von Kunden zu halten hat, und ob man sich nicht doch permanent mit der Einschätzung vertut. Ich hatte eine kurze Tour nach Kreuzberg mit 2 betrunkenen Damen und einem nüchternen zugehörigen Herren, der irgendwo schwankte zwischen Amüsement und Genervtheit. Das kann binnen zwei Minuten schon auch dreimal umschlagen.

Als wir angekommen sind, haben sie bezahlt und das Aussteigen verzögerte sich insbesondere des Alkoholpegels der zweiten Dame etwas, aber es tauchte bereits ein neuer Kunde auf. Ob das Taxi frei wäre. Der neue Kunde ist auch schon vorne eingestiegen, während der Begleiter hinten noch an seiner Begleitung zerrte.

Der neue Kunde ließ eine etwas flapsige Bemerkung über den Alkoholpegel fallen und bemerkte süffisant, sie mögen doch jetzt besser heimgehen. Aua, das fand der werte Herr aber gar nicht lustig und mokierte sich erst darüber, dass er selbst gar nichts getrunken hätte und dann darüber, dass der andere gefälligst seine Freundin nicht anlabern sollte. Und ausserdem wäre das ja immer noch ihr Taxi…

Also ich kann es ja weder leiden, wenn in meinem Auto gestritten wird, noch wenn ich als Argument für irgendwas herhalten soll. Und wer hier wen wie dumm angegangen hat, hat mal definitiv nichts mit mir und meinem Auto zu tun.

Aber nach mehrmaligen scharfen Hinweisen und Aufforderungen, aufzuhören, war die Sache auch erledigt. Die ersten Fahrgäste waren draussen, der nächste war drin. Noch dazu keine Toten und keine Verletzten und glücklicherweise auch nicht viel Zeit verloren.

Mein Fahrgast wollte nun ein Stückchen weiter in Kreuzberg, eine bequeme 8€-Tour. Er hat sich ein bisschen geärgert über den Typen davor, räumte aber auch ein, dass er, wenn er “normal in Kopf” wäre, sicher nicht so scharf gekontert hätte, und er eben auch schon was getrunken hat. Alles noch vertretbar. Einen Kilometer vor dem Ziel meinte er plötzlich:

“Fahr mal bitte zurück!”

“Wie zurück?”

“Ja, letzte Kreuzung. Da war’n Bullen!”

“Äh, und?”

“Ja, ich hab da vorher Schlägerei gehabt und ich will nicht, dass die Leute da Scheiße erzählen!”

Interessant. Er bat mich zu warten und hat auch gleich einen Zehner angezahlt – der noch für rund 10 Minuten Wartezeit alles abgedeckt hätte. Allerdings kam er nach 2 Minuten wieder zurück und wir setzten die Fahrt problemlos bis zum Ende fort. Währenddessen erzählte er mir eine haarsträubende Geschichte von einem Typen, der ihn wegen Differenzen an einem Spielautomaten angegriffen hätte, woraufhin er einen Stuhl nach ihm geworfen hätte und geflüchtet wäre und jetzt nicht wollte, fälschlicherweise als Angreifer dazustehen.

“Hab’sch Mundschlägerei gehabt mit demm, aber weiss’sch wenn der kommt so mit Beck’s-Flasche wo isch kaputt isch gefährlicher wie Messer, weil Messer geht gerade in Körper rein…”

Ich weiss nicht so recht, was ich davon glauben soll, aber es war wenigstens mal was neues…

Author: Sash Categories: Absurdes, Taxi

Unterstützung

13. Februar 2010

Ich hatte eine wirklich nette Kundin im Taxi. Zu der Fahrt gekommen bin ich nur, weil ich ihr – im Gegensatz zum Kollegen vor mir – erlaubt habe, einen McDonalds-Hamburger zu essen. BigMäc, Döner, Gyros und so weiter hätte ich auch abgelehnt. Bei den kleinen Mac-Burgern mache ich nicht rum. Ich ermahne die Fahrgäste, dass kleckern teuer wird und sie das als Vertrauensbonus verstehen sollen – und mache ihnen klar, dass das Ablehnen des Kollegen durchaus verständlich war. Bisher bin ich auf dieser Schiene immer gut gefahren und das Einzige an “Mehraufwand” ist, dass ich kurz danach den Türgriff mit einem Taschentuch oder einer Küchenrolle abwische. Boah, tragisch!

Aber gut, ich verrenne mich schon wieder in Grundsatzdiskussionen ;)

Nein, ich hatte da also diese wahnsinnig nette Kundin – die mein Vertrauen auch nicht enttäuscht hat – mit der ich eine gemütliche 12€-Tour lang gelabert habe. Das ging ziemlich weit ins Persönliche, bis hin zu Übergewicht. Sie erklärte mir, dass ihr Freund etwa meine Maße hätte und das eigentlich voll cool sei und so weiter. Jedenfalls telefonierte sie im weiteren Verlauf der Fahrt noch mit ihm, und da kam es zu folgender Aussage:

“Rat mal, was ich gegessen hab? Hamburger und Pommes!!! Geil, oder? Und du hast nur Nudeln mit Broccoli!”

Zwei Minuten später klärte sich das Ganze dann auf:

“Wissen sie, der versucht gerade abzunehmen. Deswegen hat der gerade im Restaurant Nudeln ohne Sauce bestellt…”

Eine Minute später:

“Aber ich unterstütze ihn da voll…”

Author: Sash Categories: Absurdes, Taxi

Die Berliner Nacht und ihre Auswüchse

9. Februar 2010

Gleich vorneweg: Ich kenne die Auswirkungen von Alkohol. Aber was manche Menschen aus ihren Drogenerlebnissen machen… ich weiss auch nicht.

Es war am vergangenen Freitag. Ich hatte gerade mit Jo telefoniert um die Fahrt mit ihm fest auszumachen. Ich war guter Laune, aber auch etwas in Eile, da ich in einer halben Stunde nicht nur in Friedrichshain sein, sondern davor auch noch eine Kleinigkeit essen wollte.

Der Umsatz bis dato war unterste Grenze für einen Wochenendtag, und selbst Montags hätte ich gesagt, dass ruhig 20 € mehr in der Kasse sein könnten. Dennoch hatte ich die Fackel aus und bin zielstrebig gen Osten gegurkt. Gegenüber des Roten Rathauses hat mich etwas irritiert:

Da steht einer auf der Straße und winkt.

Naja, also er stand genau genommen auf dem Mittelstreifen zwischen den beiden ostwärts führenden Spuren und wackelte. Oder so. Optisch besonders schick und für mich als Hinweis ganz gut waren der leere Bierkasten in der linken und die unter permanenter Benutzung stehende Bierflasche in der rechten Hand. Da weiss man, mit was man es zu tun hat :)

Ich habe kurz abgewogen und beschlossen, dass ich es riskieren könne. Sollte die Tour nach Absurdistan führen, könnte ich immerhin ablehnen mit dem Hinweis, dass ich eigentlich außer Dienst bin. Aber im Grunde war mir klar, dass ich auch Jo mit einem Anruf um 10 Minuten hätte vertrösten können. Also habe ich den Blinker gesetzt…

Der Mann hat das offenbar auch umgehend zur Kenntnis genommen und ist an den rechten Fahrbahnrand ge… ach, sagen wir: -watschelt. Ich stoppte meinen Wagen vorsichtig neben ihm und lehnte mich herüber, um gegebenenfalls die Beifahrertüre zu öffnen. Und was sah ich?

Der Mann stand seelenruhig am Fahrbahnrand und starrte in die Ferne. Ironischerweise sah er genau wie jemand aus, der mit aller Energie die letzten lebenserhaltenden Funktionen dazu missbraucht, nach einem Taxi Ausschau zu halten. Dieser Zustand hielt sehr zu meinem Erstaunen etliche Sekunden an.

Danach bin ich einfach weitergefahren. Ich hatte so oder so etwas vor und vielleicht ist es ja auch ganz gut, jemanden zu ignorieren, der ein stoppendes Taxi nicht mehr wahrnimmt… wie druff muss man sein?

Author: Sash Categories: Absurdes, Taxi